ÖWF / Polares auf einen Blick

21.Jan 2015 | 20:20

Der österreichische Satellit PEGASUS

Pegasus-logo-transparent-webStudentinnen und Studenten erforschen die Thermosphäre

Im Jänner 2016 wird der österreichische CubeSat PEGASUS als Teil eines Netzwerks von Kleinsatelliten im Rahmen von Projekt QB50 starten. Gemeinsam werden sie über mehrere Monate hinweg die oberen Schichten der Erdatmosphäre erkunden. Zusätzlich zu den koordinierten Aufgaben im „Schwarm“ bringt PEGASUS auch noch eigene Experimente mit in den Erdorbit.

Entwicklung, Konstruktion und Bau erfolgen unter maßgeblicher Beteiligung von Studierenden ausschließlich in Österreich. Bei der Pressekonferenz am 21. Jänner präsentierte die Fachhochschule Wiener Neustadt gemeinsam mit dem Space Team der TU Wien, dem Institut für Astrophysik der Universität Wien und dem Österreichischen Weltraum Forum das Projekt PEGASUS.

Studentinnen und Studenten bauen den österreichischen Kleinsatelliten

„PEGASUS ist Teil des internationalen Projektes QB50. Wenn er im Jänner 2016 gemeinsam mit 49 weiteren Kleinsatelliten startet, hat der 10x10x20cm große CubeSat eine zweijährige Entwicklungs- und Bauphase hinter sich. Das kommende Jahr wird geprägt sein von der Herstellung und den Qualitätstests der einzelnen Satellitenkomponenten. Danach ist PEGASUS bereit für die Startzulassung“,

fasst Dr. Carsten Scharlemann den Zeitplan zusammen. Dr. Scharlemann leitet den Masterstudiengang Aerospace Engineering der Fachhochschule Wiener Neustadt und ist Projektleiter von PEGASUS.

„Kernstück des Projektes QB50, zu dem auch unser Satellit gehört, ist die Beteiligung von Studierenden. Sie erhalten die seltene Gelegenheit, schon während ihrer Ausbildung an einem echten Raumfahrt-Projekt vom Anfang bis zum Ende mitzuarbeiten“,

betont Univ.Prof.Dr. Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik der Universität Wien.
Auch DI Dominik Kohl, Präsident des TU Space Teams, zeigt sich von der Arbeit am Kleinsatelliten begeistert:

„Das TU Space Team besteht zum Großteil aus Studierenden. Bei PEGASUS sind wir und die Studenten der anderen Partnerorganisationen an allen entscheidenden Phasen des Projektes maßgeblich beteiligt. Wir lernen praxisbezogen und stellen gleichzeitig unsere bisher erworbene Expertise unter Beweis.“

Die Erforschung der Thermosphäre

PEGASUS wird im Netzwerk der insgesamt 50 CubeSats die Thermosphäre in ca. 200 – 380 km Höhe erforschen. Derzeit ist nur sehr wenig über diesen wichtigen Teil der Erdatmosphäre bekannt, der uns vor energiereicher, also gesundheitsschädlicher Strahlung schützt.

„Es wurden noch nicht viele Forschungsmissionen in dieser Höhe geflogen. Die Reibung der Thermosphäre bringt jeden Satelliten nach wenigen Monaten zum Absturz. Setzt man also einen großen und daher teuren Satelliten ein, hat man eine kurze, aber kostspielige Mission“,

erläutert Michael Taraba vom ÖWF. Zusätzlich zur Redundanz bietet der Einsatz eines Netzwerkes von Kleinsatelliten gegenüber Einzelmissionen den Vorteil, dass man auf gleichzeitige Messdaten von vielen Messpunkten zurückgreifen kann. Das erhöht die wissenschaftliche Aussagekraft der Daten und hilft dabei, etwaige Messfehler auszusortieren. Im speziellen atmosphärische Modelle, etwa für die Wettervorhersage, und damit tausende NutzerInnen werden von diesen Messdaten profitieren.

Vier österreichische Partner konzipieren, bauen und testen PEGASUS

Unter der Leitung der Fachhochschule Wiener Neustadt arbeiten Studentinnen und Studenten sowie Experten des TU Space Teams, des Instituts für Astrophysik und des Österreichischen Weltraum Forums an dem österreichischen CubeSat PEGASUS. Die Fachhochschule Wiener Neustadt integriert den von der Universität Oslo konzipierten Sensor zur Erforschung der Thermosphäre, entwickelt die Struktur des Kleinsatelliten, das Antriebssystem und das Lageregelungssystem. Das Lageregelungssystem ist eine Kombination von Antrieb und eigeninduzierten Magnetfeldern.

„Durch diese Magnetfelder interagiert PEGASUS mit dem Magnetfeld der Erde und richtet sich aus. Die erforderlichen Geräte wurden stark verkleinert, damit sie in den CubeSat passen. Dieser Antrieb ist zugleich also ein Technologieexperiment, denn das wurde noch nie gemacht“,

betont Dr. Scharlemann.
Das TU-Wien Space Team konzipiert und baut die Power Supply Unit, das Energiemanagementsystem des Satelliten und implementiert den Bordcomputer.

„Für mich sind das Herz und Hirn von PEGASUS“,

erklärt Dominik Kohl,

„Die Power Supply Unit verteilt die Energie aus den Solarzellen optimal auf die Geräte an Bord oder speichert sie in der Batterie. Bei einem Kurzschluss schaltet das Energiemanagementsystem fehlerhafte Systeme selbständig aus, um die Funktionsfähigkeit des Satelliten zu erhalten. Am Bordcomputer laufen die Daten aus den Funkmodulen und den Sensoren zusammen. Außerdem wird hier die Software ausgeführt, die Lageregelung und den Antrieb des Satelliten bedient.“

Das TU Space Team liefert auch die Hardware der Bodenplatte mit dem Serviceinterface. Ist PEGASUS schon für den Start „verpackt“, können über den Servicestecker etwa noch die Batterien geladen und Software eingespielt werden.
Für die Koordination der einzelnen Systeme und der zahlreichen Arbeitsabläufe an Bord des CubeSat sorgt die Software des Institutes für Astrophysik der Universität Wien.

„Man könnte die Software als die ‚Intelligenz‘ des Satelliten betrachten“,

beschreibt Franz Kerschbaum den Beitrag des Instituts für Astrophysik. Wie bei großen Satelliten ist die Software so angelegt, dass sie auch auf unvorhergesehene Situationen autonom reagieren kann. Sie steuert vollautomatisch die Navigation und Kommunikation des Kleinsatelliten, überwacht seine Funktionsfähigkeit, paketiert und übermittelt die Forschungsdaten an das Bodenstationsnetzwerk.

„Für Pegasus haben wir die Kommunikationseinheit völlig neuartig konzipiert und ein redundantes System geschaffen, einzigartig für diese Satellitengröße. Hier kommt uns die Expertise zugute, die wir in den letzten Jahren mit den Flügen unserer Stratosphärenballons gesammelt haben“,

so Michael Taraba vom ÖWF. Gemeinsam mit dem Space Data Center, welches die Weiterverarbeitung und Interpretation der gewonnenen Daten erlaubt, und dem MIssions-Kontroll-Zentrum wird ein Bodenstationsnetzwerk vom Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF) bereitgestellt.

Start erfolgt Mitte Jänner 2016 in Brasilien
Das Trägersystem für QB50 wird eine Rakete vom Typ Cyclone-4 des ukrainisch-brasilianischen Unternehmens „Alcantara Cyclone Space“. Die Rakete transportiert einen CubeSat-Dispenser (Auswurfvorrichtung) in eine niedrige Erdumlaufbahn, wo die 50 Satelliten dann nacheinander “wie eine Perlenkette“ in einer Höhe von 380km ausgesetzt werden. In den darauffolgenden Monaten erhoffen sich die Wissenschaftler neue Einsichten über die Thermosphäre der Erde.

Über QB50
Das europäische Projekt QB50 wird von dem belgischen Von Karman Institut geleitet und soll Ausbildungsorganisationen den Zugang zum Weltraum erleichtern sowie Menschen bereits im Rahmen ihres Studiums einen praktischen Zugang zur Raumfahrt ermöglichen. Wissenschaftliches Ziel ist die Erforschung der Thermosphäre der Erde. QB50 soll außerdem zeigen, dass es möglich ist, ein Netzwerk von 50 Kleinsatelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen, an deren Bau weltweit rund 55 universitäre Organisationen beteiligt sind.
Die Finanzierung erfolgt im Rahmen von FP7, dem Förderungsprogramm der Europäischen Union. FP7 unterstützte Forschungs- und Innovationsprojekte im Zeitraum 2007 bis 2013. Einige dieser Projekte – wie auch QB50 – befinden sich noch in der Umsetzungsphase.
Für QB50 werden CubeSats als Doppeleinheiten (2U, also 20 cm × 10 cm × 10 cm, 2 kg) ausgeführt, um mehr Raum für Navigations- und Wissenschaftsinstrumente zu schaffen. Doch auch ein solcher Kleinsatellit wäre alleine nicht in der Lage, eine signifikante Menge nützlicher wissenschaftlicher Daten zu sammeln. Daher soll ein Schwarm von 50 CubeSats mit entsprechender Redundanz und ebenso vielen Messpunkten die Thermosphäre untersuchen.
www.qb50.eu

Über die Fachhochschule Wiener Neustadt (1. FH Österreichs)
Die FH Wiener Neustadt bildet hochqualifizierte AbsolventInnen in 31 Studiengängen an den Fakultäten Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Sicherheit und Sport aus. Deren 4 Standorte Wiener Neustadt, Wieselburg, Tulln und das Rudolfinerhaus Wien (Kooperationspartner) bieten erstklassige Strukturen und Rahmenbedingungen für Exzellenz in Lehre und Forschung. Moderne Labore, Funktions- und Seminarräume für Technik, den gesundheitswissenschaftlichen Bereich und für die Sozialwissenschaft stellen sicher, dass die derzeit rund 3.340 Studierenden mit modernstem Equipment unterrichtet werden. Neben einer breiten Fächerung der Ausbildung stehen in der FH Wiener Neustadt Zukunftsorientierung, Internationalität und Praxisbezug im Mittelpunkt.
www.fhwn.ac.at

Medienkontakt:
Dr. Carsten Scharlemann
Head of Aerospace Engineering Department
Fachhochschule Wiener Neustadt
Wirtschaft . Technik . Gesundheit . Sicherheit . Sport
Tel.: +43 2622 89084 235
*protected email*
www.fhwn.ac.at/aero

Über das TU Space Team
Das TU Wien Space Team ist ein Verein von derzeit 55 StudentInnen aus unterschiedlichen Studienrichtungen. Gemeinsam entwickeln sie neben ihrem Studium experimentelle Flugobjekte, starten damit an internationalen Wettbewerben und haben die Gelegenheit ihre Arbeiten auf Kongressen, Veranstaltungen und im Fernsehen zu präsentieren. Seit den Anfängen vor fünf Jahren, verzeichnet das Team kontinuierlich Zuwachs und es konnten mehrere Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen werden. Derzeit werden neben PEGASUS zwei Experimentalraketen gebaut, mit dem Ziel den europäischen Höhenrekord zu überbieten. Weiters entwickelt das Team ein Triebwerk, eine Startrampe und ein 1:1 Modell einer Mondlandefähre für den Google Lunar XPRIZE.

Etwa 60% der Hardware von PEGASUS werden vom TU Space Team entwickelt, gefertigt und getestet:

  • das Energiemanagementsystem, die Power Supply Unit (PSU)
  • der OnBoard Computer (OBC)
  • die Batteriehalterung inkl. Temperaturregelung
  • das Kamerasystem und Service-Interface von PEGASUS
  • die Adaptermodule zu GPS und Wissenschaftsmodul

Gemeinsam mit Kooperationspartnern aus der österreichischen Wirtschaft werden an den gefertigten Komponenten Vakuum- und Vibrationstests durchgeführt, um die Funktionsfähigkeit von PEGASUS im Weltraum zu gewährleisten.

Medienkontakt
Nadine Freistetter
Public Relations
TU Wien Space Team
Tel: +43 676 553 98 64
*protected email*
www.spaceteam.at

Über das Institut für Astrophysik der Universität Wien (IfA)
1883 von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet, ist die Universitätssternwarte die größte astronomische Forschungs- und Ausbildungsinstitution Österreichs und “Heimatbasis” für eine Vielzahl von internationalen Projekten der erd- und weltraumgestützten Astronomie. Die Schwerpunkte der heutigen Forschung reichen von Galaxien im frühen Universum über Sternentstehung und Endstadien der Sternentwicklung bis zu potentiell bewohnbaren Welten. Im Sektor Instrumentation sind zurzeit Beteiligungen am Extremely Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO und an Weltraumteleskopen wie Herschel, CoRoT, Brite, Cheops und Athena der European Space Agency ESA hervorzuheben.
Für Pegasus stellt das Institut seine umfassende Erfahrung in der Entwicklung von ESA-Flugsoftware zu Verfügung.

Medienkontakt:
Ao.Univ.Prof.Dr. Franz Kerschbaum
Leiter der Space Instrumentation Gruppe
am Institut für Astrophysik, Universität Wien
Tel.: +43 1 4277-51856
*protected email*
astro.univie.ac.at

Über das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF)
Das ÖWF ist ein österreichisches Netzwerk für RaumfahrtspezialistInnen und Weltrauminteressierte in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, Industrie und Politik. Das ÖWF forscht im Bereich Weltraumaktivitäten, entwickelt einen von weltweit fünf experimentellen Marsanzügen und führt professionelle Simulationen bemannter Marsforschung durch.
Für Pegasus entwickelt und implementiert das ÖWF die Kommunikationseinheit des Satelliten, das Missions-Kontroll-Zentrum und das Bodenstationsnetzwerk. Der selbst entwickelte Space Data Server erlaubt nicht nur die Speicherung der gewonnenen Daten sondern auch deren Weiterverarbeitung und Interpretation.

Medienkontakt:
Mag. Monika Fischer
Pressesprecherin
ÖWF Wien
Tel. +43  699 1213 4610
*protected email*
www.oewf.org

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18.Jan 2015 | 17:19

Analog-Astronauten B-Selektion: 30 Frauen und Männer im ÖWF Härte-Test

Bei unserer letzten Pressekonferenz Anfang Oktober 2014 gaben wir bekannt, dass wir neue Analog-Astronauten für unsere zukünftige Mars Analog Mission suchten. Die Bewerbungsfrist endete am 28. November 2014. Nun hieß es für das Selektionsteam, aus den knapp 100 Bewerbungen die geeigneten 30 Kandidatinnen und Kandidaten für die zweite Runde – die so genannte „B-Selektion“ – zu finden.
Kurz vor Weihnachten erhielten diese 30 ausgewählten Personen dann die E-Mail mit der Einladung für die „B-Selektion“ am 10. – 11. Jänner 2015.

Am Samstag, 10. Jänner 2015, 09:00 Uhr vormittags, fanden sich nun die 30 Analog-Astronauten Anwärter aus ganz Europa in Innsbruck ein. Nicht nur die ÖWF Mannschaft war neugierig auf die zukünftigen Kolleginnen & Kollegen, sondern auch die Neuankömmlinge waren gespannt darauf, was Sie erwarten würde. Nach einem kurzen Briefing und einem Gruppenfoto starteten wir in den ersten Tag. Die Kandidatinnen und Kandidaten erhielten einen persönlichen Zeitplan und mussten sich zu bestimmten Uhrzeiten bei der jeweiligen Test-Station einfinden. Auch Wartezeiten von mehreren Stunden waren dabei keine Seltenheit.

Good morning Earth. Our analog astronaut candidates arrived in #ibktwit & are ready for their tests #simulateMars pic.twitter.com/uwGbILvKWr
— Austr. Space Forum (@oewf) January 10, 2015

Für das ÖWF Team dagegen waren die nächsten zwei Tage in einem strikten 30 Minute Raster verplant. In insgesamt sechs Test-Stationen wurden die Kandidaten vermessen, medizinisch und psychologisch untersucht, ihr Lebensstil (z.B. Sportaktivitäten, Ernährung) überprüft, ihre Geschicklichkeit mittels Rover-Parcours erhoben und von einem Komitee bestehend aus Flugdirektor, Analog-Astronaut, Projektleiter und Psychologin interviewt.

„In den zwei Tagen haben wir sehr viele geeignete und sympathische Menschen kennengelernt. Es wird schwierig werden, nur 15 davon für die nächste Runde auszuwählen“,

resümiert Flugdirektor Christoph Ragonig.

„Wir sind hoch zufrieden mit der Auswahl der Kandidaten, die wir für die B-Selektion eingeladen haben. Einige haben unsere Erwartungen sogar übertroffen“,

ergänzt ÖWF Obmann Gernot Grömer.

In den nächsten Tagen werden diejenigen 15 glücklichen Analog-Astronauten-Kandidatinnen und Kandidaten informiert, die wir zur nächsten Runde, die „C-Selektion“, Mitte Jänner in Innsbruck, einladen.

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31.Dec 2014 | 14:54

Die besten Bilder des Jahres 2014

Traditionell am letzten Tag des Jahres blickt das Österreichische Weltraum Forum zurück: 2014 war ein erfolgreiches Jahr! Dazu zählen Schulaktivitäten in ganz Österreich, Forschungs- und Entwicklungstätigkeit rund um den Raumanzugsimulator Aouda und nun auch die Beteiligung bei einem Satellitenprojekt. Ein Highlight war die Vorstellung des TiuTerra Kristalls in Kooperation mit Swarovski und der World Space Week 2013 und die Übergabe der ersten Kristalle. Diese folgenden Bilder zeigen das ÖWF-Jahr 2014 in einem bunten Querschnitt.

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ÖWF Delegation besucht das Institut für Raumfahrtsysteme der Universität (IRS) Stuttgart. ÖWF Analogastronauten im Sojuz-Mock-up: Christoph Gautsch (Mitte) kurz vor dem Andocken der Raumkapsel an die ISS, assistiert von Ulrich Luger (links) und Daniel Schildhammer (rechts).

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Workshop am Europäischen Astronauten Zentrum (EAC). Während der Präsentation des Aouda.X Raumanzugssimulators für das Londoner Kings College konnte Analog-Astronaut Ulrich Luger im Raumanzugsimulator die Schalter im ISS-Mock-Up auf Bedienbarkeit testen.
Foto: ÖWF (Clemens Kleinlercher)

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Yuris Night 2014: Erstmalig wurde der TiuTerra Kristall präsentiert und gleichzeitig der Polarsternpreis an zwei Preisträger verliehen. Von links: ÖWF Obmann Gernot Grömer, die beiden Polarsternpreisträger Werner Weiss und Otto Koudelka, Swarovski-Vertreter Christian Nagele, Astronaut Franz Viehböck.
Foto: ÖWF (Kerstin Zimmermann)

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Dr. Rudolf Albrecht, ÖWF Senior Advisor ist Teil der österreichischen UN Delegation und nimmt regelmäßig an den Konferenzen des Committee for the Peaceful Uses of Outer Space (COPUOS) teil.

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Übergabe des TiuTerra Kristalls an die UNOOSA (United Nations Office for Outer Space Affairs). Eine ÖWF & SGAC Delegation übergab einen TiuTerra Kristall an UNOOSA Leitern Simonetta Di Pippo. Der Kristall wird dauerhaft in der UN-Weltraumausstellung ausgestellt.

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Übergabe der Flugkristalle: Am Europäischen Astronautenzentrum (EAC) überreichte das ÖWF drei kleiner TiuTerra Kristall an ESA Astronauten Samantha Cristoforetti. Derzeit befinden sich die Kristalle auf der Internationalen Raumstation und sind somit das erste Stück ÖWF Hardware im Weltraum!
Foto: Swarovski

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Hall ins All – Raumfahrt in der mittelalterlichen Stadt Hall in Tirol. Einen Nachmittag lang konnten Kinder und Eltern Wasserraketen-Basteln, den Mars Rover Dignity steuern oder in Astronauten-Raumanzüge schlüpfen. Solche Aktionen führten wir heuer unzählige Male durch und konnten mehrere hundert Kinder für Weltraum begeistern.

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Weltraumtag der besonderen Art: Waisenkinder und kranke Kinder aus der Ukraine konnten ihren Alltag für einen Tag vergessen und einen unbeschwerten Nachmittag mit Wasserraketen und Kinder-Raumanzüge verbringen.
Foto: ÖWF (Stefan Hauth)

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Scouting-Selfie: Für die AMADEE-15 Mission war das ÖWF in den Tiroler Bergen unterwegs. Schlussendlich fiel die Wahl auf das Kaunertal, das mit seinem Eis- & Blockgletscher ähnliche Bedingungen wie am Mars bietet.

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Wie jedes Jahr findet im Herbst der ÖWF Zieleworkshop statt. Neben vielen Diskussion und Workshops kommt aber die Geselligkeit nicht zu kurz.

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Erstmals beteiligt sich da ÖWF an einem Flugprojekt. Das ÖWF Ballon Team unter der Leitung von Michael Taraba ist federführend beim Bau & Test der Kommunikationshardware involviert. Details werden bei einer Pressekonferenz am 21. Jänner 2015 bekannt gegeben.

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Ausschreibung für Analog-Astronauten: Wir suchen für die AMADEE-15 Mission eine neue Gruppe von Analog-Astronauten. Die ersten 30 Kandidatinnen und Kandidaten wurden bereits informiert und werden im Jänner mittels eines intensiven Selektionsprozesses auf 6 Kandidatinnen und Kandidaten reduziert.
Foto: ÖWF (Vanessa Weingartner)

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28.Dec 2014 | 14:49

Im Interview: Direktor Dr. Nobert Winding vom Haus der Natur – Museum für Natur und Technik, Salzburg

Unser Universum steckt voller Geheimnisse und rätselhafter Phänomene: Schwarze Löcher, Urknall, Supernovae … – die Faszination an der Ergründung des Weltalls begleitet uns Menschen seit jeher. Die neue Weltraumausstellung im Haus der Natur in Salzburg entführt zu einer Reise durch Raum und Zeit. Mit viel Interaktion erkundet man die Planeten unseres Sonnensystems, beobachtet Sterne bei ihrem Werden und Vergehen und ergründet die kosmischen Einflüsse, die unsere Erde lenken. Von Sputnik 1 und Mondlandung bis hin zur Marsmission erlebt man die Sternstunden der Raumfahrt.

ÖWF: Herr Dr. Winding, was erwartet die Besucher in Ihrer neuen Ausstellung “Unser Universum – Planeten, Sterne, Galaxien”?

Die Besucher/innen erwartet in der neuen Ausstellung eine faszinierende Reise zu den Wundern des Universums. Die Ausstellung schlägt einen Bogen von den Anfängen der Astronomie bis zu den Sternstunden der Raumfahrt und erzählt von der Entstehung unseres Universums und der Erde. Mit eigens angefertigten Filmen, Animationen und interaktiven Stationen werden die Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln begreifbar gemacht. Neue Dioramen und Modelle geben der Schau räumliche Tiefe und ermöglichen spannende Blicke auf fremde Welten – oder auch in unsere Vergangenheit.

ÖWF: Was ist neu im Vergleich zur vorherigen Weltraumausstellung?

Die Weltraumhalle wurde gänzlich neu konzipiert und aufgesetzt, lediglich das großartige Diorama der Mondlandung von Wolfgang Grassberger sowie die Raketenmodelle und ein Teil der Planetenwagen wurden wiederverwendet bzw. in neuer Präsentation wieder eingesetzt.

ÖWF: Wie lange dauerten die Umbauarbeiten bzw. wie lange haben Sie an der Vorbereitung der neuen Ausstellung gearbeitet?

Gemeinsam mit dem Ausstellungsgestalter Andreas Zangl habe ich vor gut 2 Jahren begonnen, das Konzept für die neue Ausstellung zu erstellen. Zusammen mit den Kuratorinnen Dr. Anke Oertel und Dipl.-Biol. Dorothee Hoffmann wurde in den letzten rund 1,5 Jahren intensiver geplant und schließlich seit dem vergangenen Juni mit den konkreten finalen Um- und Aufbauarbeiten begonnen.

ÖWF: Was ist Ihr persönliches Highlight der Ausstellung, Herr Dr. Winding?

Es ist schwer für mich, ein persönliches Highlight in der Ausstellung festzumachen. Gestalterische Highlights sind sicherlich der mit einer Mondkraterlandschaft bedruckte Boden und die beleuchtete Sonnen-Planeten-Installation im Zentrum des Raumes, die einen gleich beim Betreten der Ausstellung gefangen nimmt. Einen – vielleicht sogar etwas verstörenden – Kontrapunkt dazu bildet „der Grieche“ (eine sitzende griechische Statue), der in Gedanken versunken nach oben zu den Raketen und Satelliten schaut. Er markiert den Ausstellungsbereich über die Weltbilder der Menschheit von den frühen prähistorischen Vorstellungen bis herauf zu unserem heutigen kosmologischen bzw. astrophysikalischen Weltbild.

ÖWF: Für welches Alter ist die Ausstellung geeignet?

Die Ausstellung ist für alle Altersgruppen von 4 bis 90+ Jahren geeignet.

ÖWF: Wann kann die Ausstellung besucht werden?

Die Ausstellung „Unser Universum – Planeten, Sterne, Galaxien“ kann täglich von 9 bis 17 Uhr besucht werden (am 25.12. ist das Museum geschlossen).

Das Interview führte Marlen Raab, ÖWF Redaktion.

„Unser Universum: Planeten, Sterne, Galaxien“
Seit 14. November 2014
Haus der Natur – Museum für Natur und Technik
Museumsplatz 5
5020 Salzburg
www.hausdernatur.at

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20.Nov 2014 | 07:00

ÖWF sucht Frauen und Männer als Analog-AstronautInnen

20. November 2014.

Anmeldefrist endet am 28. November 2014

Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) vergrößert sein Analog-AstronautInnen-Korps um sechs Personen. Bis 28. November können sich Frauen und Männer bewerben, die über gute Englischkenntnisse verfügen und sich für Technik und wissenschaftliche Arbeit interessieren. Nach dem Auswahlverfahren und einem fünfmonatigen Basistraining werden zwei der sechs neuen Analog-AstronautInnen an der Mars-Missions-Simulation AMADEE-15 teilnehmen, die bereits 2015 vom ÖWF durchgeführt wird.

Dabei kommt den Analog-AstronautInnen die zentrale Aufgabe zu, den 45 kg schweren Raumanzug-Simulator „Aouda“ zu tragen und darin unterschiedlichste Aufgaben auf dem Kaunertaler Gletscher auszuführen. BewerberInnen sollten daher neben einer guten körperlichen und geistigen Fitness auch Stressresistenz und Belastbarkeit mitbringen. „Wir möchten auch alle interessierten Frauen nochmals

herzlich einladen, sich zu bewerben. Bisher war das Analog-Astronauten-Team rein männlich, ein gemischtes Team wäre eine Bereicherung für unsere Arbeit“, betont Olivia Haider, Finanzvorstand des ÖWF.

Die zweiwöchige Simulation AMADEE-15 findet unter Beteiligung internationaler Forschungsorganisationen statt und ist bereits der elfte Probelauf des ÖWF für eine künftige bemannte Mars-Mission. Damit möchte das Österreichische Weltraum Forum Arbeitsabläufe und Verfahren testen, die auch auf dem Roten Planeten zum Einsatz kommen werden. Die Analog-AstronautInnen werden bei ihren mehrstündigen Einsätzen im Feld von einer Technik-Crew unterstützt und haben gleichzeitig über Funk Kontakt zur Missions-Kontrolle, dem Mission Control Center (MSC), in Innsbruck. Dort werden über Telemetrie ihre medizinischen Daten und die Funktionstüchtigkeit des Raumanzug Simulators überwacht. Gleichzeitig erhalten die Analog-AstronautInnen auch ihre Arbeitsanweisungen für die durchzuführenden Experimente aus dem MSC, das mit 20 Minuten Verzögerung funkt, um die Kommunikation zwischen Erde und Mars nachzustellen.

Auf all diese Anforderungen werden die neuen Analog-AstronautInnen durch ein fünfmonatiges Basistraining am Raumanzug-Simulator „Aouda“ vorbereitet, um grundlegende Fähigkeiten und Kenntnisse für die Durchführung unterschiedlichster Experimente zu erwerben. Zu der umfangreichen Ausbildung gehören auch Kurse in Geologie und Biologie sowie Medientrainings. Jene Analog-AstronautInnen, die an AMADEE-15 teilnehmen, erhalten zusätzlich eine missions-spezifische Schulung.

Nähere Informationen zur Ausschreibung der Analog-AstronautInnen, ihrem Training und ihren künftigen Aufgaben sowie zur Bewerbung sind unter www.oewf.org zu finden.

Rückfragehinweis:
Mag. Monika Fischer
Tel. +43 699 1213 4610
*protected email*

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ESA Nachrichten

ESA Human Spaceflight

22.05.15:
13.05.15:
03.Feb 2014 | 12:56

Robotic Exploration:ExoMars orbiter core module completed

The ExoMars Trace Gas Orbiter module consisting of the spacecraft structure, thermal control and propulsion systems was handed over by OHB System to Thales Alenia Space France at a ceremony held in Bremen, Germany, today.
08.Nov 2013 | 11:30

Robotic Exploration:ExoMars lander module named Schiaparelli

The entry, descent and landing demonstrator module that will fly on the 2016 ExoMars mission has been named 'Schiaparelli' in honour of the Italian astronomer Giovanni Schiaparelli, who famously mapped the Red Planet's surface features in the 19th century.
29.May 2015 | 16:00

Week In Images


Our week through the lens:
25-29 May 2015
28.May 2015 | 15:25

Best of Blue Dot


The 32 best images taken by ESA astronaut Alexander Gerst from the International Space Station as voted by his Facebook followers
28.May 2015 | 15:00

Threading the Milky Way


These three new images of huge filamentary structures of gas and dust from ESA’s Herschel space observatory reveal how matter is distributed across our Galaxy, the Milky Way.

28.May 2015 | 10:48

Space Station remodelling


The International Space Station’s Permanent Multipurpose Module was detached and moved by the main robotic arm to another place on the orbiting laboratory yesterday.

28.May 2015 | 00:02

Ariane 5’s second launch of 2015


An Ariane 5 lifted off last night from Europe’s Spaceport in Kourou, French Guiana and delivered two telecom satellites into their planned orbits.

The launch of flight VA223 occurred on 27 May at 21:16 GMT (23:16 CEST, 18:16 local time).

28.May 2015 | 15:25

Best of Blue Dot


The 32 best images taken by ESA astronaut Alexander Gerst from the International Space Station as voted by his Facebook followers
28.May 2015 | 10:48

Space Station remodelling


The International Space Station’s Permanent Multipurpose Module was detached and moved by the main robotic arm to another place on the orbiting laboratory yesterday.

26.May 2015 | 17:00

Schools at Mars


Human spaceflight and operations image of the week: The first images acquired by Mars Express based on imaging proposals from schools in 12 countries
22.May 2015 | 13:17

100 days to Andreas Mogensen’s mission


The 100-day countdown begins today for ESA astronaut Andreas Mogensen’s visit to the International Space Station. Following launch on 1 September, he will test new technologies and deliver a fresh spacecraft for the long-stay crew already aboard the orbital complex.

13.May 2015 | 12:25

Space fever


It started with a simple question that ended with a surprising answer and new technology that is being used in cutting-edge heart surgery and could save millions of euros in hospital bills.

ESA Top Multimedia

Comet on 20 May 2015 – NavCam

13.May 2015 | 12:25

Saint George Basin, Australia

13.May 2015 | 12:25

Herschel’s view of G47

13.May 2015 | 12:25

Moving Leonardo

13.May 2015 | 12:25

Cabling for BepiColombo testing

13.May 2015 | 12:25

Ariane 5 flight VA223 liftoff replay

13.May 2015 | 12:25

Weltraum Nachrichten von Online Zeitungen

18.May 2015 | 17:56

Unfallserie: Russische Raumfahrt-Chefs sollen persönlich für Pannen haften

Die russische Raumfahrt steckt in der Krise, nun droht die Regierung mit Strafen: Ministerpräsident Medwedew will, dass die Verantwortlichen für die Folgen der Pannen zahlen - aus eigener Tasche.
18.May 2015 | 17:55

30-Meter-Brocken: "Rosetta" entdeckt Wackelstein auf Komet Tschuri

Er scheint lose auf der Kometen-Oberfläche zu liegen und sieht aus, als würde er gleich umkippen: Forscher wollen auf Tschuri einen sogenannten Wackelstein entdeckt haben. Ähnliche Formationen gibt es auch auf der Erde.
18.May 2015 | 10:14

Zweiter Versuch: ISS 2800 Meter angehoben

Die Position der ISS ist korrigiert: Mit einem "Progress M"-Frachter haben Spezialisten die Raumstation 2,8 Kilometer angehoben. Zuvor war das Manöver gescheitert - mit Folgen für die Besatzung an Bord.
16.May 2015 | 09:56

Raumfahrt: Russische Trägerrakete soll in Sibirien abgestürzt sein

Sie sollte einen mexikanischen Satelliten ins All bringen, stürzte aber kurz nach dem Start ab: Laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Interfax ist eine Proton-M-Trägerrakete im Süden Sibiriens niedergegangen.
13.May 2015 | 00:24

Absturz von "Progress M-27M": Raumfahrer müssen länger auf ISS bleiben

Der Absturz des russischen Raumfrachters "Progress M-27M" hat Folgen für die ISS-Besatzung. Drei Crewmitglieder müssen einen Monat länger an Bord bleiben, die nächste Mission ins All kann erst später starten.
29.May 2015 | 11:48

Mission "Rosetta" - Kometenbildung durch einen "Fahrradunfall"

67P/Tschurjumow-Gerassimenko entstand durch eine Kollision – aber in einer Zeit, als Kollisionen noch wenig spektakulär waren
27.May 2015 | 18:28

Krater Siloe Patera - Womöglich besaß auch der Mars Supervulkane

Aufnahme der ESA-Sonde "Mars Express" zeigt geologische Strukturen, die auf eine enorme vulkanische Eruption schließen lassen
27.May 2015 | 14:31

Europa Clipper - Mission zur Suche nach außerirdischen Wasserbewohnern in Planung

Kamerasystem für NASA-Sonde wird an der Johns Hopkins University gebaut - Start in den frühen 2020er Jahren
27.May 2015 | 11:59

Weltraumwetter - Grazer Forscher berechnen Kursänderungen von Sonnenstürmen

Nicht immer bleiben Sonnenstürme auf ihrem ursprünglichen Weg - die Ursache der Ablenkung liegt in der Sonne selbst
24.May 2015 | 21:16

Weltraumtechnologie - Nachricht an alle in der Umgebung: Mittagessen ist aus

Die European Satellite Navigation Competition sucht Ideen zur Kommerzialisierung von Weltraumtechnologien
29.May 2015 | 15:07

Astronomie: Existiert im Inneren dieses Planeten ein Ozean?

Die Nasa-Raumsonde "Dawn" nähert sich dem Zwergplaneten Ceres weiter an: Die Bilder, die dabei entstehen, werden detailreicher. Doch seine Geheimnisse hat der Himmelskörper bisher nicht preisgegeben.
28.May 2015 | 17:14

Raumfahrt: Wer haftet künftig für Schrott und Müll im All?

Wer muss künftig den Weltraumschrott beseitigen, der eine Gefahr für die Raumfahrt ist? Und wem gehören der Mond und seine Rohstoffe? Wir brauchen Regeln, auch im All. Experten suchen nach Lösungen.
23.May 2015 | 10:57

Astronomie: Hellste Galaxie strahlt wie 300 Billionen Sonnen

Von der Erde aus gesehen schimmert sie nur schwach. Von Nahem betrachtet aber wäre die Galaxie gleißend hell. Vermutete Ursache: ein Strudel aus heißem Gas in der Mitte des Sternenhaufens.
19.May 2015 | 11:37

Kometen-Mission: Kolossaler Wackelstein auf "Tschuri" entdeckt

Forscher staunen über außergewöhnliche geologische Formationen auf dem Kometen "Tschuri": Die Sonde "Rosetta" hat dort einen riesigen Wackelstein entdeckt – ein Schubser und der Brocken würde kippen.
18.May 2015 | 07:50

"Progress": Russisches Raumschiff bringt "ISS" in neue Umlaufbahn

Nachdem der erste Versuch scheiterte, konnte die russische Raumfahrtbehörde die "ISS" nun mithilfe des Progress-Weltraumfrachters in eine neue Umlaufbahn bringen. Die Korrektur war wichtig.

Weltraum Blogs

03.Sep 2012 | 16:49

ScienceBlogs.de bekommt eine neue Software und macht Pause

Es ist endlich soweit. ScienceBlogs.de wird auf eine neue Software (WordPress) umgestellt. Dann sollten die ganzen Macken und technische Probleme die sich im Laufe der Zeit angehäuft haben, endlich verschwinden. Die Umstellung erfolgt heute Nacht, um Mitternacht geht es los. ScienceBlogs wird dann eine ganze Weile nicht erreichbar sein. Im Laufe des Dienstag Nachmittag müsste dann alles wieder funktionieren. Hoffen zumindest alle... Vielleicht funktioniert auch nichts mehr und es dauert länger, bis alles wieder normal läuft. Wir werden sehen. Ich hab noch keine Ahnung, wie das neue ScienceBlogs aussehen wird. Ich wäre schon zufrieden damit, wenn alle meine Artikel und alle Kommentare dazu den Umzug heil überstehen... Also drückt die Daumen!


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03.Sep 2012 | 12:25

Barnards Stern hat keine Planeten

Barnards Stern hat keine Planeten. Warum sollte das interessant sein, wo doch sonst immer nur von Sternen berichtet wird, bei denen man Planeten entdeckt hat? Erstmal ist auch ein negatives Resultat ein Resultat. Es mag nicht so sexy sein, wie die Entdeckung eines neuen Planetensystems, aber wenn wir wissen, dass es irgendwo keine Planeten gibt, sagt uns das auch etwas. Und dann ist Barnards Stern ein Sonderfall. Denn hier gab es seit Jahrzehnten Diskussionen, oft sogar Streit, darüber, ob sich dort Planeten befinden oder nicht.

Barnards Stern ist nur 6 Lichtjahre entfernt und damit der viertnächste Nachbar der Sonne (oder der zweitnächste, wenn man die drei Sterne des Alpha-Centauri-Systems zu einem zusammenfasst). Er ist so nahe, dass man seine Eigenbewegung sehr gut sehen kann und weil er sich so schnell bewegt, wird er oft auch "Barnards Pfeilstern" genannt. Dieses Bild zeigt, wie er sich zwischen 2001 und 2010 über den Himmel bewegt hat:

Barnard_Star_2001-2010.gif

Bild: Alejandro Sanz Gómez, CC-BY-SA 2.5

So ein interessanter Stern wurde natürlich oft und ausgiebig beobachtet. Wegen seiner schnellen Bewegung hat man besonders viele und genaue Positionsmessungen angestellt. Und in den 1960er und 1970er Jahren kam der Astronom Peter van de Kamp zu dem Schluss, dass sich dort 2 Planeten befinden müssten. Denn der Stern zog nicht einfach in einer geraden Linie über den Himmel, sondern wackelte hin und her. Der Grund dafür sollte die gravitative Störung der Planeten sein, die den Stern ein bisschen wackeln ließen. Die Entdeckung extrasolarer Planeten in den 1970er Jahren wäre eine große Sensation gewesen. Aber die Kollegen waren nicht überzeugt. Andere Astronomen zeigten, dass vermutlich ein technischer Fehler am Teleskop für das Wackeln des Sterns verantwortlich war. Aber van de Kamp war weiter von der Existenz seiner Planeten überzeugt. Zwei Stück, ungefähr halb so groß wie Jupiter sollten Barnards Stern umkreisen.

Die Sache blieb zweifelhaft, die Beobachtungen konnten nie bestätigt werden und es dauerte bis 1995, bevor der erste wirklich zweifelsfrei bestätigte extrasolare Planet entdeckt wurde. Eine Gruppe amerikanischer Astronomen hat nun noch einmal genau nachgesehen und kommt zu dem Schluß: van de Kamps Planeten existieren nicht. Sie haben Beobachtungsdaten aus den letzten 25 Jahren kombiniert und neu ausgewertet. Im Gegensatz zu van de Kamp haben sie sich nicht auf die Positionsänderungen des Sterns verlassen, sondern seine Radialgeschwindigkeit beobachtet. Auch mit dieser Methode misst man das Wackeln des Sterns, allerdings auf andere Art und Weise. Die Ergebnisse sind ziemlich deutlich:

barnard.png


Die grünen und gelben Punkte sind die Messungen. Wenn der Stern keine Planeten hat, dann sollten sie alle auf der Nulllinie in der Mitte des Diagramms liegen. Wenn van de Kamps Planeten existieren, dann sollten die Punkte dem Verlauf der blauen oder rote Linie folgen. Das tun sie aber nicht, sondern liegen tatsächlich - innerhalb der Fehlerbalken - auf der Nulllinie.

Komplett ausschließen können die Forscher die Existenz von Planeten natürlich noch nicht. Ganz kleine Planeten könnte es noch geben. Aber sicherlich nichts, was größer ist als ein paar Erdmassen. Und auf jeden Fall keine Planeten, wie sie van de Kamp gefunden zu haben glaubte.

Barnards Stern hat also keine Planeten. Aber er wird weiter ein interessantes Forschungsobjekt bleiben, auch weil er der Sonne immer näher kommt. In knapp 10000 Jahren wird er sich bis auf 3,8 Lichtjahre angenähert haben. Ich würde gerne wissen, was die Astronomen bis dahin so alles herausgefunden haben...


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03.Sep 2012 | 10:00

Die Landkarte der Physik

1939 hat Bernard H. Porter die optimale Fusion aus Geografie und Physik erschaffen:

"[A] map of physics, containing a brief historical outline of the subject as will be of interest to physicists, students, laymen at large; Also giving a description of the land of physics as seen by the daring sould who venture there; And more particularly the location of villages (named after pioneer physicists) as found by the many rivers; Also the date of founding of each village; As well as the date of its extinction; and finally a collection of various and sundry symbols frequently met with on the trip."

1939-map-of-physics-h2.jpg

Wirklich cool! Da würde ich gern mal Urlaub machen. Eine kleiner Wanderung von der Astronomie ganz im Westen bis hin zur Astrophysik im Osten und dann an Herschel, Newton und Ptolemäus an den Lichtstrand und ein wenig entspannen ;)

Eigentlich fehlen nur noch 2 Dinge: Eine hochauflösende Version dieser Karte, damit man sie als Poster für die Wand ausdrucken kann. Und eine aktualisierte Version, die die Entwicklung der Physik seit 1939 inkludiert. Seit damals haben die Wissenschaftler ja jede Menge Neuland entdeckt!


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02.Sep 2012 | 15:40

Terminkalender September

Da ich in den nächsten Monaten diverse Vorträge und Lesungen an diversen Orten halte, dachte ich, ich sag mal Bescheid, wo ich überall sein werde. Vielleicht sieht man sich ja irgendwo.

  • 12.September, Seeheim-Jugenheim: Am 12 und 13 September finden die Bergsträsser Weltraumtage statt. Veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie gibt es dort jede Menge populärwissenschaftliche Vorträge über Astronomie - zum Beispiel über die Suche nach Außerirdischen, den Bau eines Weltraumfahrstuhls oder die Geschichte der Raumfahrt in Kinofilmen. Ich werde dort am 12. September um 20 Uhr einen Vortrag zum Thema "Krawumm - Wahre und falsche Weltuntergänge" halten und dabei auch aus meinen Büchern vorlesen.

  • 25. September, Solingen: Am 25. September um 19.30 werde ich in der Sternwarte Solingen einen Vortrag zum Thema "Weltuntergang 2012? Keine Panik!" halten.
  • 24-28 September, Hamburg: Von 24 bis 28. September findet in Hamburg die große Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft statt. Dort werde ich zwar keinen Vortrag halten, aber trotzdem anwesend sein (zumindest von 26. bis 28., vorher muss ich ja noch nach Solingen). Wird sicher interessant und vielleicht sieht man sich ja!



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02.Sep 2012 | 14:26

Ein Krawumm geht um die Welt (21): Москва́

Letztes Mal war das Krawumm auf seiner Reise durch die Welt bei der chinesischen Mauer angelangt. Und wenn wir schon mal bei den großen Sehenswürdigkeiten sind, dann passt auch dieses Foto von Leser Robert. Krawumm in Moskau!

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Was bisher geschah: Teil 1: Die staubige Fabrik, Teil 2: Rindviecher, Teil 3: Das Krawumm will hoch hinaus, Teil 4: Eishockey und Nobelpreis, Teil 5: Der Weltskeptikerkongress, Teil 6: James Randi!, Teil 7: Bulgarische Berge, Teil 8: Auf hoher See, Teil 9: Das Buch im Transit, Teil 10: Der Berliner Flughafen, Teil 11: Flauschige Eichhörnchen, Teil 12: Der Bund fürs Leben, Teil 13: Der weiße Gott, Teil 14: Besuch auf Tatooine, Teil 15: Bei den alten Römern, Teil 16: Gaudi in Barcelona, Teil 17: Geysire im Yellowstone-Park, Teil 18: Urlaubslektüre in Antalya, Teil 19: Das Unheil kommt von oben, Teil 20: Die chinesische Mauer
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29.May 2015 | 05:12

GAO: NASA, CASIS Need Metrics to Evaluate ISS Research

casis_new_logoThe Government Accountability Office (GAO) has issued a report calling for NASA and the Center for the Advancement of Science in Space (CASIS) to develop better methods for evaluating the research being done aboard the International Space Station National Laboratory.

GAO found that CASIS, which manages the laboratory for NASA,  has yet to establish metrics for evaluating the effectiveness of the work done on the orbiting laboratory. The report, Measurable Performance Targets and Documentation Needed to Better Assess Management of National Laboratory, was submitted to the House Committee on Science, Space, and Technology.

“CASIS officials told GAO in July 2014 that setting measurable targets would be arbitrary because CASIS processes and metrics are still evolving,” the report concluded. “In January 2015, however, the Chairman of the CASIS Board of Directors told GAO that setting measurable targets is a priority for the board. CASIS, however, has yet to establish a date by which measurable targets will be developed.”

Both NASA and CASIS concurred with GAO’s recommendation that metrics be developed in fiscal year 2016 now that CASIS is entering its fourth year of operation.

“NASA indicated that these targets should be established by December 31, 2015. Once complete, this action should address our recommendation to develop and approve measurable targets for CASIS’s metrics,” according to the report. “NASA and CASIS also concurred with our recommendation directing the ISS Program Manager to document the annual program assessment of CASIS performance. In response to this recommendation, NASA said that it would begin documenting the agency’s annual program assessment in response to CASIS’s 2015 annual report.”

The main disagreement involves the ISS National Laboratory Advisory Committee (INLAC). GAO found that CASIS has been unable to interact with the committee as required under its agreement with NASA because the space agency has yet to staff it.  GAO wants NASA to staff INLAC, but the space agency and CASIS have concerns.

“Both NASA and CASIS raised concerns that the current requirements for membership of the INLAC would create a conflict of interest,” teh report states. “Specifically, NASA stated that the individuals who would make up the committee would likely have user agreements with CASIS and, in many cases, would be receiving funding from CASIS and NASA. Furthermore, because these entities would be competing for CASIS resource allocations, CASIS believes that they would not be sufficiently independent to perform the functions required of the committee.

“In response to these concerns, CASIS indicated the composition of membership as defined in the NASA Authorization Act of 2008 should be amended. NASA also responded that while meeting statutory obligations and obtaining knowledgeable input and recommendation to achieve optimal utilization of the ISS is important, it is the agency’s position that the CASIS Board of Directors serves the intent of the INLAC charter by providing recommendations regarding effective utilization of the ISS. As a result, NASA indicated that it plans to work with the Congress to adjust the INLAC requirement to address these concerns.”

Key excerpts from the report follow.

What GAO Found

The Center for the Advancement of Science in Space (CASIS), manager of the International Space Station (ISS) National Laboratory, has taken steps to fulfill its management responsibilities contained in its cooperative agreement with the National Aeronautics and Space Administration (NASA), and has initiated the activities required by the NASA Authorization Act of 2010. GAO found that CASIS implemented procedures for prioritizing research; evaluated 206 proposals and awarded approximately $20 million in grants to 77 research projects through January 2015; and cultivated relationships with academic institutions, research-specific organizations, and other entities.

CASIS, however, has not been able to fulfill its responsibility in the cooperative agreement to interact with the ISS National Laboratory Advisory Committee [INLAC], which NASA was statutorily required to establish under the Federal Advisory Committee Act, because NASA has yet to staff the committee as required by the NASA Authorization Act of 2008. As a result, CASIS is not able to fulfill its responsibility in the cooperative agreement that requires it to coordinate with this committee and review any report or recommendations it originates.

CASIS has established fiscal year 2015 metrics that meet most of GAO’s key attributes for successful performance measures (see figure below); however, NASA and CASIS did not establish measurable targets for these performance metrics, and NASA’s annual assessment of CASIS was not documented.

CASIS_GAO_Performance_Graphic
GAO’s work on best practices for measuring program performance has found that performance metrics should have quantifiable targets to help assess whether goals and objectives were achieved by easily comparing projected performance and actual results. CASIS officials told GAO in July 2014 that setting measurable targets would be arbitrary because CASIS processes and metrics are still evolving. In January 2015, however, the Chairman of the CASIS Board of Directors told GAO that setting measurable targets is a priority for the board. CASIS, however, has yet to establish a date by which measurable targets will be developed.

Using the established metrics, NASA is required by the cooperative agreement to perform an annual program review of CASIS’s performance. This review is informal and not documented as ISS program officials provide the results to CASIS orally. This approach is inconsistent with federal internal control standards, which call for information to be recorded and communicated to those who need it to manage programs, including monitoring performance and supporting future decision making. Although NASA officials reported that they were generally satisfied with CASIS’s performance, CASIS officials said a formal summary of the results would make the information more actionable.

What GAO Recommends

GAO recommends NASA fully staff the ISS National Laboratory Advisory Committee [INLAC]; NASA and CASIS work together to develop measurable targets for CASIS’s metrics; and NASA begin documenting its annual review of CASIS’s performance. NASA partially concurred and CASIS did not concur with the first recommendation, but concurred with the other two. GAO continues to believe the first recommendation is valid, as discussed further in the report….

Both NASA and CASIS raised concerns that the current requirements for membership of the INLAC would create a conflict of interest. Specifically, NASA stated that the individuals who would make up the committee would likely have user agreements with CASIS and, in many cases, would be receiving funding from CASIS and NASA. Furthermore, because these entities would be competing for CASIS resource allocations, CASIS believes that they would not be sufficiently independent to perform the functions required of the committee.

In response to these concerns, CASIS indicated the composition of membership as defined in the NASA Authorization Act of 2008 should be amended. NASA also responded that while meeting statutory obligations and obtaining knowledgeable input and recommendation to achieve optimal utilization of the ISS is important, it is the agency’s position that the CASIS Board of Directors serves the intent of the INLAC charter by providing recommendations regarding effective utilization of the ISS. As a result, NASA indicated that it plans to work with the Congress to adjust the INLAC requirement to address these concerns.

We continue to believe our recommendation is valid. We do not see that staffing the INLAC as directed in the 2008 act would necessarily result in a conflict of interest and that the entities would be competing for CASIS resource allocations. The act required an advisory committee that represents all users of ISS National Laboratory and that provides ongoing monitoring and assessment and makes recommendations. According to the cooperative agreement between CASIS and NASA, CASIS is directed to coordinate with the INLAC and review the committee’s recommendations.

The INLAC, however, functions only in an advisory capacity; therefore we do not see how a conflict of interest would be created by the membership of the INLAC. Furthermore, according to the NASA Authorization Act of 2010, CASIS shall be guaranteed access to not less than 50 percent of the United States research capacity allocation. Because CASIS has to agree with NASA for an allocation of resources at a level below 50 percent, we do not see how the composition of the INLAC would create a competition for resource allocation with CASIS. In addition, it was not clear to us in our review that the existing mechanisms in place accomplish these requirements. If NASA were to seek relief or changes to this requirement, it should clearly outline how these requirements can be met through existing bodies and processes.

28.May 2015 | 15:35

Relocation of ISS Module Completed

Credit: NASA

Permanent Multipurpose Module (Credit: NASA)

WASHINGTON (NASA PR) — The relocation of the Permanent Multipurpose Module is complete. The PMM was robotically relocated from the Earth-facing port of the Unity module on the International Space Station to the forward port of the Tranquility module in the next step to reconfigure the complex for the future arrival of U.S. commercial crew vehicles. Robotic flight controllers at Mission Control, Houston, working in tandem with the Mobile Servicing System Operations Center at the Canadian Space Agency’s headquarters in St. Hubert, Quebec, Canada, used the Canadarm2 robotic arm to maneuver the 11-ton module a short distance to its new location. Expedition 43 Commander Terry Virts and Flight Engineer Scott Kelly of NASA supervised the commanding of the bolting of the PMM to Tranquility. The PMM’s hatch will be reopened tomorrow.

The operation opened the Earth-facing port of Unity as another berthing location for U.S. commercial cargo vehicles. Future U.S. commercial crew vehicles will arrive at the space-facing and forward ports of the Harmony module, which will continue its transformation later this year when a pair of International Docking Adapters will be delivered on the seventh and ninth NASA-contracted SpaceX cargo resupply missions. The IDAs will be attached to Pressurized Mating Adapters 2 and 3, enabling the station to host up to two U.S. commercial cargo and two U.S. commercial crew vehicles at any given time.

28.May 2015 | 15:33

UAE Space Agency, Airbus Group Team for STEM Education Initiative

UAE_Space_Agency_LogoABU DHABI, UAE (UAE Space Agency PR) — The UAE Space Agency and Airbus Group, a world leading player in the space industry, join forces to roll-out a first series of Airbus Little Engineer Space workshops for the first time in the Middle East.

The inaugural workshop challenged some 100 students between 15 and 17 years old to carry out a simulation of a launch mission to space. The Airbus Little Engineer Space workshop focuses on introducing students to the world of space exploration and enhancing their understanding of both the benefits and applications of space technology. Over the course of four hours, students assembled and launched a rocket, set up a base and established communications.

In addition to its direct STEM applications, Airbus Little Engineer Space workshops will help students practice soft skills including teamwork, communication, critical thinking, public speaking and creativity.

The event coincides with the strategy launch of the UAE Space Agency on the 25 May 2015, where the Agency shared with international stakeholders its vision and mission and strategic plan, as well as highlighted the importance of the Space industry for the UAE.

Airbus Little Engineer initiative aim at instilling a passion for science at an early age and encouraging students to enter Science, Technology, Engineering and Mathematics (STEM) fields through a series of exciting, hands-on workshops.

The workshops will also be offered as part of the Global Space & Satellite Forum from 26-27 May 2015, which is officially hosted by the UAE Space Agency.

His Excellency Dr. Mohammed Al Ahbabi, Director General of the UAE Space Agency, said: “One of the foremost goals of the UAE Space Agency is to directly engage with students, to inspire them to think about space, technology, and their role in building the future of our nation. We’re extremely pleased to be working with Airbus Group to deliver such an exciting series of workshops to students that will encourage the next generation of scientists, engineers, physicists, and mathematicians who will make the UAE a world leader in STEM related industries.”

Encouraging students to enter STEM fields is a key goal of the UAE Space Agency and a priority of the UAE Vision 2021 to ensure that the UAE develops the human capital necessary to create a world-leading knowledge economy. Since its launch in 2012, Airbus Little Engineer initiative successfully positioned itself as effective vehicle for discovery-based learning, working to enlighten and empower youth in the areas of science and technology. The initiative has reached over 1,200 students across the Middle East.

Habib Fekih, President Airbus Group Africa and Middle East said: “Airbus Little Engineer is more than an initiative; it’s a commitment to the youth in the Middle East and the aerospace industry. As a world leading player in the space sector, we are very proud to launch the Airbus Little Engineer Space workshop in collaboration with the UAE Space agency as it embarks in a historical mission to Mars. Talent building requires investment, support and cooperation, this initiative is a direct reflection of our efforts to invest in the local community and support the country’s efforts in creating a sustainable stream of UAE talent for the aerospace industry.

The UAE Space Agency and Airbus Group are also planning to run future workshops at schools across the UAE throughout the year.

The Global Space & Satellite Forum will discuss topics such as Space technology applications, innovative solutions, low-cost satellite developments such as macro and nano satellites, and how satellite systems are improving lives— ranging from life-saving developments in the field of disaster management to the delivery of entertainment media via handheld consumer devices.

The 5th annual GSSF will bring together key regional and international stakeholders and decision makers from the space and satellite sector.

28.May 2015 | 15:23

Space Florida, NASA Agree to Terms on Shuttle Landing Facility

The Shuttle Landing Facility in Florida. (Credit: NASA)

The Shuttle Landing Facility in Florida. (Credit: NASA)

Space Florida has worked out terms with NASA to take over the Shuttle Landing Facility at NASA Kennedy Space Center:

Space Florida anticipates spending $200,000 a month over the first two years to operate and develop the site, or nearly $5 million, according to a summary of the deal included in board meeting materials.

The state would assume responsibility to operate and maintain the runway for 30 years with options for extensions, according to the materials.

Space Florida has been negotiating with NASA for nearly two years to transfer KSC’s three-mile runway, where it hopes to attract companies designing spacecraft that take off and land horizontally like aircraft.

Space Florida’s board postponed a vote on the deal on Wednesday due to uncertainty over the state budget. Legislators are schedule to go back into session on Monday to deal with unresolved issues.

28.May 2015 | 14:46

Aerojet Rocketdyne Begins Hot-Fire Tests in Support of US Air Force Hydrocarbon Boost Technology Demonstrator Program

aerojet_rocketdyneSACRAMENTO, Calif., May 26, 2015 (Aerojet Rocketdyne PR) — Aerojet Rocketdyne (AJRD) has completed the first in a series of hot-fire tests on the sub-scale oxygen rich pre-burner in support of the U.S. Air Force Hydrocarbon Boost Technology Demonstrator (HBTD) program.

In coming months, multiple injector configurations will be tested to evaluate the performance and stability parameters that are critical for a high-performance, high-reliability liquid oxygen/kerosene rocket engine. The sub-scale test series will be used to aid the design and development of the full-scale pre-burner and engine development. An oxygen-rich pre-burner is one of the enabling technologies of the Oxygen-Rich Staged Combustion (ORSC) cycle needed to provide high thrust-to-weight and performance regardless of hydrocarbon fuel type.

“Throughout the sub-scale fabrication and facility checkouts, we’ve documented a number of lessons learned that have directly influenced the full-scale pre-burner design. We are looking forward to what more we will learn during the hot-fire test series,” said Joe Burnett, program manager of the Hydrocarbon Boost Technology Demonstrator program at Aerojet Rocketdyne.

Under program direction of the Air Force Research Laboratory (AFRL), Aerojet Rocketdyne is designing, developing and testing the HBTD engine. Its technologies are directed at achieving the goals of the Rocket Propulsion for the 21st Century (RP21) program, formally known as Integrated High Payoff Rocket Propulsion Technology, or IHPRPT.

Designed to generate 250,000 pounds of thrust, the engine technology uses liquid oxygen and liquid kerosene (RP-2) in the first U.S.-developed demonstration of the ORSC cycle. It has been designed as a re-usable engine system, capable of powering up to 100 flights, and features high-performance long-life technologies and modern materials.

Burn-resistant, high-strength alloys manufactured using novel technologies will be used throughout the engine. Manufacturing parameters of some of the alloys have been developed under a joint effort with the Air Force, known as the Metals Affordability Initiative or MAI. These advanced technologies will be matured sufficiently throughout the program to support the next generation of expendable launch system development efforts. It also will help in the rapid turn-around usability for future re-usable launch systems. The data from this test effort will be used by other Air Force development programs such as the Advanced Liquid Rocket Engine Stability Tools program (ALREST) to further advance the state-of-the-art capabilities in combustion stability modeling.

Previously, Aerojet Rocketdyne designed and supplied the oxygen-rich and fuel-rich pre-burners for the Air Force’s Integrated Powerhead Device (IPD) demonstration engine, the world’s first full-flow staged combustion rocket engine. The design lessons learned and test approach from the IPD pre-burners have been leveraged for the HBTD pre-burner architecture.

Aerojet Rocketdyne is a diversified company delivering innovative solutions that create value for its customers in the aerospace and defense, and real estate markets. The company is a world-recognized aerospace and defense leader that provides propulsion and energetics to the space, missile defense and strategic systems, tactical systems and armaments areas, in support of domestic and international markets. Additional information about Aerojet Rocketdyne can be obtained by visiting our websites at www.Rocket.com and www.AerojetRocketdyne.com.

29.May 2015 | 21:33

Ceres: DAWN bildet vermeintliche Kraterketten ab

Kurz vor dem Einschwenken in einen niedrigeren Orbit bildete die Kamera der Raumsonde DAWN die Oberfläche des Zwergplaneten Ceres am 23. Mai 2015 in einer zuvor nicht erreichten Auflösung ab. Dabei zeigten sich Strukturen, welche an Kraterketten erinnern, die aber durchaus auch anderen geologischen Ursprungs sein könnten.
28.May 2015 | 15:16

Ariane-5-Start: DirecTV 15 und Sky Mexico 1 im All

Am 27. Mai 2015 startete um 23:16 Uhr MESZ zu Beginn eines eine Stunde und 24 Minuten langen Startfensters vom Raumfahrtgelände Kourou in Französisch-Guayana eine Ariane-5-Trägerrakete mit zwei Kommunikationssatelliten zur Direktausstrahlung von Fernsehprogrammen an Bord. Die Erdtrabanten für den US-amerikanischen Betreiber DirecTV und den mexikanischen Betreiber SKY México wurden nach rund einer halben Stunde Flug erfolgreich ausgesetzt.
28.May 2015 | 08:39

Express #0533

Rettungssysteme in den kommerziellen Raumfahrtprogrammen
27.May 2015 | 19:21

Siloe Patera - Ein Supervulkan auf dem Mars?

Bereits in der letzten Woche veröffentlichte Aufnahmen der ESA-Raumsonde Mars Express verdeutlichen erneut die geologische Vielfalt unseres äußeren Nachbarplaneten und zugleich die Probleme, welche sich für die Marsforscher bei deren Interpretation ergeben. Bei der Region Siloe Patera könnte es sich durchaus um die Überreste einer Supervulkan-Eruption handeln - oder aber um die Überreste eines profanen Impaktereignisses.
22.May 2015 | 14:18

Kommerzieller Crewtransport- Sicherheit geht vor

Die privaten Raumfahrtunternehmen Boeing und SpaceX versuchen, bei der Entwicklung ihrer kommerziellen Raumschiffe besonders auf die Sicherheit der Astronauten zu achten.
29.May 2015 | 13:44

Schauen sie noch Videos - oder "streamen" sie schon?

Machen wir doch mal einen Test zusammen, ob Sie ein "Innovator" sind (in unserer Uni-Arbeitsgruppe damals ein schwer umkämpfter Titel: Wer hatte die neuesten technischen Gimmicks...): Haben Sie eigentlich noch einen Videorecorder?
29.May 2015 | 10:10

Im Jet: Erkundung starker Winde bei Island

Betanken der Falcon vor dem StartManchmal braucht man einfach Glück, vor allem beim Wetter reichen nicht nur die Vorhersagen, sondern oft ist das kleine Quäntchen zusätzlich nötig, damit es wirklich klappt. Eines der Ziele der aktuellen Forschungskampagne auf Island ist es, neben der Erprobung neuer Lidar-Technik die starken Veränderungen der Windgeschwindigkeiten in sogenannten Jetstreams zu beobachten.
27.May 2015 | 10:20

79. Start einer Ariane für heute geplant

Nutzlastverkleidung der Ariane 5Heute Abend startet eine Ariane 5 vom Typ ECA zum zweiten Mal in diesem Jahr vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou ins All, um zwei Satelliten in einem geostationären Transferorbit (GTO) abzusetzen.
23.May 2015 | 13:01

Traurige Zeiten...

Während ich auf meiner Abschiedstour an den DLR-Standorten unterwegs war, musste ich gleich zwei sehr traurige Nachrichten zur Kenntnis nehmen: Der Vorsitzende des ESA-Rates, Harald Posch und ein Mitarbeiter des DLR, Daniel Oberländer, haben uns für immer verlassen. Beide Ereignisse haben mich sehr betroffen gemacht.
22.May 2015 | 10:40

Video: Fotografieren auf der Raumstation - damals und heute

Blick ins All: Alexander Gerst in der ISS-Aussichtsplattform Cupola Alexander Gerst startete am 28. Mai 2014 zu seiner Mission "Blue Dot - Shaping the Future", er lebte sechs Monate auf der ISS und umrundete dabei 16 Mal am Tag unseren Planeten.
23.May 2015 | 19:09

Proton: Pfusch & Pannen

Proton überschlägt sich

Der Absturz einer Proton unmittelbar nach dem Start. Ein gefundenes Fressen für die Presse Bild: Novosti Kosmonavtiki

2. Juli 2013, 4.38 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Von der Startanlage 81/24 in Baikonur hebt eine Rakete des Typs Proton M ab. Ihre Aufgabe: Drei Satelliten der Glonass-Konstellation in einen mittelhohen Erdorbit transportieren. Doch der Flug der von Chrunitschew gebauten Rakete dauert nur wenige Sekunden. Der Träger steigt wie betrunken schlingernd vom Starttisch, schlägt zwei scharfe Haken und dreht sich dann um 180 Grad. Mit bis zuletzt nach oben feuernden Triebwerken detoniert er 37 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe einen Kilometer entfernt beim Aufschlag auf dem Boden.

Nachdem die Rakete über alle Stufen mit einer Treibstoffkombination arbeitet, die ziemlich toxisch ist (Oxidator: Stickstofftretoxid, Treibstoff: unsymmetrisches Dimethlyhydrazin) wurden die Insassen der umliegenden Gebäude zunächst angewiesen, Türen und Fenster geschlossen zu halten und die Häuser nicht zu verlassen. Die Anordnung konnte aber bald wieder aufgehoben werden, der Wind stand glücklicherweise günstig. Die Startanlage blieb unbeschädigt. Am Aufschlagort entstand allerdings im Gelände ein Krater von 200 Metern Durchmesser und fünf Metern Tiefe.

Mehr noch als der materielle Verlust schadete der Unfall Russlands Reputation als Raumfahrt-Großmacht. In der Rangliste von Dingen, die jemanden diesem Gewerbe schlecht aussehen lassen, übertrifft nur wenig den Anblick einer Großträgerrakete, die vor den Augen der Welt in geringer Höhe auf erratischen Kurs geht und dann in einer gewaltigen Explosion detoniert. Die Europäer, denen im Juni 1996 ähnliches passierte – seinerzeit beim ersten Testflug ihrer damals brandneuen Ariane 5 – können ein Lied davon singen. Ich weiß nicht, wie viele hundert Male ich seitdem diese Ariane explodieren sah. Sie bekam in jeder beliebigen Fernseh-Dokumentation über Raumfahrt ihre Paraderolle, gleich hinter der explodierenden Raumfähre Challenger, ob es nun zum Thema passte oder nicht. Somit herzlichen Dank an die Proton, die nun in den kommenden Jahrzehnten diesen Rang einnehmen wird.

mexsat(Centenario)launch poster

Diesen Startposter hatte Mexsat in der Erwartung eines erfolgreichen Starts vorbereiten lassen Bild: Mexsat

Man sollte annehmen, dass nach einer solchen Show höchste Vorsicht angesagt ist, doch nur neun Proton-Starts später kam es bereits zum nächsten Fehlschlag, als am 15. Mai letzten Jahres der russische Kommunikationssatellit Ekspress AM4R (der seinerseits schon der Ersatzsatellit für den früher von einer Proton versenkten Kommunikationssatelliten Ekspress AM4 war) wegen eines Fehlers in der dritten Stufe über Sibirien verglüht. Und letzte Woche, erneut nur sieben Starts später, versagt schon wieder eine Proton M und ließ die Überreste von MexSat-1 über Zentralasien vom Himmel regnen. Und es ist nicht nur die Proton die betroffen ist: Seit Mai 2009 ereigneten sich nicht weniger als 16 Fehlstarts mit Trägern der Typen Sojus, Rokot, Zenit und Proton.

Es ist schlecht bestellt um Russlands Raumfahrt. Die hohen Startfrequenzen täuschen ein falsches Bild vor. Seit zwei Jahrzehnten gibt es keine nennenswerten Neuentwicklungen mehr. Wissenschaftliche Raumfahrzeuge sind zur seltenen Ausnahme geworden. Raumsonden entsendet Russland nur noch alle Jubeljahre, und lässt sie dann, wie zuletzt im November 2011 mit Phobos Grunt, in einer öffentlichen Zurschaustellung des Unvermögens enden. Mit Ausnahme der Angara stammt alles, was heute in Russland die Startrampen verlässt, noch aus der Sowjetära. Die Zeiten, zu denen in Russland wegweisende Neuheiten auf dem Gebiet der Raumfahrt entstanden, sind längst Geschichte. Selbst dringend notwendige Ersatzentwicklungen, Neuinvestitionen und Produktverbesserungen werden immer weiter in die Zukunft hinausgeschoben, verirren sich in der ausufernden Bürokratie oder fallen der allgegenwärtigen Korruption zum Opfer.

Ehrwürdige Großmutter

Die Proton ist die ehrwürdige Großmutter unter den russischen Trägerraketen. Nur eine einzige Trägerrakete weltweit - die R-7 in ihren Varianten - hat eine noch längere Lebensgeschichte als sie. Beide befinden sich schon seit Chrustschows Zeiten im russischen Arsenal. Seit ihrem Erstflug im Jahre 1965 flog die Proton 404 Missionen, von denen 48 teilweise oder ganz scheiterten. Die überwiegende Zahl dieser Fehlschläge ist in den sechziger und siebziger Jahren verortet. In den Jahrzehnten danach galt sie als ausgereifte, technisch solide Konstruktion mit zumindest durchschnittlicher Zuverlässigkeit. Selbst die turbulenten Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion änderten daran kaum etwas. Erfahrenes, hoch qualifiziertes, und trotz der wirtschaftlichen und politischen Wirren motiviertes Personal sorgte dafür, dass dieser Trägertyp hinsichtlich seiner Zuverlässigkeit bei gut akzeptablen Werten blieb.

Im Jahr 2000 gab es 14 Starts der Proton, die allesamt erfolgreich verliefen, genauso wie die sechs Missionen des Jahres 2001. Bei den neun Flügen des Jahres 2002 kam es zu einem Fehlstart, bei dem der Kommunikationssatellit Astra 1K in einem unbrauchbaren Orbit strandete. Die fünf Proton-Starts des Jahres 2003 verliefen dagegen wieder allesamt erfolgreich, ebenso wie die acht Starts des Jahres 2004 und die sieben Missionen des Jahres 2005. Im Verlauf von sechs Jahren gab es somit bei insgesamt 49 Starts einen einzelnen Fehlschlag. Das ist, selbst nach den Maßstäben der heutigen Raumfahrt, ganz ordentlich. 98 Prozent Zuverlässigkeit, da meckert keine Versicherungsgesellschaft.

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Rollout der Mexsat-Proton M zur Startrampe Bild ILS

Etwa um das Jahr 2005 begannen allerdings die erfahrenen Kräfte der russischen Raumfahrt vermehrt in den Ruhestand abzuwandern. Neue Mitarbeiter wurden wegen des insgesamt zu hohen Personalstandes nicht mehr eingestellt, das Interesse der jungen Ingenieure und Techniker, sich in der Raumfahrt zu verdingen, war ohnehin gering. Die Bezahlung war schlecht und das Prestige längst nicht mehr dasselbe wie in der Sowjet-Zeit.

Im Jahre 2006 wurden sechs Proton Starts durchgeführt. Es gab einen Fehlschlag, als die Briz-M Oberstufe einer Proton M am 28. Februar das zweite Brennmanöver vorzeitig beendete und die drei weiteren daraufhin gar nicht erst begannen. Das Jahr 2007 sah sieben Proton-Starts. Erneut schlug einer davon fehl, weil die Trennung zwischen erster und zweiter Stufe nicht gelang. Auch von den 10 Starts des Jahres 2008 scheiterte einer. Zumindest teilweise, denn der Kommunikationssatellit AMC-14, die Nutzlast bei diesem Flug, konnte die Minderleistung der Briz-M Oberstufe mit seinen Bordtriebwerken ausgleichen. Die wirtschaftliche Lebensdauer des Raumfahrzeugs wurde durch diese Maßnahme jedoch von 15 auf nur noch vier Jahre verkürzt. Das Jahr 2009 sah zehn erfolgreiche Starts. Von den 12 Starts des Jahres 2010 scheiterte erneut einer, wobei drei russische Navigationssatelliten im Pazifik versenkt wurden. Grund war eine fehlerhafte Betankung der Oberstufe. Die 45 Starts der fünfjährigen Periode zwischen 2006 und 2010 produzierten somit vier Fehlstarts. Die Zuverlässigkeitsquote war auf 91 Prozent gesunken.

Die Abwanderung der Wissensträger hatte sich in dieser Fünfjahresperiode verstärkt. Fatal in einem System, das traditionell weniger Wert auf umfangreiche Dokumentation denn auf verbale Knowhow-Übermittlung legt. Inzwischen fehlte bei Firmen wie Chrunitschew fast die komplette Transfergeneration zwischen 30 und 55 Jahren. Auf der einen Seite gibt es somit die immer mehr ausdünnenden Belegschaft der Wissensträger und auf der anderen Seite unerfahrenes, unterbezahltes, gering motiviertes und – wie sich immer häufiger zeigt – ungenügend ausgebildetes neues Personal.

Die neun Starts des Jahres 2011 produzierten einen Fehlschlag und kosteten Russland seinen Ekspress-AM4 Kommunikationssatelliten. Von den elf Starts des Jahres 2012 scheiterten gleich zwei, wobei einer der betroffenen Satelliten, Yamal-402 am Ende doch noch die angestrebte Nutzlast erreichte, wenngleich zu Lasten seiner wirtschaftlichen Lebensdauer. Und im Jahre 2013 gelangen die ersten vier Starts, doch Nummer fünf (mit dem wir in die Story eingestiegen sind) scheiterte erneut. Fünf weitere Starts zwischen September und Dezember 2013 gelangen. Zwischen 2011 und 2013 waren dies somit bei 30 Starts vier Fehlschläge. Die Zuverlässigkeitsquote lag jetzt bei 87 Prozent.

2014 und 2015 gab es bei bislang zusammen 11 Starts erneut zwei Fehlschläge. Die Zuverlässigkeit liegt damit bei gerade noch 82 Prozent.

Zum Vergleich einige Daten westlicher Träger: Bei den bisher insgesamt 53 Starts der Atlas 5 kam es nur ein einziges Mal zu einer geringfügigen Minderleistung der Oberstufe, die aber den Missionserfolg nicht gefährdete. Bei den 29 Starts der Delta 4 seit dem Jahre 2002 gab es ebenfalls nur ein einziges Mal, und das war beim Erstflug der Delta 4 „Heavy“, eine Minderleistung, die einer Sekundärnutzlast den Missionserfolg kostete. Die Ariane 5 hatte zwar auch in ihren ersten Jahren ihr gerütteltes Maß an Fehlern, so kam es in der Frühphase des Programms zu insgesamt zwei Fehlstarts und zwei Teilerfolgen, aber seitdem fliegt diese Rakete seit zwölfeinhalb Jahren in einer makellosen Serie und absolvierte dabei 64 erfolgreiche Missionen in ununterbrochener Folge. Der letzte Fehlstart datiert auf den Dezember 2002 zurück. Selbst ein vergleichsweise brandneuer Träger wie die Falcon 9 von SpaceX hat inzwischen bei 17 Starts 17 fehlerfreie Missionen hingelegt.

Verkehrt herum eingebaut

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Die Proton M für Mexsat wird über dem Flammenschacht aufgerichtet Bild ILS

Zurück zur Proton und dem fatalen Absturz vom 2. Juli 2013. Er ist exemplarisch für die Schlamperei, die in Russlands Raketenfabriken herrscht. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos setzte gleich nach dem Unfall eine Kommission für die Fehlerermittlung ein. Der Vermarkter von Proton-Starts für Kunden aus aller Welt, International Lauch Services (ILS), installierte vorsichtshalber eine eigene Arbeitsgruppe, um die Ergebnisse der Roskosmos-Kommission zu überprüfen, denn Vertuschung ist in Russland an der Tagesordnung.

Nach vier Wochen Arbeit gab die Untersuchungskommission bekannt, dass der Absturz der Rakete durch fehlerhaft installierte Lagesensoren verursacht worden sei. Und zwar seien diese Sensoren verkehrt herum eingebaut worden. Sie standen danach gewissermaßen auf dem Kopf und hatten daher nie die Chance, richtige Werte an die Flugsteuerung der Rakete zu liefern.

Der Bau der Unglücksrakete war bei Chrunitschew im Dezember 2011 beendet worden. Die fehlerhafte Installation der drei Lagewinkel-Sensoren, die Daten für die Kurskorrekturen der Rakete liefern, war - wie man rekonstruierte - am Mittwoch, dem 16. November 2011 geschehen. Sie wurde bis zum Mai 2012 im Herstellerwerk eingelagert und dann nach Baikonur geliefert.

Die Montage der Lagekontrollanzeiger ist nicht einfach. Der Arbeitsplatz dafür ist nur über ein kleines Mannloch zu erreichen und schlecht einzusehen. Um den Einbau zu erleichtern gibt es an der Platine, auf der die Sensoren montiert werden müssen, zwei jeweils fünf Millimeter hohe Führungsstifte. In die müssen die Geräte einrasten, um dem Montagetechniker die korrekte Ausrichtung zu signalisieren. Allerdings ist es unter Ausübung brachialer Gewalt (und wahrscheinlich der Verwendung eines schweren Fäustels) auch möglich, die Geräte verkehrt herum in die Halterungen zu hämmern. Dann rastet zwar nichts ein, aber durch die Gewaltanwendung sind die Geräte derart verkeilt, dass sie sich ebenfalls nicht mehr lösen können.

Man kann es kaum glauben, aber nicht nur überprüfte niemand den Einbau der Einheit direkt bei der Montage oder zumindest nach dem Abschluss der Arbeiten. Es fanden auch keine Funktionschecks statt. Es gab lediglich eine Prüfung, ob die Stromleitungen funktionierten. Bei Airbus beispielsweise (aber auch überall sonst in der Raumfahrtindustrie weltweit) beobachten nicht selten zwei Mitarbeiter der Quality Assurance jeden Arbeitsschritt, während ein dritter den Einbau vornimmt.

Praktisch jeder Fehlstart der letzten zehn Jahre geht auf das Konto der völlig unzureichenden Qualitätskontrolle und des unzureichend ausgebildeten und unterbezahlten Personals in Russland zurück. Die übliche russische Methode der „Ursachenbehebung“, nämlich einfach Spitzenmanager zu feuern, kam auch seinerzeit zur Anwendung. Bereits wenige Tage nach dem Unfall rollten in guter alter russischer Sitte bei Chrunitschew die ersten Köpfe.

Falsche Betankung, fehlerhafte Flugsoftware, groteske Montagefehler, Betrieb außerhalb der spezifizierten Werte, undiszipliniertes Verhalten auf allen Ebenen, kriminelle Vernachlässigung der Aufsichtspflicht seitens der Vorgesetzten und vieles mehr. All das ist – das sei deutlich herausgestellt - nicht der Konstruktion der Trägerrakete anzulasten, sondern einer Qualitätssicherung, die offensichtlich nur in den Organigrammen, aber nicht in der Realität existiert.

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Beim Verlassen der Startrampe war mit der Mexsat-Proton M noch alles in Ordnung Bild ILS

Der Sturzflug in der Qualität russischer Raumfahrtprodukte hat lange Zeit um die Firma RKK Energija, den Hersteller der Sojus Rakete und der Progress- und Sojus-Raumschiffe einen Bogen gemacht. Zwar gab es auch hier immer wieder Anzeichen für Qualitätsmängel. Doch die schienen meist im Vorfeld von Starts aufgefangen und korrigiert worden zu sein. Die Sojus ist - das nur zur Erinnerung - momentan das einzige Trägerfahrzeug weltweit, das Menschen zur ISS bringen kann. Zusätzlich startet sie nach wie vor auch den Löwenanteil der unbemannten Nachschubfahrzeuge zur Internationalen Raumstation. Doch auch das scheint nicht mehr länger garantiert zu sein. Zwischen Januar 1978 und April 2015 gab es insgesamt 140 Progress-Missionen. Deren Starts verliefen während der Ära der Raumstationen Salut 6, Salut 7, Mir und im ersten Jahrzehnt des ISS-Programms praktisch fehlerfrei. Die beiden einzigen Fehlschläge ereigneten sich 2011 und 2015, nachdem es davor über 30 Jahre lang tadellos funktioniert hatte.

Was wird aus ExoMars?

An der Stelle erhebt sich nun die Frage, warum Europa eines der teuersten Raumfahrtprogramme seiner Geschichte, die aus insgesamt drei Nutzlasten bestehende ExoMars Expedition, ausgerechnet dem mit weitem Abstand schlechtesten Trägersystem der Welt anvertraut. Die vordergründige Antwort ist natürlich klar. Russland stellt die Proton kostenlos als eigenen Beitrag zu diesem Projekt bei. Damit spart sich die ESA insgesamt 320 Millionen Euro, welche die Beschaffung von zwei Ariane 5 ECA kosten würde. Die Frage ist hier nur, ob man bei einem Programm, das auch ohne die Träger schon 1,2 Milliarden Euro kostet, ausgerechnet bei der Trägerrakete sparen sollte?

Die Lage wird allein schon dadurch kritisch, weil der erste der beiden Proton-Starts zum Mars, die ExoMars 2016-Mission, nur noch ganze acht Monate entfernt ist. Es ist jedoch nach diesem erneuten Versager völlig offen, wann die Rakete überhaupt wieder für Flüge freigegeben wird. Anders als für kommerzielle Satellitentransporte gibt es für Flüge zum Planeten Mars ein enges, nur wenige Wochen langes Startfenster. Trifft man das nicht, dann muss man 26 Monate warten, bis es sich wieder öffnet. Aber selbst wenn die Rakete bereitsteht: Die kombinierte Wahrscheinlichkeit des Verluste einer der beiden Missionen liegt bei 36 Prozent. Das hätte man noch nicht einmal in den frühen 60iger Jahren akzeptiert.

Und es gibt noch einen anderen Aspekt. Und mich wundert, dass es bislang noch nie diskutiert wurde. Ein zweites Danaer-Geschenk Russlands für dieses Unterfangen. Das ist die Landesonde, mit der Europas ultrateurer Rover den Abstieg auf die Marsoberfläche unternehmen soll. Die Geschichte Russlands erfolgloser Versuche den Mars, seine Umlaufbahn oder seine Oberfläche zu erreichen ist lang und bitter. Ausnahmslos alle Landeversuche scheiterten. Keine einzige der insgesamt 20 russischen Marsmissionen (hier sind auch Orbit- und Vorbeiflugmissionen eingerechnet) kann man als uneingeschränkten Erfolg bezeichnen. Dabei fanden 18 davon noch in den "guten alten" Zeiten der sowjetischen Raumfahrt-Ära statt. Seit dem Ende der Sowjet-Ära machte Russland nur noch zwei Versuche den Mars zu erreichen, das war im Jahre 1996 die Mission „Mars 96“ und im Jahre 2011 die Mission „Phobos Grunt“. Beide endeten als peinliche Fehlschläge. Die Wahrscheinlichkeit, dass Russland im Sommer 2018, dem vereinbarten Startdatum, erstens einen Lander zur Verfügung hat, und dass der zweitens auch perfekt funktioniert wird, sind denkbar gering.

Raumfahrzeuge auf dem Mars zu landen gehört zu den schwierigsten Herausforderungen, der heutigen Astronautik. Wenn es bei den Amerikanern so leicht und spielerisch aussieht, dann nur, weil sie einsam in einer Spitzenklasse agieren, an die weltweit niemand herankommt. Europa ist im Jahre 2003 mit einem viel simpleren Konzept als der des US-Rovers Curiosity gescheitert. Und jetzt soll es Russland können? Ausgerechnet Russland, das die meisten seiner Fähigkeiten aus der Sowjet-Ära verlernt hat? Russland, in dem geschlampt wird ohne Ende. Russland, das seit Jahrzehnten keine neue Raumfahrt-Hardware entwickelt und das die interplanetare Raumfahrt offensichtlich völlig verlernt hat. Russland, dessen Raumfahrt in stetigem Niedergang begriffen ist. Wem vertrauen wir uns hier eigentlich an?

P.S. Lesen Sie dazu auch diesen Beitrag aus dem Jahr 2011 von Go for Launch.

16.May 2015 | 11:04

Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken – Siebter Brief

und wer's noch nicht gelesen hat: hier sind Brief 1, Brief 2, Brief 3, Brief 4, Brief 5 und Brief 6Bloggewitter_Kinder_logo

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Zum Abschluss noch einmal Snoopy, der Hundehütten-Astronaut Bild AS Teitel

Mannmannmann, das war jetzt doch eine ganz schön lange Pause mit den Briefen. Aber ich hab‘s echt nicht früher geschafft. Erst war ich in Wien, bei Yuris Night. War eine schöne Sache, wie jedes Jahr. 150 Leute im großen Kuppelsaal des Urania-Observatoriums. Die ist direkt an einem der belebtesten Plätze in Wien, dem Schwedenplatz. Kaum zu glauben, dass da eine Sternwarte ihren Platz hat, denn besonders viele Sterne sieht man wegen der Helligkeit der Stadt von hier aus nicht. Aber das war vor über 100 Jahren, als sie eröffnet wurde, wohl noch anders.

Dann war ich in Würzburg bei der Veranstaltung "Reisende im Sonnensystem" am Mineralogischen Institut der Universität. Da hab ich einen Vortrag gehalten. Und dann war ich eine Woche lang in Südtirol beim Wandern und Futtern (und netten Wein trinken). Ganz ohne Raumfahrt.

Fußball hab ich da nur am Rande mitbekommen. Was die Bayern in dieser Zeit abgeliefert haben: meine Güte. Wenn man da mal ein paar Wochen nicht aufpasst, fangen die gleich an zu schlampern. Eine Niederlage an der anderen. Wird Zeit, dass wir zwei uns da wieder ein wenig drum kümmern, sonst schleicht noch mehr der Schlendrian ein :-)

Ich hab Dir im letzten Brief beschrieben, wie kompliziert es ist, einen Raumanzug „anzuziehen“. Da kann man in Zukunft sicher noch einiges verbessern. Es gibt aber auch noch viele andere Dinge, die man für zukünftige Raumanzüge anders machen muss. Nur ein Beispiel: Bei den Apollo-Mondlandungen zeigte sich, dass Staub und Abnutzung ein ernstes Problem sind.

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Raumanzug der Zukunft. Bild: Beonit Concepts

Bei keiner der Mondlandungen gab es mehr als drei EVA's pro Mission auf der Mondoberfläche. In der Regel waren die Anzüge schon wenige Minuten nach dem ersten Ausstieg über und über mit Staub bedeckt. Die Astronauten selber schätzten, dass ihre Anzüge nicht mehr als fünf EVA's durchgehalten hätten. Danach wären sie wegen der Staubablagerungen in den Scharnieren so undicht geworden, dass man sie nicht mehr sicher benutzen hätte können. Bei einer Marsexpedition ginge so etwas aber gar nicht. Da muss man Raumanzüge hunderte Male verwenden können, denn man kann nicht einfach zur Erde zurückfliegen und sich mal kurz neue holen.

Überhaupt die Dichtigkeit. Ich hab’s ja schon einmal gesagt: Kein Raumanzug ist vollständig dicht. Man kann ihn nur MÖGLICHST dicht bekommen. Könnte man die ganzen Undichtigkeiten sichtbar machen, der Raumanzug würde aussehen wie eine Sprinkleranlage in Menschenform. Überall leckt die Luft heraus. An den Armen, an den Handschuhen, am Torso, am Helm, überall. Das PLSS (also der Geräterucksack) muss ständig "nachpumpen". Die Handschuhe und Armteile sind am wenigsten dicht. Da gehen etwa 25 Kubikzentimeter Luft pro Minute raus. Am Helm interessanterweise am wenigsten. Der verliert nur 2 Kubikzentimeter pro Minute. Alles in allem gehen etwa 40 Kubikzentimeter Luft pro Minute verloren.

Wieviel Luft ist jetzt eigentlich in so einem Raumanzug insgesamt drinnen? Das hängt natürlich von der Größe ab. Im Schnitt sind es aber etwa 135 Liter. Ohne den Astronauten drin. Mit dem sind es etwa noch 55 Liter Luft. Das sind 55.000 Kubikzentimeter. Das bedeutet, wenn man gar nichts nachpumpt, würde die gesamte Luft nach etwa 23 Stunden aus dem Raumanzug entwichen sein. Geht also eigentlich doch gar nicht sooo schnell, mit dem Luftverlieren, wie das zuerst ausgesehen hat.

Dann muss das Gewicht reduziert werden. Der Apollo-Anzug wog 82 Kilogramm. Der Raumanzug der ISS wiegt auf der Erde sogar - vollgetankt und mit allem Drum und Dran - 128 Kilogramm. Ohne den Astronauten. Wenn man den mal mit 72 Kilo ansetzt, dann sind das zusammen 200 Kilo. In der Schwerelosigkeit ist das kein Problem. Auf dem Mond wäre das noch akzeptabel (da beträgt die Schwerkraft nur ein Sechstel von der auf der Erde). Schwieriger wäre das schon auf dem Mars. Da würde unser Astronaut – allerdings MIT dem Raumanzug – ungefähr 75 Kilo wiegen, wäre aber in dem sperrigen, umständlichen und komplizierten Ding unterwegs. Um dem abzuhelfen entwickelt die NASA derzeit einen so genannten "Hard Suit" (spricht man „Hard Sjuut“). Also einen "Harten Raumanzug". Trotz des Namens, der nach viel Gewicht klingt, soll der haltbarer, wesentlich leichter und vor allen Dingen viel einfach anzulegen sein.

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"Maximum Absorption Garment", oder kurz MAG. Die Astronautenwindel. Bild: NASA

Wir haben ja schon gesehen, dass so ein Raumanzug eine Art „Mini-Raumschiff in Menschenform“ ist, in dem sich die Astronauten bis zu zehn Stunden aufhalten müssen. Wenn man da solange Zeit drin eingesperrt ist, muss man in diesem Anzug auch aufs Kloo gehen könne. Dabei geht es in praktisch allen Fällen nur um das „kleine Geschäft“. Pinkeln also. Das „große Geschäft“, den Stuhlgang also, muss man halt so lange „verdrücken“, bis man wieder zurück im Raumschiff ist.

Zu den Zeiten der Apollo-Mondflüge war die Pinkelvorrichtung noch speziell auf den männlichen Körperbau hin ausgerichtet. Der Astronaut auf dem Mond konnte damit im Stehen pinkeln. Aber wir wissen ja: So ein "Pimmel" ist von Mann zu Mann ja recht unterschiedlich. Da gibt es lange und kurze, dicke und dünne, und bei Kälte und Wärme verändert sich die Länge auch nochmal. Richtig gut hat das deswegen nie funktioniert, und mehr als ein Astronaut stand während der vielstündigen Mondexkursionen bis zu den Knöcheln im eigenen Urin. Und so entschieden sich die Ingenieure von Hamilton Standard, die EMU für die Shuttle-Missionen und die Raumstation im „unisex“-Format auszulegen. Für Männer und für Frauen gleichermaßen geeignet. Schon weil jetzt nicht mehr nur Männer in den Weltraum flogen, sondern auch Frauen. Somit musste der Raumanzug in allen Funktionen für Frauen UND Männer geeignet sein. Die Lösung des Problems war so einfach, dass man schon sagen muss: Da hätte man auch gleich drauf kommen können. Für beide Geschlechter gibt es jetzt einfach das Maximum Absorption Garment, kurz MAG. Das sind die Windeln für Erwachsene, über die wir schon gesprochen hatten.

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Die europäische Astronautin Samantha Cristoforetti, eine Kollegin von Luca Parmitano, bereitet sich hier auf das Unterwassertraining in Houston vor. Sehr gut zu erkennen ist die Unterwäsche, durch die fünf Liter Kühlflüssigkeit läuft. Die gelben Stücke sind die Schlauchanschlüsse zum PLSS. Bild: NASA

Astronauten üben heutzutage für ihre Raumflüge unter Wasser. Als erster hat das Edwin Aldrin gemacht, viel besser bekannt unter seinem Spitznamen "Buzz" (Bass). Er war ein Mitglied der Apollo-11 Crew und der zweite Mensch auf dem Mond. Aber er flog schon vorher in den Weltraum, nämlich mit Gemini 12. Und ich hab Dir ja geschrieben, dass das EVA-Manöver bei den Gemini-Flügen zuerst überhaupt nicht gut geklappt hat. Bis dann Buzz Aldrin und die Ingenieure von der NASA das Unterwasser-Training erfunden haben. Damit da nichts passiert, also beim Training im Wasser, wird so ein Astronaut immer von Sicherungs-Tauchern begleitet. Schließlich will ja keiner, dass einer wegen eines undichten Ventils im Raumanzug womöglich auf der Erde ertrinkt.

Die Gefahr des Ertrinkens ist nun mal die größte Gefahr für einen Astronauten. Im Weltraum und auf der Erde. Meine zumindest ich (andere Leute sind da natürlich durchaus anderer völlig Meinung, das muss ich schon zugeben). Aber es ist nun mal Tatsache: in so einem Raumanzug ist nicht nur Luft, sondern da sind insgesamt auch etwa sieben Liter Wasser. Fast ein ganzer Eimer voll. Zwei Liter davon sind Trinkwasser. Fünf Liter sind die Kühlflüssigkeit. Wir haben gesehen, dass es in einem Raumanzug nie das Problem ist, dass es da drin zu kalt wird. Das Problem besteht vielmehr darin, die im Anzug produzierte Wärme wieder herauszubringen. Und dazu braucht man diese fünf Liter Kühlwasser. Sie bewahren den Astronauten davor, einen Hitzschlag zu bekommen. Das Kühlwasser kreist in Röhrchen in der Unterwäsche der Astronauten, wird im Geräterucksack gekühlt, und dann wieder in den Unterwäsche-Kühlkreislauf geschickt.

Und mit diesem Unterwäsche-Kühlkreislauf, der sich doch so harmlos anhört, wäre um ein Haar etwas Schreckliches passiert. Und es ist noch gar nicht so lange her:

Das Problem begann am 16. Juli 2013. Der europäischer Astronaut Luca Parmitano, der gerade fünfeinhalb Monate auf der Internationalen Raumstation verbrachte, sollte an diesem Tag mit seinem amerikanischen Kollegen Chris Cassidy (spricht man: Kriss Kässidi) einen Außeneinsatz unternehmen. Ihre Aufgabe bestand darin, Kabelverbindungen an der Hülle einiger Module zu installieren. Einen ähnlichen Außeneinsatz hatten sie schon eine Woche zuvor gemacht, und dabei war alles gut gegangen.

Die beiden Astronauten verließen die Luftschleuse, als sich die Raumstation gerade auf der Nachtseite der Erde befand. Es war somit stockfinster draußen. Parmitano klinkte seine Sicherheitsleine mit dem Karabiner in eine der dafür vorgesehenen Ösen ein. Cassidy machte dasselbe. Die beiden checkten sich gegenseitig, dann begab sich jeder auf seine Arbeitsstation. Obwohl sich die beiden an diesem Tag fast im selben Bereich der Station aufhalten sollten, nur ein paar Meter voneinander entfernt, waren ihre Wege dorthin doch sehr unterschiedlich. Die Sache war so ähnlich, wie wenn zwei Leute gleichzeitig eine Gartenhecke schneiden. Der eine außen, und der andere innen. Derjenige, der außen arbeitet, muss erst den Garten verlassen, und um das Haus herumgehen, damit er an seinen Platz kommt, obwohl sie am Ende nur zwei Meter voneinander entfernt sind.

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Hier legt sich Luca Parmitano (Mitte) vor seinem gefährlichen Abenteuer gerade den Raumanzug an. Links ist Chris Cassidy, rechts Karen Nyberg. Bild: NASA

Parmitano nahm den direkten Weg, während Cassidy den langen Weg einschlug, bei dem er um das Zentralsegment der Raumstation herum musste. Parmitano begab sich zunächst zu einem Behälter, den er vor einer Woche, beim ersten Teil der Arbeiten zurückgelassen hatte. In diesem Behälter waren verstaut. Die sollte Parmitano an diesem Tag an Anschlussbuchsen anklemmen, und sie an der Hülle der Labormodule mit kleinen Metalldrähten befestigen. Bei dieser Aufgabe musste er die Finger sehr viel bewegen, was im aufgepumpten Raumanzug sehr anstrengend ist, wie wir schon wissen.

Chris Cassidy hatte vor einer Woche das erste Kabel schon teilweise angeschlossen. Parmitano machte nun bei der Arbeit da weiter, wo sein Kollege aufgehört hatte. Er nahm das Teil, das noch nicht verbunden war, und verlegte es sorgfältig hin zur Anschlussbuchse. Nach ein paar kleineren, anfänglichen Problemen informierte er die Bodenkontrolle in Houston, dass er jetzt mit dem ersten Kabel fertig wäre und nun das zweite in Angriff nimmt. Dieses Kabel muss an der schwierigsten Arbeitsstation an der ganzen ISS verlegt werden: Dem Kreuzungspunkt der Module Tranquillity, Unity und Destiny.

Das ist eine vertrackte Position und dort ist er ziemlich eingeklemmt. Die Arbeit mit der zweiten Leitung ist deswegen schwierig, denn er kann sich kaum bewegen. Außerdem will sich das Kabel immer wieder zusammenrollen. Gerade als er sich überlegt, wie man es am besten "entspiralisiert", fällt ihm auf, dass etwas nicht stimmt. Da ist Feuchtigkeit im Nacken. ganz schön viel Feuchtigkeit. Das ist ein ziemlich unerwartetes Gefühl in einem Raumanzug. Parmitano bewegt den Kopf von einer Seite zur anderen, um sein Gefühl zu bestätigen. Aber es geht nicht weg. Die Feuchtigkeit bleibt. Und eigentlich kann man es auch nicht „Feuchtigkeit“ nennen. Es ist eindeutig nass.

Es kostet ihn einige Überwindung, der Flugleitung in Houston das Problem mitzuteilen. Er weiß, dass seine Nachricht das Ende dieses Außenbordmanövers bedeuten wird. Er berichtet, was los ist, und die Flugkontroller in Houston bitten ihn, auf weitere Anweisungen zu warten. Sein Kollege Chris Cassidy hat die Sache über den Helmfunk mitbekommen, und sich zu ihm hinüber begeben. Jetzt sieht er nach, ob er von außen die seltsame Wasserquelle im Helm sehen kann.

Zunächst sind die beiden davon überzeugt, dass es aus dem Trinkwasservorrat kommen muss. Oder dass es vielleicht Schweiß ist. Aber die Flüssigkeit ist viel zu kalt um Schweiß zu sein. Und vor allem: Es wird immer mehr. Außerdem sieht Cassidy er kein Trinkwasser aus dem Saugventil fließen. Er gibt seine Beobachtung an Houston durch. Jetzt ist Houston richtig alarmiert und gibt die Anweisung, das EVA sofort abzubrechen. Parmitano vereinbart mit Cassidy, dass der zuerst noch die Arbeitsgeräte sichern soll, bevor auch er in die Luftschleuse zurückkommt. Parmitano und Cassidy haben ja alle Gerätschäften noch „draußen“ gelassen. Für Cassidy bedeutet das aber, dass er erst wieder um die Zentralstruktur herum muss, um seine Arbeitsstation zu sichern. Erst dann kann auch er in die Schleuse kommen. So lange muss Parmitano aber dann auf jeden Fall warten, denn er kann seinen Kameraden nicht ausschließen.

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Um diesen Raumanzug der Zukunft wäre Luca Parmitano in seiner gefährlichen Situation wahrscheinlich froh gewesen. Bild: Beonit Concepts

Als er sich in Richtung der Luftschleuse bewegt, bemerkt er, dass die Menge an Wasser im Helm immer mehr zunimmt. Die Hörmuscheln der Kopfhörer sind vollgelaufen, und er kann kaum noch etwas hören. Durch sein Helmvisier ist so gut wie nichts mehr zu sehen. Dort hat sich eine Wasserschicht angelegt, die fast die ganze Scheibe bedeckt. Ihm fällt ein, dass er auf dem Rückweg entlang der Sicherungsleine an einer Antenne vorbei kommt. Die muss er in aufrechter Position passieren, um sie nicht zu beschädigen. Eine aufrechte Position ist an der Stelle schon deshalb notwendig, damit sich die Sicherungsleine wieder korrekt aufspult. Es wäre fatal, wenn die sich jetzt verheddern würde.

In dem Moment als er sich "aufrichtet" passieren zwei Dinge: Die Sonne geht unter, und seine Fähigkeit zu sehen, die durch das Wasser sowieso schon stark eingeschränkt ist, geht völlig verloren. Inzwischen hat das Wasser auch die Nase vollständig bedeckt. Die Sache wird noch verschlimmert, als er versucht, die Nase durch Kopfschütteln wieder frei zu bekommen. Der obere Teil des Helms ist jetzt komplett vollgelaufen. Parmitano muss befürchten, dass er schon beim nächsten Atemzug Wasser statt Luft einatmet. Durch das Kopfschütteln und weil er auch überhaupt nichts mehr sehen kann, hat er auch völlig die Orientierung verloren. Er weiß jetzt nicht mehr, in welcher Richtung es zur rettenden Luftschleuse geht. Er kann nur noch drei Zentimeter weit sehen. Bis zur Wasserschicht, die sich an seine Sichtscheibe geklebt hat. Er kann aber nicht mehr die Handgriffe an den Modulen erkennen, an denen entlang er sich zur Schleuse hangeln muss.

Parmitano versucht, die Flugkontrolle in Houston zu erreichen. Er kann sie reden hören, aber ihre Stimmen klingen weit entfernt. Sie ihrerseits können Parmitano gar nicht mehr verstehen. So ist er auf sich alleine gestellt. Verzweifelt überlegt er sich einen Plan. Er muss so schnell wie möglich die Schleuse erreichen. Er weiß zwar, dass irgendwann auch Chris Cassidy kommen wird, und ihn abholt. Aber er weiß nicht, wie viel Zeit ihm noch verbleibt, bis der Helm komplett voller Wasser ist. Da fallen ihm die Sicherheitsleinen ein. Der Aufspul-Mechanismus für die Sicherungsleine hat eine Spannung von 1,5 Kilogramm. Diese Spannung kann er spüren und sie zieht ihn nach links. Er muss also nur dieser Spannung bis zur Schleuse folgen. Er tastet nach den Griffen, versucht die Seilspannung zu fühlen und zwingt sich, nicht in Panik zu verfallen. Trotzdem muss er ständig dran denken, was passiert, wenn die Flüssigkeit seinen Mund erreicht. Nase und Ohren sind ja schon vollständig bedeckt. Die einzige Möglichkeit, die ihm dann noch bliebe, wäre dann, das Sicherheitsventil am Helm bei zu öffnen und Druck abzulassen. Das könnte etwas Wasser hinausbefördern. Aber nur so lange, bis es durch den Sublimationseffekt (also die Verdampfung, die im Vakuum direkt zu Eisbildung führt) zu gefrieren beginnt. Der Druck im Anzug würde dann auf ein lebensgefährliches Niveau sinken. Nein, das das kann nur die allerletzte verzweifelte Möglichkeit sein.

Er muss sich langsam bewegen, sonst verliert er das Gefühl für die schwache Seilspannung. Es scheint eine Ewigkeit zu dauern. Tatsächlich vergehen aber nur wenige Minuten. Endlich bemerkt er zu seiner großen Erleichterung - irgendwie durch seinen Wasservorhang hindurch – dass er die Thermalschutzabdeckung der Luftschleuse erreicht hat. Die letzte Anweisung, die er noch verstanden hatte, war sofort in die Luftschleuse zu kommen, und nicht auf Chris Cassidy zu warten. Entsprechend den Vorschriften müsste er eigentlich als zweiter in die Schleuse gehen, weil er als erster rausgegangen war. Aber jetzt ist es nicht die Zeit, Vorschriften zu befolgen.

Mit geschlossenen Augen gelingt es Parmitano in das Innere der Schleuse zu kommen. Dort muss er jetzt aber auf Chris Cassidys Rückkehr warten. Schließlich spürt er eine Bewegung hinter sich. Cassidy ist jetzt auch in der Luftschleuse und schließt sofort die Außenluke. In diesem Moment geht die Kommunikation von Houston an Karen Nyberg (spricht man: Karin Neiberg) über, eine Astronautin, die ebenfalls an Bord der ISS ist. Nyberg befindet sich hinter der noch geschlossenen Innenluke, denn es herrscht ja nach wie vor Vakuum in der Schleuse und man kann sie von der Seite der Raumstation her nicht betreten. Parmitano kann Karen Nyberg hören, aber sie hört ihn nicht, weil Parmitanos Mikrophon schon vollständig vom Wasser umschlossen ist. Er merkt es daran, weil sie ihre Instruktionen wiederholt, obwohl er schon drauf geantwortet hat. Er folgt den Anweisungen von Nyberg so gut es geht, aber in dem Moment, als der Druckaufbau in der Schleuse beginnt, geht der Audio-Kontakt komplett verloren. Parmitano hat jetzt Wasser in der Nase und in den Ohren und kann nur noch „fühlen“, solange er den Anzug nicht ausziehen kann.

Er bewegt sich jetzt so wenig wie möglich, um zu vermeiden, dass sich das Wasser im Helm bewegt und ihm möglicherweise doch noch in den Mund kommt. Dann könnte er nicht mehr atmen. Doch jetzt beginnt endlich die Luft in die Schleuse zu strömen. Parmitano weiß jetzt, dass er jetzt den Helm abnehmen könnte, wenn die Gefahr bestehen, dass er erstickt. Er würde dann zwar dann aufgrund des noch viel zu geringen Luftdrucks sofort das Bewusstsein verlieren, aber das wäre auf jeden Fall besser als zu ertrinken. Chris Cassidy drückt ihm die Hand, und Parmitano gibt ihm das o.k.-Zeichen. Sprechen können Sie noch nicht miteinander.

Die Minuten des Druckaufbaus vergehen. In Wirklichkeit dauert sowas nämlich viel länger als in den Science-Fiction-Filmen, wo das immer in Sekunden geht. Dann öffnet sich schließlich die innere Schleusentür, an der sich schon das ganze Team versammelt hat, um ihm zu helfen. Karen Nyberg entriegelt den Helm und hebt ihn vorsichtig über den Kopf. Fyodor Jurtschikin und Pawel Vinogradow reichen ihm sofort Handtücher. Parmitano kann sie zunächst noch nicht hören, denn Nase und Ohren sind noch voller Wasser. Aber nach ein paar Minuten ist er das wieder los. Eine der gefährlichsten Situationen in der Geschichte der Weltraum-Außenbordmanöver ist glücklich zu Ende gegangen.

Heute weiß man, was damals passiert ist. Bei Parmitanos Beinahe-Unglück hat eine verstopfte Pumpe im PLSS, also im Lebenserhaltungssystem des Anzugs dafür gesorgt, dass Wasser in den Luftkreislauf eindringen konnte. Diese Geschichte hätte Luca Parmitano das Leben kosten können. Wir sehen also, auch im Raumanzug ist ein Astronaut niemals völlig sicher. Man kann daran noch viel verbessern. Aber eines Tages werden die Astronauten wirklich in der Lage sein, wie die Helden in Star Trek mit fließenden Bewegungen in den Raumanzug zu schlüpfen, aus der Luftschleuse hinauszuspringen, und neuen Weltraum-Abenteuern entgegen zu schweben.

Tja, lieber Max, soweit für diesmal. Unsere kleine Brief-Serie über die Raumanzüge und die größte Gefahr für einen Astronauten, die darin besteht, zu ertrinken, endet an dieser Stelle.

Vielleicht schreibe ich schon bald mal eine zweite Serie. Und einen Titel dafür habe ich auch schon. Er lautet: "Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken - Teil 2". Beginnen würde diese Serie mit der Geschichte von Sojus 23. Dieses Raumschiff landete nämlich versehentlich während eines Schneesturms im Tengis-See in Kasachstan. Die beiden Kosmonauten an Bord wären dabei um ein Haar ertrunken.

Bis dahin alles Gute, Dein Onkel Eugen

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So schön und friedlich kann es auf der Internationalen Raumstation auch sein. Bild: NASA

 

11.May 2015 | 22:43

Yuris Night 2015 in Wien – eine Retrospektive

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Yuris Night in Wien Bild: Carola Riegler

Am 12. April 1961 fand der erste Raumflug in der Geschichte der Menschheit statt. An diesem Tag umrundete der sowjetische Kosmonaut Yuri Gagarin innerhalb von 90 Minuten einmal die Erde. Seine Tat läutete das Zeitalter der bemannten Raumfahrt ein. Seit einer Reihe von Jahren finden zur Erinnerung an dieses Ereignis weltweit unter dem Motto „Yuris Night“ Gedenkveranstaltungen statt, deren Aktionsrahmen sich, je nach Intention und Laune der Veranstalter, zwischen Party, Filmfestival, Space-up, öffentlichen Vorträgen und klassischer Konferenz bewegen. Sehr häufig ist es eine Mischung mehrerer derzeit gängiger Formen der Wissenschaftskommunikation. Heuer fiel der 12. April auf einen Sonntag, veranstaltungstechnisch ein eher undankbarer Termin.

Ausrichter der Yuris Night in Wien war – wie in den Vorjahren - die Astronomie- und Raumfahrtplattform „Der Orion“, deren Mitgründer ich bin. Die Veranstaltung wurde von meinen beiden geschätzten Mitstreiterinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer organisiert.

Viele Veranstalter stellen an besuchstechnisch ungünstig gelegenen Wochentagen den Aspekt „Party“ in den Vordergrund, um möglichst viele Besucher anzulocken. Das sollte aber nicht der Standard für die Veranstaltung in Wien sein, obwohl die „Yuris Night“ nicht nur den „Sonntagsnachteil“ hatte, sondern auch noch mit einem absoluten Großereignis konkurrieren musste: dem Wiener Stadtmarathon.

Was an diesem Tag in der Sternwarte der Wiener Urania den gut 150 Besuchern geboten wurde, zeigt der nachfolgende offizielle Bericht, wie er für Publikationen und Sponsoren erstellt wurde.

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Monika Fischer und Eugen Reichl (Astra)

Der anfänglich recht bewölkte Himmel machte die Sache spannend, denn die Wiener Ausgabe von Yuri‘s Night stand unter dem Motto: „Internationales Jahr des Lichts“, das die Vereinten Nationen in diesem Jahr begehen. Dieses „Licht“ sollte möglichst nicht nur von der Großstadt zu Füßen der Sternwarte kommen, sondern vor allem auch vom Universum darüber. So beschäftigte die Raumfahrt-Fans und die Sternenfreunde im Dachsaal der Wiener Urania die Frage, ob man wohl später am Abend mit dem großen Teleskop der Einrichtung Planeten und Sterne beobachten könnte. Zur Unterstützung des Urania-Teleskops hatte auch die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie Teleskope aufgebaut, um möglichst vielen Besucher einen Blick in den Himmel zu ermöglichen.

Die Veranstaltung begann um 18:00 Uhr. Da war es bis zum Sonnenuntergang, und damit bis zur Nagelprobe für diese Frage, noch eine ganze Weile hin. Gastgeberin der folgenden Stunden war Monika Fischer vom „Verein Förderkreis Astronomie und Raumfahrt - Der Orion‘“. Sie konnte die gut 150 Gäste zur bereits siebten Yuris Night in Wien begrüßen. Die „Yuris Night“ wird weltweit begangen. Insgesamt gab es an diesem Tag – verstreut über den ganzen Planeten – mehr als 150 Veranstaltungen im Gedenken an den historischen ersten Orbitalflug von Juri Gagarin am 12. April 1961.

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Maria Pflug-Hofmayr von "Der Orion'

Die offiziellen Begrüßungsworte sprach Dr. Günther Sidl, der Hausherr der Wiener Urania. Danach stimmte Maria Pflug-Hofmayr in einem Bilderstreifzug durch die Geschichte der Himmelsabbildung die Gäste auf den Abend ein. Quelle vieler dieser Bilder war der Bildblog „APOD“, das„ Astronomy Picture of the Day“, der seit zwei Jahrzehnten existiert. Dieses legendäre Internet-Sammelwerk bringt täglich ein spektakuläres Foto aus Raumfahrt oder Astronomie, begleitet von der Erläuterung eines Fachmannes. Pflug-Hofmayr, Mithgründerin der Astronomie- und Raumfahrtplattform www.der-orion.com, übersetzt diesen Erläuterungstext täglich vom Englischen ins Deutsche und veröffentlicht ihn zusammen mit dem jeweiligen Bild. Sie spannte dabei den Bogen von den frühen astronomischen Wandmalereien unserer steinzeitlichen Vorfahren, über die schon legendären Aufnahmen des Hubble Weltraum-Teleskopes, das in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert, bis hin zu den neuesten Bildern der derzeit im Sonnensystem aktiven Raumsonden.

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Dr. Carsten Wiedemann von der Universität Braunschweig (Bild: Carola Riegler)

Ein ganz anderes Bild des Weltalls – zumindest des sehr erdnahen Raumes - zeichnete anschließend Dr. Carsten Wiedemann vom Institut für Luft-und Raumfahrtsysteme der TU Braunschweig. Wiedemann beschäftigt sich mit Weltraummüll, etwas wissenschaftlicher auch als „Space Debris“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um ausgediente Satelliten, Raketenendstufen, Bruchstücke fester Treibstoffe, Farbpartikel und Trümmerteile, die in wachsender Zahl über unseren Köpfen kreisen und zunehmend ein Problem für die erdnahe Raumfahrt darstellen. Problematisch ist hier, dass sich diese unerwünschten Teile gerade auf den für wissenschaftliche und wirtschaftliche Zwecke beliebtesten Orbitalbahnen häufen. Die oft nur millimetergroßen Fragmente verfügen teilweise über eine enorme kinetische Energie, da sie potentiell mit Relativgeschwindigkeiten von 10 Kilometern pro Sekunde und mehr aufeinander prallen können und bei solchen Zusammenstößen neue Partikel freisetzen. Carsten Wiedemann berichtete auch von Plänen, diesen „Weltraummüll“ wieder aus der Erdumlaufbahn zu räumen, plädierte aber vor allem für die generelle Vermeidung von Space Debris. So sollen zukünftig alle Satelliten auf niedrigen Erdumlaufbahnen dafür ausgerüstet sein, zum Ende ihrer Einsatzlebens gezielt zum Absturz in die Erdatmosphäre gebracht werden zu können. Dann würden sie harmlos in der oberen Atmosphäre verglühen und keine dauerhafte Gefahr für andere Satelliten darstellen.

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Eugen Reichl im Gespräch mit Simonetta di Pippo (Bild: Carola Riegler)

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Simonetta di Pippo würzte ihre Ausführungen mit vielen Anekdoten (Bild: Carola Riegler)

Dass der Weltraum ein Ort der Kooperation und internationalen Zusammenarbeit ist, erörterte anschließend der Raumfahrtjournalist und Orion-Mitgründer Eugen Reichl in einem Podiumsgespräch mit Dr. Simonetta Di Pippo. Die ehemalige ESA-Chefin für bemannte Raumfahrt ist seit März letzten Jahres Direktorin des United Nations Office for Outer Space Affairs (UNOOSA). Bei der lebhaften Diskussion spannte sich der Themenbogen von ihren aktuellen Aufgaben bei der UN, über ihre Arbeit im Rahmen der Organisation „Women in Aerospace Europe“ bis hin zur privaten Raumfahrt, die sie sehr befürwortet, und in der sie eine große Chance für die Zukunft sieht. Di Pippo betonte dabei vor allem die Innovationsmöglichkeiten und die schnellen Entwicklungszyklen, die der privatwirtschaftliche Wettbewerb möglich macht. Auf die Frage von Eugen Reichl, ob sie denn bereit wäre, zum Mars zu fliegen, wenn sich die Chance ergäbe, zeigte sich die Astrophysikerin nicht abgeneigt. Sie räumte allerdings augenzwinkernd ein, dass sie als Fachfrau, die selber lange in der Entwicklung von Raumfahrzeugen beschäftigt war, vor allem die Flugsysteme zuvor einer sehr kritischen Kontrolle unterziehen würde.

Nach diesem angeregten und mit vielen amüsanten Anekdoten gewürzten Gespräch folgte eine kurze Pause für Erfrischungen. Eugen Reichl hatte seine neuesten Werke mitgebracht. Wer wollte konnte sich ein Buch kaufen, und es sich auch gleich signieren lassen. Gegen Ende der Pause war es zunächst nicht ganz einfach, die auf der Dachterrasse verstreuten Gäste wieder in den Dachsaal zu komplimentieren, denn draußen, hoch über der Donau, lockte inzwischen der erhoffte sternenklare Himmel und zusätzlich ein prachtvoller Blick über das nächtliche Wien.

Das nächste Thema war aber dann doch Anreiz genug, wieder in den Vortragsraum zurückzukehren. Dr. Konstanze Zwintz von der Universität Innsbruck machte nämlich die Sterne für die Weltraumfans hörbar. Sie berichtete anschaulich und mit verblüffend prägnanten Demonstrationen von ihren Forschungsarbeit, bei der sie durch die Untersuchung der Schwingungen der Sterne eine genaue Altersklassifizierung durchführen kann.

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Wien bei Nacht (Bild: Carola Riegler)

Wie jedes Jahr verlieh auch heuer gegen Ende der Veranstaltung das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) den Polarsternpreis des Jahres 2015. Geehrt wurde Dr. Christian Brünner von der Universität Graz für seine Verdienste um die Etablierung des Weltraumrechtes als eigenständiges juristisches Fach in Österreich und sein Engagement in der Nachwuchsförderung.

Zum Ausklang des gelungenen Abends waren die Besucher dann nicht mehr zu halten und „stürmten“ die Terrasse des Urania-Dachsaals, um mit den Teleskopen der Wiener Astronomischen Arbeitsgemeinschaft (WAA), vor allem aber mit dem Großen Teleskop der Urania-Sternwarte die Planeten Venus und Jupiter und andere bekannte Himmelsobjekte zu beobachten. Gegen 23:00 Uhr wurden dann die letzten Gäste hinauskomplimentiert, um das Personal der Wiener Volkshochschulen, das für Yuris Night eine Sonntags-Sonderschicht eingelegt hatte, in den wohlverdienten Feierabend zu entlassen.

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Wien bei Nacht vom Dach der Urania-Sternwarte unweit des Schwedenplatzes (Bild: Carola Riegler)

Nachdem der letzte Gast gegangen war, alles wieder an seinem ursprünglichen Platz stand und alle Lichter gelöscht waren, führten die drei Orioniden, Maria Pflug-Hofmayr, Monika Fischer und Eugen Reichl gegen Mitternacht noch eine Nachbesprechung an einer typischen Einrichtung der Wiener Großstadtkultur durch: am „Würschtelstand“. In diesem Fall am Stand des nahe gelegenen Schwedenplatzes. Bei Käsekrainern, Burenwurst, Bier und Limo wurden dann schon einmal die ersten Pläne für Yuris Night 2016 geschmiedet, denn auch im kommenden Jahr lädt der „Förderkreis Astronomie und Raumfahrt „Der Orion“ alle Raumfahrtfans und Sternenfreunde am 12. April 2016 wieder zu Yuris Night ein. Das Programm und der Veranstaltungsort werden rechtzeitig auf www.der-orion.com bekannt gegeben.

Das deutsche APOD kann über die Plattform-Seite http://www.der-orion.com angesteuert werden. Er hat aber auch eine eigene URL über die er – versuchen Sie es ruhig mal – als Startbildschirm eingestellt werden kann. Die Adresse lautet dann: http://www.starobserver.org/

Diesen Bericht mit anderen Bildern und dem Medienecho zur Veranstaltung finden Sie auch hier

04.Apr 2015 | 18:18

Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken – Sechster Brief

und wer's noch nicht gelesen hat: hier sind Brief 1, Brief 2, Brief 3, Brief 4 und Brief 5Bloggewitter_Kinder_logo

 

Lieber Max,

Bild 1 - ISS EMU CR NASA

Die amerikanische Extravehicular Mobility Unit (kurz: EMU), wie sie auf der Raumstation verwendet wird (BIld: NASA)

na, was sag ich. Im Länderspiel gegen Georgien HAT Müller wieder ein Tor geschossen. Hoffentlich gelingt ihm das heute in der Bundesliga auch. Nachdem die Borussen im Aufwind sind und die Bayern vor zwei Wochen eins auf die Mütze bekommen haben, bin ich dieses Mal besonders gespannt. Das darf ich nicht verpassen. Deswegen gleich mal ran an den Speck und rein ins "Eingemachte".

Und damit sind wir auch schon beim Thema, denn wie letztes Mal versprochen, steht heute "Eingemachter Astronaut" auf dem Speiseplan. Wir haben uns ja bisher mit dem Beginn des "Raumanzug-Zeitalters" beschäftigt. Und ich hab Dir Geschichten aus dem Projekt Mercury und dem Projekt Gemini erzählt. Danach kam - bei den Amerikanern - das Projekt Apollo. Und da waren die wesentlichen Kinderkrankheiten der Raumanzüge überwunden. Sie waren "erwachsen" geworden. Das bedeutete aber nicht, dass sie auch einfacher wurden. Dabei ist so ein Raumanzug im Prinzip eigentlich etwas ganz schlichtes: ein aufgeblasener Ballon in Menschenform.

Allerdings wird dieser "Menschenballon" nicht auf den gewohnten Luftdruck aufgepumpt, wie wir ihn von der Erdoberfläche her kennen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Man kann bei einem niedrigerem Druck wesentlich einfacher halbwegs Dichtigkeit erreichen (dass ein Raumanzug NIE ganz dicht ist, erzähl ich Dir nächstes Mal). Vor allem kann sich der Astronaut dann auch in seinem Anzug noch bewegen.

Du kannst Dir das gut vorstellen, wenn Du wieder den Ballon als Beispiel nimmst. Wenn der knallvoll aufgepumpt ist, dann kann man den nicht knuddeln und biegen. Ist er aber nur halbvoll aufgeblasen, dann kann man ihn quetschen und formen wie es einem gefällt. Luftdruck können wir normalerweise übrigens nicht fühlen. Die Menschen haben kein Sinnesorgan dafür. Nur wenn sich der Druck sehr schnell ändert, bei einem Sturzflug etwa, dann knackst es in den Ohren oder es wird einem schwindlig.

Der amerikanische Raumanzug eines Astronauten, der auf der Raumstation arbeitet, ist die EMU (für "Extravehicular Mobility Unit" und das ist wirklich ein Mörder-Zungenbrecher, der spricht sich nämlich: Extra-Vehi-kjular Mobiliti Junit). Der arbeitet bei einem Druck von 0,35 Atmosphären. Das ist nur ein Drittel des Druckes von Kelheim an der Donau und entspricht fast dem Druck auf dem Gipfel des Mount Everest. Und wie wir jetzt ja wissen, kann man mit normaler Luft als normaler Mensch auf dem Mount Everest kaum noch atmen. Eigentlich atmen wir Menschen ja eine Stickstoff-Atmosphäre mit ein bisschen Sauerstoff drin. Tatsächlich sind es etwa 78 Prozent Stickstoff und 22 Prozent Sauerstoff. Beträgt der Luftdruck aber nur noch ein Drittel des normalen Drucks, dann würden wir viel zu wenig Sauerstoff abbekommen und bald ersticken. Da würde dann der Stickstoff in der Luft seinem Namen alle Ehre machen.

Damit die Atmerei bei einem so niedrigen Druck noch funktioniert - und natürlich auch damit der Raumanzug für den Astronauten ein wenig beweglicher wird - lässt man in einem Raumanzug den Stickstoff einfach komplett weg und atmet nur den Sauerstoff. Reinen Sauerstoff also. Dann bekommt man auch bei nur einem Drittel des normalen Luftdrucks noch genug davon ab. Leiderleider taucht da aber schon das nächste Problem auf. Und das ist nicht von Pappe. Das Problem heißt "Taucherkrankheit", was Dir bei einem Raumfahrer wahrscheinlich etwas komisch vorkommen dürfte. Die Luft, die man für die Raumstation herstellt, ist aber fast dieselbe wie in Kelheim an der Donau. Es fehlen nur die Spurengase und die Autoabgase. Und auch der Luftdruck ist derselbe wie bei Dir daheim. Wenn ein Astronaut also aussteigt, und dafür seinen Raumanzug anzieht, muss er für seinen Aufenthalt bei nur einem Drittel dieses Wertes vorbereitet werden. Sonst bekommt er ein ähnliches Problem wie ein Taucher, der sich lange in großer Tiefe und unter hohem Gasdruck aufgehalten hat, und der jetzt wieder an die Oberfläche will. Und das bedeutet: Wenn die Astronauten da nicht aufpassen wie die Schießhunde, dann bekommen sie im Weltraum die Taucherkrankheit.

Bild 2 - Michael Clifford Linda Godwin CR NASA

Die Astronauten Michael Clifford und Linda Godwin hier beim "Voratmen", um die Taucherkrankheit zu vermeiden (Bild: NASA)

Damit er (oder natürlich "sie", denn auch Frauen können natürlich Astronautin werden) muss er zunächst unter normalem Umgebungsdruck reinen Sauerstoff „voratmen“. Und zwar ein paar Stunden lang. Das dient dazu, den Stickstoff aus dem Blut zu entfernen, und damit Symptome der Taucherkrankheit (durch die Bildung von Stickstoffbläschen) zu verhindern. Diese Stickstoffbläschen könnten zu Embolien, Infarkten und Lähmungen führen, was gar nicht lustig ist. Erst dann kann sich der Astronaut auf seine EVA vorbereiten. EVA, das hatten wir ja schon, ist die NASA-übliche Abkürzung für "Extra Vehicular Acitvity", zu umschreiben mit "Einsatz außerhalb des Raumfahrzeugs". Und dann zieht er seine EMU an.

Die EMU besteht aus 13 Lagen unterschiedlicher Materialien. Von innen nach außen sind das: Nylon (spricht man "Nei-lonn") und Spandex für die Unterkleidung des Astronauten, mit Urethan beschichtetes Nylon, Dacron, mit Neopren beschichtetes Nylon, Mylar, Gortex, Kevlar (wie es für die kugelsicheren Westen verwendet wird) und als äußerste Schicht Nomex. Wenn all diese verschiedenen Schichten zusammengenäht sind, dann haben sie eine Gesamtdicke von etwa einem halben Zentimeter.

Bei den Raumfahrtprogrammen Mercury und Gemini war jeder Raumanzug eine Maßanfertigung für einen einzelnen Astronauten. Bei den EMUs ist das nicht so. Die sind modular aufgebaut, wie man das nennt. Das bedeutet, dass man sich aus einem Vorrat an Einzelteilen seinen persönlichen Raumanzug selber zusammenstellen kann. Sowohl für die nur 45 Kilo schwere und 155 Zentimeter große Astronautin, als auch für einen Riesenkerl von 1,95 Meter und 100 Kilo Gewicht.

Bild 3 - SAFER

Der Mini-Raketenrucksack SAFER. Dieses Teil schnallt man sich unten an das Primary Life-Support Subsystem (Bild: NASA)

Zusammen mit dem Versorgungssystem auf dem Rücken ist so ein Raumfahrzeug dann im Prinzip ein Kleinraumschiff, dem nur noch die Triebwerke fehlen. Doch auch dem kann abgeholfen werden. Wenn sich der Astronaut einen sogenannte SAFER-Kit umschnallt. (SAFER, das steht für "Simplified Aid for Extravehicular Activity Rescue und solltest Du das tatsächlich in voller Länge aussprechen wollen, dann heißt das "Simpli-feid Ä-id foor extra-fehi-kuhlaar äktifitie ress-kju) umschnallt. Das ist - etwas profan ausgedrückt - ein Raketenrucksack, mit dem sich der Astronaut dann tatsächlich frei im Weltraum bewegen kann.

Der "Ladenpreis" für eine Hamilton Standard (so heißt die Firma, die den herstellt) EMU beträgt derzeit ungefähr 25 Millionen Dollar. Ohne den SAFER. Dafür kriegt man - mal überlegen - etwa einen Supertanker voll Mao-am, oder einen Stapel Schokoladentafeln, der 250 Kilometer hoch in den Weltraum reicht. Der Schokoladenstapel für zwei komplette Raumanzüge reicht somit bis zur Umlaufbahn der Internationalen Raumstation. An Bord der ISS befinden sich übrigens genügend Einzelteile, um mindestens drei amerikanische Raumanzüge zusammenzusetzen. Und nur der Vollständigkeit halber: Es gibt auch noch drei russische EVA-Raumanzüge an Bord der Internationalen Raumstation. Bloß die funktionieren ein wenig anders und sind auch ein wenig anders aufgebaut.

Bild 4 - SAFER Mark Lee

Hier benutzt der Astronaut Mark Lee den SAFER (Bild: NASA)

Soderla. Jetzt muss sich die Astronautin oder der Astronaut dieses Ding anziehen. Das ist eine seeehr umständliche Prozedur. Nicht zu vergleichen mit dem, was man in den Star Wars-Filmen sieht. Wenn die die Helden einen Raumanzug brauchen, dann sind das immer diese federleichten, schicken, silbernen Dinger. In die werfen sich dann Luke Skywalker und seine Freunde während des Spurts zur Luftschleuse, um dann wenige Sekunden später entschlossen durch das zischend aufgesprungene Schott in den freien Raum zu springen, und mit dem Antriebsstrahl des Raketenrucksacks dem nächsten Abenteuer entgegen zu düsen.

Nichts könnte weiter von der Wirklichkeit der Gegenwart entfernt sein. Jeder Astronaut und jede Astronautin beginnt den Ausflug in den Weltraum pudelnackt, denn es gilt ein Ding zu installieren, das die NASA verschämt „Maximum Absorption Garment“ nennt (das spricht man fast wie man‘s schreibt, nämlich Maximum Absorptschn Garment). Kurz: MAG. Hört sich toll an. Ist aber nichts anderes als "Pampers" für Erwachsene. Die Notwendigkeit für so ein Ding liegt auf der Hand: Astronauten müssen manchmal über 10 Stunden im Raumanzug verbringen. Und dabei sollen sie möglichst viel trinken, denn die Arbeit ist körperlich extrem anstrengend. Also braucht man seine eigene Mini-Toilette mit.

Als nächstes kommt das „Liquid Cooling and Ventilation Garment“ (Li-quit kuuhling änd venti-läischn garment) dran, kurz LCVG. Auch hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich etwas vergleichsweise Einfaches, nämlich die Unterwäsche des Astronauten. Allerdings, so einfach wie die Hemden und Hosen von Peek und Cloppenburg sind die nicht. Das LCVG besteht aus einem Nylon-Hemd und einer langen Unterhose aus Spandex. In beide Kleidungsstücke sind Plastikröhrchen eingearbeitet. Die sorgen dafür, dass es dem Astronauten nicht zu warm wird. Zu kalt wird es ihm übrigens nie, auch wenn auf der Außenseite des Anzuges die Temperatur unter -100 Grad sinkt. Rein technisch gesehen ist so ein Astronaut nämlich nichts anderes als eine leistungsfähige Bio-Kraftwerk. Und die erzeugt erhebliche Abwärme, die man beseitigen muss.

Bild 5 - Unterwäsche

Eine Astronautin zieht sich hier das Liquid Cooling and Ventilation Garment an, die Unterwäsche der Astronauten (Bild: NASA)

Das Kühlwasser für das LCVG kommt in der vom Astronauten gewünschten Temperatur aus dem Geräterucksack. Ein Ausfall der Kühlung ist in kürzester Zeit lebensbedrohlich, denn dann würde der Astronaut innerhalb von Minuten einen Hitzschlag erleiden. Aus diesem Grund gibt es noch ein – allerdings erheblich weniger leistungsfähiges – Reservesystem, das mit kleinen Ventilatoren arbeitet und Luft umwälzt. Die Sache mit dem Kühlwasser hat schon ein paarmal echte Probleme gemacht. Solche Probleme, dass ein Astronaut schon beinahe einmal ertrunken wäre, als das Kühlsystem kaputt ging, und sich die fünf Liter Kühlwasser in seinem Raumanzug verteilten. Und schon haben wir die drei Hauptgefahren für den Astronauten mal wieder beisammen. Ertrinken, Taucherkrankheit und Hitzschlag.

Aber daran denkt unser Astronaut (oder unsere Astronautin) jetzt nicht, denn als nächstes gilt es das EEH-System anzulegen. Dies steht für EMU Electrical Harness und ist die Verdrahtung für alle Biosensoren und Kommunikationsverbindungen, die sich im Inneren des Anzugs befinden. Da haben die Astronauten eine ganze Weile mit dem Rumstöpseln zu tun.

Bild 6 - Snoopy Cap

Der Erfinder des Snoopy Cap ist...Snoopy (Bild: AST)

Danach kommt das „Communications Carrier Assembly“ (CCA). Das Wort kommt den Astronauten ein bisschen zu blöd vor, und deswegen nennen sie es „Snoopy-Cap“. Eine Art Mütze, die an ein Weltkrieg 1-Fliegerkäppi erinnert. Benannt haben sie es nach dem Hund "Snoopy" aus der Comic-Serie "Charlie Brown". Der träumt nämlich auf seiner Hundehütte immer davon, ein Fliegerheld des ersten Weltkriegs zu sein. Mit einem Weltkrieg 1-Fliegerkäppi auf. In diese Mütze ist die Radio-Ausrüstung eingebaut, mit dem sich der Astronaut mit seinen Kollegen in der Raumstation oder in Mission Control unterhält.

Bild 7 - Astronaut-AnnaFisher

Hier die Astronautin Anna Fisher mit dem Snoopy Cap (Bild: NASA)

Nun kann sich der Astronaut in das Lower Torso Assembly (kurz LTA, spricht sich "Louwer Torso Assem-blie) quetschen. Das ist quasi die untere Hälfte des Raumanzuges, in einem einzelnen Stück vom Hosenbund bis zu den Schuhen. Es gibt aber auch hier an einigen Stellen, zum Beispiel an den Knien, Gelenke in diesem Teil, die es dem Astronauten erleichtern, sich zu bewegen.

Jetzt ist es Zeit, sich dem Hard Upper Torso (HUT) zu widmen, einer Fiberglas-Hartschale in der Form einer Weste. Der HUT ist das Verbindungsstück zu einer Reihe weiterer Einheiten. Zu den Armteilen, zum Verbindungsring des LTA, zum Helm und vor allen Dingen zum Lebenserhaltungssystem. Die Verbindung des HUT zu all diesen Elementen geschieht mit Schnellverschlüssen.

Dann werden die „Arme“ angelegt. Die sind im Schulterbereich, am Ellenbogen und am Handgelenk beweglich, und es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, je nach der Körpergröße jeweiligen Astronauten.

Bild 8 - Lower Part

Die Lower Torso Assembly. Die untere Hälfte des EMU-Raumanzugs (Bild: NASA)

Nach den "Armen" sind die Handschuhe dran. Die Fingerspitzen der Handschuhe sind mit Gummi überzogen, damit der Astronaut einen besseren "Griff" hat. Im Inneren der Handschuhe trägt der Astronaut noch einen Innenhandschuh, um Scheuern und Stoßen der Fingerspitzen zu vermeiden. Dies war ein beständiges Problem der Apollo-Anzüge, und vielen der Astronauten gingen nach ihren Mondmission alle Fingernägel ab.

Nun wird der Helm aufgesetzt. Auch er hat einen Schnellverbindungsring, mit dem er am HUT befestigt wird. Der Helm selbst ist nicht drehbar. Vielmehr ist er so groß ausgelegt, dass der Astronaut den Kopf im Inneren hin und her drehen kann. Im Hinterkopfbereich ist der Helm innen gepolstert.

Damit nicht genug. Am Helm wird jetzt die so genannte "Extravehicular Visor Assembly" kurz EVA, aufgesetzt. Sie passt genau über den Helm, und rastet am Kragen ein. Die EVA besteht aus einem Goldmetall-Visier, einer schlagfesten Sichtscheibe, einem Satz Blenden, die ziemlich albern aussehen, ähnlich wie Scheuklappen für Pferde, um blendendes Sonnenlicht abzuschirmen, vier Lampen, sowie einer Fernsehkamera, die alle Tätigkeiten in den Shuttle, die ISS und zum Boden überträgt.

Dann befestigt der Astronaut seinen Trinkbeutel im Kragenbereich des Anzugs. Auch dies eine Erfahrung aus den Apollo-Tagen. Bei Apollo 15 war es bei den Astronauten Irwin und Scott zu Herzrhythmus-Störungen gekommen, weil sie bei der enormen körperlichen Anstrengung massiv Spurenelemente ausschieden, und nicht wieder zugeführt bekamen. Der EVA-Anzug der NASA enthält deswegen einen Behälter mit zwei Liter isotonischer Flüssigkeit, die der Astronaut mit einem Trinkhalm konsumieren kann.

Bild 9 - Handschuhe

Die Handschuhe des EMU (Bild: NASA)

Zusätzlich gibt es eine Halterung im Inneren des Helms, in dem Nahrungskonzentrate, meistens Fruchtriegel, befestigt werden. Die Astronauten können durch eine Drehung des Kopfes mit den Zähnen diese Riegel aufnehmen und verspeisen.

Nun kommen wir zum großen Rucksack, dem "Primary Life-Support Subsystem" (PLSS). Das ist das Lebenserhaltungssystem und die Kraftzentrale des "Miniraumschiffes Raumanzug". Es ist voll gestopft mit Dingen, die das Überleben im Weltraum erst möglich machen. Randvoll mit hochkomplizierter Technik. Hier nur einige der Dinge, die sich da drin befinden: Ein Sauerstofftank mit lediglich 0,5 Liter Inhalt, der aber unter einem Druck von 518 Atmosphären steht, Kohlendioxid-Filter, Geruchsfilter (!), 5 Liter Kühlwasser (hatten wir vorhin schon), Funkgeräte, Warnsysteme, Ventilatoren, eine komplexe Wasserrückgewinnungsanlage für die Kühlluft und vieles mehr. Die Energieversorgung geschieht über Batterien.

Bild 10 - Helm

Der Helm des EMU. Ein technisches Wunderwerk (Bild: NASA)

Sollte das PLSS aus irgendeinem einmal Grund ausfallen, ist unterhalb des PLSS das "Secondary Oxygen Pack" (Secondärie Oxidschehn Päck – kurz: SOP) installiert. Es besteht im wesentlichen aus zwei Sauerstofftanks, die insgesamt 1,2 kg Sauerstoff unter einem Druck von 408 Atmosphären beinhalten. Das reicht für 30 Minuten, und diese Zeit sollte genügen, damit der Astronaut wieder in das sichere Raumfahrzeug kommt. Das SOP aktiviert sich selbständig, wenn der Druck im Raumanzug auf unter 0,23 Atmosphären sinkt.

Schließlich gibt es noch zahlreiche Hilfsgeräte und Vorrichtungen. Da ist zum Beispiel das "Display and Control Module" (Dis-plä-i änd Kontrol-Mod-jul, kurz: DCM), sozusagen das "Armaturenbrett" des Raumanzugs. Es beinhaltet Knöpfe, Kippschalter, Hebel und einen kleinen Bildschirm, auf dem der Astronaut alle Funktionen seines Anzugs, vor allem des PLSS ablesen kann. Das DCM ist in Brusthöhe vor den Augen des Astronauten platziert.

Und dann gibt es die "Servicing and Cooling Umbilical" (Sörvising änd kuuling ambilikl), eine Art Versorgungsleitung, mit der sich der Astronaut, so lange er noch in der Luftschleuse des Raumschiffes ist, an die Bordsysteme anschließen kann. Sinn dieser Anlage ist es, nicht die wertvollen Ressourcen des Raumanzuges schon vor Beginn der Außenbord-Aktivität zu verbrauchen.

In der Praxis sind nicht weniger als 25 zeitraubende Prozeduren zu absolvieren, bevor eine EVA beginnen kann. Einfach wie Flash Gordon (so’n Held aus den alten Zukunftsfilmen) in den Anzug springen und aus dem Raumschiff zu hechten ist nicht drin.

Bild 11 - Schweb

Und wenn alles fertig ist, dann kann der Astronaut losschweben (Bild: NASA)

Lieber Max, das war echt stressig für Dich heute. So viele Raumanzug-Fachausdrücke. Nächstes Mal wird es leichter. Da gibt es den Abschluss dieser Briefe-Reihe und da wird nochmal alles geboten, was es an Raumfahrern, Raumanzügen und Riesengefahren im Weltraum so gibt. Ein Schreckensbild hab ich noch gar nicht beschrieben. Eines, das man sich gar nicht ausmalen will. In einem Raumanzug kann nämlich noch etwas passieren, das nichts mit Ertrinken, Überhitzen, Taucherkrankheit oder einem Meteoritentreffer zu tun hat. In so einem Raumanzug sind viele elektrische Motoren, elektrische Leitungen, Stecker, Schalter und Relais.  Dazu eine Atmosphäre aus reinem Sauerstoff. Die Superkatastrophe wäre aber ein Brand im Raumanzug, ausgelöst durch einen Kurzschluss.

Den abschließenden Brief sende ich Dir erst in zwei Wochen. Nächstes Wochenende bin ich in Wien, bei Yuris Night (Jurihs Neit) und treffe da eine sehr interessante Weltraum-Frau. Simonetta di Pippo. Informationen zu dieser Veranstaltung findest Du HIER.

So, aber jetzt endgültig zum Fußball. Mal schauen, wie es den Bayern in Dortmund geht. Hoffentlich versemmeln sie das nicht...

Bis in zwei Wochen dann, Dein Onkel Eugen

28.Mar 2015 | 17:26

Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken – Fünfter Brief

und wer's noch nicht gelesen hat: hier sind Brief 1, Brief 2, Brief 3 und Brief 4Bloggewitter_Kinder_logo

 

Lieber Max,

Schitto….das ging ja sauber in die Grütze, letzte Woche. Eine 0:2 Klatsche gegen Borussia Mönchengladbach. Wer hätte das gedacht. Und kein Tor von Müller. Hat also kein Glück gebracht, dass ich den Brief an Dich erst am Sonntag geschrieben habe. Heute deswegen mal wieder zur "rechten" Zeit. Am Samstagnachmittag. Obwohl: heute ist ja eh keine Bundesliga. Wegen der Länderspiele. Gegen Borussia Dortmund geht es ja erst nächste Woche. Die sind ja wieder ganz schön stark geworden, die letzte Zeit. Und die haben dann auch noch Heimspiel. Mir schwant nichts Gutes. Aber wie sagt Franz Beckenbauer immer: "Schau mer mal". Also schau mer mal.

Bild 1 - Cernan Einstieg

In diesem Plastikmodell ist zu erkennen, wie sich Gene Cernan auf die Rückseite seines Gemini-Raumschiffs bewegen musste, um den "Rucksack" zu erreichen. Der in der Mitte der Rückseite befestigt ist (Bild: Pete M.)

Letztes Mal hab ich mich selbst mehr oder weniger mitten im Satz unterbrochen. Ich musste ja auf den Ostermarkt (Mann, war das langweilig). Davor war ich grade dabei, die Geschichte von Eugene Cernan und Tom Stafford zu erzählen, der Mannschaft von Gemini 9. Tom Stafford war der Kommandant, Eugene Cernan war der Pilot. Und seine Aufgabe war es, aus dem Raumschiff auszusteigen und die EMU zu testen. Die EMU, das war die „Extravehicular Maneuvering Unit“, von den Astronauten immer nur "der Rucksack" genannt. Sie war auf außen auf der Rückseite vom Raumschiffs befestigt, weil sie innen keinen Platz hatte. Und dorthin war Eugene Cernan jetzt unterwegs, in seinem Raumanzug. Hinten am Geräteteil, an der Kante vom Raumschiff, da gab es diesen gefährlichen gezackten Metallrand. Der war entstanden, weil bei der Stufentrennung die Sprengladung das Raumschiff nicht sauber von der zweiten Stufe der Titan-Trägerrakete abgetrennt hatte. Vorsichtig legte er jetzt seine lebenserhaltende Nabelschnur über die rasiermesserscharfen Metallkanten. Und dann hatte er nur noch zwei Meter zum "Rucksack". Und das war die Stelle, an der wir letzte Woche stehen geblieben waren. Aaalso...

...Gemini 9 flog grade über Südafrika und näherte sich wieder der Tag- und Nachtgrenze. Jetzt ging für die Astronauten die Sonne so schnell unter, wie sie vor 45 Minuten aufgegangen war. Als sich Cernan schließlich hinter die Gemini schwang, geriet er damit gleichzeitig aus dem Blickfeld von Stafford. Der hatte ihn bis dahin mit einer Art Rückspiegel beobachten können. Schließlich hatte er den "Rucksack" erreicht. Er klappte die Transportsicherungen weg und schaltete zwei kleine Lampen ein. Es funktionierte aber nur eine von den beiden und die lieferte nur ein klägliches Funzellicht. Cernan schob das Goldvisier seines Helms nach oben, aber auch das verbesserte seine Sicht nicht besonders.

Bild 2 - Training Erde

Das ist ein Bild von Gene Cernan beim Training auf der Erde. Da klappt alles einwandfrei (Bild: NASA)

All diese Handgriffe und Bewegungen musste er gegen den Widerstand des steinhart aufgepumpten Anzuges unternehmen. Das kostete Kraft, und so war Cernan schon bald sehr erschöpft. Er musste sich immer mindestens mit einer Hand an einem der Haltebügel festhalten, um nicht abzutreiben. Und mit seiner eigentlichen Aufgabe hatte er noch gar nicht begonnen. Tom Stafford konnte ihn bei der Vorbereitung seines Rucksacks nicht sehen. Die Sprechverbindung durch die Versorgungsleitung erlaubte es Eugene Cernan aber, seinem Kommandanten mitzuteilen, dass die Dinge aus dem Ruder liefen. Das Funzellicht war völlig unzureichend. Er konnte praktisch nichts erkennen. Und er musste sich durch eine Kontrollliste arbeiten, die 35 Positionen lang war. Allesamt waren notwendig, um den Rückentornister flugfähig zu machen. Er musste Knöpfe drücken, Ventile öffnen, Verbindungen legen und Schläuche umstecken.

Die Strapazen begannen ihren Tribut zu fordern. Was auf der Erde bei den Übungen kinderleicht war, war in der Wirklichkeit des Weltraums praktisch nicht zu bewältigen. Der Schweiß brannte in seinen Augen, aber er konnte ihn sich wegen des Helms nicht abwischen. Schließlich gelang es ihm, den letzten Schalter umzulegen. Die Systeme des Rücktornisters fuhren hoch. Es war beinahe Zeit, zu fliegen.

Er war jetzt schon eine Stunde und 47 Minuten draußen. Fünfmal so lange wie der bisherigen Rekordhalter. Und nun hätte es eigentlich losgehen können, mit seinem Raketenrucksack. Aber er konnte nichts erkennen. Es war total finster. Die Gemini musste doch eigentlich längst wieder auf der Tagseite der Erde sein. Es dauerte eine Weile, bis ihm klar wurde, dass es tatsächlich schon Tag war. Aber er konnte trotzdem nichts sehen. Der Schock fuhr ihm durch die Glieder. Cernan hatte so hart gearbeitet, dass die künstliche Atmosphäre im Inneren seines Raumanzuges die Feuchtigkeit, die er in den Anzug hineinschwitzte, nicht mehr bewältigen konnte. Die Sichtscheibe seines Helms hatte sich beschlagen und war durch die Kälte auf der Nachtseite der Erde vollständig eingefroren. Die Scheibe war so blind wie die eines Autos, das in einer kalten Winternacht im Freien gestanden war.

Er teilte es Tom Stafford mit. „Tom, mein Visier ist komplett zugefroren. Ich kann nichts mehr erkennen.“ Ungefähr das war die Stelle, an dem Tom Stafford sehr unruhig wurde. Was sollte er jetzt machen, wenn es Gene Cernan nicht mehr ins Raumschiff zurück schaffte?

Bild 3 - Training Erde Druckkammer

Auch das ist ein Bild vom Training auf der Erde. Dieses Mal im Druckanzug. Da ging das schon nicht mehr so einfach (Bild: NASA)

Das Hauptproblem für Eugene Cernan bestand darin, ohne die Hilfe der Schwerkraft irgendeine Hebelwirkung zu erzielen. Die einzige Halterung waren zwei dünne Metallbögen, die dafür vorgesehen waren, die Füße am Platz zu halten. An denen konnte man sich aber nur lose einhaken. Sie waren vollständig unzureichend, um ihm genügend Stabilität zu verleihen. Vor allem aber waren sie für eine sitzende Position ausgelegt, bei der er dem Raumschiff den Rücken zukehrte. Seine jetzige Arbeitsposition war aber genau anders herum. So schlüpfte er mit dem rechten Fuß unter die Fußhalterung und stellte den anderen Fuß fest darauf. Gleichzeitig musste er sich mit einer Hand am Bügel des Tornisters festhalten, während er versuchte, mit der anderen Hand zu arbeiten. Es war, als versuchte man, die Schlauchkupplung zweier zusammengeschlossener Gartenschläuche mit nur einer Hand wieder zu trennen. Und das gleich nach einem Dreitausend-Meter Lauf, mit zwei Paar extradicken Handschuhen an, in fast völliger Dunkelheit und dabei wie wild hin und her schwankend.

Die Arbeit war hart und Cernan japste nach Luft. Sein Herzschlag stieg auf 180 Schläge in der Minute. Das Visier war innen jetzt vollständig vereist. Er hatte keinerlei Sicht mehr nach außen. Da er es nicht abwischen konnte, blieb als einzige Möglichkeit, zumindest für einige Momente wieder geringe Sicht zu bekommen, mit der Nase ein Loch in die Scheibe zu rubbeln. Der Raketenrucksack war eine komplexe Maschine. Voll mit Ventilen, Hebeln und Armaturen. Viele von ihnen waren an Plätzen, die auch unter normalen Bedingungen nur schwer zu erreichen waren.

Sobald er versuchte, ein Ventil zu öffnen oder einen Hebel zu betätigen, forderte die Schwerelosigkeit ihren Tribut. Wenn er eine Kraft dafür aufwendete, etwas auf die eine Seite zu drehen, dann drehte es ihn selbst mit der gleichen Kraft auf die andere Seite. Dann rutschte sein Fuß wieder aus dem Bügel, und der ganze Körper begann sich in Pirouetten zu drehen. Und das alles in unmittelbarer Nähe des sägezähnigen Adapters, der nur darauf wartete, mit seinen scharfen Kanten ein Loch in seinen Anzug zu reißen.

Um den "Rucksack" zu einem handlichen Paket zu schnüren, das gut in die Mulde auf der Rückseite der Gemini passte, hatten die Ingenieure lange nachgedacht. Es war ein mechanisches Meisterstück geworden. Viele Elemente waren faltbar, oder als Teleskopvorrichtung ausgelegt. Die Haltearme waren sogar beides, gefaltet und ineinander einfahrbar. Der Versuch, sie auszuklappen und auszufahren glich dem Versuch, gekochte Spaghetti in sprudelndem Wasser gerade zu bekommen. Cernan zog, und die Arme zogen zurück. Er drehte und wurde selbst gedreht. Schließlich aber hatte er sie da, wo sie sein sollten. Er brachte seinen Körper auf den kleinen sattelartigen Sitz und schnallte den Sitzgurt fest.

Nun musste er sich nun von seiner Versorgungsleitung abklemmen, und sich an die Rucksack-Systeme anschließen. Der sollte ihm jetzt als Lebenserhaltungssystem dienen und ihn mit Sauerstoff und Energie versorgen. Das gelang ihm auch, da er nun in seiner Sitzposition über Haltepunkte verfügte. Das erste Mal in der Geschichte der Raumfahrt hatte sich ein Mensch von der Versorgung seines Raumschiffes getrennt. Doch indem er das tat, schnitt er die Sprechverbindung mit Tom Stafford ab, denn die war per Draht durch die Nabelschnur gelaufen. Sie wurde nun durch eine Funkverbindung ersetzt. Aber die funktionierte nur dann gut, wenn der Sender und der Empfänger in direkter Sicht waren. Da sich Cernan aber am hinteren Teil der Adapter-Sektion befand, war er durch das Metall und die Treibstofftanks des Raumschiffs von Tom Stafford getrennt. Und so konnte ihn sein Kommandant im Rauschen und Krachen des dünnen Signals kaum verstehen. Immerhin bekam Stafford die wesentliche Aussage Cernans mit: „Tom, ich kann vor meinen Augen nichts mehr sehen“.

Auch die Leute von der Bodenkontrolle konnten Cernan jetzt nicht mehr hören. Stafford hatte ihnen aber erzählt, dass die Arbeitsbelastung viel höher sei als das, was man vermutet hatte. Und er hatte ihnen auch erzählt, dass die Sprechverbindung sehr schlecht sei ,und dass Cernan nichts mehr durch sein Helmvisier sehen konnte. Und so gab er folgendes durch: „Wenn sich die Situation nicht sehr schnell verbessert, dann brechen wir die ganze Aktion ab“.

Bild 4 - Training Erde

Buzz Aldrin - er war der Ersatzmann von Gene Cernan - probiert hier den "Rucksack" auf der Erde beim Training ebenfalls anzuschnallen (Bild: NASA)

Bevor Cernan von der Nabelschnur-Verbindung zum Rückentornister umschaltete, hatte das medizinische Team am Boden die Daten seiner Körpersensoren direkt verfolgen können. Aber jetzt bestand diese Nabelschnur-Verbindung nicht mehr, und nun waren sie von diesen Daten abgeschnitten. Und da Ärzte nun mal von Beruf wegen zur Besorgnis neigen, waren sie alarmiert. Das letzte, was sie von Cernan wussten war, dass er vor Anstrengung japste. Und das schon seit einer dreiviertel Stunde. Der normale Herzschlag hatte sich verdreifacht. Die Sachlage entwickelte sich chaotisch und er befand sich in einer Zone, aus der er möglicherweise nicht mehr zurückkommen konnte. Der Astronaut Gene Cernan, so erkannten sie, steckte tief in der Scheiße.

Der Gegenstand ihrer Sorge saß in der Zwischenzeit auf seinem kleinen Thron, versuchte seine Nase an der Scheibe zu reiben um zumindest ein kleines Sichtloch freizubekommen. Und er kam zu zwei Schlussfolgerungen. Erstens: Er steckte tief in der Scheiße. Zweitens: Er war der Sache nicht mehr gewachsen.

Tom Stafford meldete sich wieder. Seine Stimme war durch das Rauschen und Knistern und Knacken der Funkübertragung kaum zu verstehen. „Kannst Du irgendwas erkennen, Gene? Kannst Du mich verstehen? Gene? GENE??. Cernan schrie seine Antwort ins Mikrofon, aber er konnte sich nur schwer verständlich machen. Es kam zur einer verstümmelten Unterhaltung mit vielen Rückfragen und Wiederholungen. Und Tom Stafford traf eine Entscheidung.

„Okay“, entschied er „No-go. Hast Du verstanden? Ich sagte No-Go. Du kannst nichts sehen. Wir brechen ab. Auf der Stelle. Du schaltest Dich zurück auf die Nabelschnur“. Es war die richtige Entscheidung, und Tom war nicht der Typ, der so etwas noch einmal diskutierte. Er setzte sich umgehend mit der Bodenstation Hawaii in Verbindung. „Hawaii, hier Gemini 9. Hört zu. Der EMU Einsatz findet nicht statt. Wir haben keine andere Chance“. „Roger, verstanden“, bestätigte die Bodenstation. Und das war es dann, für den „Nichtflug“ des Rucksacks. Die Probleme waren damit aber noch lange nicht beendet, denn Eugen Cernan war noch nicht wieder zurück.

Das Abschnallen, das Wiederanschließen der Versorgungsleitung, das Herumklettern um die Adapter-Sektion schienen einfacher zu sein, als beim Hinausgehen. Aber es dauerte trotzdem sehr lange. Der aufgepumpte Raumanzug hatte in den vergangenen zwei Stunden nichts von seiner Steifheit verloren. Das Visier war nach wie vor komplett vereist und Cernans letzte Kraftreserven schmolzen dahin wie der Schnee im März.

Bild 5

Und so hätte das aussehen sollen, wenn alles funktioniert hätte. Aber so weit kam es ja nicht (Bild: NASA)

Aus dem Bericht von Edward White wussten die Astronauten, dass das Zurückklettern in das Raumfahrtzeug eine besonders knifflige Aufgabe war. Anstatt aber zu berichten, dass es schwierig sei, hätte White besser gesagt, dass es nahezu unmöglich war. Wenn ein Astronaut größer war als 1,75 konnte er sich in der winzigen Kabine nicht ausstrecken, ohne mit dem Kopf oder den Füßen irgendwo gegenzustoßen. Cernan war aber schon ohne Helm 1,83. Das bedeutete, dass er sich in jedem Fall zusammenkauern musste, um wieder hineinzukommen. Und im Weltraum ist kein Job erledigt, bis nicht die Luke wieder geschlossen, und der Druck im Inneren hergestellt ist.

Als Eugene Cernan das kleine Raumschiff für seinen Ausflug an das Heck der Gemini verließ, hatte er die Luke fast ganz geschlossen. Sie war nur noch einen Spalt offen. Grade genug, um die Nabelschnur durchzulassen. Mehr durfte es nicht sein, damit das Innere der Gemini vor der direkten Sonneneinstrahlung geschützt blieb. Nun tastete Cernan, blind wie er war, mit seinen Fingern herum, um die Luke zu finden.

Seine suchenden Hände fanden schließlich den offenen Türspalt. Er zog sie auf, drehte sich und steckte die Füße ins Raumfahrzeug. Stafford hatte die Nabelschnur mit jedem Meter, den sich Cernan der Luke näherte, weiter eingeholt. Nun packte er ihn am Knöchel und beendete damit das schwerelose Ballett. Bei der Gelegenheit kickte Cernan den Hasselblad-Fotoapparat weg, die Stafford benutzt hatte, um Bilder von seinem Ausflug zu machen. Der Apparat schwebte langsam an seinem beschlagenen Helm vorbei. Durch das winzige Loch, das er mit der Nase in die Scheibe gerubbelt hatte, konnte er sehen, dass da etwas wegtrudelte. Er grabschte danach, hielt es auch für einen Moment, aber seine Finger hatten nicht mehr die Kraft, sie fest zu packen. Die Fotos waren weg. Heute existieren von Cernans Ausflug nur Standbilder der Filmkamera, aber keine Fotos.

Gemini 9 war über dem Atlantik, als Gene Cernan begann, sich wieder in das Raumschiff zu quetschen. Die Anstrengung, sich im Anzug zusammenzukrümmen war wie der Versuch, ein prall aufgeblasenes Schlauchboot umzuknicken. Tom Stafford konnte ihm nicht mehr helfen als er es ohnehin schon tat. Und so begann der Kampf Gene Cernans mit dem Raumanzug aufs Neue. Sein Atem ging stoßweise, als er versuchte die Beine anzuwinkeln und unter die Konsole zu pressen. Das Ganze endete in einer Art Entengang-Position, die Beine breit auseinander und nur noch halb gestreckt.

Cernan versuchte sich noch ein wenig mehr zusammen zu kauern. Entsetzliche Schmerzen schossen ihm in den Oberschenkel, als er versuchte seinen Körper in den Sitz und seine Beine unter die Instrumentenkonsole zu zwängen. Schließlich gelang es ihm, zunächst die Zehenspitzen, dann auch die Fersen über die Sitzkante zu pressen, und schließlich auch die Knie in einer abenteuerlichen Stellung unter das Instrumentenpaneel zu klemmen. Die Zehenspitzen deuteten senkrecht nach unten und die Beine waren in einer schrecklichen V-Position gebeugt, als er versuchte sich immer weiter in die Kabine zu pressen. Schmerzhafte Krämpfe liefen in Wellen die Beine hoch.

Bild 6 - Inside Gemini

Gene Cernan im Raumschiff nach seinem Abenteuer. Die Erschöpfung und der Schrecken sind ihm anzusehen (Bild: NASA)

Cernans Ziel war es, irgendwie seinen Allerwertesten auf den Sitz zu bekommen, und den Rücken flach auf die Rückenlehne. Aber das war wegen des steinhart aufgepumpten Anzugs völlig unmöglich. Die Anstrengung wurde zur Qual, als er sich schwitzend Millimeter für Millimeter weiter in die Kabine zwängte. Die Pulsfrequenz überstieg wieder über die 150er Marke und die Atemfrequenz ging auf 40 die Minute. Schließlich bekam er seine Finger unter das Instrumentenbrett und begann, sich mit aller Kraft hineinzuziehen. Eine weitere kleine Bewegung schließlich, und es gelang, die Knie unter das Panel zu klemmen. Das war schwieriger, als einen Sektkorken wieder in die Flasche zurück zu stopfen.

Schließlich war Cernan zu zwei Dritteln im Raumfahrzeug und noch zu einem Drittel draußen. Mit einer weiteren Gewaltanstrengung gelang es ihm, die Schultern unter die Höhe der Luke zu bringen. Dann kauerte er sich hinunter, soweit es mit äußerster Kraft ging, bog den Nacken und Kopf in einen unmöglichen Winkel nach unten und zog gleichzeitig mit aller Kraft an der Luke.

Jetzt langte Tom Stafford mit der rechten Hand herüber und griff nach einem Hebel, durch den man über eine Kette die Luke Zentimeter für Zentimeter herunter pumpen konnte. Das quetschte die Tür zusammen mit Cernans Kopf einige weitere Zentimeter nach unten. Weit genug, um den Schließmechanismus im obersten Zacken der Zahnstange einrasten zu lassen. Das war zum einen gut, zum anderen machte es aber für Cernan die Dinge schlimmer als je zuvor. Er war in seinem prallgefüllten Gummi-Gefängnis schon bis zu einem Punkt zusammengefaltet, wo es absolut nichts mehr weiter zu stauchen gab. Und die verdammte Tür war noch weit davon entfernt, geschlossen zu sein. Tom pumpte die Luke einen weiteren Klick der Zahnstange herunter und Cernans Schmerzen wurden immer schrecklicher.

Vor Cernans Augen waberte es in roten Wellen. Er war auf seinem Platz eingefroren und nicht in der Lage auch nur die kleinste Bewegung auszuführen. Es war nicht möglich, den Körper noch tiefer zu drücken, die Beine waren wie mit Stahlklammern an die Unterseite des Instrumentenpanels genagelt. Und die Luke war nicht zu. Weitere Klicks waren notwendig, um den Schließmechanismus Zacken um Zacken die Zahnstange hinunter bis zum Verriegelungspunkt zu bringen. Verzweifelt pumpte nun Cernan selbst mit der linken Hand immer weiter und hatte dabei das Gefühl, als hätte er sich schon alle Knochen gebrochen. Nie zuvor im Leben hatte er solche Schmerzen gehabt. Schließlich erfolgte der letzte Druck am Hebel und die Luke rastete ein.

Farbige Lichter tanzten vor seinen Augen, er bekam keine Luft mehr und eine unglaubliche Agonie machte sich in ihm breit, als er da an der Grenze zur Bewusstlosigkeit hing.

„Tom“, stöhnte er, „wenn wir das Schiff nicht schnellstens unter Druck setzen können, dann – glaub’s mir – sterbe ich hier“. Stafford verlor keine Sekunde, und das Zischen der Luft, die in das Raumfahrzeug strömte, war das schönste Geräusch, das er je gehört hatte. Als der Luftdruck in der Gemini zunahm, wurde der Anzug weicher und weicher. Als er seine Füße wieder bewegen konnte, schob er sie mit beiden Händen und unter heftigen Schmerzen endlich ganz unter das Instrumentenpanel und konnte nun auch richtig auf den Sitz rutschen. Er nahm den Helm ab und inhalierte den Sauerstoff in tiefen Zügen.

Bild 7 - Landung

Nach der Landung von Gemini 9. Links Gene Cernan, rechts Tom Stafford. Beide sind heilfroh, wieder zurück zu sein.

Cernans Gesicht war so rot wie ein Radieschen. Er stand unmittelbar vor dem Hitzekollaps. Stafford war zutiefst geschockt von dem Anblick. Bis zu diesem Zeitpunkt war ihm zwar klar, dass die Situation ernst war. WIE ernst es aber tatsächlich um Gene Cernan stand, hatte er noch nicht realisiert. Eine der eisernen Regeln für die Astronauten in den Gemini-Tagen war es, niemals – NIEMALS – mit Wasser im Inneren des Raumschiffs herumzuspritzen. Die herumfliegenden Wasserkugeln konnten nämlich in der reinen Sauerstoffatmosphäre der Gemini zu Kurzschlüssen mit verheerenden Folgen führen. Doch jetzt zögerte Stafford keine Sekunde. Er fingerte nach seiner Wasserspritze (aus der die Astronauten damals tranken) richtete sie wie eine Pistole auf Cernan und drückte Ströme kühler Flüssigkeit in das brennende Gesicht seines Piloten. Einen Tag später landete Gemini 9 im Atlantik. Die Sache war äußerst knapp gewesen für Eugene Cernan.

Aber für heute ist es jetzt mal genug. War auch ne echt lange Story. Fussball ist heute ja nicht. Zumindest nicht Bundesliga. Wegen dem Länderspiel morgen gegen Georgien. Und zweite Liga ist nicht so das meine, von den Spielen der 60iger mal abgesehen. Oder interessiert Dich KSV Baunatal gegen Kickers Offenbach oder FSV Wacker 90 Nordhausen gegen den 1. FC Magdeburg? Ich werde hernach jedenfalls was Vernünftiges tun, und einen großen Topf voll Chili con Carne kochen. Das essen bei uns alle gern hier. Und morgen kann ich dann gucken, ob Müller vielleicht im EM-Qualifikationsspiel gegen Georgien ein Tor schießt.

Das nächste Mal geht’s es bei den Raumanzügen ins "Eingemachte". Was ja dann eigentlich der Astronaut wäre, höhö. So ein Anzug sieht simpel aus, ist eine top-komplizierte Sache. Und deswegen erzähl ich Dir dann was über SAFER und HUT und ein paar furchtbare Zungenbrecher wie CCV und LCVG. Letzteres ist übrigens eine Unterwäsche, bei der man ertrinken kann. Wär fast schon passiert.

24.May 2015 | 02:30

Allgemeines Live-Blog vom 24. bis 28. Mai 2015


28. Mai

dawn1

dawn3

dawn2

Drei heute veröffentlichte Bilder aus dem Sonnensystem

zeigen Ceres aus 5100 km Abstand, einen Schrägblick auf den Mondkrater Tycho aus 59 km Höhe und Komet C-G aus 7.9 km Höhe: Sie stammen von Dawn vom 23. Mai, dem Lunar Reconnaissance Orbiter vom 2. November und Rosetta vom 19. Oktober. Mit dem Ceres-Bild voller Sekundärkrater – sein Kontext – lässt sich schon allerlei Geologie betreiben (auch Artikel hier und hier), während das Mond-Bild zum Nachdenken über Kraterformen anregt. Und das NavCam-Bild ist Teil der nächsten großen Lieferung ins Archiv, die nun auch die größte Annäherung an die Oberfläche und Philaes Landung umfasst: auch der Komet heute von der Erde aus aus dieser Sammlung, ein detaillierter Artikel über die 4. Suche nach Philae, die am 30. Mai beginnt und die größten Chancen bisher verspricht – und hier, hier und hier im Original oder zusammen gefasst drei aktuelle Papers mit Analysen der OSIRIS-Bilder des Kerns, von denen sich zwei für eine Bildung aus kleineren Brocken aussprechen. [23:55 MESZ – Ende]

Bisher keine Hindernisse auf der Bahn von New Horizons

haben die intensiven Beobachtungen des Pluto-Systems mit der Telekamera LORRI aufgespürt, so dass der Plan bestehen bleibt – Verblüffung löste allerdings die Ankündigung einer NASA-Telecon aus, die “surprising observations of how Pluto’s moons behave” von Hubble “and how these new discoveries are being used in the planning for the New Horizons Pluto flyby in July” verkünden wird. Auch die letzten Nahaufnahmen Hyperions von Cassini am 31. Mai, neue Ideen zur Klimageschichte des Mars, der Status von vier Planetenmissionen in Vorbereitung, alte Herschel-Bilder von Filamenten in der Milchstraße, keine Hinweise auf schaumige Raumzeit in echten Daten (auch ein Press Release und eine Blog-Story von Chandra), was das Citizen-Science-Experiment MERCCURI auf der ISS mit gesammelten Bakterien gebracht hat, das Andocken einer Soyuz aus deren Sicht gefilmt, die schwierige Untersuchung des Progress-Unfalls (bei der Proton geht’s da besser voran), weiter kein Kontakt zum schweigenden privaten Sonnensegler, der 65. Ariane-5-Start in Folge ist geglückt (Press Releases hier, hier und hier, Artikel hier und hier und mehr Links), der letzte Shuttle-Tank kommt ins Museum – und ein alter russischer Scramjet-Tester landete in einem britischen Garten … [23:30 MESZ]

nlc-iss

Die Saison der Leuchtenden Nachtwolken hat begonnen!

Erst ein kontrastreiches Bild von der ISS – und vor einer Stunde eine sehr deutliche Sichtung im UK: Die NLCs leuchten wieder! Auch eine Vorhersage hellen Polarlichts auf dem Mars, Komet Lovejoy ganz dicht an Polaris gestern, die expandierte Koma von 29P am 25. Mai, schon wieder ein PANSTARRS, ein erstaunliches Video eines Raketenstarts aus Russland aus großer Distanz, wo die meisten erdähnlichen Planeten zu finden sind, der Ausbau eines Teleskops für Kosmische Strahlung in Utah – und das skandalöse Verhalten der angeblichen Wissenschaftsstadt Bonn gegenüber der dortigen Dependance des Deutschen Museums. [2:45 MESZ] Eine Diskussion der beginnenden NLC-Saison. [17:40 MESZ] Und noch ein britisches Bild, um 2:17 Uhr Ortszeit und vermutlich auf 55°N, und ein Bild und Zeitraffer aus Schottland. [22:35 MESZ]


27. Mai

Mai-Plutos

Allmählich wird etwas auf Plutos Oberfläche erkennbar: Aufnahmen von New Horizons von Mitte Mai, die endlich etwas mehr als Hubbles beste zeigen. Auch eine Bestätigung vom Mission Scientist, dass Rosetta am Missionsende aif C-G landen soll (ob erst irgendwann 2016, wird bis Juli entschieden), eher spekulative Gedanken über einen Europa-Lander, BepiColombo im ESTEC angekommen, Tests von InSight (Bilder und mehr) und CubeSats als Downlink-Relais seines EDL, ein Kunde für den Moon Express (mehr), die Sichtung des X-37B durch Amateure – und der heutige ‘Umbau’ der ISS (ein Zeitraffer-Video, unzählige technische Details und eine Vorschau). [23:45 MESZ. NACHTRÄGE: ein ESA Release und noch ein Artikel dazu]

Der Bau des Thirty Meter Telescope kann weiter gehen!

In einer Rede hat der Gouverneur von Hawaii gerade verkündet, dass der Bau des TMT auf dem Mauna Kea weiter gehen kann: Die für Hawaii so wichtige Astronomie und die Kultur (als ob Astronomie keine Kultur wäre, Herr Ige!) könnten und müssten koexistieren. Die Unterstützung für das Thirty Meter Telescope geht allerdings mit einem heftigen Forderungskatalog einher: Insbesondere müsste auf dem Berg mindestens ein Viertel aller existierenden Teleskope verschwinden, bevor das TMT fertig sei, was sehr schwierig werden dürfte – und nach ihm dürfe kein anderes mehr kommen. [4:25 MESZ] Der Rede-Text und ein Press Release von Ige und weitere Artikel hier, hier und hier. [18:55 MESZ. NACHTRÄGE: Reaktionen der Astronomen – der künstlich verfrühte Abriss extierender Teleskope ist schädlich – und des OHA. Auch ein Online-Voting über Iges Punkte – und ein Kommentar, in dem auch Wissenschaft Kultur ist: so!]

Hoffen auf Reboot: Das LightSail schweigt seit 4 Tagen …

Steht auch die dritte Mission der Planetary Society mit einem Sonnensegler vor dem Scheitern? Ein Gerücht von gestern Nachmittag ist leider wahr – das Light Sail-A hat sich seit dem 22. Mai nicht mehr gemeldet, offenbar weil ein Software-Fehler den Bordrechner lahm gelegt hat. Vergeblich wird seither versucht, dem Rechner einen Reboot-Befehl zu erteilen und den entscheidenden Patch hoch zu laden, doch der Absturz ist sehr tief. Fast mehr Hoffnung gibt es da, dass der Zufallstreffer eines Teilchens der Kosmischen Strahlung in die richtige Speicherzelle einen Reboot triggert: Das ist manch anderem CubeSat nach ein paar Wpchen passiert. Als Würfel kann das Light Sail jedenfalls noch ein halbes Jahr im Orbit bleiben: Sollte wieder Kontakt bestehen, würde sofort das Entfalten des Segels eingeleitet werden – noch wird offiziell Optimismus verbreitet. Auch generelle Zweifel an CubeSats als ideale Satelliten, HiRISE-Beobachtungen von Veränderungen auf dem Mars, wissenschaftliche Fragen als Motivation des bemannten Mars-Programms der NASA, der heutige “Umbau” der ISS (mehr), vielleicht ein Kasache als Brightman-Ersatz, die Zertifizierung der Falcon 9 für Militärstarts der USA (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) – und eine große Reform von Roskosmos nach all dem Ärger bis Jahresende. [2:10 MESZ]


26. Mai

europa

Europa-Mission: noch kein Plan – aber die 9 Instrumente!

Nachdem der politische Rückhalt in den USA für eine aufwändige Mission zu Jupiters Ozean-unter-Eis-Mond Europa in den 2020-er Jahren gewachsen ist, hat die NASA schon einmal die Nutzlast des Orbiters ausgewählt und heute auf einer PK vorgestellt: Gemeinsam sollen sie die Frage beantworten, ob Europa habitabel ist. Und zwar konkret: wie tief und salzig ist der Ozean, wie dick der Eispanzer und erlaubt er Kommunikation des Ozeans darunter mit der Oberfläche, und was aus diesem macht den “brown gunk” aus, der Europas Oberfläche bedeckt, und/oder steckt in den Wasserdampf-Fontänen, die hier und da aus dem Eis dringen und vom HST entdeckt wurden? Nach irgendwelcher direkten Evidenz für Leben im Ozean wird nicht geforscht, dazu kann man heute noch nicht einmal die richtigen Fragen formulieren, und auch für die Mitnahme irgendeiner Landeeinheit wäre es noch viel zu früh. Die 9 Instrumente – ausgewählt aus 33 Vorschlägen – sollen Anfang der 2020-er Jahre fertig sein, und gestartet wird um 2025 ± ein paar Jahre, je nachdem wie die Entwicklung und Finanzierung des Orbiters voran kommen. Der wird den Jupiter umkreisen und in 2 1/2 Jahren 45-mal an Europa vorbei fliegen.

Um den Zustand des Ozeans und seinen Salzgehalt kümmern sich das Plasmainstrument PIMS und das Magnetometer ICEMAG und um den ‘brown gunk’, mutmaßliche ‘Lava’ aus dem flüssigen Europa-Inneren, das IR-Spektrometer MISE. Zwei Kameras – EIS – sollen 90% der Europa-Oberfläche mit 50 Metern Auflösung aufnehmen (Galileo schaffte nur 10% Abdeckung), das Radar REASON die Schichten der Eiskruste erfassen, der Thermal-Imager E-THEMIS aktive Stellen derselben finden, das Massenspektrometer MASPEX und der Staubanalysator SUDA die Zusammensetzung der Exosphäre Europas, die aus Gas- und Staubteilchen von der Oberfläche besteht, analysieren und der UV-Spektrograph UVS isolierte Fontänen lokalisieren. Alle Instrumente werden in den USA gebaut, wobei der PI von SUDA S. Kempf zwar einst am MPI für Kernphysik das Wasser von Enceladus erforschte, nun aber an der Univ. of Colorado ist. Auch ein neues Rhea-Bild von Cassini, keine Proton-Trümmer aus dem All zu finden – und die UAE haben eine Raumfahrtbehörde gegründet. [21:05 MESZ. NACHTRÄGE: zur Europa-Auswahl zahlreiche weitere Press Releases hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, eine Aufzeichnung und Bilder aus und von der PK, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links]

soho-now

Wenn heute eine totale Sonnenfinsternis wäre, dann gäbe es ein beachtliches Gruppenbild von Sonnensystem und Deep Sky – aber so muss halt mal wieder SOHO ran. Auch wie eine solar CME an der Erde nichts auslöste (mehr), die Annäherung der Venus an den Jupiter, ein halber Erfolg der Doppel-Bedeckung von Sternen durch Asteroiden, der jetzt dem Polarstern sehr nahe Lovejoy am 25. Mai und 23. Mai und MASTER am 24. Mai (dito), die NLC-Saison beginnt, eine schwache Galaxien-Struktur trotz kurzer Belichtung, die Wiederbelebung eines Besucherzentrums an einer kanadischen Sternwarte – und die “Demographie” des SDSS-Projekts: Frauen fast überall gleichauf. [19:55 MESZ]


25. Mai

pital

Der kuriose Mars-Krater Pital, aufgenommen von Indiens Orbiter MOM und seiner Mars Color Camera am 23. April: eine von zwei neuen Aufnahmen, die heute veröffentlicht wurden. Auch ein Curiosity-Sonnenuntergang in Echtzeit, Chinas Plan für Chang’e-4 mit einer Landung auf der Mondrückseite, nunmehr getrennte Mond-Wege von Indien und Russland nach dem Ausstieg des ersteren aus Luna-27 – und der Stand der Untersuchungen der Proton – und Soyuz-Progress-Untersuchungen, während Putin ein Raumfahrt-Meeting abhielt. [21:50 MESZ]


24. Mai

iss

Die Milchstraße von der ISS aus fotografiert, von Kreuz bis Eta Carinae knapp über dem Horizont – auch mehr Bilder von Ceres aus der bisher geringsten Höhe, die wieder schärfer sehende ChemCam von Curiosity, der Ärger mit der Proton mit seinen Implikationen für ExoMars – und die Video-‘Postkarte’ der Schweden vom ESC, die an die ‘Mars-Simulation’ auf dem Dachstein erinnert. Mehr Astronomie bot eine ToSoFi/MoFi in Hintergrund der Stunde des Wolfes, während die Russin nichts mit Gagarin zu tun hatte und es den Österreichern nicht half, sich nach dem Zwergplaneten Makemake zu benennen: letzter Platz. [20:20 MESZ]

Einen vergammelten Refraktor gekauft, restauriert, erforscht, eingesetzt – und eine tolle Doku drüber gemacht: “Dies ist die Geschichte von ein Astrokamera aus 1895. Restauriert und wieder funktionsfähig von die Firma Merz München”. [13:25 MESZ]

iss

Crepuscularstrahlen in der Erdatmosphäre, aus der ISS aufgenommen – auch der Saturn in Opposition mit durch den Seeliger-Effekt aufgehellten Ringen, der alte Komet MASTER mit wieder weniger aufregendem Schweif vorgestern und ein neuer MASTER, über dessen Namen es Palaver gab (im CBET #4103 hieß es gestern, “political issues are preventing announcement” des Kometen, der schon seine Nummer hatte), der 50. Jahrestag der ersten Messungen mit dem 140-Fuß-Teleskop von Green Bank, das heute Weltraum-VLBI mit RadioAstron betreibt – und das Event Horizon Telescope beginnt Fringes zu sehen. [2:30 MESZ]


23.May 2015 | 02:00

Klein aber oho: das neue Planetarium Streitheim

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Deutschlands neuestes (Klein-)Planetarium in der Volkssternwarte Streitheim im bayerisch-schwäbischen Zusmarshausen westlich von Augsburg hat zwar mit einem Zeiss-Kleinprojektor der ersten Generation ein wahrhaft historisches Gerät, dessen Design bis in den Zweiten Weltkrieg zurück geht und das knapp 50 Jahre alt ist – aber der in Österreich erworbene ZKP-1 ist optisch einwandfrei und elektronisch auf dem allerneuesten Stand.

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Davon konnten sich die Gäste der großen Einweihungs-Feier am 21. Mai persönlich überzeugen: Die jahrelange Arbeit an der Anlage (“Das Planetarium Streitheim …”) hat sich gelohnt, nach längerer Dunkelanpassung füllen tausende nadelscharfe Sterne die Kuppel und liefern gerade wegen ihrer Lichtschwäche ein verblüffend realistisches Himmelsbild. Die Kuppel wiederum bietet dank zahlreicher ultrapräzise gearbeiteter Holzbögen eine außergewöhnlich glatte Projektionsfläche, wie Cheftechniker Markus Schnöbel diesem Blogger bei Blicken hinter die Kulissen verriet, die auch die beeindruckende Verkabelung des Ganzen freigaben:

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18.May 2015 | 23:55

Allgemeines Live-Blog vom 18. bis 22. Mai 2015


22. Mai

Der Medusa Nebula alias Sharpless 2-274 alias Abell 21 oder PN A66 21 auf einer VLT-Aufnahme – auch HST-Aufnahmen von den verschmelzenden Galaxien NGC 6240 und der elliptischen Galaxie NGC 3924 mit Schalen, die ebenfalls das Produkt von Verschmelzungen sind. Sowie einer merkwürdigen brauen Wolke davor (auf anderen tiefen Aufnahmen wie hier nicht recht zu erkennen), zu der sich die BU nicht auslässt und über die auch befragte Galaxien-Experten rätseln: Sachdienliche Hinweise – mit Literaturzitaten – willkommen! [22:55 MESZ – Ende]

So sah der Crew Dragon seinen Pad Abort Test an Bord!

Ein wüstes Video aus dem Hause SpaceX, dessen Normal-Dragon gestern wohlbehalten gelandet ist: ein weiterer NASA Release, Bilder der Wasserung, Artikel hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links – und ein Umbau der ISS für die neuen kommerziellen Crew-Transporter. Derweil gibt es keine besonderen Vorkommnisse beim LightSail (mehr, mehr und mehr Artikel und mehr Links), die Nutzlast der Europa-Mission der NASA wird verkündet, Curiosity ändert seine Route, der Mars Express kann einen Krater nicht erklären, es sind mal wieder Mars-Features im Blick von Oppy getauft worden, die ESA zeigt ein altes NavCam-Bild, das DLR diskutiert das schärfste Ceres-Bild während des Abstiegs – und es sind noch zwei Monate bis zum anderen Zwergplaneten. [22:50 MESZ. NACHTRAG: mehr Bilder von der Dragon-Rückkehr]

Ein Monduntergang der aktuellen Lunation aus Arizona, Erdschein inklusive – auch die Kometen MASTER am 20. Mai mit irrem Schweifknick und Lovejoy am 18. Mai, eine Erinnerung an die Doppel-Sternbedeckung durch Asteroiden morgen Abend, eine Phoenix-Sendung zu Lichtverschmutzung am 26. Mai – und ein neues Tonsystem im Planetarium Bochum, zu hören ab Anfang Juni. [22:40 MESZ]


20. Mai

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LightSail-A sendet Telemetrie: Status ziemlich ‘nominal’!

Bei der ersten Kommunikationsmöglichkeit drei Stunden nach dem Start (s.u.) konnten in den Funksignalen des LightSail-Testsatelliten eindeutig Telemetrie-Daten gefunden werden – und der Zustand des Satelliten ist praktisch “nominal”. [21:15 MESZ] Das leichte Taumeln – das wegen bekannt defekter Lageregelung nicht korrigiert werden kann – sollte das Entfalten des Sonnensegels nicht behindern können. Nach den Fehlstarts von zwei Sonnenseglern der Planetary Society 2001 und 2005 hört sich das gut an! [21:25 MESZ] Ein NASA Release zur Vermittlung des LightSail-Starts. [22:45 MESZ] Es gibt endlich Informationen zur Bahn des Satelliten! [23:45 MESZ] Und der zweite Pass hat begonnen, diesmal für die Bodenstation in Georgia – mit wieder gutem Daten-Empfang! [23:55 MESZ. NACHTRAG: Es wurden drei gute Datenpakete empfangen, die wieder nominal waren – beim 3. Pass (beide Stationen gleichzeitig) könnte erstmals ein Uplink versucht werden. NACHTRAG 2: ein erster Status-Bericht mit gewisser Sorge, das Sonnensegel könne verfrüht aufgehen; auch eine “Nahaufnahme” des Starts und ein USAF PR. NACHTRAG 3: Es ist gelungen, das LS-A zu kommandieren, wobei die Gyros abgeschaltet wurden, die irrtümlich angelaufen waren; auch weitere Bilder vom Start und alte Artikel hier, hier und hier]

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Die Flecken von Ceres aus 7200 km Abstand – die Kompressions-Artefakte sind auch im TIFF und damit wohl in den Originaldaten. Auch ein C-G vom 12. Mai, ein Info-reicher Radio-Beitrag zu Philae & Rosetta aus Australien (15 Minuten!), Mars-Stratigraphie mit Curiosity und Co., eine indische Vision einer Venus-Sonde, die SMAP der NASA im Einsatz, Boldens Glaube an den Mars als Ziel (ein Typo, schnell behoben, und ein früherer Artikel), wer Brightman ersetzen kann, Umschichtungen im NASA-Etat – und die Suche nach dem Proton-Fehler, der auch die ESA ängstigt. [21:00 MESZ. NACHTRÄGE: ein JPL Release zum neuen Bild, das weiße Material ist eine hoch reflektierende Substanz, vermutlich frei liegendes Wassereis – oder aber …]

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Eine Atlas V, 11 Nutzlasten – darunter das erste LightSail

Sie steht nun auf der Rampe in Cape Canaveral nach dem Roll-Out gestern, eine gut gefüllte Atlas V, die heute zwischen 16:45 und 20:45 MESZ starten soll: Die Hauptnutzlast ist mal wieder der mysteriöse Mini-Shuttle X-37B, über dessen Inhalt diesmal immerhin ein klein wenig bekannt ist (mehr, mehr, mehr, mehr mehr, mehr und mehr), und begleitet wird er von 10 CubeSats, die zusammen ULTRAsat heißen. Neun davon betreut das National Reconnaissance Office, und der 10. ist – mit dem Mitflug gesponsert von der NASA – das erste LightSail der Planetary Society, das zwar in niedrigem Erdorbit wegen des Luftwiderstands noch kein Sonnensegeln demonstrieren kann, wohl aber das Entfalten des Segels, und Bilder machen soll es davon auch. Das private Projekt läuft schon seit 2009 und ist schon bald fünf Jahre im Verzug: Zwischenzeitlich haben bereits die sensationelle IKAROS-Mission Japans das Segeln im Sonnensystem demonstriert und das NanoSail-D Operationen im Erdorbit. Aber nun ist endlich auch die Planetary Society an der Reihe, und die Finanzierung ihres zweiten Raumschiffs dürfte dank sehr gut laufenden Crowdfundings auch gesichert sein: Es soll 2016 zusammen mit PROX-1 gestartet werden (“LightSail hat endlich – kostenlose – Fluggelegenheit …”). Wie viel man vom Flug des ersten mitbekommen wird, ist dank des militärischen-geheimdienstlichen Umfelds herzlich unklar (selbst die Bahn ist geheim, aber klug spekulieren kann man schon) – und ohnehin ist zunächst nur sporadischer Funkkontakt möglich: auch die Presse-Seite der LightSails, Videos zum Projekt allgemein, dem Prinzip des Sonnensegelns und der Idee Anno 1976, die letzten Schritte vor dem Start, die Timeline der Mission (Entfaltung erst 28 Tage nach dem Start!), was für Bilder erwartet werden dürfen und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [1:45 MESZ] Der Start-Veranstalter wie einer vom LightSail geben die Startzeit des “LS-A” mit 17:05 MESZ an, wie auch o.g. Spekulation ergab. Und Artikel hier und hier zu Live-Übertragungen. [4:25 MESZ] Es gibt zwei Startfenster, von 17:05 bis 17:15 und 18:42 bis 18:52 MESZ, die Live-Übertragung von ULA beginnt um 16:45 MESZ, und hier gibt’s Updates. [15:55 MESZ] Der ULA-Webcast hat begonnen: Die Atlas ist in einem geplanten 30-Minuten-Hold bei t-4 Minuten für das 17:05-MESZ-Startfenster. Und man wird – keine Überraschung – die Startübertragung 5 Minuten nach dem Abheben abbrechen. Updates gibt’s auch hier; die Wetterchance ist 90%. [16:50 MESZ]

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Und die Atlas ist pünktlich um 17:05 MESZ weg gekommen! Auch alle Events der ersten fünf Minuten – Fairing Separation und Staging – sind genau nach Plan verlaufen. [17:10 MESZ] Bilder aus dem Webcast hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier und hier. [17:20 MESZ] Ein Press Release der USAF zum Start – ob man wohl erfahren wird, dass die CubeSats ausgesetzt wurden? [17:30 MESZ] Eine Aufzeichung und viele Stills der Start-Übertragung und ein weiterer Artikel. [17:45 MESZ] Und hier und hier – gemäß der korrigierten Timeline müsste das LightSail in genau einer Stunde ausgesetzt werden. [18:05 MESZ]

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Ein weiterer schöner Screenshot aus dem Webcast – auch ein PR der PS und weitere Artikel hier, hier, hier und hier. [18:35 MESZ] Der Start ist gerade zum Erfolg erklärt worden – dabei steht die Aussetzung der CubeSats (LightSail: 19:05 MESZ) noch bevor. [18:45 MESZ] Soeben die Bestätigung: Das LightSail ist aus dem ULTRASat ausgesetzt worden, leicht verspätet! Frühere Artikel hier und hier. [19:10 MESZ] Genau hier steckte das LightSail, bevor es um 19:05:40.62 MESZ als letzter der 10 CubeSats entlassen wurde. [19:40 MESZ] Da freuen sich doch alle … nächster Meilenstein: Einschalten des Senders des LightSail in 5 Minuten, erste vorbereitete Kontaktmöglichkeit – von fünf in den nächsten Stunden – um 20:19 MESZ. [19:55 MESZ] Signale des LightSail sind vermutlich empfangen worden. [20:25 MESZ] Jetzt muss man sie auch verstehen, die Telemetrie im Signal. [20:35 MESZ] Und die ersten Datenpakete sind da! [20:40 MESZ]


19. Mai

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Die ganz junge Mondsichel von der ISS aus aufgenommen, auch später heute in Malaysia und Deutschland. Auch der Saturn nahe dem Zenit aus Namibia mit 12″ und Chile mit 9″ Öffnung sowie aus New Jersey, zwei Sternbedeckungen durch Asteroiden fast gleichzeitig am 23. Mai für viele Orte in Deutschland, die Kometen Lovejoy heute und gestern, Siding Spring gestern und MASTER vorgestern, kanadische AO für’s TMT – und Nächte in Bolivien und Texas. [23:45 MESZ]


18. Mai

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Noch bis zum 20. & wieder ab dem 30. wird Philae gesucht

In mehr als gut besuchten Vortrag in der Alten Bonner Sternwarte hat der Projektleiter von Philae S. Ulamec heute zwar noch keine erneute Kontaktaufnahme mit dem Kometenlander vermelden können, bleibt aber optimistisch. Am 20. Mai endet wieder ein geometrisches Fenster, in dem der Rosetta-Orbiter die vermutete Landestelle (Ellipse auf einem OSIRIS-Bild und blaues Areal im gelben auf einem DTM) anpingen kann, aber 10 Tage später öffnet es sich erneut, während zugleich immer mehr Sonnenlicht auf den gestrandeten Lander fallen sollte. Der wird auf OSIRIS-Bildern immer noch gesucht: Mal glaubt man, vielversprechende Kandidaten entdeckt zu haben, am nächsten Tag schwindet der Glaube wieder. Vielleicht bootet der Computer Philaes in den Sonnenstunden schon wieder und nur für die Kommunikation reicht’s noch nicht. Im idealen Szenario würde Philae zunächst immer in den sonnigen Stunden erwachen und auf Rosetta Ruf reagieren: Dann könnten mit dem Sonnenstrom direkt ein paar Kommandos übertragen und schnelle Messungen gemacht werden. Und später würde dann sogar die Sekundärbatterie aufgeladen und Dauerbetrieb möglich: gut z.B., um den Bohrer und vielleicht auch den MUPUS-Hammer wieder in Betrieb zu nehmen.

Den meisten Instrumenten dürfte es egal sein, dass der Komet dann erheblich aktiver als in der Zeit ferner der Sonne ist, für die sie konzipiert wurden, nur Massenspektrometer mit Hochspannung müssten wegen der dichter gewordenen Koma aufpassen, dass es keine Überschläge gibt. Es kann natürlich auch sein, dass die Kälte der Kometennacht – die Philae auch während des langen Winterschlafs Rosettas dank permanenter Heizung nie erlebte – längst entscheidenden Elektronikkomponenten den Garaus gemacht hat. Aber auch die 60 Stunden Operationen mit der Primärbatterie unter unverhofften Bedingungen waren bereits wissenschaftlich sehr ergiebig gewesen – worüber Ulamec leider nur kursorisch berichten durfte, da die Philae-Science-Papers noch nicht erschienen sind. Neben der unerwartet harten Eiskruste mit ein paar Dezimeter Regolith darüber – jedenfalls an der ersten Landestelle Agilkia, weniger im staubarmen Abydos – zählt auch der Nachweis von allerlei organischen Substanzen zu den Ergebnissen. Auch alte OSIRIS-Bilder mit kuriosen Wackel-“Steinen” auf dem Kometen, ungewöhnliche Steine (mehr), die gerade Oppy bei seiner ewigen Marsrundfahrt sieht, und 40 Jahre Estrack. Sowie die doch noch gelungene Bahnanhebung der ISS (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und früher), wie SpaceX den bemannten Dragon voran treibt, weitere NASA-Schritte zur ARM, eine neue Stellvertreterin für den Chef (mehr) – und direkte Folgen des Proton-Startverbots z.B. für INMARSAT. [23:55 MESZ]


17.May 2015 | 17:23

Von Mikrowellenherden & Funkbaken von Aliens

Seit zwei Monaten sorgen zwei schon ein paar Jahre alte kuriose Entdeckungen der Radioastronomie für verstärkte (auch mediale) Aufregung: Die Fast Radio Bursts wie die Perytons sind zwei Arten sehr seltener kurzer Radioblitze, deren kosmischer Ursprung aber völlig unklar ist bzw. immer schon sehr unwahrscheinlich war. Bei den nach einem ‘modernen’ Fabelwesen benannten Perytons konnte jetzt klar bewiesen werden, dass es sich um nichts weiter als Strahlung bestimmter Mikrowellenherde in der Nähe des Radioteleskops von Parkes in Australien handelt, die entweicht, wenn die Tür zu schnell geöffnet wird.

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So sieht der Zeit- und Frequenzverlauf (x-Achse: Zeit in Millisekunden) eines Perytons aus – das bei Experimenten in Parkes gezielt mit einem solchen Herd erzeugt wurde und von den “echten” Perytons in keiner Weise zu unterscheiden ist. Was diesen einen ‘kosmischen’ Anstrich verleiht, ist der Frequenz-Sweep als Funktion der Zeit, der an die bekannte Dispersion astrophysikalischer Pulse durch dünnes kaltes Plasma im interstellaren Raum erinnert: Lange Wellen brauchen etwas länger bis zur Erde. Andererseits kommen sie aus keiner scharfen Richtung wie ordentliche astronomische Transients, sondern erscheinen in mehreren Antennen-Beams gleichzeitig, was schon immer für eine irdische Störquelle oder höchstens noch atmosphärische Quelle gesprochen hatte. Das Verhalten eines Magnetrons beim Herunterfahren – das während des Aufreißens der Ofentür noch andauert – passt nun genau zu dem beobachteten Frequenzeffekt (auch wenn die genaue Physik dabei nicht verstanden ist). Schon vorher hatte die zeitliche Verteilung der Perytons auf eine sehr menschliche Quelle verwiesen: Sie treten nur Wochentags und während lokaler Bürozeiten auf!

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Und, wie dieses Histogramm (Anzahl gegen Ortszeit des Radioteleskops) zeigt, konzentrieren sich die 46 bisher in Parkes und anderswo aufgefangenen Perytons (lila) stark auf die Mittagszeit. Dass es keinen zweiten Peak zur Abendessenszeit gibt, macht auch Sinn: Das ist das Gebäude schon zu, in dem die funkenden Herde stehen! Vor denen übrigens Astronomen schon lange Respekt haben, wie ein Cartoon von 1998 zeigt – und die nur Tage vor dem Paper mit dem Nachweis ihrer Urheberschaft (das z.B. auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier Beachtung findet [NACHTRAG: und hier aus erster Hand beschrieben wird]) schon jemand anders verdächtigt hatte, die Ursache der Perytons zu sein. Dasselbe Histogramm zeigt in Blau die zeitliche Verteilung der 11 bislang registrierten Fast Radio Bursts, die offensichtlich eine andere Ursache haben und u.a. wegen ihrer viel größeren Schärfe am Himmel tatsächlich jenseits der Erde vermutet werden. Auch für den berühmten “Lorimer Burst”, mit dem das FRB-Phänomen begann, lässt sich – trotz Peryton-ähnlicher Frequenz – im Detail zeigen, dass er keiner Mikrowelle entsprungen ist.

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Beim Dispersionsmaß der FRBs nun – der Stärke des o.g. Dispersionseffekts – ist kürzlich ein mathematisches Kuriosum gefunden worden, über dessen Signifikanz und Bedeutung seither heftig gestritten wird. In diesem Diagramm ist das DM (in 1/cm^3) aller 11 bisher gesehenen FRBs – 10 ebenfalls in Parkes empfangen (davon einer ‘live’, auch Press Releases hier, hier, hier und hier und ein Artikel) und einer in Arecibo (auch Press Releases hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier) – gegen die ganzzahligen Vielfachen eines DM-Wertes von 187.5/cm^3 aufgetragen: Alle DMs sind ziemlich genau Vielfache dieses ominösen Grundwertes. Auch eine Periodensuche unter den 11 DM-Werten “peakt” ziemlich scharf nahe 188/cm^3. Den Autoren um einen Datenanalysten in Neukirchen-Vluyn erschien das bedeutend genug für eine Veröffentlichung, inklusive Spekulationen über wunderliche natürliche Quellen in der Milchstraße mit gequanteltem DM oder aber eine mögliche “artificial source (human or non-human)”, die wieder etwa hier (mehr), hier, hier, hier und hier medialen Niederschlag fanden. Doch Kritik entzündete sich rasch an der geringen Zahl der Ereignisse, und eine unabhängige Rechnung fand keinen ausgeprägten DM-Grundwert. Dass dies die Autoren auch eingesehen hätten, präzisierte deren erster Ende April gegenüber diesem Blog: “Ich stimme dem soweit zu, dass unsere Analyse nicht verschiedene Annahmen für die Verteilung berücksichtigt. Nimmt man z.B. an, dass FRBs kosmologisch gleichmäßig im Intervall D=[300..1200] verteilt sind, ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von 0.7% für eine zufällige Ursache. Variiert man diese Zahlen, bekomment man bessere oder schlechtere Schätzungen.” Man müsse einfach mehr FRBs abwarten, dann werde das Bild schon klarer – und angeblich wurden neue FRBs gefunden, die nicht passen, deren DM also kein Vielfaches der geheimnisvollen Zahl ist.


12.May 2015 | 22:15

Allgemeines Live-Blog vom 12. bis 16. Mai 2015


16. Mai

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Der Komet C/2015 G2 (MASTER) dominiert jetzt den ganzen Himmel … im Ultravioletten, wo seine Wasserstoff-Koma auf dieser Aufnahme des SWAN-Instruments von SOHO vom 12. Mai als riesige Wolke im unteren rechten Quadranten erscheint. Auch optische Bilder dieses Südhimmelkometen von heute, gestern und vorgestern, die Expansion der Koma von 29P/SW 1 nach seinem jüngsten Ausbruch und C-G heute. Sowie wachsendes Verständnis für Saturns Hexagon, die weiße Sonne am 12.5., eine abgelöste Protuberanz heute, Pläne zum Schutz vor Sonnenstürmen, der neue Sternkatalog URAT 1, Profiastronomen als Spielkinder – und in New York gehen die Lichter aus. [23:55 MESZ – Ende]

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ExoMars in Test – vor dem Januar-Start auf einer … Proton

Hier wird er letzten Monat auf einem Schütteltisch in Cannes auf seinen für kommenden Januar geplanten Start auf einer russischen Proton-Rakete zum Mars vorbereitet, der ExoMars Trace Gas Orbiter (TGO), Europas nächster Mars-Orbiter. Doch wenn der TGO Angst empfinden könnte, dann sicher heute: Nach nur sechs erfolgreichen Flügen seit dem letzten Fehlstart ist am Morgen erneut eine Proton verunglückt, offenbar eine Fehlfunktion der OberstufeUpdates, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links. Und gleich noch mehr Ärger für Russlands Raketen-Technik: Eine Bahnanhebung der ISS klappte nicht, weil das Triebwerk des angedockten Progress M26-M nicht zündete. Dafür ist die Falcon 9 jetzt für den Start von Forschungsmissionen der NASA qualifiziert, auch interplanetar. [16:15 MESZ. NACHTRÄGE: ein Video des Proton-Starts, eine Grafik zu seinem Ende und weitere Artikel hier (mehr), hier, hier, hier, hier und hier]


15. Mai

Hier ziehen Neptun, Triton und Co. durch Keplers Gesichtsfeld, ein Zeitraffer über 70 Tage: eine alternative Version, wo man Nereide findet (dito) und Press Releases hier und hier und auch zu sechs Jahren Kepler im Orbit – sofern bezahlt, könnte die K2-Mission bis 2018 weiter gehen. Auch der NASA-Mini-Astrosatellit NICER/SEXTANT auf dem Weg zum Start im Oktober 2016, eine vage Ankündigung des Starts von Spektr RG 2016 oder 2017, eine erstaunliche Vielfalt der Kometen-Staubteilchen von Wild 2 je nach Größe, der 12. Jahrestag der Entscheidung, Rosetta zu Komet C-G zu schicken, der auf Amateuraufnahmen inzwischen 6′ Schweif hat – und ein möglicher Reflight von Fobos-Grunt … [3:15 MESZ] Ein altes NavCam-Bild von Komet C-G aus kurioser Perspektive. [18:25 MESZ] Und was jetzt neu auf dem Kern beleuchtet wird. [23:45 MESZ]

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Vor diesem Asteroiden wollten uns Idioten Angst machen …

Eine Radar-“Aufnahme” mit dem Arecibo-Radioteleskop vom rund 700 Meter großen Kleinplaneten Nr. 285’331 alias 1999 FN53: Der fliegt gerade in 10 Mio. km Abstand an der Erde vorbei, und weil er ihr nie näher als 7.5 Mio. km (0.05 au) kommt, ist es auch kein Potentially Hazardous Asteroid – was aber gewisse Idioten mal wieder nicht hinderte, die blödsinnigsten Schlagzeilen zu erfinden. Schöner als Paul Chodas vom JPL kann man’s nicht sagen: “This is a relatively unremarkable asteroid, and its distant flyby of Earth tomorrow is equally unremarkable.” Auch eine Lichtkurve der inneren Koma von Lovejoy, wie man Atmosphärenforschung mit Daten von Großteleskopen der optischen Astronomie betreiben kann, mal wieder Anzeichen eines El Nino, der auch die optische Astronomie beeinflussen würde (z.B. schlechteres Wetter in Chile), die Vermarktung des Eifeler Dark Sky Parks, wie Lichtverschmutzung Mäuse fett macht, warum man am Wendelstein viele Jahre auf Messier 31 starrte, wie sich Adaptive Optik am Okular(!) anfühlt, wie zwei Projekte Dunkle Materie kartieren, der enorme Science Case für das und die Finanzierung und die Vorgeschichte des TMT, warum SOFIA gut für Supernovae ist, das neue Radio-Interferometer OVLWA im Owens Valley, das ASTERICS-Programm gegen die Radio-Datenflut in Europa, ein neuer rauscharmer Hochfrequenzverstärker für radioastronomische Geodäsie, die alte Sternwarte von Hale in Pasadena – und ein vergammeltes Teleskop ohne bekannte Provenienz. [1:05 MESZ. NACHTRAG: (etwas) deutlichere Radar-‘Bilder’ des NEO, auch in voller Auflösung – der Durchmesser wird jetzt mit 800 bis 900 Metern und die Rotationsperiode zu 3.5 Stunden angegeben]


14. Mai

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Solche Szenen werden erst einmal nicht vor Ort besungen werden, nachdem die Sängerin Sarah Brightman ihren Flug zur ISS abgesagt hat: Ob nun ihr japanischer Ersatzmann oder aber ein Russe in der Soyuz Platz nehmen wird, scheint noch unklar zur sein. Der nächste Start zur ISS ist jedenfalls für den 24. Juli geplant: auch der Status der Untersuchung des Soyuz-Versagens, die mangels Telemetrie nur schleppend voran kommt, ein Press Release zum OPALS-Experiment auf der ISS, Bilder von Gerst in seiner Heimatstadt, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links hier und hier – plus Fortschritte bei SLS (mehr und mehr) und Orion. [23:55 MESZ. NACHTRAG: mehr, mehr und mehr zur Post-Brightman-Konfusion]


12. Mai

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Die weißen Flecken der Ceres – aus 13’500 km Abstand

So sieht es aus, wenn der Krater mit den mysteriösen weißen Flecken unter Dawn im RC3-Orbit hinweg rotiert – sie erweisen sich als gleich ein ganzes Feld aus kleinen Flecken, vielleicht Eis vielleicht Salz: Press Releases von JPL, MPS und DLR, weitere Standbilder hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier und hier – und jede Menge Fan-Diskussion, nebst eigenen Detail-Animationen hier, hier und hier]. Dawn spiraliert inzwischen wieder näher an Ceres heran und wird ab dem 6. Juni die nächste Kartierung beginnen, dann aus 4400 km Abstand.

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Derweil ist New Horizons dem Pluto Ende April mit rund 90 Mio. km nahe genug gekommen, dass LORRI alle 5 bekannten Monde sichten konnte [NACHTRÄGE: ein weiterer Press Release und Artikel hier und hier]. Auch ein Feature über Rosetta und ein Radio-Interview mit dem Philae-Chef, MAVENs Beobachtungen der Mars-Aurora, ein Venus-Flugzeug als Kandidat für die nächste New Frontiers-Mission, das dunkle Material auf Europa könnte Meersalz sein – und der Methan-Gehalt der Titan-Atmosphäre schwankt stark: parallel zur Sonnenaktivität. [22:55 MESZ]

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Eine lange Fleckengruppe zog über die Sonnenscheibe in den vergangenen Tagen: Bilder der AR (1)2339 von heute (mehr), gestern (mehr und mehr), vorgestern (mehr, mehr und mehr sowie das Bild oben bei Sonnenuntergang in Delhi), dem 9. Mai, 8. Mai (mehr und mehr), 7. Mai (mehr) und 6. Mai sowie die Radio-Sonne aus Essen, Artikel hier, hier und hier, die Ursache von Flecken-Paaren, eine Weltraumwetter-Konferenz, immer noch mehr Berichte von der totalen März-SoFi hier, hier und hier und ein bizarrer Spielfilm mit SoFi-Bezug von 2000 (ab 1:07 passiert was). Auch die Kometen MASTER am 8. Mai, 7. Mai und 6. Mai (nebst Verarbeitung) und Lovejoy am 11. Mai und 7. Mai. [22:35 MESZ]

Nach dem Soyuz-Unfall: ISS-Crew muss länger oben bleiben

Wie Roskosmos, ESA und NASA mitteilen, wird in der Folge des Progress-Fehlstarts – den die Untersuchung offenbar eindeutig der Soyuz-Rakete und ihrem Verhalten in der letzten Flugphase zuschreibt – die eigentlich für diesen Monat geplante Rückkehr von Samantha & Co. auf Anfang Juni verschoben. Ein konkretes Datum steht noch nicht fest; die Ablösung kommt dann erst Ende Juli, davor aber noch ein weiterer Dragon und ein Progress: auch Artikel hier, hier und hier [NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier] – und eine coole Physik-Demonstration auf der ISS, die nach Jahren wieder aufgetaucht ist. Plus die Analyse des Orion-Tests, amerikanische Sorgen über ein chinesisches Experiment mit extremem Apogäum, das vordergründig der Forschung diente, aber ein ASAT-Boostertest gewesen sein könnte [NACHTRAG: ein weiterer Artikel dazu] – und eine bizarre Privatinitiative, per Crowdfunding in mehreren Phasen eine Reihe Anti-NEO-Waffen, Atombomben inklusive zu bauen: was dieser Blogger davon hält und weitere Artikel hier und hier. [22:15 MESZ. NACHTRAG: eine detaillierte Analyse der Probleme des verrückten Plans (mehr und mehr) allein schon politischer Art: Aua!]


Hintergrundbilder (c) OEWF