ÖWF / Polares auf einen Blick

ÖWF Top News

29.10.10:
03.Nov 2014 | 19:00

Parabelflug Mitfluggelegenheit – 3 Plätze zu vergeben

Das Archimedes-Projekt, das derzeit gemeinsam von der Mars Society Deutschland und Mitgliedern des Vereins zur Förderung der Raumfahrt betrieben wird, plant für einen Entwicklungstest eines selbst entwickelten Weltraumballons die Teilnahme an einem kommerziellen wissenschaftlichen Parabelflug.
Der Flug soll in den USA stattfinden, der Flugtermin ist voraussichtlich der 8. – 9. April 2015, geflogen wird von Cape Canaveral / Florida in der Nähe vom Kennedy Space Center. Es werden 25 Parabeln geflogen, wovon für das Experiment nur ca. 2-3 gebraucht werden.

Da das kleine Team den Flug nicht alleine finanzieren kann, können die nicht benötigten restlichen Plätze gegen Kostenbeteiligung weiterzugeben. Nur 3 weitere Personen können noch mitfliegen und das einmalige Gefühl der Schwerelosigkeit erleben. Die Kosten stellen sich folgendermaßen dar (immer zuzüglich Hotel, Anreise und Mietwagenkosten):

  • 8 Teilnehmer: ca. 7200 Euro
  • 9 Teilnehmer: ca. 6400 Euro
  • 10 Teilnehmer: ca. 5800 Euro

Die Kosten können abhängig vom Dollarkurs variieren.
Interessenten wenden sich betreffs Details und Kosten bitte bis spätestens Ende Jänner an Tanja Lehmann (*protected email*).

Kurze Beschreibung Archimedes-Projekt:

Dies ist ein Projekt der Mars Society Deutschland, bei dem es darum geht, einen Ballon zu entwickeln, der zusammengefaltet in einer Raumsonde zum Mars fliegt und dort in der Umlaufbahn ausgebracht und aufgeblasen wird. Der Ballon wird einen Instrumentenpod mit Messinstrumenten tragen, um beim Flug durch die Marsatmosphäre diese zu vermessen. Gleichzeitig dient der Ballon der Abbremsung der Geschwindigkeit der Sonde.
2015 wird ein 1:2 Modell des Raumfahrzeugs auf einer Höhenforschungsrakete getestet werden, inklusive Ballon ausbringen, -aufblasen und Wieder-eintrittsverhalten. Dieser Flug wurde uns vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt bereits zugesagt. Momentan wird gerade ein Ballon aus hitzebeständigem Spezialmaterial gebaut sowie das zugehörige Raumfahrzeug.
An diesen werden als Vorbereitung auf den Raketentest diverse Entwicklungstests durchgeführt. Dazu gehört auch der beschriebene Parabelflug, hierbei soll der Auswurfmechanismus getestet werden. Dieser Test ist unter Schwerkraft nicht möglich.

Weiter Informationen:

 

02.Nov 2014 | 12:39

Tiuterra-Kristall für das Weltraumbüro der Vereinten Nationen

Am 10. Oktober übergab das Österreichische Weltraum Forum einen von 100 Tiuterra-Kristallen an Simonetta Di Pippo, Direktorin der in Wien angesiedelten UNOOSA (United Nations Office for Outer Space Affairs). Damit schließt sich der Kreis eines Projektes, das bereits 2013 begonnen hat.

Start des Projekts war letztes Jahr im Rahmen der World Space Week (WSW). Von der UNO 1999 ins Leben gerufen, soll diese internationale Veranstaltungsreihe den Menschen jedes Jahr den Nutzen der Raumfahrt näherbringen. 2013 waren Weltrauminteressierte rund um den Globus aufgerufen, Gesteinsproben an das ÖWF zu schicken. 33 Proben aus allen Ecken der Welt, so auch aus der Antarktis, Mexico, Europa und aus der Tiefsee kamen in Österreich an und wurden in einem neuentwickelten Verfahren von Swarovski zusammen mit einem Marsmeteoriten zu 100 Tiuterra-Kristallen verschmolzen. Benannt sind sie nach dem altenglischen Wort für Mars und der lateinischen Bezeichnung für Erde.

Als Symbol für die Begeisterung der Menschen für den Weltraum und die Raumfahrt werden die Kristalle an Raumfahrtorganisationen verteilt – und an alle, die eine Gesteinsprobe eingeschickt haben. Im Rahmen der World Space Week 2014 kehrte nun einer der Tiuterra-Kristalle sozusagen an den Ursprungsort der Idee zurück und ist nun in der Dauerausstellung der UNOOSA zu sehen. Drei kleinere Versionen werden die italienische ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti im November auf ihrer Reise zur Internationalen Raumstation (ISS) begleiten.

26.Sep 2014 | 18:04

ÖWF Pionierprojekte: Ihre Chance neue Themen im ÖWF umzusetzen!

Sie haben eine überzeugende Idee für ein kleines ÖWF Projekt, das Sie gerne einbringen möchten? Mit den Pionierprojekten haben ÖWF Mitglieder zum ersten Mal die Chance, kleine, mittelfristige ÖWF Projekte mit bis zu 1.000 EUR gefördert zu bekommen.

Kind spielt mit Holzflugzeug

Hintergrund:
Pionierprojekte sind kleine, mittelfristige ÖWF Projekte mit dem Ziel Ideen und Initiativen von Mitgliedern umzusetzen und gleichzeitig den Lebenszyklus eines Projektes von der Ideenfindung, Proposal bis zum Endbericht zu durchlaufen.

Die Themen sind offen, müssen sich aber an den Zielen & Leitsätzen des ÖWF orientieren: Vom Schulprojekt über technische Entwicklungen für Feldmissionen bis hin zur Umsetzung von Ideen zur Neumitgliedergewinnung ist alles möglich.
Einreichen können ausschließlich ÖWF Mitglieder, externe Projektmitarbeiter, Partnerorganisationen und Sponsoren sind aber möglich. Damit können ÖWF Mitglieder den vollen Projektzyklus selbst erleben, etwas im Forum bewegen und vielleicht sogar neue Themen erschließen.

Was wird zur Verfügung gestellt?

    • Bis zu € 1.000,00 Budget
    • ÖWF Infrastruktur (z.B. Werkstätten, IT-Infrastruktur, Beratung (z.B. Legal Team, Medienteam, Buchhaltung etc.)
    • Unterstützung bei der Kommunikation innerhalb und außerhalb des ÖWF

Bis zu zwei Projekte werden gefördert. Die Auswahl erfolgt durch eine internationale Jury (NASA & ESA Vertreter) unter der Leitung von Dr. Rudolf Albrecht, ÖWF Senior Advisor.

Format für die Pionier-Proposal
Maximal 3 Seiten Projektbeschreibung in Englisch.

  • Max. 1 Seite:
    Projekttitel, Projektverantwortlicher (inkl. Kontaktdaten), Team, Kurzfassung, inkl. Ziele, Laufzeit
  • Max. 1 Seite:
    Projektbeschreibung: Inhalt & Ablauf, Risiken & Potential, erwartete Resultate bzw Impakt.
  • Max. 1 Seite:
    Budgetauflistung, Zeitplan inkl. Meilensteine

Wie gehts weiter?

  • Einreichfrist: 01. Dezember 2014, per email an *protected email*
  • Bekanntgabe der erfolgreichen Projekte: 20. Dezember 2014 (ÖWF Weihnachtsfeier)
  • Projektlaufzeit: 01. Jänner 2015 bis maximal Zieleworkshop 2015 (September 2015)
02.Sep 2014 | 21:28

Tiuterra Flug: Drei Kristalle für die Raumstation

In Zusammenarbeit mit der World Space Week Association und Swarovski, initiierte das Österreichische Weltraum Forum das Tiuterra Projekt: Gesteinsproben welche weltweit im Rahmen der World Space Week 2013 gesammelt wurden – darunter auch Proben aus der Antarktis und dem Boden der Tiefsee. Diese wurden analysiert und mit einem winzigen Anteil eines Mars Meteoriten kombiniert. Swarovski hat sich der Herausforderung gestellt, aus diesen Proben ein Schmuckstück her zu stellen, den “Tiuterra Kristall”. Drei dieser Kristalle werden im November mit Samantha Cristoforetti und Expedition 42/43 auf die Internationale Raumstation (International Space Station, ISS) fliegen. Damit fliegt zum ersten Mal in der Geschichte ein Stück ÖWF “Hardware” zur Raumstation.

Die Übergabe der drei Kristalle fand im Rahmen eines Medien Events am Europäischen Astronauten Zentrum (European Astronaut Centre, EAC) in Köln, Deutschland, statt.

Briefing vor der Übergabe

Kurz bevor die Presse ankommt, besprechen Monika Fischer, Samantha Cristoforetti, Jules Grandsire und Gernot Grömer letzte Details des Events.

Handover of the crystals

Ein Großer Moment: ÖWF Obmann Gernot Grömer übergibt die Tiuterras an Samantha Cristoforetti vor der Trainings-Version des Columbus Moduls der Raumstation. Christian Nagele, Vize Präsident Produkt Entwicklung bei Swarovski, präsentiert ihr eine personalisierte Version des Kristalls.

Inside Columbus mockup at EAC

Nach der Übergabe, lädt Jules Grandsire (EAC) die Medien und die ÖWF Delegation zur VIP Tour des EACs ein. Diese beinhaltet auch einen Blick in das Automated Transfer Vehicle (ATV): Das fünfte und letzte ATV befindet sich zur Zeit gerade im Orbit!

Inside the ATV

Innerhalb des ATVs erscheint alles eher überfüllt – kein Wunder, ist es doch der “Weltraum-LKW” für die ISS!

OeWF delegaton with Samantha Cristoforetti

Die ÖWF Delegation mit Samantha Cristoforetti im Inneren des Columbus Moduls.

Soyuz Simulator

Christian Nagele und Gernot Grömer an Deck des Sojuz Simulators: Mit Raumanzügen anstatt Anzügen könnte man sie fast für angehende Astronauten halten…

simulation supervisor console

Die Konsole welche die Übersicht für den Sojuz Trainings Simulator ermöglicht: Von hier aus werden alle schlimmen Probleme eingespeist.

Two happy FemTech-student

Veronika Haberle und Julia Neuner vor dem ATV Model. Zwei glückliche FemTech Studentinnen auf einer Mission!

Andrea Boyd

Was für eine schöne Überraschung: Andrea Boyd, die an der EUROCOM Konsole arbeitet (Der Kontrollraum für den Europäischen Beitrag zur ISS) und auch gleichzeitig ein ÖWF Mission Support Center Veteran, ist während der Zeremonie gerade im Dienst. Mit großem Enthusiasmus beschreibt Andrea ihre Arbeit an diesem außergewöhnlichen Arbeitsplatz.

28.Aug 2014 | 20:59

Wasserraketen und Waisenkinder

Bereits 2013 hat das ÖWF einen Weltraumtag besonderer Art organisiert. Gedacht als kleiner Beitrag für ein großes Projekt, wurde dieser Tag nicht nur ein Erfolg, sondern blieb vielen im Gedächtnis, allen voran denen, die an diesem Tag im Mittelpunkt standen: Waisenkinder und kranke Kinder aus der Ukraine, die auf Initiative von Dr. Christoph Otto von Global 2000 in wechselnden Gruppen seit Jahren Erholungsurlaube in Österreich verbringen können. Für viele der Kinder war und ist das die erste Auslandsreise in ihrem Leben. Neben Unbekümmertheit, Spaß und grünen Wiesen gibt es in diesen Wochen endlich auch Aufmerksamkeit und ausreichend Medikamente.

Den „Pilotversuch“ eines solchen Weltraum-Tages letztes Jahr in Hagenbrunn (Niederösterreich) und Ybbs an der Donau (Niederösterreich) fädelte ÖWF-Mitglied Alexander Soucek ein, der durch Zufall von den kleinen Ukraine-Urlaubern mit ihren schweren Schicksalen gehört hatte. Begleitet wurde er von Gerhard Grömer. Ukraine-Projektleiter Dr. Otto dankte damals dem ÖWF: „Ihre Weltraumveranstaltungen haben fulminante Reaktionen ausgelöst. Die Berichte waren nicht nur begeistert, sondern geradezu frenetisch. Wir danken dem ÖWF ganz herzlich für das Engagement und die begeisternden Präsentationen!“

Diesmal wuchs die ÖWF-Helfergruppe schon auf fünf Personen an: neben Alexander und Gerhard auch Eva und Stefan Hauth sowie Magdalena Mahringer, die sich alle zusammen einen Arbeitstag freigenommen hatten, um am 14. Juli beladen mit Wasserraketen, Kinderraumanzügen und Weltraumfotos diesmal nach Klein-Engersdorf zu fahren.
Die Zutaten dieses Tages: ein großer Garten, ein schattenspendender Baum, Sonne und Gewittertürme, ein Feld, das zum Wasserraketen-Versuchsgelände umfunktioniert wurde, eine Schar Kinder verschiedenen Alters, ein kleiner Astronaut im Rollstuhl, helfende Hände, Dolmetscherinnen, Improvisation, ein Heuriger, Geschichten aus der Ukraine zum Nachdenken. Manche der Kinder waren bereits letztes Jahr dabei und plauderten mit den Freunden vom ÖWF unbekümmert auf Ukrainisch. Gespräche mit den Erwachsenen erlaubten verstörende, aber gleichzeitig unbezahlbare Eindrücke von der aktuellen Situation in diesem großen Land. Da die Gäste allesamt aus Orten in der derzeit umkämpften Ostukraine stammen, war ihnen nicht einmal klar, ob und auf welcher Route sie wieder zurückreisen würden.

Die Antwort auf so viele große und kleine Probleme? Lauthals auf Ukrainisch den Countdown für die ÖWF Wasserraketen zu zählen, um diesen dann begeistert nachzuschauen bei ihrem Flug in den Himmel! – Das ÖWF wird auch 2015 versuchen, Dr. Otto und seine ehrenamtlichen Helfer bei dem wunderbaren Projekt „Tschernobyl Kinder“ zu unterstützen. Es gilt, noch viele kleine Astronauten auszubilden.

Alexander Soucek und Team

Mehr Informationen:

Impressionen:

25.Oct 2014 | 13:40

Interview with Prof. Marco Durante and his research on cosmic radiation during spaceflight

Prof. Marco Durante is the Director of the Biophysics Department, GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, Darmstadt and a full Professor of Physics, Institute of Solid State Physics, Technische Universität Darmstadt. Currently he is the President of the International Association for Radiation Research (2011-2015). GSI operates a unique large-scale accelerator for heavy ions. Researchers from around the world use this facility for experiments that help them make fascinating discoveries in basic research. In addition, they continually develop new and impressive applications.

OeWF: How did you come to the GSI and particularly to the heavy ions?

Using a spacecraft! I actually started with nuclear physics, and then became more and more interested in biological effects during my PhD at the University of California in Berkeley. My supervisor told me that there was more uncertainty in biology than in physics. At that time Berkeley was using accelerated heavy ions to treat cancer, and NASA was trying to use their experience to understand the risks during spaceflight.

OeWF: What is the aim of your research?

We would like to understand the risks associated to the exposure to cosmic rays during spaceflight. Cosmic radiation is a potential showstopper for human exploration and we want to go to Mars. At the same time, we hope to use these same ions to cure cancer on Earth.

OeWF: What is the difference between radiation on earth and in deep space?

On Earth we are continuously exposed to alpha, beta, and gamma rays from natural radioactivity, and X-rays for medical imaging. But in space we are exposed to high-energy heavy ions, coming from supernovae. These ions ionize matter very densely, because their charge is high, and are very penetrating, because they have high energy. Shielding is therefore poorly effective, and the biological effects poorly known.

OeWF: We have radiation on earth. But why do we not have high-engery heavy ions on Earth (except in special test facilities like nuclear medicine)?

The magnetic field is deflecting the ions. As a matter of fact, you have more heavy ions close to the North and Sout Poles, where the magnetic field is thinner.

OeWF: Which meaning do the heavy ions have for the medicine?

They are a great hope against cancer, perhaps the “magic bullet” against resistent, lethal tumors such as sarcomas. Heavy ions deposit most of their energy at the end of their range in matter, the so-called Bragg peak. X-rays, on the contrary, are gradually attenuated while they pass through matter. Therefore, if we modulate the beam energy so that the tumor is on the Bragg peak, we can destroy the tumor with minimal damage to the surrounding normal tissue. It is like surgery, without knife. GSI pioneered this technique in Europe, and patients are now treated at HIT (Heidelberg) and CNAO (Pavia), and soon also in Marburg. Many more centers using protons and heavy ions are available in Asia and USA.

OeWF: Which experimental stations are available to the researchers in Darmstadt at the Biophysics Department?

The biophysicists have a linear accelerator and a ring accelerator at their disposal in Darmstadt. There are cell labs and DNA labs and, moreover, a cytometry and microscopy lab. Experiments can be carried out in a low energy radiotherapy station and on two high energy radiotherapy places. One of it is the medical radiotherapy space in which also the tumour therapy developed by GSI with heavy ions was carried out. A X-ray tube and a microprobe belong to other arrangements.

OeWF: How many employees work at GSI?

Almost 1000 at GSI, and almost 100 in the Biophysics Department, including the students – they do most of the real work!

OeWF: Is there one open house/”Tag der offenen Tür” with the GSI?

At the moment one open house day is not planned. Nevertheless, everybody can register for a free tour of the GSI research facility. More information at gsi.de/besucher .

Thank you.
The interview was conducted by Marlen Raab

More information:

14.Oct 2014 | 19:38

How to make an analog astronaut feel how it is to bend an arm in space?!

After attending a very interesting “Introduction into Spacesuits”-course, I got the chance to work as a volunteer at the OeWF suit lab in Innsbruck. The task was to redesign the exoskeleton for the analog astronauts. At first I hadn’t an idea, what’s expecting me.
At the beginning of my summer holidays I had a meeting with Gernot Grömer who introduced me in an excellent and enthusiastic team at the suit lab and gave me a short overview of what he wants me to do:

  1. Read all the documents he gave to me (quite a lot and oh what a wonder – everything in English – so I had to improve my English first)
  2. Develop a new exoskeleton consisting of a pair of elbow-joints and a pair of knee-joints for the Aouda spacesuit simulator

Collage Exoskeleton with group picture of spacesuit course participants

Sounds simple so far and off we go…
After nearly two weeks of reading theoretical stuff about “space suit joint values”, “torques” and even more complex things like this, I got a vague idea what to do. A first design with a CAD-program (computer-aided design program) and another meeting with Gernot Grömer were done and the idea grew more specific.

But why all this work and investigation? Why is an exoskeleton needed for an analog astronaut?
Simply spoken, a pressurised space suit makes it harder to bend an arm or a leg for an astronaut because of shifting pressurised air inside the space suit and the textile layers of the suit working against deformation. But because Aouda is not set under pressure, we have to simulate this effect and for this reason an exoskeleton is needed.
After another four weeks of CAD-redesigning and improving, a final design was established and a prototype was produced. It’s fascinating, holding a piece of shaped aluminium in your hands. This piece, developed by yourself on a computer, gets real after milling, drilling, threat cutting and a lot of additional working steps. I hope it is still fascinating after we have tried to assemble all pieces together…
The new designed elbow-joint consists of one joint with a spring core and two rails. Each rail for one limb and because of torque-requirements the knee-joint elements are doubled.
The limb-rails will be produced out of high quality steel, shaped by laser-cutting. The attachment of the assembly to the arms and legs will be done by leather-straps with Velcro for adjusting.

We are looking forward to finish the exoskeleton during this October-
I hope no one of the analog astronauts is killing me after a first try-on session and the realisation how hard their new live as an astronaut will be because of to the new exoskeleton ;-)

Thanks to every member of the space suit lab team in Innsbruck. Special thanks to Julia Neuner and Gernot Grömer for their support. I had a great time and hopefully it will last a bit longer.


Author: Benjamin Knaus, physics-student at the University of Innsbruck

10.Oct 2014 | 09:30

Call for Analog Astronauts for simulated Mars Missions

Analog Astronauts Selection and Training for the Class of 2015

The Austrian Space Forum is seeking volunteers to apply for the training opportunity for analog astronauts. Analog astronauts participate in simulated Mars – Missions which are conducted on the ground in a Mars-analog environment. Men and women between the age of 25-45 are invited to submit their application.

The selection process will commence in December 2014 and will end in early 2015. The process will include a detailed medical and psychological assessment. The successful candidates will undergo a compact and intense training comprised of lectures, hands-on spacesuit and field training, they will receive coaching for physical fitness and psychological/stress tolerance. They will finish their training with a certification exam.

Responsibilities
Analog Astronauts are trained to conduct spaceflight-simulations in Mars-like regions on Earth, testing and evaluating equipment procedures, human factors and workflows relevant to the human exploration. They conduct experiments in field campaigns in an international and interdisciplinary environment, typically lasting a few days up to one month. Analog astronauts contribute to the development of spacesuit simulators and other relevant instrumentation.

Minimum selection criteria

  • European Union or Swiss citizen, aged between 25-45 years
  • Body height between 165-190 cm
  • Excellent mental and physical health condition
  • Fluency in English (preferably with at least a second European language)
  • Experience in a technological, engineering or scientific field (such as aerospace/mechanical/electrical engineering, computer science, life sciences, geosciences and others), AND/OR completed commercial or military pilot training.
  • Full availability for the basic training (ca 5 weekends in early 2015, plus distance learning), mission preparation or recertification (typically 2 weekends per year) and missions (2-4 weeks of field operations every 2 years on average), as well as for media and education/outreach activities on an irregular bases.

How to apply
Applications must reach the Austrian Space Forum by no later than 28th of November 2014, 23:59 CET via email to: *protected email* . Submissions should be written in English and contain the following documents:

  • 1 page Cover letter, containing a photo and full contact coordinates (name, gender, nationality, address, telephone, email, birthday)
  • 1 page CV
  • 1 page motivation letter (“Why do you apply?”)

Selection and Training timeline

  • Deadline for applicants: 28Nov2014, 23:59 CET
  • 1st Selection round / 10+11Jan2015: 1st medical and psychological assessment
  • 2nd Selection round / 24+25Jan2015: 2nd round medical & psychological evaluation, selection interviews
  • Feb2015: Announcement of 6 Analog Astronaut candidates
  • Mar-Jun2015: 5 training weekends (to be confirmed), distance learning & physical training, final exams. (Training blocks are tentatively scheduled for: 27Feb-01Mar2015, 20-22Mar2015, 17-19Apr2015, 01-03May2015, 15-17May2015)

Additional information

  • The selection and training will be mostly done in Innsbruck, Austria
  • Costs for the selection and training will be covered by the Austrian Space Forum, except travel and accommodation expenses.
  • Applicants will be required to sign a legal waiver and provide a clean criminal record before starting the second selection step. Details will be sent to candidates in time.
  • Probably two of the new analog astronauts will be selected to participate in the AMADEE-15 Mars simulation in August 2015 at the Kaunertal glacier region in Austria. The others will either be selected as back-up and/or for later missions.
  • Additional information about the Austrian Space Forum: www.oewf.org
  • Example of a major field campaign: mars2013.oewf.org
  • Questions? – please inquire at *protected email*

FAQ’s

  1. Are glasses/lenses a problem for the selection?
    No, glasses/lenses are no problem at all?
  2. Will the OeWF cover travelling/accommodation costs for selection & training?
    Unfortunately the OeWF cannot cover costs for travelling and accommodation. But you’ll get an excellent training and in-depth sports medicine & psychological analysis.
  3. I’m under 25 or over 45, is there any chance to be considered?
    The age limit is strict between 25 and 45 and therefore we cannot consider application if you don’t fit the age limit.
  4. Do I need to live in Austria to apply as analog astronaut?
    No, but you need to be able to travel to Innsbruck, Austria for the selection process and for the 5 training weekends.
  5. I’m not coming from an EU country, can I apply?
    The call is open for all EU citizens and persons with an permanent EU work permit.
26.Sep 2014 | 18:06

OeWF Pioneer Projects: Your Chance to implement new Topics within the Austrian Space Forum!

Do you have a gripping idea for a small OeWF project which you want to realize? For the first time, members of the Austrian Space Forum get the opportunity to fund their ideas for small or medium-term projects up to 1,000 EUR with the pioneer projects challenge.

Child playing with wooden airplane

Background:
Pioneer Projects will cover small, medium term projects. The challenge aims to provide a chance for members to carry out ideas and initiatives as well as follow the life cycle of a typical project, beginning with the first idea and proposals to a final report.

The topics for the projects are not restricted, as long as they are within the goals and guidelines of the Austrian Space Forum: everything goes – starting from a school project, a new technical development for a field mission or ideas to recruit new members. The challenge is open only to members of the Austrian Space Forum. External project collaborators, partner organization and sponsoring are possible.

What will be offered?

    • A budget of up to 1,000 EUR
    • Use of the Forum’s infrastructure (workshops, IT-infrastructure, consulting (e.g legal team, media contacts, accounting…))
    • Support towards internal and external communication

Up to two projects will be funded. An international board (consisting of representatives of NASA and ESA) under Dr. Rudolf Albrecht (OeWF Senior Advisor) will select the winning projects.

Proposal have to be of the following format:
A maximum of three pages, provided in English, consisting of

  • One page:
    Title of Project, Name of project leader (with contact data) and team, Summary with aims and duration
  • One page:
    Description of project, what is the scope and course of action, risks and gains, results/impact
  • One page:
    One page: budget, time table including important milestones

Next steps:

  • Deadline: December 1st 2014, send proposals via email to *protected email*
  • Official announcement of winning projects: December 20th 2014 (at the Forum’s Christmas party)
  • Run time of projects: January 1st 2015 until September 2015 (theForum’s “Zieleworkshop” – Annual meeting to define the main goals for the upcoming year)
24.Sep 2014 | 19:32

Wearing the Aouda.X is Hard Work!

For a normal person, running a marathon might be considered to be extremely exhausting. However, for our analog astronauts wearing the Aouda.X space suit, just tying shoes can be exhausting work!

My research project, as part of my Master’s degree in Space Physiology from King’s College London, set out to find just which tasks proved to be the most difficult during the MARS2013 analog space mission. While the MARS2013 mission was over a year ago, it still provides large amounts of data which can be analyzed in order to identify the workload of specific tasks the astronauts completed during their time in Morocco.

Biomedical monitoring is a key feature of the Aouda.X space suit. It not only allows the medical support team to ensure the astronaut is comfortable and safe, but it also gives real time measurements of the astronaut’s heart rate and air flow.
We chose to select 2 key variables of the 34 total that the Aouda X is able to monitor. Heart rate is used as a good indicator of exercise, as even simple exercise can raise a person’s heart rate. The rate of oxygen used by the body is also a good indicator of how hard the body is having to work to provide enough oxygen to the muscles. As there aren’t any direct measurements of oxygen consumption within the suit, so we chose to evaluate the amount of carbon dioxide produced by the astronaut.
Taylor's Thesis CoverBy combining the data from these two variables with a questionnaire regarding the well-being of the astronaut, we were able to identify 7 tasks which the astronaut performed daily. These repetitive maneuvers were part of the DELTA experiment, which set out activities which the astronaut might perform were they making a surface exploration of Mars. They included things such as setting up a tripod, carrying sand bags, taking rock samples and so on.
Our results found that activities involving long bouts of walking, and load-carrying caused the greatest workload for the astronaut, resulting in working at 90% of their maximum heart rate. In the sandbag carrying experiments in particular, the carbon dioxide rates increased, indicating that the astronaut was breathing heavily.
A surprising result was that fine motor skill tasks, such as repairing an object, were quite difficult for the analog astronaut. They had to work against the bulky space suit gloves, and the pressure of the exoskeleton to maneuver small parts. This resulted in high heart rates, up to 75% of their maximum heart rate. This meant it was on par with running for an unsuited individual. Talk about hard work while just standing still!
Identifying which tasks provide the most workload on the astronaut, allows the Mission Planning team to space out activities which the astronaut will find exhausting, or strenuous. It can also be used to identify where a rest period might be useful, and allows the biomedical team to monitor the astronaut more carefully during these periods.
Our research found that all three variables should be used together to identify the workload on the astronaut. The analog astronauts may have an interesting job that many people dream about – but they certainly have to work hard on the job!

Intern Taylor Moyer

 

About the author:
Taylor Moyer was an OeWF intern this summer.
During her intership she was researching the topic described above for her Master Thesis in Space Physiology and Health at the King’s College London, United Kingdom

29.Oct 2010 | 10:13

20. Dez. 2014: ÖWF Weihnachtstreffen

Heuer lädt das ÖWF zur gemeinsamen Weihnachtsfeier in die Steiermark ein. Wann: 20. Dez. 2014 Treffpunkt (14:00 & 16:30): Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation, Inffeldgasse 12, 8010 Graz Treffpunkt (19:00 Uhr): Zum Sternwirt, Waltendorfer Hauptstraße 45, 8010 Gra7 Programm: 14:00: Außerordentliche Generalversammlung danach Führung durch das Institut 16:30: Rundgang durch Weihnachtsmärkte 19:00: Zum Sternwirt Anmeldung bis 30. November an daniela.scheer@oewf.org

ESA Nachrichten

ESA Human Spaceflight

21.11.14:
21.11.14:
03.Feb 2014 | 13:56

Robotic Exploration:ExoMars orbiter core module completed

The ExoMars Trace Gas Orbiter module consisting of the spacecraft structure, thermal control and propulsion systems was handed over by OHB System to Thales Alenia Space France at a ceremony held in Bremen, Germany, today.
08.Nov 2013 | 12:30

Robotic Exploration:ExoMars lander module named Schiaparelli

The entry, descent and landing demonstrator module that will fly on the 2016 ExoMars mission has been named 'Schiaparelli' in honour of the Italian astronomer Giovanni Schiaparelli, who famously mapped the Red Planet's surface features in the 19th century.
25.Nov 2014 | 17:46

Amazing in space


Human spaceflight and operations image of the week: ESA astronaut Samantha Cristoforetti enjoying her first sunrise from the International Space Station
25.Nov 2014 | 14:00

The 'OC' in GOCE


A year after the satellite reentered the atmosphere, scientists using data from the GOCE satellite have made a breakthrough in our understanding of ocean currents
24.Nov 2014 | 15:50

Journey to the ISS


Video highlights of ESA astronaut Samantha Cristoforetti's journey to the International Space Station with the Soyuz spacecraft - launch, docking and ingress
24.Nov 2014 | 11:50

Cosmic lighthouse


Space Science Image of the Week: A dying star is betrayed by beams of light that pierce a veil of dust
24.Nov 2014 | 00:20

ESA astronaut Samantha Cristoforetti arrives at Space Station


25.Nov 2014 | 17:46

Amazing in space


Human spaceflight and operations image of the week: ESA astronaut Samantha Cristoforetti enjoying her first sunrise from the International Space Station
24.Nov 2014 | 15:50

Journey to the ISS


Video highlights of ESA astronaut Samantha Cristoforetti's journey to the International Space Station with the Soyuz spacecraft - launch, docking and ingress
24.Nov 2014 | 00:20

ESA astronaut Samantha Cristoforetti arrives at Space Station


21.Nov 2014 | 16:05

How to get to the ISS


How will ESA astronaut Samantha Cristoforetti and crewmates travel to the International Space Station on Sunday? The Soyuz spacecraft rendezvous and docking explained
21.Nov 2014 | 06:26

Samantha set for Space Station


ESA Top Multimedia

Amazing in space

21.Nov 2014 | 06:26

The Egg Nebula

21.Nov 2014 | 06:26

Samantha Cristoforetti waves farewell to family and friends

21.Nov 2014 | 06:26

Expedition 42/43 crew members wave farewell to family and friends

21.Nov 2014 | 06:26

Expedition 42/43 crew members receive the traditional blessing from a Russian Orthodox priest

21.Nov 2014 | 06:26

Expedition 42/43 crew members dressed in their Russian Sokol suit

21.Nov 2014 | 06:26

Weltraum Nachrichten von Online Zeitungen

25.Nov 2014 | 17:43

Tiefseegarnelen: Wie Aliens vom Jupitermond

Wenn es außerirdisches Leben gibt, könnte es aussehen wie Tiefseegarnelen aus der Karibik. Zu diesem Schluss kommen Nasa-Forscher nach Tauchgängen an Thermalquellen.
24.Nov 2014 | 13:48

Raumfahrt: Der Kuhhandel um Europas neue Rakete Ariane 6

Jahrelang hat sich die Bundesregierung dafür stark gemacht, die europäische Ariane 5 weiterzuentwickeln. Jetzt soll auf Druck Frankreichs eine ganz neue Rakete gebaut werden. Deutschland ist dennoch zufrieden - ein Lehrstück über Industriepolitik in Europa.
24.Nov 2014 | 12:10

Italienerin auf der ISS: Astronautin nimmt Espressomaschine mit ins All

Mit der Italienerin Samantha Cristoforetti arbeitet nach 13 Jahren wieder eine Europäerin auf der Internationalen Raumstation ISS. Im Gepäck hat sie exquisite Kost.
23.Nov 2014 | 23:55

Drei Raumfahrer an Bord: Sojus-Rakete mit Gerst-Nachfolgerin erreicht ISS

Zum ersten Mal seit 13 Jahren ist wieder eine Frau aus Europa im All: Zusammen mit zwei weiteren Raumfahrern hat die Italienerin Samantha Cristoforetti in einer Sojus-Kapsel die Internationale Raumstation ISS erreicht.
20.Nov 2014 | 19:02

"Philae"-Aufnahme: So klingt der Touchdown auf einem Kometen

Die erste Landung eines Raumfahrzeugs auf einem Kometen lässt sich jetzt anhören. Die Aufnahme des Labors "Philae" klingt allerdings eher nach Rumpelkammer als nach Science Fiction.
24.Nov 2014 | 05:28

Raumfahrt - Erste Italienerin erreicht Raumstation ISS

Samantha Cristoforetti ist die erste Italienerin im All und die erste Europäerin auf der Raumstation seit 13 Jahren
23.Nov 2014 | 17:18

Lunar Mission One - Crowdfunding-Initiative will menschliches Erbgut im Mondboden begraben

Britisches Team hofft auf 625 Millionen Euro - In zehn Jahren soll die Zeitkapsel- und Bohrmission starten
22.Nov 2014 | 18:00

Wegkatapultiert - Astronomen erspähen supermassives Schwarzes Loch auf Abwegen oder noch exotischeres Objekt

Mögliches Resultat einer Galaxienkollision könnte dabei helfen, Einsteins Gravitationswellen nachzuweisen
21.Nov 2014 | 18:16

Astronomie - Rätselhafte Quasar-Anordnung: Milliarden Lichtjahre voneinander entfernt und dennoch parallel ausgerichtet

Europäische Forscher beobachten Systematiken bei der Orientierung von Kernen aktiver Galaxien
20.Nov 2014 | 20:57

Astronomie - Heißer Exoplanet mit Magnetfeldschwäche

Grazer Forscher erstellen komplexes Modell der Magnetosphäre eines "heißen Jupiters"
25.Nov 2014 | 16:38

Raumfahrt: So soll der Weltraumtourismus sicherer werden

Nach den Unglücken der Raumschiffe "Cygnus" und "SpaceShipTwo" leidet das Vertrauen in die private Raumfahrt. Doch die Firmen arbeiten weiter daran, das All touristisch zu erschließen.
25.Nov 2014 | 16:38

Gerst-Nachfolgerin: Bemannte Sojus-Kapsel erreicht Raumstation ISS

Eine Italienerin ist die erste Europäerin auf der Raumstation ISS seit 13 Jahren. Sie führt die Forschung des deutschen Astronauten Alexander Gerst fort: Der wünschte der Nachfolgerin "Buon viaggio".
21.Nov 2014 | 12:27

"Chhrck-ck-ck": So klingt das Rumpeln der "Philae"-Kometenlandung

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat das Geräusch veröffentlicht, das Mini-Labor "Philae" vergangene Woche beim Aufsetzen auf Komet Tschuri machte: "Ein kurzer, aber bedeutender Rumms".
18.Nov 2014 | 14:17

Raumfahrt: "Der Mensch wird zum Mars fliegen"

Die europäische Raumfahrt steht vor großen Fragen. Soll man sich nach 2016 bei der ISS engagieren? Wie geht es mit der Ariane und den Galileo-Satelliten weiter? So sieht DLR-Chef Wörner die Zukunft.
18.Nov 2014 | 11:43

"Planemos": Diese Planeten ziehen ihre Bahnen einsam im All

Es kann passieren, wenn zwei Galaxien sich durchdringen oder bei einer Kollision im All: Ein Planet wird aus seinem angestammten System herausgerissen. Planemos sind die Einzelgänger im Weltraum.

Weltraum Blogs

03.Sep 2012 | 16:49

ScienceBlogs.de bekommt eine neue Software und macht Pause

Es ist endlich soweit. ScienceBlogs.de wird auf eine neue Software (WordPress) umgestellt. Dann sollten die ganzen Macken und technische Probleme die sich im Laufe der Zeit angehäuft haben, endlich verschwinden. Die Umstellung erfolgt heute Nacht, um Mitternacht geht es los. ScienceBlogs wird dann eine ganze Weile nicht erreichbar sein. Im Laufe des Dienstag Nachmittag müsste dann alles wieder funktionieren. Hoffen zumindest alle... Vielleicht funktioniert auch nichts mehr und es dauert länger, bis alles wieder normal läuft. Wir werden sehen. Ich hab noch keine Ahnung, wie das neue ScienceBlogs aussehen wird. Ich wäre schon zufrieden damit, wenn alle meine Artikel und alle Kommentare dazu den Umzug heil überstehen... Also drückt die Daumen!


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03.Sep 2012 | 12:25

Barnards Stern hat keine Planeten

Barnards Stern hat keine Planeten. Warum sollte das interessant sein, wo doch sonst immer nur von Sternen berichtet wird, bei denen man Planeten entdeckt hat? Erstmal ist auch ein negatives Resultat ein Resultat. Es mag nicht so sexy sein, wie die Entdeckung eines neuen Planetensystems, aber wenn wir wissen, dass es irgendwo keine Planeten gibt, sagt uns das auch etwas. Und dann ist Barnards Stern ein Sonderfall. Denn hier gab es seit Jahrzehnten Diskussionen, oft sogar Streit, darüber, ob sich dort Planeten befinden oder nicht.

Barnards Stern ist nur 6 Lichtjahre entfernt und damit der viertnächste Nachbar der Sonne (oder der zweitnächste, wenn man die drei Sterne des Alpha-Centauri-Systems zu einem zusammenfasst). Er ist so nahe, dass man seine Eigenbewegung sehr gut sehen kann und weil er sich so schnell bewegt, wird er oft auch "Barnards Pfeilstern" genannt. Dieses Bild zeigt, wie er sich zwischen 2001 und 2010 über den Himmel bewegt hat:

Barnard_Star_2001-2010.gif

Bild: Alejandro Sanz Gómez, CC-BY-SA 2.5

So ein interessanter Stern wurde natürlich oft und ausgiebig beobachtet. Wegen seiner schnellen Bewegung hat man besonders viele und genaue Positionsmessungen angestellt. Und in den 1960er und 1970er Jahren kam der Astronom Peter van de Kamp zu dem Schluss, dass sich dort 2 Planeten befinden müssten. Denn der Stern zog nicht einfach in einer geraden Linie über den Himmel, sondern wackelte hin und her. Der Grund dafür sollte die gravitative Störung der Planeten sein, die den Stern ein bisschen wackeln ließen. Die Entdeckung extrasolarer Planeten in den 1970er Jahren wäre eine große Sensation gewesen. Aber die Kollegen waren nicht überzeugt. Andere Astronomen zeigten, dass vermutlich ein technischer Fehler am Teleskop für das Wackeln des Sterns verantwortlich war. Aber van de Kamp war weiter von der Existenz seiner Planeten überzeugt. Zwei Stück, ungefähr halb so groß wie Jupiter sollten Barnards Stern umkreisen.

Die Sache blieb zweifelhaft, die Beobachtungen konnten nie bestätigt werden und es dauerte bis 1995, bevor der erste wirklich zweifelsfrei bestätigte extrasolare Planet entdeckt wurde. Eine Gruppe amerikanischer Astronomen hat nun noch einmal genau nachgesehen und kommt zu dem Schluß: van de Kamps Planeten existieren nicht. Sie haben Beobachtungsdaten aus den letzten 25 Jahren kombiniert und neu ausgewertet. Im Gegensatz zu van de Kamp haben sie sich nicht auf die Positionsänderungen des Sterns verlassen, sondern seine Radialgeschwindigkeit beobachtet. Auch mit dieser Methode misst man das Wackeln des Sterns, allerdings auf andere Art und Weise. Die Ergebnisse sind ziemlich deutlich:

barnard.png


Die grünen und gelben Punkte sind die Messungen. Wenn der Stern keine Planeten hat, dann sollten sie alle auf der Nulllinie in der Mitte des Diagramms liegen. Wenn van de Kamps Planeten existieren, dann sollten die Punkte dem Verlauf der blauen oder rote Linie folgen. Das tun sie aber nicht, sondern liegen tatsächlich - innerhalb der Fehlerbalken - auf der Nulllinie.

Komplett ausschließen können die Forscher die Existenz von Planeten natürlich noch nicht. Ganz kleine Planeten könnte es noch geben. Aber sicherlich nichts, was größer ist als ein paar Erdmassen. Und auf jeden Fall keine Planeten, wie sie van de Kamp gefunden zu haben glaubte.

Barnards Stern hat also keine Planeten. Aber er wird weiter ein interessantes Forschungsobjekt bleiben, auch weil er der Sonne immer näher kommt. In knapp 10000 Jahren wird er sich bis auf 3,8 Lichtjahre angenähert haben. Ich würde gerne wissen, was die Astronomen bis dahin so alles herausgefunden haben...


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03.Sep 2012 | 10:00

Die Landkarte der Physik

1939 hat Bernard H. Porter die optimale Fusion aus Geografie und Physik erschaffen:

"[A] map of physics, containing a brief historical outline of the subject as will be of interest to physicists, students, laymen at large; Also giving a description of the land of physics as seen by the daring sould who venture there; And more particularly the location of villages (named after pioneer physicists) as found by the many rivers; Also the date of founding of each village; As well as the date of its extinction; and finally a collection of various and sundry symbols frequently met with on the trip."

1939-map-of-physics-h2.jpg

Wirklich cool! Da würde ich gern mal Urlaub machen. Eine kleiner Wanderung von der Astronomie ganz im Westen bis hin zur Astrophysik im Osten und dann an Herschel, Newton und Ptolemäus an den Lichtstrand und ein wenig entspannen ;)

Eigentlich fehlen nur noch 2 Dinge: Eine hochauflösende Version dieser Karte, damit man sie als Poster für die Wand ausdrucken kann. Und eine aktualisierte Version, die die Entwicklung der Physik seit 1939 inkludiert. Seit damals haben die Wissenschaftler ja jede Menge Neuland entdeckt!


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02.Sep 2012 | 15:40

Terminkalender September

Da ich in den nächsten Monaten diverse Vorträge und Lesungen an diversen Orten halte, dachte ich, ich sag mal Bescheid, wo ich überall sein werde. Vielleicht sieht man sich ja irgendwo.

  • 12.September, Seeheim-Jugenheim: Am 12 und 13 September finden die Bergsträsser Weltraumtage statt. Veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie gibt es dort jede Menge populärwissenschaftliche Vorträge über Astronomie - zum Beispiel über die Suche nach Außerirdischen, den Bau eines Weltraumfahrstuhls oder die Geschichte der Raumfahrt in Kinofilmen. Ich werde dort am 12. September um 20 Uhr einen Vortrag zum Thema "Krawumm - Wahre und falsche Weltuntergänge" halten und dabei auch aus meinen Büchern vorlesen.

  • 25. September, Solingen: Am 25. September um 19.30 werde ich in der Sternwarte Solingen einen Vortrag zum Thema "Weltuntergang 2012? Keine Panik!" halten.
  • 24-28 September, Hamburg: Von 24 bis 28. September findet in Hamburg die große Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft statt. Dort werde ich zwar keinen Vortrag halten, aber trotzdem anwesend sein (zumindest von 26. bis 28., vorher muss ich ja noch nach Solingen). Wird sicher interessant und vielleicht sieht man sich ja!



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02.Sep 2012 | 14:26

Ein Krawumm geht um die Welt (21): Москва́

Letztes Mal war das Krawumm auf seiner Reise durch die Welt bei der chinesischen Mauer angelangt. Und wenn wir schon mal bei den großen Sehenswürdigkeiten sind, dann passt auch dieses Foto von Leser Robert. Krawumm in Moskau!

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Was bisher geschah: Teil 1: Die staubige Fabrik, Teil 2: Rindviecher, Teil 3: Das Krawumm will hoch hinaus, Teil 4: Eishockey und Nobelpreis, Teil 5: Der Weltskeptikerkongress, Teil 6: James Randi!, Teil 7: Bulgarische Berge, Teil 8: Auf hoher See, Teil 9: Das Buch im Transit, Teil 10: Der Berliner Flughafen, Teil 11: Flauschige Eichhörnchen, Teil 12: Der Bund fürs Leben, Teil 13: Der weiße Gott, Teil 14: Besuch auf Tatooine, Teil 15: Bei den alten Römern, Teil 16: Gaudi in Barcelona, Teil 17: Geysire im Yellowstone-Park, Teil 18: Urlaubslektüre in Antalya, Teil 19: Das Unheil kommt von oben, Teil 20: Die chinesische Mauer
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26.Nov 2014 | 00:18

ISS 3D Printer Creates First Product

ISS Commander Barry “Butch” Wilmore holds up the first 3-D printed part made in space. (Credit: Made in Space)

ISS Commander Barry “Butch” Wilmore holds up the first 3-D printed part made in space. (Credit: Made in Space)

MOUNTAIN VIEW, Calif. (Made in Space PR) — History was made on November 24th at 9:28pm GMT, when the first 3D printer built to operate in space successfully manufactured its first part on the International Space Station (ISS). This is the first time that hardware has been additively manufactured in space, as opposed to launching it from Earth.

“When the first human fashioned a tool from a rock, it couldn’t have been conceived that one day we’d be replicating the same fundamental idea in space,” said Aaron Kemmer, CEO of Made In Space, Inc. “We look at the operation of the 3D printer as a transformative moment, not just for space development, but for the capability of our species to live away from Earth.”

The first part made in space is a functional part of the printer itself – a faceplate for its own extruder printhead. “This ‘First Print’ serves to demonstrate the potential of the technology to produce replacement parts on demand if a critical component fails in space,” said Jason Dunn, Chief Technical Officer for Made In Space.

For the entirety of the space program, tools and parts have been built on Earth and required a rocket to get to space. The presence of a 3D printer onboard the ISS will allow hardware designs to be made on Earth and then digitally beamed to the space station, where the physical object will be created in a matter of hours. “For the first time, it’s no longer true that rockets are the only way to send hardware to space,” said Mike Chen, Chief Strategy Officer for Made In Space.

The “3D Printing in Zero-Gravity Experiment” is a technology demonstration intended to learn about additive manufacturing processes in reduced gravity. The experiment is being jointly conducted by NASA’s Marshall Space Flight Center (MSFC) and Made In Space, which designed and built the unique 3D printer for NASA through their Small Business Innovation Research (SBIR) program. The printer was delivered to the ISS in September 2014, and on November 17th astronauts installed it in the station’s Microgravity Science Glovebox.

“This project demonstrates the basic fundamentals of useful manufacturing in space. The results of this experiment will serve as a stepping stone for significant future capabilities that will allow for the reduction of spare parts and mass on a spacecraft, which will change exploration mission architectures for the better,” said Mike Snyder, Director of R&D for Made In Space and Principal Investigator for this experiment. “Manufacturing components on demand will yield more efficient, more reliable, and less Earth dependent space programs in the near future.”

The initial phase of this science experiment will see a selection of test coupons, parts and tools printed in order to validate design, methodology and technology assumptions. Made In Space will print the same objects on their identical ground unit in order to provide a group of control prints. The ISS prints will be returned to Earth via a future return flight in order for the control prints and microgravity prints to be compared.

Once returned to Earth, the testing of the prints will provide data on a wide variety of factors, including tensile strength, torque, and flexibility. This information will allow the Made In Space team to make crucial adjustments to a second 3D printer, scheduled for delivery to the ISS in early 2015. This second printer will be an invaluable tool for astronauts and the government. It will also be available to commercial businesses and individuals on Earth to create on-demand hardware such as small satellites.

“The International Space Station has provided us with an ideal laboratory for demonstrating this game-changing technology that will not only benefit the station, but will also enable sustainable deep space missions,” said Niki Werkheiser, program manager for the project at NASA’s Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama. “The project also serves as a model for how NASA can work with a small business to design, test, and build tools that can transform space exploration.”

Following the initial printing phase, NASA and Made In Space will be conducting additional ongoing experiments to further test aspects of additive manufacturing onboard ISS.

“In 1957, Sputnik became the first man-made object in space and, 12 years later, that led to humans setting foot on the moon,” said Kemmer. “Now, in 2014, we’ve taken another significant step forward – we’ve started operating a machine that will lead us to continual manufacturing in space. Decades from now, people will look back to this event…it will be seen as the moment when the paradigm of how we get hardware to space changed.”

About Made In Space

Founded in 2010 with the goal of enabling humanity’s future in space, Made In Space, Inc. has developed additive manufacturing technology for use in microgravity. By constructing hardware that can build what is needed in space, as opposed to launching it from Earth, the company plans to accelerate and broaden space development while also providing unprecedented access for people on Earth to use in-space manufacturing capabilities.

Made In Space’s team consists of successful entrepreneurs, experienced space experts and key 3D printing developers. With over 30,000+ hours of 3D printing technology testing, and 400+ parabolas of microgravity test flights, Made In Space’s experience and expertise has led to the first 3D printers designed for use on the International Space Station.

25.Nov 2014 | 20:10

S3 to Begin Zero Gravity Flights in Switzerland

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PAYERNE, Switzerland, Nov. 25, 2014 (S3 PR) –
In 2015, Swiss Space Systems (S3) will put the ZeroG experience within everyone’s reach. S3 is launching affordable zero gravity flights from more than 15 locations across the world including, for the first time ever, Asia, the Middle East and Central America. The ZeroG world tour has been modified and will now start from Switzerland, during the second half of 2015, before heading to Canada and the US in 2015. During the 1st semester of 2016, the tour will then start from Asia before heading to the Middle East and Europe in some of the destinations previously scheduled for 2015, with new destinations added to this new schedule.

ZeroG flights make it possible to experience true weightlessness, allowing bodies and materials to float free of the earth’s gravitational pull. The S3 parabolic flights are completely safe, and supervised by space professionals and a crew of qualified personnel. All flights last less than 2 hours, during which 15 parabolas are performed, each providing an experience of weightlessness for 20 to 25 seconds.

S3 provides a customized ZeroG feeling for all

“This ZeroG experience is a first step towards our objective of Space for All, giving everyone a chance to enjoy the weightlessness experienced by astronauts in space, but at an affordable price”, explains Pascal Jaussi, Founder and CEO of S3.

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Three categories of S3 ZeroG experiences are on offer:

Party Zone
In this zone, which caters for up to 40 passengers, ZeroG is available for under 2’000 Euros per head. This is the world’s most affordable ZeroG experience.

Premium Zone

This luxurious section offers more room for each of a maximum of 28 passengers. Premium Zone tickets cost 5’000 Euros and include special activities such as playing with liquids and balloons. Passengers will receive an exclusive Breitling S3 ZeroG personalized watch, which will serve as the passenger’s boarding pass.

VIP Room
This very exclusive part of the plane welcomes up to 12 passengers at a cost of 50’000 Euros for the whole zone, with a range of extra options available for a tailor-made experience. VIP passengers will also receive an exclusive Breitling S3 ZeroG personalized watch.

An S3 ZeroG world tour now starting from Switzerland

To offer weightlessness to as many people as possible, the S3 ZeroG aircraft will not remain in Switzerland. On the contrary, S3 committed to operate a world tour in order to share this ZeroG experience all around the globe. However, offering and preparing this experience worldwide is proving not to be an easy task, along with issues on a new European legislation related to these types of flights which are among the main causes to the modification of the overall flight schedule.

After the Swiss opening campaign during the second half of 2015, flights will be proposed in North America, with stops in Canada, western United States, and in Florida, where more than 25 flights will take-off from the Kennedy Space Center at Cape Canaveral. During this campaign, microgravity research experiments will be also operated, and the new interactive communications system designed for life science microgravity payloads developed by S3 and Spacepharma will be put to the test.

The S3 ZeroG tour will continue in 2016 with some of the destinations previously planned for 2015, including Japan, which was initially scheduled to be the first stop in January 2015. New destinations could be added to the world tour 2016 with a schedule to be released in the course of 2015.

Switzerland will now be the first to test this unique experience. Pre-bookings opened in May 2014 and were sold-out quickly, therefore, the number of available ZeroG flights in Switzerland have now been tripled. A success, also seen for numerous destinations across the globe, that S3 CEO Pascal Jaussi is especially proud of: “I’m happy to give Swiss people the opportunity to be the first to enjoy this weightlessness experience. The fact that we’re now operating first from Switzerland will enable us to collaborate with authorities in charge of civil flights in order to give this weightlessness experience a “Swiss Made” quality stamp before flying around the world to share this one of a kind experience with many more people.”

25.Nov 2014 | 19:51

Zero G Coming Back in 2015*

Swimsuit 2014: Zero Gravity Kate Upton Cape Canaveral, Florida, USA. (Credit: James Macari)

Swimsuit 2014: Zero Gravity
Kate Upton
Cape Canaveral, Florida, USA. (Credit: James Macari)

After being grounded for much of 2014 due to having its jet’s engines repossessed, Zero Gravity Corporation is once again advertising parabolic flights opportunities for next year.*

Back by popular demand, the ZERO-G Experience® is returning to Tampa, FL and Washington, D.C.

ZERO-G will also be returning to Las Vegas, San Francisco, Cape Canaveral, and many more cities!

The Research Flight Program will take place in Cape Canaveral, FL from April 8, 2015 – April 10, 2015.

* Flight operations pending Federal Aviation Administration Part 121 approval

Basically, this means the aircraft has to undergo certification (FAA Part 121) once again before carrying passengers as a result of being gr0unded and getting a trio of new engines.

25.Nov 2014 | 19:37

Carnegie Mellon Unveils Rover for Google Lunar X Prize Competition

William "Red" Whittaker with Andy the lunar rover. (Credit: CMU)

William “Red” Whittaker with Andy the lunar rover. (Credit: CMU)

By Byron Spice
Carnegie Mellon Univesity

PITTSBURGH—Carnegie Mellon University today unveiled Andy, a four-wheeled robot designed to scramble up steep slopes and survive the temperature swings and high radiation encountered while exploring the moon’s pits, caves and polar ice.

“Every extraterrestrial robot carries some DNA from Carnegie Mellon, but Andy would be the first true CMU robot to make the leap from Earth,” said William “Red” Whittaker, professor of robotics and director of the Field Robotics Center. “This is the culmination of lots of work by lots of people and is the next step toward Carnegie Mellon becoming a spacefaring university.”

Andy, which derives its moniker from university namesakes Andrew Carnegie and Andrew Mellon, was developed over the last nine months by a largely student workforce and drew on expertise and resources from across the university, including the School of Computer Science, the College of Engineering, the College of Fine Arts and the Mellon College of Science.

The robot is Carnegie Mellon’s contribution to an effort led by Pittsburgh’s Astrobotic Technology to land a robot on the moon and win the $20 million-plus Google Lunar XPrize. It also represents a larger ambition.

“We don’t do anything just to win a prize,” Whittaker said. “If we’re on the moon anyway, we’re going to do something while we’re up there.”

One possibility is to use Andy to explore lunar pits.  These are giant, newly discovered, steep-sided holes created by the collapse of underground voids.

“These pits are astounding and unexplored; it will be like coming upon the Grand Canyon,” Whittaker said. “Some pits might be entrances to caves.  You can’t explore caves from a satellite; you’ve got to be there, on the ground, so robots are the next big step.”

Andy’s wide stance, low center-of-gravity and high belly clearance combine for unprecedented stability, slope-climbing and straddling of rocks. Whittaker noted that Andy achieves its superb mobility with very wide wheels and light weight. Andy’s wheels are a foot in diameter, which is exceptional for a three-foot rover.  Its weight on the moon will be less than 10 pounds.

Jon Anderson, a master’s degree student in robotics, led the mobility team. The team’s innovations gave Andy the softest footprint and greatest strength-to-weight ratio of any space rover to date.  The rover has strong pulling power and a novel suspension for transferring that power to the ground.

Extraterrestrial robots encounter radiation levels that can burn ordinary electronics.  Before flight, some of Andy’s electronics will be further upgraded with space-certified parts, but the Andy team has already achieved notable reliability and space tolerance using high-reliability terrestrial parts, multiples of some critical components, and innovative software for detecting faults and switching between components as necessary.

Joe Bartels, a Ph.D. student in robotics, explained that a spare component can take over operations permanently if its twin is fatally damaged, or temporarily if its twin can be recovered by rebooting following a failure.

Curtis Boirum, a master’s degree student in robotics, said Andy also incorporates a new method for combining landing imagery with 3-D path reconstruction data to plan and document its exploration route.

About 50 students, faculty and staff members contributed long hours to Andy’s development, with key team members including: Nate Otten and Heather Jones, both Ph.D. students in robotics; Luke Metro, a sophomore electrical and computer engineering major; John Mann, a junior computer science major; and Jay Jasper, a master’s degree student in mechanical engineering.

In addition to scientific exploration, Andy will accommodate a number of artistic payloads coordinated by Lowry Burgess, professor of art, and Mark Baskinger, associate professor of design. More information about Andy and Carnegie Mellon’s Lunar Exploration Initiative is available online at http://www.cmu.edu/google-lunar-x/.

Carnegie Mellon’s Robotics Institute has led the development of a number of planetary robotic technologies for NASA, including walking robots for exploring active volcanoes, robots designed for extraterrestrial drilling and advanced wheel development. Autonomous driving software originated at Carnegie Mellon is the basis of navigation and safeguarding for NASA’s Mars rovers.

25.Nov 2014 | 16:04

NASA Launches $5 Million Cube Quest Challenge

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WASHINGTON (NASA PR) — Registration now is open for NASA’s Cube Quest Challenge, the agency’s first in-space competition that offers the agency’s largest-ever prize purse.

Competitors have a shot at a share of $5 million in prize money and an opportunity to participate in space exploration and technology development, to include a chance at flying their very own CubeSat to the moon and beyond as secondary payload on the first integrated flight of NASA’s Orion spacecraft and Space Launch System (SLS) rocket.

“NASA’s Cube Quest Challenge will engage teams in the development of the new technologies that will advance the state of the art of CubeSats and demonstrate their capabilities as viable deep space explorers,” said Michael Gazarik, associate administrator for NASA’s Space Technology Mission Directorate at NASA Headquarters in Washington. “Prize competitions like this engage the general public and directly contribute to NASA’s goals while serving as a tool for open innovation.”

Challenge objectives include designing, building and delivering flight-qualified, small satellites capable of advanced operations near and beyond the moon. The challenge and prize purse are divided into three major areas:

  • Ground Tournaments:  $500,000 in the four qualifying ground tournaments to determine who will have the ability to fly on the first SLS flight;
  • Lunar Derby:  $1.5 million for demonstrating communication and CubeSat durability at a distance greater than almost 2.5 million miles (4,000,000 km), 10 times the distance from the Earth to the moon; and
  • Deep Space Derby:  $3 million for demonstrating the ability to place a CubeSat in a stable lunar orbit and demonstrate communication and durability near the moon.

The Cube Quest Challenge seeks to develop and test subsystems necessary to perform deep space exploration using small spacecraft. Advancements in small spacecraft capabilities will provide benefits to future missions and also may enable entirely new mission scenarios, including future investigations of near-Earth asteroids.

“Cube Quest is an important competition for the agency as well as the commercial space sector,” said Eric Eberly, deputy program manager for Centennial Challenges at NASA’s Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama. “If we can produce capabilities usually associated with larger spacecraft in the much smaller platform of CubeSats, a dramatic improvement in the affordability of space missions will result, greatly increasing science and research possibilities.”

All teams may compete in any one of the four ground tournaments. Teams that rate high on mission safety and probability of success will receive incremental awards. The ground tournaments will be held every four to six months and participation is required to earn a secondary payload spot on SLS.

The Lunar Derby focuses primarily on propulsion for small spacecraft and near-Earth communications, while the Deep Space Derby focuses on finding innovative solutions to deep space communications using small spacecraft. Together, these competitions will contribute to opening deep space exploration to non-government spacecraft.

NASA’s Centennial Challenges drive progress in aerospace technology — of significant value to the agency’s missions — and encourage broad-based participation in aerospace research and development. The challenges help find the most innovative solutions to technical challenges through competition and cooperation. There have been 24 Centennial Challenges events since 2005. NASA has awarded more than $6 million to 16 challenge-winning teams.

NASA’s Centennial Challenges Program is part of the agency’s Space Technology Mission Directorate, which is responsible for innovating, developing, testing and flying hardware for use on future NASA missions. During the next 18 months, the directorate will make significant new investments to address several high-priority challenges for achieving safe and affordable deep space exploration. For more information about the directorate, visit:

http://www.nasa.gov/spacetech

The Centennial Challenges Program is managed at Marshall and the Cube Quest Challenge is administered by the agency’s Ames Research Center in Mountain View, California. For more information on the Cube Quest Challenge, visit:

http://www.nasa.gov/cubequest

To learn more about NASA’s challenges and citizen science efforts, visit:

http://www.nasa.gov/solve

17.Nov 2014 | 22:38

Kometenlander Philae - Datenauswertung hat begonnen

Nach dem Abschluss seiner Primärmission und dem am vergangenen Samstag erfolgten Übertritt in einen Schlafmodus hat mittlerweile die Auswertung der Daten begonnen, welche der Kometenlander Philae im Verlauf der letzten Woche von der Oberfläche des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko zur Erde übermittelt hat. Bereits jetzt zeigt sich, dass die an der Mission beteiligten Wissenschaftler eine reiche Ernte eingefahren haben, was den Erfolg dieser Mission bestätigt.
16.Nov 2014 | 16:00

Marsrover Opportunity ist wieder auf Südkurs

Der Marsrover Opportunity hat die mehrwöchigen Untersuchungen eines kleinen Einschlagkraters beendet und konnte seine Fahrt mittlerweile trotz einiger zwischenzeitlich aufgetretener Probleme fortsetzen. Das nächste Forschungsziel - ein mit dem Namen Marathon Valley belegtes Tal - befindet sich in einer Entfernung von derzeit noch etwa 1500 Metern und soll bereits in wenigen Wochen erreicht werden.
15.Nov 2014 | 18:17

Raumsonde Cassini: Der Orbit Nummer 211 hat begonnen

Am 15. November 2014 begann die Raumsonde Cassini ihren mittlerweile 211. Umlauf um den Planeten Saturn. Den Höhepunkt dieses neuen Orbits bildet ein für den 10. Dezember 2014 vorgesehener naher Vorbeiflug der Raumsonde an dem Saturnmond Titan. Im Rahmen dieses Vorbeifluges sollen in erster Linie weitere Daten über die Atmosphäre des Titan gesammelt werden.
15.Nov 2014 | 13:11

EFT-1: Ab zum Startplatz

Nachdem die Montage des Startabbruchsystem abgeschlossen wurde, wurde am Mittwoch das neue Raumschiff der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA zu dem Startplatz für seinen Erstflug transportiert: Orion. Seine Trägerrakete vom Typ Delta IV Heavy ist bereits fertiggestellt, vor kurzem wurde eine Simulation des Countdowns durchgeführt. Orions zukünftiger Träger, das Space Launch System, macht ebenfalls einen Schritt in Richtung Erstflug mit Modifikationen der Endmontagehalle, genannt VAB, und der Produktion weiterer Flughardware.
15.Nov 2014 | 00:18

Wissenschaft auf 67P/Tschurjumov-Gerasimenko - Update

Nach einer erstaunlichen Landung auf dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko und einem etwas ungünstigen Landeplatz des Lander Philae gibt es nun Daten der Instrumente. In einem Hangout am Freitagnachmittag gab die ESA neue Informationen bekannt. Arno Hecker war für uns wieder am ESOC. - Update: Philae sendet Daten bis zum Schluss und schließt die Primärmission erfolgreich ab.
25.Nov 2014 | 15:26

ITALIA SULLA STAZIONE!

Mit "Italia sulla stazione!" begrüßt uns Laura aus der Nachtschicht überschwänglich, während wir noch ein bisschen verschlafen dreinblicken. Witzig: Beinahe zeitgleich mit uns im Kontrollraum sind die drei Neuen auf der ISS angekommen.
17.Nov 2014 | 11:08

Eine Woche? DIE WOCHE!

Die vergangene Woche war schlicht der Hammer. In meiner Position als Vorstandsvorsitzender gibt es häufig intensive Erfahrungen, insbesondere begeistern mich immer wieder die Leistungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich mit vollem Engagement für ihre Sache und damit für das DLR einsetzen.
07.Nov 2014 | 15:58

Umzug auf "Außerirdisch"...

Letzte Crew Conference mit Alexander GerstDie letzten Tage im Weltall für Alex sind angebrochen - und sie halten noch einige Höhepunkte für ihn bereit: Seit gestern sitzt sein "Astronauten-Klassenkamerad" Luca Parmitano an der CAPCOM-Konsole in Houston. Er ist dort zwar noch in der Ausbildung, darf aber unter Anleitung schon mit seinem Kollegen auf der Internationalen Raumstation ISS sprechen.
06.Nov 2014 | 16:10

Unsere Videoreihe "Fragen an einen Astronauten" geht weiter

Fragen an einen astronauten - Reinhold EwaldGestern und heute haben wir die dritte und vierte Folge unserer kleinen Produktion "Fragen an einen Astronauten" veröffentlicht und bis zur Landung des deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst hören wir nicht damit auf.
05.Nov 2014 | 15:26

Ein letzter Blick - Abschied von Mascot

Die letzten Handgriffe sind getan und die letzten Funktionstests beendet. Nach der erfolgreichen Integration von Mascot auf dem Trägersatelliten Hayabusa-2 in Sagamihara, fanden noch letzte Vorbereitungen am Startplatz des Tanegashima Space Center in Japan statt.
25.Nov 2014 | 22:52

Interstellar: Wurmlöcher, Schwarze Löcher, Logiklöcher

Es ist irgendwann um das Jahr 2060 und die Klima-Apokalyptiker haben recht behalten. Die Biosphäre der Erde ist ruiniert. Es ist heiß, Sandstürme toben um den Globus und es wächst nichts mehr Essbares außer Mais. Die Menschheit ist stark reduziert, der verbliebene Rest ist vom Verhungern bedroht und kämpft ums Überleben. Raumfahrt wird als unnötig, teuer und schädlich betrachtet. Deshalb musste Astronaut Cooper zum Getreidebauern umschulen. Nun werkeln er und seine Patchwork-Familie - die aufgeweckte Tochter Murphy, sein eher schlicht gestrickter Sohn Tom und Grandpa Donald - auf ihrer Farm herum.

Das Plakat zeigt eine Atlas 5 401. Eine Rakete, die im Film gar nicht vorkommt, aber in unserer Realität schon.

Das Plakat zeigt eine Atlas 5 401 der United Launch Alliance. Eine Rakete, die nirgendwo im Film vorkommt.

So beginnt der Plot zu Christopher Nolans Science-Fiction Film "Interstellar". Der Streifen wird übrigens in diesem Portal schon zum zweiten Mal unter die Lupe genommen. Die erste Besprechung stammt von Susanne Hofmann und ist hier zu finden. In meiner Kritik, drei Wochen später als Susannes, fließen eine ganze Menge von Kommentaren und Bewertungen meiner Freunde und Kollegen mit ein. Deren Meinungen reichen von "grottenschlecht" bis "bester SF-Film, den ich je gesehen habe". Das Werk polarisiert also durchaus. Sollten Sie ihn noch nicht gesehen haben, aber noch anschauen wollen, dann lesen Sie hier am Besten nicht weiter, sondern machen sich erst selbst ein Bild.

Ich habe mir vorgenommen, das Thema in etwa 2000 Worten zu beleuchten. Will ich das schaffen, muss ich mir allerdings die Beschreibung der Handlung weitgehend schenken, denn der Film ist fast drei Stunden lang und es ist ganz schön was reingepackt. Ich versuche aber mal ein Gerüst in drei Absätzen zu schildern. Absatz eins haben Sie schon in der Einleitung gelesen. Da war ich eben dabei, zu erzählen, wie Ex-Astronaut Cooper auf seiner Farm herumwerkelt. Da weiß er aber noch nicht...

...dass nur eine Ecke von seiner Butze entfernt die Reste der NASA im Untergrund weiter existieren. Dass es sie überhaupt noch gibt, liegt an einem Wurmloch, das sich vor Jahren in der Nähe des Saturn aufgetan hat. Das führt in eine andere Galaxie, zu einem Planetensystem, das um ein schwarzes Loch kreist, dem man den ebenso hübschen wie passenden Namen "Gargantua" gegeben hat. Die Tiefbau-NASA hat schon vor zehn Jahren ein dutzend Astronauten da durch geschickt, um diese Planeten zu erkunden. Für jeden Planeten einen. Allerdings senden nur drei der zwölf Leute Signale zur Erde zurück, nämlich Miller, Mann und Edwards. Aufgrund physikalischer Störeffekte gelangen deren Botschaften nur fragmentarisch durch das Wurmloch, man weiß also nicht so genau, was sich an dessen anderen Ende so tut. Und dann gibt es ein seltsames binäres Signal in der Farm der Coopers, das den Ex-Astronauten und Töchterchen Murphy schließlich zur eingebuddelten Weltraumbehörde führt. Dort trifft er auf Professor Brand, den Chefwissenschaftler, und dessen Tochter Amalia.

Bei der Höhlen-NASA scheint Professor Brand nur darauf gewartet zu haben, dass Cooper aufkreuzt. Er entsendet ihn zusammen mit Amalia und zwei anderen Astronauten mit dem Raumschiff "Endurance" durch das Wurmloch, um Kontakt mit den drei Wissenschaftlern aufzunehmen, und Plan A oder Plan B umzusetzen. Plan A besteht darin, eine für Menschen bewohnbare Welt zu finden, damit die dorthin umziehen können. Sollte das nicht gelingen, dann ist es Plan B, mitgeführte befruchtete menschliche Eizellen vor Ort auszubrüten und eine neue Menschheit aufzubauen. Bei all dem tun sich Abgründe an menschlichem Sozialverhalten, technischen Problemen und physikalischen Absonderlichkeiten auf. Gegen Ende des Streifens stürzt sich Cooper in Gargantua, um dort das Rätsel der Gravitation zu lösen. Dabei gerät er in eine Art höher dimensionale Projektion des dreidimensionalen Raumes, einen "Tesserakt". Dem ist die vierte Dimension zugefügt, also die Zeit, und aus diesem Gebilde heraus gelingt es ihm, seiner nun schon erwachsenen Tochter über eine mechanische Armbanduhr durch gravitative Beeinflussung Signale zukommen zu lassen, die schließlich dazu führen, dass Murphy in den kommenden Jahrzehnten (die aber für Cooper nur Sekunden sind) das Geheimnis der Gravitation löst. Am Ende löst sich der Tesserakt auf, was dazu führt, dass der kaum gealterte Cooper seine jetzt steinalte Tochter eben noch auf ihrem Sterbebett antrifft.

Soweit die Handlung ohne Details. Ich habe jetzt von Physik viel zu wenig Ahnung, um die Darstellung von Wurmlöchern, schwarzen Löchern oder eines so hypothetischen Gebildes wie eines "Tesseraktes" zu kritisieren. Sie scheinen mir aber auf jeden Fall künstlerisch ganz gut interpretiert worden zu sein. Ob ein Planetensystem, das um ein schwarzes Loch kreist, ohne dass es in diesem System zusätzlich noch eine "richtige" Sonne gibt, ein sinnvoller Aufenthaltsort für den Neuaufbau einer Zivilisation ist, erscheint mir dagegen schon sehr fragwürdig. Aber die NASA der Zukunft ist personell nur schwach besetzt, da mag es auch schon mal zu gröberen Fehleinschätzungen kommen.

Kaum durchs Wurmloch getunnelt beschließt Cooper, auf einem Wasserplaneten in abenteuerlicher Nähe des schwarzen Lochs zu landen. Von daher stammt zwar eines der drei aufgefangenen Signale (das von Miller oder Edmunds, von wem genau ist mir entfallen), aber es ist dennoch eine hochgradig bescheuerte Idee. Tatsächlich würden die raumfahrttechnischen Anforderungen, auf einem Planeten in so grotesker Nähe eines massiven schwarzen Lochs zu landen selbst Captain Kirk von der Enterprise vor unlösbare Probleme stellen. Der Himmelskörper verfügt über eine Schwerkraft von 130 Prozent der Erdgravitation. Aber das ist nur Mückenschiss, verglichen mit dem Umstand, dass der Wasserplanet derart tief in Gargantuas Schwerkrafttrichter liegt, dass die dort generierte Zeitdehnung eine Stunde (Planetenzeit) zu sieben Jahren (Erdzeit) beträgt. Vielleicht kann das mal jemand ausrechnen, der sich mit den mathematischen Grundlagen der Relativitätstheorie auskennt, aber ich vermute jetzt mal, dass man der Lichtgeschwindigkeit schon sehr, sehr nahe kommen muss, um dieser monströsen Gravitationskaverne wieder zu entkommen. Wenn jemand sowas schafft, dann fragt man sich, warum es da noch Wurmlöcher braucht um zu fernen Galaxien zu fliegen. Und ich vermute mal zusätzlich, dass es einen Planeten so nahe an Gargantua ohnehin in molekülgroße Einzelteile pulverisieren würde.

Weil wir grade bei "Wurmloch" sind: Mir selbst - aber ich bin langsam von Begriff und deshalb kein Maßstab - wurde erst nach einer guten Stunde und einer ganzen Flasche Maxlrainer Schlosstrunk klar, dass die Bezeichnungen "Wurmloch" und "Schwarzes Loch" in diesem Film durchaus in einer richtigen - nämlich unterschiedlichen - Bedeutung eine Rolle spielen. Ich war in meiner Naivität das ganze erste Drittel des Werkes der Meinung, dass das in üblicher Hollywood-Dialogwurschtigkeit einfach synonym verwendet wird. Ich bin aber überzeugt, dass selbst am Ende der dritten Stunde den wenigsten Zuschauern die grundlegende Unterschiedlichkeit dieser beiden Gebilde jemals klar wurde. Die meisten verwirrte es erheblich, dass man für die Story ein Wurmloch braucht, um zu einem schwarzen Loch zu gelangen und was das für relativistische Effekte sind, die das eine und/oder das andere betreffen. Mehr noch verwirrt das ständige Herumspringen vom Einen zum Anderen.

Mich überforderte auch die Logik, nach der die Besatzung der "Endurance" den für eine Besiedelung mit weitem Abstand ungeeignetsten Planeten als ersten untersucht. Danach geht sie unverdrossen zum Zweitunwahrscheinlichsten über. Darauf besteht übrigens Amalia, weil sie den Astronauten Mann liebt, den sie aber, nachdem ihn die "Endurance"-Crew aus seinem Tiefschlaf-Sarg befreit hat, in den er sich eingeschlossen hatte, dauernd recht distanziert "siezt". Und auch er guckt sie kaum jemals an, und sie ihn auch nicht. Komische Art von Verliebtheit. Aber vielleicht dämmert es da Amalia auch schon, dass sich Mann schließlich als DER Oberschurke des Films herausstellt. Erst im letzten Versuch nehmen sie den einzig vernünftigen Planeten-Kandidaten unter die Lupe. Genauer gesagt: Amalia nimmt ihn alleine unter die Lupe, denn zu diesem Zeitpunkt muss sich Cooper leider schon ins Schwarze Loch stürzen. Aber dazu kommen wir gleich.

Nachdem wir jetzt den Punkt "Logik" erreicht haben, nehmen wir mal die verwendete Raumfahrt unter die Lupe. Da wird es - vom Logikfaktor her - ganz, ganz übel. Der Plot vermittelt uns nämlich mehrfach, dass seit Jahrzehnten keine Raumfahrt mehr betrieben wird. Denn die ist schädlich und nutzlos. An einer Stelle erklärt Murphys Geschichtslehrerin sogar, dass die Regierung die Geschichtsbücher geändert habe. In den neuen Büchern werden die Apollo-Mondlandungen als Betrugsmanöver dargestellt, die die USA unternommen hätten, um die Sowjetunion zu ruinieren. Die Mondlandungen seien fingiert gewesen, doziert die Lehrerin, und hätten natürlich niemals stattgefunden. Nur fünf Minuten Spielzeit im Film davon entfernt ist übrigens eine Stelle, wo man einen prächtigen Einsatz von Raumfahrttechnologie bewundern kann, nämlich Coopers über GPS gesteuerte autonome Erntemaschinen.

Tatsächlich aber hat trotz all dieser Behauptungen und der stark reduzierten Größe der NASA die Raumfahrttechnik im Film atemberaubende Fortschritte gemacht, vor allem in der Antriebstechnik. So ist die "Endurance", das Raumfahrzeug, mit dem sich Cooper und seine Crew auf die Reise machen, ein großes, ringförmiges Schiff, das durch Rotation seine eigene Schwerkraft erzeugt. Es ist so fortschrittlich, dass es in der Lage ist, aus einer niedrigen Erdumlaufbahn heraus in nur zwei Jahren den Saturn zu erreichen. Offensichtlich verbraucht es dabei praktisch keinen Treibstoff, denn an dem Schiff sind nirgendwo Tanks von signifikanter Größe zu sehen. Auf dem Hochgeschwindigkeitstrip zum Saturn führt die "Endurance" unsinnigerweise auch noch ein "Swing-by" am Mars durch, den sie schon nach wenigen Wochen passiert.

Kurioserweise startet die Crew aber mit einer altertümlichen dreistufigen Rakete in die Umlaufbahn (wo die "Endurance" geparkt ist), die stark an eine Saturn V erinnert. Angesichts der personellen Minimalausstattung der im Untergrund agierenden Rest-NASA ist es schon sehr unwahrscheinlich, dass man eine solche Rakete mit nur ein paar Dutzend Leuten betreiben kann. Komplett unglaubwürdig wird es aber im weiteren Verlauf der Story. Denn die "Endurance" verfügt über so genannte "Ranger"-Beiboote, mit denen nach Durchfliegen des Wurmlochs die Planetenlandungen durchgeführt werden.

Diese "Rangers" sind erstaunlich. Es sind senkrecht startende, senkrecht landende Single-stage-to-orbit Fahrzeuge, die zwischen ihren Einsätzen weder gewartet noch aufgetankt werden müssen. Noch nicht einmal dann, wenn sie auf Planeten landen, deren Oberflächengravitation ein Drittel höher ist, als auf der Erde. Da fragt man sich dann doch, warum sie für den Start von einem Planeten mit "Normalschwerkraft" wie der Erde eine dreistufige Rakete in der Größe einer Saturn V brauchen, deren Stufen obendrein offensichtlich "expendable" sind, wenn das doch kinderleicht und im Handumdrehen mit den "Rangers" funktioniert.

Ein Thema, das mich immer den Kopf schütteln lässt, ist denn auch generell der Treibstoffverbrauch in diesen Raumschiffen (oder den Manövriereinheiten der Raumanzüge). Das war schon in "Gravity" mehr als nur ein Wunder. Es werden unfassbare Mengen von Sprit verschleudert, man sieht aber nie irgendwo auch nur eine Ausbuchtung am Fluggerät, hinter der sich ein Tank wesentlicher Größe verbergen könnte. Die Unerschöpflichkeit von Ressourcen (auch wenn man pausenlos behauptet, wie knapp sie doch seien) ist ein wesentliches Stilmerkmal amerikanischer Filme. Was wahrscheinlich daran liegt, dass die Amerikaner keinerlei Vorstellung vom Begriff "knapp" haben. Schon in den Western konnte die Pferde stundenlang mit Höchstgeschwindigkeit galoppieren, ohne jemals außer Puste zu geraten.

Ich stelle mir nun vor, dass eine Gesellschaft, die in so kurzer Zeit derart leistungsfähige Raumschiffe entwickelt hat, ohne größere Probleme Zugang zu allen Ressourcen des Sonnensystems haben sollte. Sie könnte Asteroiden ausbeuten, eine Siedlung auf dem Mars errichten oder große Raumstationen bauen. All das wäre um ein Vielfaches sinnvoller, als ausgerechnet durch ein Wurmloch in eine andere Galaxis zu fliegen um dort die Planeten eines schwarzen Lochs auf ihre Bewohnbarkeit zu untersuchen. Noch vernünftiger wäre es, diese immense technologische Kenntnis dafür einzusetzen, das Überleben auf der Erde selbst zu sichern. Meinethalben in irgendwelchen unterirdischen hydroponischen Anlagen, mit synthetischer Herstellung von Lebensmitteln oder weiß der Deibel, was sonst noch alles möglich wäre. Aber nein, ihnen fällt nichts besseres ein, als Mais und sonst nichts auf der Oberfläche anzubauen und zuzugucken, wie der immer mehr von Staubstürmen verwüstet und vom Mehltau zerfressen wird. Was den Mehltau betrifft: Für dessen solide Bekämpfung hätten sie nur meine Frau zu fragen brauchen. Die weiß, wie sowas zuverlässig geht.

In der zweiten Hälfte des Filmes wird es dann noch haarsträubender. In immer rasenderem Tempo türmt Nolan  jetzt eine absurde Unglaublichkeit auf die andere, bis das Ganze schließlich in einem schrillen Crescendo kollabiert. Da überlebt Cooper, gekettet an einen Roboter, den Eintritt in das Schwarze Loch, wird dort in seine eigene Vergangenheit geschleudert und gibt dann mittels Morsecode über eine mechanische Armbanduhr Instruktionen an seine offenbar telepathisch begabte Tochter.

Sequenzen wie diese haben dann auch rein gar nichts mehr mit einem möglicherweise falschen Einsatz von Wissenschaft zu tun. Sie stimmen so wenig mit irgendeiner Art gesicherter Erkenntnis überein, dass man sie noch nicht einmal als falsch bezeichnen kann. Die Sache mit dem Wurmloch ist so ein Beispiel. Abgesehen von dubiosen mathematischen Modellen gibt es nicht den geringsten Hinweis darauf, dass sie tatsächlich exisitieren. Geschweige denn, dass sie - sollte es sie tatsächlich geben - in irgendeiner Form manipulierbar, stabilisierbar oder durchfliegbar sind. In diesem Punkt hätte sich Nolan genauso gut irgendeiner anderen in SF-Filmen beliebten überlichtschnellen Fortbewegungsart bedienen können, wie Hyperraumsprünge, Warp-Antrieb oder Linearraumflüge.

Aber jetzt höre ich auf, denn meine selbstgewählten 2000 Wort sind geschrieben und ich komme zu meiner Conclusio:

"Interstellar" zitiert an vielen Stellen die beiden Meilensteine der Gattung, nämlich Stanley Kubricks "2001 - Odysee im Weltraum" und "Contact" nach dem Buch von Carl Sagan. In diesem letzteren Film, das nur nebenbei, können Sie Matthew McConaughey übrigens ebenfalls sehen. Diese beiden Filme sind sicher die Besseren des Genres, denn die große Anzahl von Logik-Löchern in "Interstellar" machen eher einem gut gereiften Emmentaler Ehre, als einem Film mit hohem wissenschaftlichen Anspruch. Wegen dieser "Löchrigkeit" würde ich ihn eher neben "Gravity" stellen (auch wenn "Interstellar" kein reiner Raumfahrtfilm ist).

Aber für "Interstellar" wie für "Gravity", wie für jeden guten Mainstream-Spielfilm ganz generell gilt: Die Fakten dürfen einer guten Story nicht im Wege stehen. Es ist am Ende, allen vollmundigen Behauptungen zum Trotz, ja doch kein erkenntnisgetreues Doku-Drama sondern ein modernen Hänsel- und Gretel-Märchen. Und da wundert man sich ja auch nicht, dass da plötzlich ein Lebkuchenhaus mitten im Wald steht, sondern nimmt das einfach hin. So reiht sich eben Fehler an Fehler, und an manchen Stellen türmen sie sich zu Bergen. Dennoch ist es eine anrührende Story, ein optischer und akustischer Genuß, spannend vom Anfang bis zum Ende.

Nehmen wir den erhobenen Zeigefinger also wieder runter, lehnen uns zurück und genießen den Film.

 

19.Nov 2014 | 22:15

Jähn, Nespoli & Co in Meckpomm

Ich hab eine schlechte Nachricht für Sie: Sie haben die 30. Raumfahrttage in Neubrandenburg verpasst. Das ist echt bitter. Rekapitulieren wir mal kurz im Überblick, was Sie da versäumt haben. Und außerdem noch gleich zur Einleitung: Das Ereignis „Raumfahrttage Neubrandenburg“ schließt automatisch auch immer die Orte Neustrelitz und Peenemünde mit ein. Alles im schönen MeckPomm gelegen. In der Nordostecke der Republik.

ESA Astronaut Paolo Nespoli mit Schülern im Schoollab des DLR Neustrelitz

ESA Astronaut Paolo Nespoli mit Schülern im Schoollab des DLR Neustrelitz. CR Berhard Tietz/RC

Am Donnerstag, dem 13. November fand im School-Lab des DLR in Neustrelitz der traditionelle Jugendtag der Raumfahrttage am dortigen DLR-Standort statt. Trotz des Mottos "Jugendtag": Erwachsene durften sich da durchaus auch blicken lassen und fanden spannende Experimente der Nachwuchswissenschaftler vor. Hauptperson dort war neben dem ESA-Astronauten Paolo Nespoli vor allem Barbara Zelon, die Kommunikationsdirektorin des Orion-Programms der NASA. Die beiden ließen sich von den jungen Experimentatoren deren Arbeiten präsentieren und erzählten über ihre Projekte.

Am Freitag gab es erstmals – anlässlich des 30. Jubiläums der Raumfahrttage – zwei parallele Veranstaltungen. Eine in Peenemünde, die andere in Neubrandenburg. In Peenemünde konnten die Besucher an einer der sehr seltenen Führungen im Gelände des ehemaligen Prüfstandes VII teilnehmen. Ein historischer Ort, denn von hier aus gelang am 3. Oktober 1942 der erste erfolgreiche Start einer A4, der damals in eine Höhe von über 84 Kilometer führte. Später wurden dort bei Versuchsflügen Höhen bis in 175 Kilometer Höhe erzielt.

Modell des Prüfstandes VII im Museum im Kraftwerksbau von Peenemünde.

Modell des Prüfstandes VII im Museum im Kraftwerksbau von Peenemünde. Die Abgasschurre ist links neben der Rakete unterhalb des Prüfstandsgerüstes zu erkennen. Credit: Bernhard Tietz/RC

Ebenfalls erstmals (und vielleicht auch schon wieder das letzte Mal) gab es auch eine Führung über das Gelände des Prüfstandes VIII. Von dort aus wurden während des Krieges die Versuche für die Flugabwehrrakete Wasserfall durchgeführt. Das etwas eigenwillige museumspädagogische Konzept in Peenemünde ist daraufhin ausgerichtet, die Prüfstände verfallen zu lassen und sie schließlich der Natur zu übergeben. Zum Entsetzen ausnahmslos aller ausländischen Gäste, die dort mitten im wuchernden Wald etwas hilflos nach optischen Anhaltspunkten des Geburtsort der weltweiten Raumfahrt suchen. Schon in wenigen Jahren wird hier nichts mehr von dem zu sehen sein, was sich hier einst abspielte. Eine Restaurierung der Anlage ist weder vorgesehen noch gewollt.

Der heutige Zustand des Prüfstands VII. Die Abgasschurre ist das einzige Merkmal der Anlage neben dem umgebenden Erdwall, das heute noch identifizierbar ist.

Der heutige Zustand des Prüfstands VII. Die Abgasschurre ist das einzige Merkmal der Anlage neben dem umgebenden Erdwall, das heute noch identifizierbar ist. Bild: Bernhard Tietz/RC

Im Museum in Peenemünde, im alten Kraftwerksbau des Versuchsgeländes, hielt dann die deutsche Raumfahrtlegende Siegmund Jähn einen Vortrag vor etwa 200 Besuchern einen Vortrag zum Thema „Deutsche Beiträge zu Raketenentwicklung und bemannter Raumfahrt“.

Wer sich weniger für die Vergangenheit, sondern eher für die ferne Zukunft der Raumfahrt interessierte, für den gab es an diesem Freitag im 80 Kilometer entfernten Neubrandenburg das „Forum Space 3000“. Für die Lust am wilden Spekulieren sorgten Vorträge wie „Höchste Zeit für die Zukunft – Technologie im 26. Jahrhundert und wo stehen wir heute“ vom DLR Programm-Manager Volker Schmidt, oder „Antimaterie – Eine Bestandsaufnahme“ von Professor Dr. Dieter Herrmann von der Leibnitz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

Star Wars meets contemporary Astronauts. In der Mitte Paolo Nespoli und Siegmund Jähn.

Star Wars meets contemporary Astronauts. In der Mitte Paolo Nespoli und Siegmund Jähn. Bild: Bernhard Tietz/RC

Mit dem gegenwärtigen Stand der Raumfahrttechnik und dem Blick in die unmittelbare Zukunft beschäftigte sich die „Klassik-Veranstaltung“ in Neubrandenburg am Samstag und am Sonntag. Besonderes Interesse fand dabei die Präsentation von Barbara Zelon, zum Stand des Orion-Programms, das über den cislunaren Raum zu Asteroiden und letztlich auch zum Mars führen soll. Aber auch deutsche Industrievertreter von OHB, Astrium und den Mittelständlern präsentierten Meinungen, Visionen und Aktualitäten. Am Sonntag stand Rosetta im Mittelpunkt des Interesses. Ulrich Köhler vom Institut für Planetenforschung des DLR Berlin berichtete über „Die ESA-Mission Rosetta - eine unglaubliche Reise zum Kometen 67P". Köhler feilte bis zur letzten Sekunden an seinem Vortrag, so brandaktuell war die Story. Auch die Ausführungen zu TerraSarX von Egbert Schwarz vom DLR Neustrelitz, die Entwicklungsaktivitäten der DGLR-Nachwuchsgruppen und das Neueste zum Stand der Raumfahrt in China fanden großes Interesse. Der Saal platzte aus allen Nähten, und die Veranstalter hatten zu tun, um zusätzliche Stühle herbeizuschaffen.

Paolo Nespoli bei der Podiumsdiskussion

Paolo Nespoli (rechts) bei der Podiumsdiskussion. Bild: Bernhard Tietz/RC

Sie sehen: Ein Besuch der Neubrandenburger Raumfahrttage lohnt sich immer, egal ob man „Profi“ oder interessierter Laie ist. Es gibt nicht sehr viele Veranstaltungen die nach dem Prinzip der offenen Konferenz gestaltet, und gleichzeitig extrem hochkarätig besetzt sind. Dieses Konzept gibt den Besuchern die Möglichkeit, mit Raumfahrern, Projektleitern, Wissenschaftlern und Gleichgesinnten zu reden und Persönlichkeiten der internationalen Raumfahrt, die man sonst nur aus den Medien kennt, persönlich zu begegnen.

Von links: Volker Schmid, Sigmund Jähn, Paolo Nespoli und Barbara Zelon

Von links: Volker Schmid, Sigmund Jähn, Paolo Nespoli und Barbara Zelon. Bild: Bernhard Tietz/RC

Und nun die gute Nachricht: Wer die 30. Raumfahrttage versäumt hat, bekommt im Herbstnächsten Jahres eine neue Chance. Die 31. Raumfahrttage werden am dritten Novemberwochenende 2015 stattfinden. Halten Sie sich dieses Datum schon mal frei.

31.Oct 2014 | 20:17

SpaceShip2 bei Testflug zerstört

Zufällig war ich eben dabei, eine Antwort auf zwei Leserkommentare zu diesem Artikel hier zu tippen. Die Diskussion bewegte sich dabei vom ursprünglichen Thema (Absturz der Antares-Rakete) hin zur suborbitalen privaten Raumfahrt. Die Worte, die ich grade dabei war zu formulieren, waren die folgenden:

„Ich will hier nicht missverstanden werden. Ich bin durchaus der Meinung, dass tödliche Unfälle in dem Business so sicher auftreten werden, wie das Amen in der Kirche. Alles andere wäre unrealistisch“.

Einige Teile des SpaceShip2 schlugen in dieser Straße ein.

Einige Teile des SpaceShip2 schlugen in dieser Straße ein. Credit: EyeTV

Nebenbei liefen in meiner Timeline die Tweets von Virgin Galactic zum Status des aktuellen SS2-Testflugs durch. Zunächst in optimistischem Ton gehalten. Dann eine Pause. Schließlich das Statement von Virgin:

#SpaceShipTwo has experienced an in-flight anomaly. Additional info and statement forthcoming.

SpaceShip2 war an diesem Nachmittag dabei, den ersten raketengetriebenen Testflug seit neun Monaten durchzuführen. Insgesamt war es aber schon der 55. Flug und der 35. Freiflug dieses Vehikels. Bei diesem Einsatz sollte ein neuer Treibsatz für das Hybrid-Triebwerk erstmals im Flug erprobt werden, der in den Monaten zuvor bei Bodentests problemlos funktioniert hatte. Dieses Mal ging aber offensichtlich irgendetwas schrecklich schief. Augenzeugen berichteten, dass das Raketentriebwerk zunächst zündete, dann gleich wieder erlosch und dann erneut zündete. Kurz darauf, so wird berichtet, wäre das Vehikel auseinandergerissen worden.

Diese ersten Stellungnahmen wurden schon bald darauf relativiert. Offensichtlich war die Zündung des Triebwerks normal erfolgt und es war auch zumindest für einige Sekunden problemlos gelaufen. Dann trat ein "desintegrativer" Prozess ein, der sehr heftig ablief, aber keine Explosion des Treibsatzes gewesen sein muss. Die Zusammensetzung dieses "Treibsatzes" - der Festkomponente des Hybridtriebwerkes - ist in diesem Jahr geändert worden, nachdem Scaled Composites und Virgin Galactic mit dem Abbrandverhalten und den Leistungswerten unzufrieden waren. Sie bestand vorher aus Hydroxyl-Terminiertem Polybutadien (HTPB) und jetzt einem Stoff der als "Thermoplastic Polyamid" bezeichnet wird. HInter dieser recht allgemeinen Bezeichnung verbirgt sich im wesentlichen Nylon. Der Oxidator, Lachgas (Distickoxid oder N20), blieb der selbe, muss aber mit der geänderten Festkomponente unter wesentlich höherem Druck in die Brennkammer eingebracht werden. Aus diesem Grund wurden in SS2 in den letzten Monaten ein modifizierter Oxidatortank in den Rumpf und zusätzliche Druckspeicher in den Flügeln eingebaut.

Der Beleg, dass das Vehikel zwar die Flügel - oder Teile davon - verlor, aber strukturell - was den Rumpf betrifft - offensichtlich noch zusammenhielt, ist darin zu sehen, dass einer der Piloten noch aussteigen konnte. Nachdem das Vehikel zum Zeitpunkt des Unfalls in einer Höhe von weit über 15 Kilometern - möglicherweise bis zu 20 Kilometern - und mit Überschallgeschwindigkeit geflogen sein muss, ist ein Ausstieg ohne Schleudersitze und Raumanzug (beides befindet sich bei SS2 nicht an Bord) nicht möglich. Das Verlassen des Vehikels ist nur möglich, wenn man sich abschnallt, zur Luke geht (oder kriecht), diese manuell öffnet und sich dann hinausfallen lässt. Der Ausstieg muss somit in einer Höhe von deutlich unter 10 Kilometern und bei relativ niedriger Geschwindigkeit erfolgt sein, andernfalls ist er nicht überlebbar.

Ein Anfangsverdacht (aber das ist in dieser frühen Phase hoch spekulativ) richtet sich daher auf einen möglichen Bruch des Oxidatortanks, der Drucktanks oder des Leitungssystems zu diesen.

VG Bild 5 - Zündung

Abwurf und Zündung verlaufen offensichtlich normal... CR USA Today

Auch die erste Beschleunigungsphase sieht normal aus...

Auch die erste Beschleunigungsphase sieht normal aus... CR USA Today

VG Bild 5 - Desintegration

Der Desintegrationsprozess - Die Flügelenden reißen ab. Das Triebwerk läuft nicht mehr, der Treibsatz glüht aber noch nach. CR USA Today

Das Ausgasen eines Stoffes (wahrscheinlich der Oxidator) läuft weiter. Die abgerissenene Flügelenden trudeln weg.

Das Ausgasen eines Stoffes (wahrscheinlich der Oxidator) läuft weiter. Die abgerissenene Flügelenden trudeln weg. CR USA Today

Hier die Kette der Ereignisse, wie ich sie am Abend des 31. Oktober im Antwort-Teil zum oben genannten Artikel chronologisch berichtet habe. Die erste Meldung ist - in Unkenntnis der Schwere des Vorfalls - noch in recht lakonischem Ton gehalten.

18:44 Uhr: Sieht ganz so aus, als würde unsere Diskussion grade in der Praxis durchgespielt werden. Beim heutigen SS2-Testflug hat es ein massives Problem gegeben. Noch ist nichts weiter bekannt.

18:45 Uhr: Inoffizielle Meldungen (derzeit eher noch Gerüchte) besagen, dass SS2 oder WK2 oder beide abgestürzt sind. Noch keine offizielle Bestätigung. Im Kern County sind Feuerwehr und Hubschrauber unterwegs.

18:58 Uhr: SS2 ist abgestürzt. Es wird von einem großen Trümmerfeld berichtet. Und dass einer oder zwei Fallschirme gesichtet wurden. Die Informationslage ist aber derzeit chaotisch. Jeder berichtet vom anderen. Die Urquellen sind spärlich.

19:07 Uhr: Die "Inflight-Anomaly" scheint nach der Zündung des Raketenmotors aufgetreten zu sein. Ein lokaler Radiosender berichtet von "einem Überlebenden" und "einem Vermissten". Der "Überlebende" wurde wohl schon abtransportiert. Es soll mittlere Verletzungen erlitten haben.

19:15 Uhr: Es ist jetzt wohl vollständig bestätigt. Beim heutigen Testflug von SS2 (kein Passagierflug, da war Virgin noch eine Ecke davon entfernt) ist das Fluggerät abgestürzt. Zumindest einer der Piloten ist in Sicherheit, nachdem er mit dem Fallschirm abgesprungen ist. Das Schicksal des zweiten Piloten ist unbekannt. "Quellen" behaupten, es wären zwei Fallschirme sichtbar gewesen. Gerüchte kommen auf, es wäre noch eine dritte Person an Bord gewesen. Bei allen bisherigen SS2-Testflügen war bisher nur ein einziges Mal eine dritte Person an Bord.

20:00 Uhr: Das sieht sehr böse aus. Eine verlässliche Quelle (Doug Messier) berichtet vom "Trümmerfeld" und dass einer der Piloten noch im Wrack sitzt. Er berichtet weiter...SpaceShipTwo dropped. From what I could tell, motor fired and then stopped then fired again. I think that's what happened...

Virgin gibt gerade bekannt, dass WK2 (das Trägerflugzeug) in der Zwischenzeit sicher gelandet ist.

Inzwischen berichtet auch die kalifornische Highway-Patrol von einem Toten und einem Leichtverletzten.

20:50: Es ist offiziell. Es waren zwei Piloten an Bord und nicht drei, wie einige Quellen vorübergehend behaupteten. Einer der beiden Piloten ist tot. Der andere wird als mittelschwer verletzt bezeichnet.

Die Namen der beiden Piloten sind noch nicht bekannt gegegben worden. Bei Scaled Composites, das die Testflüge im Auftrag von Virgin durchführt, gibt es insgesamt vier Piloten, die das SS2 aktuell fliegen (insgesamt waren es mal sieben). Vier weitere Piloten haben Flugerfahrung mit dem SS2 bei Virgin Galactic. Erstflüge bei Konfigurationsänderungen, so wie hier, wurden in der Vergangenheit immer entweder von Mark Stucky oder Pete Siebold als leitendem Piloten geflogen.

Ich führe diesen Beitrag weiter, ergänze und berichtige ihn, so bald sich Neuigkeiten ergeben. Es ist wichtig, zu beachten, dass manches von dem was hier in der Eile der ersten Momente niedergeschrieben wurde, sich später als falsch herausstellen kann.

Nachtrag 1: Die Namen der beiden Crew-Mitglieder sind nun veröffentlicht worden. Der überlebende Pilot ist Pete Siebold. Mike Alsbury kam ums Leben.

Dieses Bild wurde nach dem ersten Gleitflug von SS2 im Jahre 2010 aufgenommen. Diesen Flug absolvierten ebenfalls Pete Siebold und Mark Alsbury.

Dieses Bild wurde nach dem ersten Gleitflug von SS2 im Jahre 2010 aufgenommen. Diesen Flug absolvierten ebenfalls Pete Siebold und Mike Alsbury. Er ist hier der zweite von links. Pete Siebold steht auf diesem Foto ganz rechts außen. Credit: VirginGalactic 2010

Nachtrag 2: Der 39-jährige Mike Alsbury wird als "Fatality" bestätigt. Branson behauptet, ihn nicht persönlich zu kennen (I never met him), obwohl sie auf dem Foto oben nur eineinhalb Meter voneinander entfernt stehen. Es soll auch noch einen weiteren You-Tube Film geben, in dem die beiden miteinander sprechen. Eine erste Pressekonferenz des NTSB kann hier verfolgt werden, ist aber nicht sonderlich gehaltvoll. Bransons Rede an die Presse ist hier zu sehen.

Nachtrag 3: Erste Analysen des NTSB deuten darauf hin, dass die "Fatality" gegen ende der Brennphase aufgetreten sein muss. Die Trümmer des Fluggerätes sind auf dem Boden auf einer gerade Strecke von acht Kilometern Länge verteilt. Die leichtesten Teile (Tail Booms - die beweglichen Flügelende) lagen am Anfang dieser Strecke. Die kompaktesten und schwersten (Triebwerk) ganz am Ende. Dies deutet eher auf ein Auseinanderbrechen bei hohen aerodynamischen Kräften hin als auf eine Explosion. Hier ein Film vom Unfallort, freigegeben vom NTSB.

In dieser Grafik ist zu erkennen, wie der "Feather"-Mechanismus funktioniert. Die Flügel, die im "normalen" Flug gestreckt sind wie bei jedem gewöhnlichen Flugzeug, werden dabei für die Wiedereintrittsphase in die tieferen Schichten der Atmosphäre nach oben geklappt. CR Virgin Galactic

In dieser Grafik ist zu erkennen, wie der "Feather"-Mechanismus funktioniert. Die Flügel, die im "normalen" Flug gestreckt sind wie bei jedem gewöhnlichen Flugzeug, werden dabei für die Wiedereintrittsphase in die tieferen Schichten der Atmosphäre nach oben geklappt. CR Virgin Galactic

Nachtrag 4: Die Untersuchungen des NTSB nahmen gestern eine überraschende Wendung. Während sich praktisch alle Experten bislang auf eine mögliche Fehlfunktion von Triebwerk, Oxidator- und Drucktanks konzentriert hatten, gab der Leiter der Untersuchungskommission, Christopher Hart, bei der gestrigen Pressekonferenz ein Statement ab, das ein völlig neues Licht auf den Unfall wirft. Sowohl die Telemetrie, als auch die Auswertung von Bilder einer Bordkamera, die ihre Daten per Funk an den Boden übermittelte, bestätigte, dass Mike Alsbury neun Sekunden nach Beginn der Brennphase, bei einer Geschwindigkeit etwa um Mach 1,0 den sogenannte „Feather-Mechanismus“ entriegelte. Die Telemetrie gab an, dass sich in diesem Moment die Parameter von „locked“ auf „unlocked“ änderten. Zwei Sekunden später begannen sich die Außenflügel in die „deployed“ Position zu bewegen. Unmittelbar danach riss die Telemetrie ab.

Der „Feather“-Mechanismus stellt im normalen Flugprofil NACH einem angetriebenen Flug, wenn das Fluggerät das Apogäum überschritten hat, die Außenflügel vertikal nach oben. Dies verändert den Schwerpunkt des Vehikels und gibt ihm in dieser Phase Eigenstabilität, ähnlich einem Federball. Die Entriegelung selbst löst normalerweise keinerlei weitere Aktion aus. Es ist lediglich ein erster Schritt, um das Hochklappen der Flügel vorzubereiten. Es muss danach noch ein weiterer Hebel bewegt werden, um den Feather-Mechanismus tatsächlich zu aktivieren. Die Aufteilung dieses Vorgangs in zwei Schritte wurde gerade deshalb eingeführt, um ein unbeabsichtigtes Auslösen zu verhindern.

Die Filmauswertung ergab, dass Alsbury diesen zweiten Schritt tatsächlich nicht getan hat. Somit muss die Aktivierung aus noch unbekannter Ursache von selbst erfolgt sein. Das Hochstellen der Flügelenden bewirkte, dass das Fluggerät im Überschall-Luftstrom herumgeworfen wurde und auseinanderbrach. Über Alsburys Beweggründe, den Mechanismus früher als in den Prozeduren angegeben zu entriegeln, oder ob es Bestandteil der durchzuführenden Tests war, ist derzeit noch nichts bekannt (oder bekannt gegeben worden).

Christopher Hart berichtete weiterhin, dass es keinerlei Hinweise auf ein Versagen des Treibsatzes oder der Oxidatortanks gäbe. Beide seien vollständig intakt auf dem Boden aufgefunden worden. Es gäbe keinerlei Anzeichen eines Durchbrennens oder irgendwelcher Brüche oder Risse.

Und um eine Frage von @benneedsholiday zu beantworten, die über Twitter hereinkam: Ein klassischer Flugdatenrekorder (Blackbox) wie in einem Verkehrsflugzeug befindet sich nicht an Bord von SS2. Der Flug wurde von insgesamt acht Kameras aufgezeichnet. Drei davon waren in WhiteKnight2, fünf im SpaceShip2. Es gibt eine Reihe von Speichermedien an Bord, die möglicherweise den Absturz überstanden haben. Ein datenreduzierter Videostream wird direkt zur Erde übermittelt. SS2 ist darüberhinaus mit einer aufwendigen Sensorik bestückt, die ihre Daten als Telemetrie in „Echtzeit“ zur Erde sendet.

Wichtig ist: Es ist noch bei weitem zu früh, um aufgrund von Einzelinformationen bereits Hypothesen aufzustellen (wiewohl die Mainstream-Medien ab morgen alle Schuld dem Piloten geben werden). Alles was man derzeit tun kann, ist die Dinge zu schildern wie sie sind, ohne sie zu bewerten.

Nachtrag 5: Einen Artikel über die neuesten Entwicklungen in der Absturzuntersuchung finden Sie im Raumfahrt- und Astronomieportal "Der Orion", das ich zusammen mit Maria Pflug-Hofmayr betreibe.

29.Oct 2014 | 12:50

Desaster auf Wallops Island

Antares_Explosion_Initial CR Parabolicarc

Explosion der Antares 130 mit dem Cygnus CRS Orb 3 Raumschiff "SS Deke Slayton" wenige Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe. CR Parabolicarc

Ob man das Cygnus-Raumschiff CRS ORB-3, das gestern auf der Startanlage von Wallops Island in einem spektakulären Feuerwerk endete, unbedingt nach dem verstorbenen Astronauten Deke Slayton (USS Deke Slayton) benennen musste, wurde schon im Vorfeld diskutiert. Zugegebenermaßen weder besonders hitzig, noch besonders ernsthaft. Eher mit mild-ironischem Hinterton. Slayton war während der bemannten Raumfahrtprogramme Mercury, Gemini, Apollo und Skylab der Chefastronaut der NASA. Er hat in dieser Funktion mehr Trägerraketen explodieren sehen als die meisten anderen Menschen auf diesem Planeten. Als er sich nach seiner NASA-Zeit selbst im Startbusiness versuchte, gab es mit seinem Satellitenträger Conestoga 1620 am 23. Oktober 1995 wenige Sekunden nach dem Start eine Explosion, die mindestens so spektakulär war, wie die von gestern. Und Slayton war raus aus dem Business, denn einen weiteren Start konnte er sich nicht leisten.

Fehlstarts von Trägerraketen sind – sofern sie sich in der unmittelbaren Nähe der Startrampen ereignen – ungemein dankbare Ereignisse für die Mainstream-Medien denen in der Regel selbst das grundlegendste Basiswissen zum Thema Raumfahrt fehlt. Insbesondere die Boulevardpresse fabuliert dann gerne weitab jeglicher fachlicher Ahnung begeistert drauflos, mischt wenige Fakten mit vielen Mythen, übt sich in freiem Erfinden oder aber - wenn sie es tatsächlich eigentlich richtig wüsste (siehe Bild unten) - berichtet dann halt einfach anders, weil es gar so schön ist. Gibt es dann noch einen Zusammenhang mit der Internationalen Raumstation, umso besser.Screenshot 2014-10-29 10.35.33

Manche Fehlstarts sind ähnlich spektakulär wie der gestrige Fall. Beim verunglückten Start einer Proton M Briz M vom kasachischen Weltraumbahnhof Russlands in Baikonur schlug im Juli 2013 die Trägerrakete sogar einen Purzelbaum, bevor sie nur wenige hundert Meter von der Startrampe entfernt detonierte.

Weltweit finden jährlich etwa 80 Orbitalstarts statt. Der jahrzehntelange Durchschnitt an Startversagern schwankt zwischen 3 und 6 jährlich. In diesem Jahr gab es vor dem Antares-Start zwei davon. Eine betraf wieder einmal eine Proton M Briz M in Russland, bei der ein russischer Inlands-Kommunikationssatellit verloren ging. Das blieb in der allgemeinen Presse völlig unbeachtet. Der andere Fall betraf eine weitere russische Rakete, nämlich eine Sojus STB „Fregat“. Dieser Fall wurde von den Medien aufgegriffen. Allerdings nur, weil bei diesem Fall zwei europäische Navigationssatelliten betroffen waren (die auf einer falschen Bahn abgeliefert wurden). Hätte es sich um einen russischen Navigationssatelliten gehandelt, der „Normalbürger“ hätte nichts davon erfahren.

Der größere Teil der Fehlstarts erreicht noch nicht einmal die Rubrik „Vermischtes“ im Weltteil der Zeitungen. Sie ereignen sich abseits der gut einsehbaren Startrampen und es gibt keine spektakulären Bilder. Das Ergebnis ist aber jedesmal genau das gleiche: Verlust der Mission.

Übrigens ist es auch im Betrieb der Raumstation nicht der erste Fall, dass ein Versorgungsraumschiff einen Fehlstart erleidet. Das gab es schon einmal vor drei Jahren, als bei Progress M-12M die dritte Stufe versagte, und die Lieferung zur ISS nicht stattfand.

Jeder einzelne Fehlstart einer Großträgerrakete ist teuer. Beim gestern gescheiterten Antares-Start liegen wir mit etwa 220 Millionen Dollar im unteren Mittelfeld. Verloren gingen gestern unter anderem 727 Kilogramm wissenschaftliche Ausrüstung, 728 Kilogramm so genannte „Crew Supplies“ darunter vor allem 617 Kilogramm an Nahrungsmitteln. Weitere 637 Kilogramm waren Ausrüstungsgegenstände für den Betrieb der Raumstation, unter anderem Ersatzteile für Raumanzüge, Computer und Handbücher. Außerdem waren noch eine ganze Reihe von so genannten Cube-Sats mit an Bord, Mini-Satelliten, die von Bord der Raumstation aus in der Umlaufbahn hätten abgesetzt werden sollen.

Für den Betrieb der Raumstation ist das ein herber Verlust. Es ist aber weit davon entfernt, in irgendeiner Form existenzgefährdend zu sein. Selbst ohne jede weitere Versorgung hätten die Vorräte der Station noch bis in den März hinein gereicht. Aber bereits heute mittag hat das nächste Versorgungsschiff an der ISS angelegt, nämlich Progress M-25M. Danach folgt der nächste Frachter schon am 7. Dezember, ein Dragon von SpaceX. In den kann man einiges von dem hineinpacken, das gestern von Cygnus CRS ORB-3 nicht transportiert werden konnte.

Starts von Großraketen sind teuer und gefährlich. Das liegt vor allem an der Seltenheit des Ereignisses Raumfahrt, der hohen Komplexität des Vorganges und den extremen Bedingungen unter denen diese Maschinen arbeiten müssen. Wegen dieser Seltenheit und den daraus resultierenden wenigen Starts kann man hier praktisch nie auf völlig ausgereifte Produkte zurückgreifen, bei denen die fast unvermeidlichen Anfangsfehler abgestellt sind. Der gestern gestartete Cygnus war der dritte seiner Art. Die Antares-Rakete flog erst zum fünften Mal.

So wird es auch weiterhin zu Fehlstarts kommen. Das ist teuer und bitter für die Experimentatoren, die ihre teuren Geräte verlieren. Aber solange keine Menschen dabei zu Schaden kommen, so wie gestern, ist es nichts weiter als Sachschaden.

27.Oct 2014 | 10:01

Vier Tage Raumfahrt im hohen Norden

Das Traditionslogo der Neubrandenburger Raumfahrttage.

Das Traditionslogo der Neubrandenburger Raumfahrttage.

Zwischen dem 13. Und 15. November werden in diesem Jahr zum 30. Mal wieder die legendären Raumfahrttage in Neubrandenburg stattfinden. Sie sind eine unerreichte Mischung aus Familientreffen für Raumfahrtfans, Reminiszenzen an die Raumfahrtgeschichte (unter besonderer Berücksichtigung der Ost-Raumfahrt), Vorträgen über die neuesten Zukunftsaspekte, Diskussionsforen mit Fachleuten und Raumfahrern, Signierstunden, und vor allem auch dem persönlichen Kennenlernen von Astronauten und Kosmonauten.

Was letztere betrifft: In diesem Jahr sind die Raumfahrt-Ikone Sigmund Jähn und der ESA-Astronaut Paolo Nespoli an Bord.

Das Programm ist heuer dicht wie selten zuvor. Am Donnerstag findet der Jugendtag im DLR-Standort Neustrelitz statt. Etwa 100 Schülerinnen und Schüler werden im School-Lab des Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt ab 14:00 Uhr ihre Projekte vorstellen. Paolo Nespoli wird ihnen und den anderen Besuchern dabei von seinen beiden Missionen zur ISS berichten.

Am Freitag gibt es zwei sehr unterschiedliche, parallele Veranstaltungen in Neubrandenburg und im Historisch-Technischen Museum Peenemünde. Und – nebenbei sei das eingeschoben – wer in Peenemünde mit dabei ist, hat eine der immer seltener werdenden Gelegenheiten, die Überreste des legendären Prüfstandes 7 zu besichtigen, der für das normale Publikum nicht zugänglich ist. Bei dieser Veranstaltung auf Usedom wird Sigmund Jähn auch einen Vortrag halten.

Das Kontrastprogramm dazu läuft zeitgleich im Radission in Neubrandenburg mit dem „Forum Space 3000“, das sich mit der ferneren Zukunft der Raumfahrt auseinandersetzt.

Am Samstag und Sonntag findet die „Klassik-Veranstaltung“ in Neubrandenburg statt. Mit Referentinnen und Referenten unter anderem von der NASA, von Lockheed, dem DLR, der OHB AG, dem DGLR und ebenfalls mit Sigmund Jähn und Paolo Nespoli. Das Ganze läuft an diesen beiden Tagen wieder unter bewährter Moderation (nämlich meiner).

Das Programm finden Sie hier. Und wenn Sie jetzt Lust auf ein paar Tage Raumfahrt bekommen haben, dann können Sie sich hier anmelden.

24.Nov 2014 | 00:00

Allgemeines Live-Blog ab dem 24. November


25. November

suchbild

Irgendwo hier muss Philae herum stehen, auch wenn die 2.60 Meter pro Pixel dieser NavCam-Aufnahme vom 20. November aus 30 km Entfernung natürlich nicht ausreichen, um den schlafenden Kometenlander zu erkennen. Auch eine kuriose künstlerische Verarbeitung der Landegeräusche Philaes und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Plus großer Rummel um den Hayabusa-2-Start in Japan, das nahe Ende des Venus Express, die TanDEM-X als Eisforscher arbeitet, was DSCOVR erreichen soll, wie es mit der Ariane weiter geht, ein Video vom Beschweben der ISS durch die Neuen – und Russlands Pläne für eine eigene Station. [12:40 MEZ]


24. November

snlens

Gravitationslinse zeigt dieselbe ferne Supernova viermal

Solch ein Phänomen wurde vor 50 Jahren vorhergesagt, und diesen Monat ist es zum ersten Mal gefunden worden, wie hier, hier und hier zu sehen: Eine Vordergrundgalaxie (Rotverschiebung z=0.54) läßt eine Supernova in einer Spiralgalaxie weit dahinter (z=1.49) in vier weit getrennten Bildern erscheinen, die ein “Einstein-Kreuz” bilden! Diese Hubble-Aufnahmen zeigen das plötzliche Auftauchen der SN-Bilder: links und rechts zwei verschiedene Filter, oben Archivaufnahmen, unten die Situation am 10. November. Aus den Lichtkurven der vier Bilder, deren LIchtwege zur Erde unterschiedlich lang sind, werden sich sowohl die direkte Entfernung als auch die Massenverteilung in der Linsen-Galaxie bestimmen lassen. Auch und dem Haufen MACSJ1149.6+2223, zu dem sie gehört – der, welch ein Zufall, seit dem 20. November im Rahmen des Frontier-Fields-Programms besonders intensiv von Hubble beobachtet wird. [12:40 MEZ. NACHTRAG: Hat’s noch wer mitbekommen]

So sahen ferngesteuerte Kameras die Explosion der Antares-Rakete aus der Nähe: viele Fotos und weitere Videos sind jetzt auch hier, hier [NACHTRAG: mehr], hier und hier aufgetaucht, nachdem die zunächst von der Untersuchungskomission beschlagnahmten Speichermedien frei gegeben wurden. Derweil wird MAVEN wieder in Betrieb genommen, aber STEREO-B bleibt verschollen, trotz aller Bemühungen seit dem 1.10. [12:10 MEZ]

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TMA-15M Launch with Samantha Cristoforetti

Samantha gestartet: neuer ESA-Gast auf dem Weg zur ISS

Wieder einmal superpünktlich ist vor zwei Stunden Soyuz TMA-15M zur ISS gestartet, womit u.a. die erste Italienerin im All angekommen ist, nebst einer Disney-Figur als µg-Indikator: weitere Video-Stills hier, hier und hier, weitere Start-Fotos hier und hier, der Start von der ISS aus gesehen, eine Langzeit-Belichtung, Samatha Cristoferretis letztes Posting auf der Erde, ein NASA-Blog-Bericht, detaillierte Updates und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Angedockt wird um 3:53 MEZ. [0:00 MEZ]

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Mit der problemlosen Ankunft der Soyuz sind nun wieder sechs an Bord der ISS – speziell die Abenteuer “Sams” werden sich hier, hier und hier sowie in zahllosen Social-Media-Feeds verfolgen lassen. [9:55 MEZ] Sam ist die 59. Frau höher als 80 km und der/die 7. ItalienerIn im Orbit – auch ein Video vom und Artikel zum Start und ein NASA Release und Blog-Beitrag, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links zur Ankunft. Und in Kürze tut sich auf dieser Seite auch etwas. [11:50 MEZ]


23.Nov 2014 | 23:01

Relaunch von interstellarum: ein Projekt für alle!

 

Dieses Blog hat schon manch astronomisches Crowdfunding-Projekt der letzten Zeit erstaunt bis wohlwollend beobachtet – aber diesmal steht es voll dahinter: Es geht um den wirtschaftlich soliden Neustart der traditionsreichen deutschen Zeitschrift für Amateurastronomie interstellarum im kommenden Jahr, deren 97. und zunächst einmal letzte Ausgabe hier kostenlos & komplett als PDF gelesen werden kann, alle 84 Seiten. Das bei einem renommierten Portal laufende Crowdfunding ist anders als alle bisherigen: Es geht nicht (nur) darum, Spenden einzusammeln, sondern ganz zentral um das Gewinnen neuer fester Abonnenten, denn nur sie – und nicht der Kauf am Kiosk – können die Zeitschrift wie auch den Newsletter langfristig sichern. Zahlreiche Firmen aus der Teleskop-Branche helfen bei der Entscheidung: Mit großartigen Gutschein-Angeboten von bis zu 40% Rabatt erleichtern hoffentlich für viele noch zögernde Leser die Entscheidung, ein Abo abzuschließen. Also: Egal ob Kioskkäufer oder gar bisher interstellarum-abstinent, schauen Sie sich die Crowdfunding-Seite mit den detaillierten Informationen und das zugehörige Blog mit vielen Hintergrund-Informationen an – und werden Sie ein Teil einer Innovation, die es in der deutschen (Astro-)Publizistik noch nicht gegeben hat! Seit 9 Tagen läuft das Crowdfunding nun, 81 Tage liegen noch vor ihm – und 18% der Schwelle bzw. 16% des Ziels sind nach einem Zehntel der Zeit schon erreicht. Aber viel bleibt noch zu tun!


22.Nov 2014 | 23:47

Weitere größere Artikel

60 Jahre Sternwarte Hoher List: So wurde in Bonn gefeiert … Auch 60 Jahre Observatorium Hoher List gefeiert und 60 Jahre später: “Ehemaligen-Treffen” der Sternwarte Hoher List sowie Bonner Astronomen erinnern an das Observatorium Hoher List.

Planetentagung auf Burg Rothenfels – vielleicht nicht zum letzten Mal. Und ab jetzt immer im Herbst.

So war das bei der Landung von Philae … in Köln und Philae-PK in Köln – und eine Print-Überraschung – Raumfahrt-Geschichte vor der Haustür, quasi.

Fast 200 Besucher auf der 33. BoHeTa: ein paar Highlights aus Bochum.

Kürzere Artikel

Nebulöse Morgensonne (mit Flecken) – die zurückgekehrte Riesengruppe ist geschrumpft.

David Levy in Bochum! (Wieder-)Begegnung zwischen Tür und Angel.

Konferenz-”Teilnahme” über 8 Zeitzonen hinweg, um das Neueste von Rosetta aus Tucson zu saugen. Via Twitter.


21.Nov 2014 | 23:44

Irgendwo im blauen Streifen ist Philae gelandet …

 

consert1

… oder vielleicht auch in der grünen Zone: Das ergibt sich aus der bisherigen Analyse des Radarexperiments CONSERT, beim die Pulse zwischen Philae und dem Orbiter hin- und herliefen, sowohl direkt als auch durch den Kometenkern hindurch. Jetzt weiß OSIRIS immerhin, in welchem Areal gesucht werden muss. Auch zusammenfassende Videos der ganzen Landung von der ESA (oben) und EuroNews (unten), eine DLR-PM zu den ROLIS-Bildern, von denen es nun zwar das ferne in 3D aber die ganz nahen und v.a. nach der Landung weiter nicht zu sehen gibt, eine ESA-PM zur Mission Rosettas danach und Artikel hier, hier und hier.

consert2

Ein neu verarbeitetes Galileo-Bild des Jupitermonds Europa hat die NASA zusammen mit einem Werbevideo zum Ozean unter der Kruste veröffentlicht. Derweil ist der neue Mars-Orbiter MAVEN in einem Safe Mode gelandet (mehr), kaum dass er mit der wissenschaftlichen Arbeit begonnen hatte.

GRB-jagender Satellit Swift jetzt zehn Jahre im Einsatz

Und in dieser unterhaltsamen Mini-Doku der NASA beschreiben die Wissenschaftler des besonders “flinken” Satelliten, wie sich das anfühlt, wenn jederzeit ein Alarm kommen kann (einer wollte gerade den Thanksgiving-Truthahn …). Auch ein weiteres Video zu Swifts wichtigsten Entdeckungen und Press Releases hier, hier und hier.

A spiral in a furnace

Ein uraltes HST-Bild der Balkenspirale NGC 986 – noch mit der 2009 ausgebauten Kamera WFPC2 aufgenommen – hat die NASA heute verbreitet, trotzdem nett. Auch Supernova-Reste von Chandra, ein Konferenz-Jux zum Satelliten WFIRST im Stil heutiger Astro-Preprints, die Startvorbereitungen für den Satelliten DSCOVR (kaum zu glauben, aber er fliegt nun wirklich – die Idee war Al Gore vor dem Präsidentschafts-Wahlkampf 2000 gekommen) – und der deutsche CubeSat UWE-3 funktioniert auch nach einem Jahr noch.

consert5

Expedition 42 Soyuz Rollout

Rollout der Soyuz für den nächsten Crew-Start zur ISS

am Sonntag, bei dem für die ESA Samantha Cristoforetti an Bord sein wird; das Video machte ein anderer ESA-Astronaut. Auch Artikel hier und hier – und hier, hier (teilweises Transkript) und hier weitere Interviews mit bzw. ein Konferenz-Auftritt von ihrem Vorgänger Alex Gerst.


18.Nov 2014 | 22:25

Allgemeines Live-Blog vom 18. bis 20. 11. 2014


20. November

nav1117

Von der ersten Kometen-Landung gibt es ein Sound-File

von den CASSE-Sensoren des SESAME-Experiments während der ersten kurzen Bodenberührung, das zwar nur 2 Sekunden lang ist, aber auch dem sich einiges über die Kometenoberfläche lernen lässt: Erst setzt Philae auf einer mehreren Zentimeter dicken, weichen Schicht auf, dann treffen die Füße einige Millisekunden später auf eine harte, vielleicht eisige Schicht – so hat es später auch MUPUS gesehen. Insgesamt drei Mal landete Philae, bis er auf der Kometenoberfläche stehenblieb und die nächsten Messungen beginnen konnten – so “hörte” das Cometary Acoustic Surface Sounding Experiment auch das Hämmern der Thermalsonde MUPUS. Vermutlich wackelte der Lander bei diesem Hämmern leicht und bekam mit verschiedenen Sohlen Kontakt zum Boden, denn das MUPUS-Signal wurde nicht in allen Füßen gleichzeitig von CASSE registriert. Auch die beiden weiteren Instrumente des Surface Electric Sounding and Acoustic Monitoring Experiments, DIM und PP, konnten während den mehr als 60 Stunden Betrieb von Philae Daten zur Erde senden. Der Dust Impact Monitor stellte fest, dass Churyumov-Gerasimenko an der Landestelle am Rande eines Kraters derzeit nicht aktiv ist, denn er registrierte kein einziges Teilchen: In der unmittelbaren Umgebung des Kometen – oben ein neues NavCam-Bild vom 17. November aus 42 km Entfernung – befinden sich wohl nur wenige aufgewirbelte Staubpartikel. Die Permittivity Probe schickte von einer der Fußsohlen Wechselströme unterschiedlicher Frequenz durch den Kometenboden und konnte feststellen, dass sich zumindest unter einem Teil von Philae eine größere Menge Wassereis befindet. Ferner wurde heute bekannt, dass der Abstand vom Kometen Ende Januar zeitweise bis auf 5 km verringert werden soll; auch ein lebhaftes Interview mit dem PI von COSAC, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein umfangreiches ‘Ask me anything’ mit ESA-Experten (in dem auch eine Frage dieses Bloggers zur Lage Philaes auf der Oberfläche von Valentina Lommatsch detailliert beantwortet wird) und noch ein Philae-Scherz. Sowie Verlängerungen für 10 ESA-Missionen, ein Update zu Curiosity – und das britische Mond-Crowdfunding (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr Links) hat nach den ersten 44 Stunden bereits 258’000 Pfund eingesammelt, fast die Hälfte der ersten Zielsumme. [21:05 – Ende]

sol20

Die wiedergekehrte einst große Gruppe geht jetzt durch den Zentralmeridian der Sonne, zu einer ‘Löwentatze’ geschrumpft und – bis auf einen M-Flare – weitgehend inaktiv: Bilder auch vom 18.11. und 17.11. (mehr, mehr und im Vergleich mit der letzten Runde). Derweil hat sich ein vermeintlicher Bolide über Russland (mehr und mehr und ein Video) durch ein weiteres Video klar als Explosion unter den Wolken erwiesen. Auch Spekulationen über Raketentrümmer in Australien, Werbung für Globe@Night, ein Interview zum Int’l Year of Light 2015 – und Fortschritte beim Galileium in Solingen. [19:05 MEZ]


19. November

ros-orb

Rosetta wieder im “Routine”-Betrieb als Kometenorbiter

Nachdem die Mission von Philae schnell zuende ging (wobei immer noch unklar ist, was der Bohrer genau ereichte), hat sich der Rosetta-Orbiter wieder dem Normalbetrieb zugewandt: der “comet escort phase”. Markiert wurde das Ende des Ausnahmezustands Philae durch den Umzug der Flugkontrolle vom Hauptraum des ESOC in einen kleineren, von wo Rosetta zunächst in einen 30-km-Orbit manövriert wird: Bisher hatten alle Bahnen mit den Vorbereitungen der Philae-Landung zu tun, jetzt gibt die Wissenschaft den Ton an. So wird es am 3. Dezember noch einmal für 10 Tage auf 20 km hinab gehen, bevor man zu 30 km zurückkehrt. Über die weitere Bahnentwicklung bestimmt die Entwicklung der Aktivität von C-G – allerdings wird ab Anfang 2015 auch wieder periodisch nach Signalen von Philae gelauscht. Auch drei Stückchen von Vangelis für Philae, die Reise von Bennu, den OSIRIS-REx heimsuchen wird, der Status von Curiosity, das Überleben von Bakterien in der Foton-Kapsel, künftige Bodenfeuchte-Forschung mit SMAP – und wie Nachtaufnahmen der Erde bei der Flut-Forschung helfen: Viel Licht ist ein guter Indikator für dichte Besiedlung. [23:55 MEZ]

Fulminanter “Lunar Mission One”-Start – reicht der Atem?

Seit genau 17 Stunden wird für die Planungsphase des privaten britischen Mondprojekts (s.u.) gesammelt, und schon ist fast ein Viertel der geforderten 600’000 Pfund für “the most inspirational lunar project since the Apollo landings” (Eigenwerbung) zusammen: Eine energische Social-Media-Kampagne, fügsame Medienberichte mit kaum kritischen Fragen und der Nachhall des Philae-Dramas haben wohl das ihre getan. Auch fällt auf, dass die höchste Spendenkategorie von 5000 Pfund gleich siebenmal gebucht wurde und eine für 1200 Pfund 21-mal; am populärsten mit 674 Buchungen ist natürlich die 60-Pfund-Kategorie, ab der eine jener ‘digital memory boxes’ inklusive ist, auf deren Verkauf auch die spätere Finanzierung der eigentlichen Mission aufbauen soll. Auf einer inszenierten Konferenz-Präsentation heute (alt.) gab es wenig Details zu dieser oder auch dem Businessplan zu hören: Es wurde aber betont, dass die Wissenschaft am Mond-Südpol im Zentrum stehe und die lunare Zeitkapsel mit nämlichen ‘boxes’ darin v.a. der Finanzierung diene – während gleichzeitig der Bildungs-Aspekt des Ganzen betont wurde. Mit einer gewaltigen internatiomalen Marketing-Kampagne ist ab Ende des Jahrzehnts zu rechnen, wenn es mit dem Bau der Hardware ernst wird: Die Lunar Mission One ist ein großes soziales Experiment, ob man mit der Eitelkeit mehr oder weniger betuchter Massen etwas Großes finanzieren kann, unter Wahrung eines seriösen Profils … Auch frühere Artikel hier (mit Experten-Meinungen: So was gab’s noch nie, also weiß keiner, wie es ausgeht), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und heute begann gleich noch ein Mondflug-Crowdsourcing, mit weit weniger Wirbel und entsprechend Erfolg. [18:00 MEZ]

Deuterium/Wasserstoff-Ratio in C-G viel größer als irdisch!

Eine bedeutende Entdeckung des Instruments ROSINA auf Rosetta ist quasi nebenher bekannt geworden, obwohl sie nun wirklich Aufsehen verdient hätte: Das Isotopenverhältnis von Deuterium und Wasserstoff in der Koma des Kometen C-G liegt deutlich über dem Wert in den Ozeanen der Erde – und sogar noch über dem Wert aller anderen Kometen, wo es bestimmt werden konnte. Von denen hatte nur Hartley 2 einen irdischen Wert gezeigt, alle anderen lagen auch darüber. Der erneute Ausreißer nach oben von C-G stützt die Vermutung, dass das Wasser der Erde eben nicht von Kometen sondern eher von Asteroiden stammt: Der äußere Hauptgürtel käme dafür in Frage, wo sich Eis unter der Oberfläche lange gehalten haben könnte. Und auch heute noch zuweilen Asteroiden aktiv werden und Hauptgürtel-Komet spielen. Auch russische Anteilnahme am Schicksal Philaes. [2:50 MEZ] Das von manchen bereits als Fehlschlag abgebuchte APXS-Experiment auf Philae hat möglicherweise doch Kometen-Staub gemessen: “Der Austausch mit den anderen Teams der Mission wird hier in den nächsten Wochen und Monaten Aufklärung bringen, sodass hoffentlich ein Gesamtbild über die Lage und Position des Landers und schließlich auch über die Situation auf dem Kometen entsteht.” Auch Artikel hier, hier und hier. [14:45 MEZ] Morgen veranstaltet die ESA ein ‘Ask me Anything’ zu Rosetta – die lassen auch keine Social-Media-Methode aus. Zugabe: ein Manga über Hayabusa 2 und MASCOT, eine Art Verwandten Philaes. [16:55 MEZ]

Britisches Mondlander-Projekt will Planung crowdfunden

Viel Geheimnistuerei und gleichzeitig Wirbel in sozialen Medien, aber die Realität, die ab dieser Minute verraten werden darf, ist eher bescheiden: Hinter der britischen “Lunar Mission One” verbirgt sich erst einmal nur der Versuch, binnen eines Monats 600’000 Pfund (770’000 Euro) per Crowdfunding einzutreiben, um damit detailliertere Vorarbeiten für eine Mondlandung in der Nähe des Südpols bezahlen zu können. Wie dann die eigentliche Mission – bei der in zehn Jahren 20 bis 100 Meter tief nach lunarem Urgestein gebohrt werden soll – finanziert werden möge, dazu bleiben diesem Blog vorab zugegangene Werbematerialien eben so vage wie zu irgendwelchen technischen Details und der wissenschaftlichen Motivation: “Following the development phase, funded by Kickstarter, the remaining funding requirements of the project will primarily be met through sales of digital memory boxes to the general public, as well as through public sector and commercial backing.” Besagte ‘memory boxes’ sind dabei “for inclusion in a 21st Century time capsule that will be sent to and buried in the Moon as part of Lunar Mission One.” Das Projekt ist bereits sieben Jahre in Vorbereitung und besitzt die Unterstützung von zwei britischen Universitäten, einer Raumfahrtfirma und allerlei Weltraum-Promis – doch ob es eine Chance hat, die (nirgends auch nur grob bezifferten) Kosten für Lander wie Rakete aufzubringen, ist kaum abzuschätzen. Private Initiativen, zum Mond zu fliegen, hat dieser Blogger über die Jahre schon viele kommen und gehen sehen: Angekommen ist davon allein der Lunar Prospector – aber erst, nachdem dieser einfache Orbiter nach vielen Wirren zu einer Mission mutiert war, die komplett von der NASA bezahlt wurde. Kühn sind die Briten jedenfalls: Sie glauben, durch den Verkauf der “memory boxes” – bei denen es sich um Dateien und keine realen Schachteln handelt – nicht nur die Mission locker stemmen zu können, sondern auch noch einen Profit einzufahren. “We’ve undertaken market research in the UK and the USA which demonstrated a strong interest in the mission and the digital memory boxes,” schreiben sie: “Based on the findings, we are able to predict around 1% of the global population who can afford the product will purchase a digital memory box. This delivers a mid-point projected revenue of £3billion.” Eventuelle Überschüsse sollen dann in Bildungsprojekte gesteckt werden. Leuchtendes Vorbild ist dabei die Londoner Industrieausstellung 1851, die v.a. durch Kleinspenden finanziert wurde. [1:00 MEZ] Ein Promo-Video, die Kickstarter-Seite und ein Artikel, nach dem die Mission rund 500 Mio. Pfund kosten würde – und die größte Hoffnung auf Einnahmen darauf basiert, dass Leute auch ein Haar mit zum Mond schicken und dafür 200 statt 60 Pfund für die rein digitale ‘box’ zahlen. [1:15 MEZ] Weitere Artikel hier und hier – wo die haarige Mondreise (natürlich flöge nur etwas extrahierte DNS) “50 Pfund oder so” kosten soll. [2:25 MEZ]


18. November

mupus2

MUPUS-Messung: Hartes Kometeneis unter Staub mit -170°C

Weitere Erkenntnisse des MUPUS-Instruments auf Philae wurden heute präsentiert, die bei dem heroischen Hämmern auf die Kernoberfläche gewonnen wurden. In der Nacht vom 13. auf den 14. November 2014 war die Thermalsonde MUPUS vom sogenannten “Balkon” des Landers – das heißt von der nach vorne geöffneten Instrumentenbucht an der hinteren Seitenwand von Philae – ausgefahren worden und sollte sich rund 40 cm in den Kometenboden hämmern: Dies misslang, obwohl die Hammerleistung sukzessive auf die höchste Stufe gefahren und der Mechanismus dabei zerstört wurde. “Aus Vergleichsmessungen im Labor haben wir abgeschätzt, dass die Thermalsonde wahrscheinlich unter einer zehn bis 20 Zentimeter dicken Staubschicht auf eine Schicht gestoßen sein muss, die eine Festigkeit wie die von Eis haben sollte”, sagt MUPUS-PI T. Spohn. Der Infrarotsensor des Instruments habe eine geringe thermische Trägheit der aufliegenden Staubschicht festgestellt. “Das Team geht davon aus, dass unter der sehr porösen Staubschicht Eis ansteht.”

Dieses Eis enthalte wahrscheinlich Staub und könne selbst durchaus auch porös sein, aber über Jahrhunderte bis Jahrmillionen thermisch gesintert, also immer wieder durch Temperatur-Schwankungen mehr und mehr zusammengebacken worden sein. An diesem Eis hat MUPUS eine Temperatur von circa minus 170 Grad Celsius gemessen, während der Sensor am Balkon noch -153°C angezeigt hatte. Der Infrarotsensor der Sonde hatte schon während des Anflugs und während der Sprünge über dem Kometenboden Daten registriert. Auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Storify der MUPUS-Tweets, Bilder aus dem ESOC, ein Reddit – und hier, hier und hier mehr oder weniger gelungene humoristische Bezüge. Plus eine geologische Karte aus Dawn-Daten von Vesta, der Beginn der Forschung von MAVEN, die Bedeutung von MOM, die Geschichte des Wassers auf dem Mars, neue HST-Beobachtungen von Europa – und hier, hier, hier, hier und hier Rätselraten über russische Satelliten-Experimente. [22:25 MEZ]


Hintergrundbilder (c) OEWF