ÖWF / Polares auf einen Blick

21.Jan 2015 | 20:20

Der österreichische Satellit PEGASUS

Pegasus-logo-transparent-webStudentinnen und Studenten erforschen die Thermosphäre

Im Jänner 2016 wird der österreichische CubeSat PEGASUS als Teil eines Netzwerks von Kleinsatelliten im Rahmen von Projekt QB50 starten. Gemeinsam werden sie über mehrere Monate hinweg die oberen Schichten der Erdatmosphäre erkunden. Zusätzlich zu den koordinierten Aufgaben im „Schwarm“ bringt PEGASUS auch noch eigene Experimente mit in den Erdorbit.

Entwicklung, Konstruktion und Bau erfolgen unter maßgeblicher Beteiligung von Studierenden ausschließlich in Österreich. Bei der Pressekonferenz am 21. Jänner präsentierte die Fachhochschule Wiener Neustadt gemeinsam mit dem Space Team der TU Wien, dem Institut für Astrophysik der Universität Wien und dem Österreichischen Weltraum Forum das Projekt PEGASUS.

Studentinnen und Studenten bauen den österreichischen Kleinsatelliten

„PEGASUS ist Teil des internationalen Projektes QB50. Wenn er im Jänner 2016 gemeinsam mit 49 weiteren Kleinsatelliten startet, hat der 10x10x20cm große CubeSat eine zweijährige Entwicklungs- und Bauphase hinter sich. Das kommende Jahr wird geprägt sein von der Herstellung und den Qualitätstests der einzelnen Satellitenkomponenten. Danach ist PEGASUS bereit für die Startzulassung“,

fasst Dr. Carsten Scharlemann den Zeitplan zusammen. Dr. Scharlemann leitet den Masterstudiengang Aerospace Engineering der Fachhochschule Wiener Neustadt und ist Projektleiter von PEGASUS.

„Kernstück des Projektes QB50, zu dem auch unser Satellit gehört, ist die Beteiligung von Studierenden. Sie erhalten die seltene Gelegenheit, schon während ihrer Ausbildung an einem echten Raumfahrt-Projekt vom Anfang bis zum Ende mitzuarbeiten“,

betont Univ.Prof.Dr. Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik der Universität Wien.
Auch DI Dominik Kohl, Präsident des TU Space Teams, zeigt sich von der Arbeit am Kleinsatelliten begeistert:

„Das TU Space Team besteht zum Großteil aus Studierenden. Bei PEGASUS sind wir und die Studenten der anderen Partnerorganisationen an allen entscheidenden Phasen des Projektes maßgeblich beteiligt. Wir lernen praxisbezogen und stellen gleichzeitig unsere bisher erworbene Expertise unter Beweis.“

Die Erforschung der Thermosphäre

PEGASUS wird im Netzwerk der insgesamt 50 CubeSats die Thermosphäre in ca. 200 – 380 km Höhe erforschen. Derzeit ist nur sehr wenig über diesen wichtigen Teil der Erdatmosphäre bekannt, der uns vor energiereicher, also gesundheitsschädlicher Strahlung schützt.

„Es wurden noch nicht viele Forschungsmissionen in dieser Höhe geflogen. Die Reibung der Thermosphäre bringt jeden Satelliten nach wenigen Monaten zum Absturz. Setzt man also einen großen und daher teuren Satelliten ein, hat man eine kurze, aber kostspielige Mission“,

erläutert Michael Taraba vom ÖWF. Zusätzlich zur Redundanz bietet der Einsatz eines Netzwerkes von Kleinsatelliten gegenüber Einzelmissionen den Vorteil, dass man auf gleichzeitige Messdaten von vielen Messpunkten zurückgreifen kann. Das erhöht die wissenschaftliche Aussagekraft der Daten und hilft dabei, etwaige Messfehler auszusortieren. Im speziellen atmosphärische Modelle, etwa für die Wettervorhersage, und damit tausende NutzerInnen werden von diesen Messdaten profitieren.

Vier österreichische Partner konzipieren, bauen und testen PEGASUS

Unter der Leitung der Fachhochschule Wiener Neustadt arbeiten Studentinnen und Studenten sowie Experten des TU Space Teams, des Instituts für Astrophysik und des Österreichischen Weltraum Forums an dem österreichischen CubeSat PEGASUS. Die Fachhochschule Wiener Neustadt integriert den von der Universität Oslo konzipierten Sensor zur Erforschung der Thermosphäre, entwickelt die Struktur des Kleinsatelliten, das Antriebssystem und das Lageregelungssystem. Das Lageregelungssystem ist eine Kombination von Antrieb und eigeninduzierten Magnetfeldern.

„Durch diese Magnetfelder interagiert PEGASUS mit dem Magnetfeld der Erde und richtet sich aus. Die erforderlichen Geräte wurden stark verkleinert, damit sie in den CubeSat passen. Dieser Antrieb ist zugleich also ein Technologieexperiment, denn das wurde noch nie gemacht“,

betont Dr. Scharlemann.
Das TU-Wien Space Team konzipiert und baut die Power Supply Unit, das Energiemanagementsystem des Satelliten und implementiert den Bordcomputer.

„Für mich sind das Herz und Hirn von PEGASUS“,

erklärt Dominik Kohl,

„Die Power Supply Unit verteilt die Energie aus den Solarzellen optimal auf die Geräte an Bord oder speichert sie in der Batterie. Bei einem Kurzschluss schaltet das Energiemanagementsystem fehlerhafte Systeme selbständig aus, um die Funktionsfähigkeit des Satelliten zu erhalten. Am Bordcomputer laufen die Daten aus den Funkmodulen und den Sensoren zusammen. Außerdem wird hier die Software ausgeführt, die Lageregelung und den Antrieb des Satelliten bedient.“

Das TU Space Team liefert auch die Hardware der Bodenplatte mit dem Serviceinterface. Ist PEGASUS schon für den Start „verpackt“, können über den Servicestecker etwa noch die Batterien geladen und Software eingespielt werden.
Für die Koordination der einzelnen Systeme und der zahlreichen Arbeitsabläufe an Bord des CubeSat sorgt die Software des Institutes für Astrophysik der Universität Wien.

„Man könnte die Software als die ‚Intelligenz‘ des Satelliten betrachten“,

beschreibt Franz Kerschbaum den Beitrag des Instituts für Astrophysik. Wie bei großen Satelliten ist die Software so angelegt, dass sie auch auf unvorhergesehene Situationen autonom reagieren kann. Sie steuert vollautomatisch die Navigation und Kommunikation des Kleinsatelliten, überwacht seine Funktionsfähigkeit, paketiert und übermittelt die Forschungsdaten an das Bodenstationsnetzwerk.

„Für Pegasus haben wir die Kommunikationseinheit völlig neuartig konzipiert und ein redundantes System geschaffen, einzigartig für diese Satellitengröße. Hier kommt uns die Expertise zugute, die wir in den letzten Jahren mit den Flügen unserer Stratosphärenballons gesammelt haben“,

so Michael Taraba vom ÖWF. Gemeinsam mit dem Space Data Center, welches die Weiterverarbeitung und Interpretation der gewonnenen Daten erlaubt, und dem MIssions-Kontroll-Zentrum wird ein Bodenstationsnetzwerk vom Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF) bereitgestellt.

Start erfolgt Mitte Jänner 2016 in Brasilien
Das Trägersystem für QB50 wird eine Rakete vom Typ Cyclone-4 des ukrainisch-brasilianischen Unternehmens „Alcantara Cyclone Space“. Die Rakete transportiert einen CubeSat-Dispenser (Auswurfvorrichtung) in eine niedrige Erdumlaufbahn, wo die 50 Satelliten dann nacheinander “wie eine Perlenkette“ in einer Höhe von 380km ausgesetzt werden. In den darauffolgenden Monaten erhoffen sich die Wissenschaftler neue Einsichten über die Thermosphäre der Erde.

Über QB50
Das europäische Projekt QB50 wird von dem belgischen Von Karman Institut geleitet und soll Ausbildungsorganisationen den Zugang zum Weltraum erleichtern sowie Menschen bereits im Rahmen ihres Studiums einen praktischen Zugang zur Raumfahrt ermöglichen. Wissenschaftliches Ziel ist die Erforschung der Thermosphäre der Erde. QB50 soll außerdem zeigen, dass es möglich ist, ein Netzwerk von 50 Kleinsatelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen, an deren Bau weltweit rund 55 universitäre Organisationen beteiligt sind.
Die Finanzierung erfolgt im Rahmen von FP7, dem Förderungsprogramm der Europäischen Union. FP7 unterstützte Forschungs- und Innovationsprojekte im Zeitraum 2007 bis 2013. Einige dieser Projekte – wie auch QB50 – befinden sich noch in der Umsetzungsphase.
Für QB50 werden CubeSats als Doppeleinheiten (2U, also 20 cm × 10 cm × 10 cm, 2 kg) ausgeführt, um mehr Raum für Navigations- und Wissenschaftsinstrumente zu schaffen. Doch auch ein solcher Kleinsatellit wäre alleine nicht in der Lage, eine signifikante Menge nützlicher wissenschaftlicher Daten zu sammeln. Daher soll ein Schwarm von 50 CubeSats mit entsprechender Redundanz und ebenso vielen Messpunkten die Thermosphäre untersuchen.
www.qb50.eu

Über die Fachhochschule Wiener Neustadt (1. FH Österreichs)
Die FH Wiener Neustadt bildet hochqualifizierte AbsolventInnen in 31 Studiengängen an den Fakultäten Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Sicherheit und Sport aus. Deren 4 Standorte Wiener Neustadt, Wieselburg, Tulln und das Rudolfinerhaus Wien (Kooperationspartner) bieten erstklassige Strukturen und Rahmenbedingungen für Exzellenz in Lehre und Forschung. Moderne Labore, Funktions- und Seminarräume für Technik, den gesundheitswissenschaftlichen Bereich und für die Sozialwissenschaft stellen sicher, dass die derzeit rund 3.340 Studierenden mit modernstem Equipment unterrichtet werden. Neben einer breiten Fächerung der Ausbildung stehen in der FH Wiener Neustadt Zukunftsorientierung, Internationalität und Praxisbezug im Mittelpunkt.
www.fhwn.ac.at

Medienkontakt:
Dr. Carsten Scharlemann
Head of Aerospace Engineering Department
Fachhochschule Wiener Neustadt
Wirtschaft . Technik . Gesundheit . Sicherheit . Sport
Tel.: +43 2622 89084 235
*protected email*
www.fhwn.ac.at/aero

Über das TU Space Team
Das TU Wien Space Team ist ein Verein von derzeit 55 StudentInnen aus unterschiedlichen Studienrichtungen. Gemeinsam entwickeln sie neben ihrem Studium experimentelle Flugobjekte, starten damit an internationalen Wettbewerben und haben die Gelegenheit ihre Arbeiten auf Kongressen, Veranstaltungen und im Fernsehen zu präsentieren. Seit den Anfängen vor fünf Jahren, verzeichnet das Team kontinuierlich Zuwachs und es konnten mehrere Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen werden. Derzeit werden neben PEGASUS zwei Experimentalraketen gebaut, mit dem Ziel den europäischen Höhenrekord zu überbieten. Weiters entwickelt das Team ein Triebwerk, eine Startrampe und ein 1:1 Modell einer Mondlandefähre für den Google Lunar XPRIZE.

Etwa 60% der Hardware von PEGASUS werden vom TU Space Team entwickelt, gefertigt und getestet:

  • das Energiemanagementsystem, die Power Supply Unit (PSU)
  • der OnBoard Computer (OBC)
  • die Batteriehalterung inkl. Temperaturregelung
  • das Kamerasystem und Service-Interface von PEGASUS
  • die Adaptermodule zu GPS und Wissenschaftsmodul

Gemeinsam mit Kooperationspartnern aus der österreichischen Wirtschaft werden an den gefertigten Komponenten Vakuum- und Vibrationstests durchgeführt, um die Funktionsfähigkeit von PEGASUS im Weltraum zu gewährleisten.

Medienkontakt
Nadine Freistetter
Public Relations
TU Wien Space Team
Tel: +43 676 553 98 64
*protected email*
www.spaceteam.at

Über das Institut für Astrophysik der Universität Wien (IfA)
1883 von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet, ist die Universitätssternwarte die größte astronomische Forschungs- und Ausbildungsinstitution Österreichs und “Heimatbasis” für eine Vielzahl von internationalen Projekten der erd- und weltraumgestützten Astronomie. Die Schwerpunkte der heutigen Forschung reichen von Galaxien im frühen Universum über Sternentstehung und Endstadien der Sternentwicklung bis zu potentiell bewohnbaren Welten. Im Sektor Instrumentation sind zurzeit Beteiligungen am Extremely Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO und an Weltraumteleskopen wie Herschel, CoRoT, Brite, Cheops und Athena der European Space Agency ESA hervorzuheben.
Für Pegasus stellt das Institut seine umfassende Erfahrung in der Entwicklung von ESA-Flugsoftware zu Verfügung.

Medienkontakt:
Ao.Univ.Prof.Dr. Franz Kerschbaum
Leiter der Space Instrumentation Gruppe
am Institut für Astrophysik, Universität Wien
Tel.: +43 1 4277-51856
*protected email*
astro.univie.ac.at

Über das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF)
Das ÖWF ist ein österreichisches Netzwerk für RaumfahrtspezialistInnen und Weltrauminteressierte in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, Industrie und Politik. Das ÖWF forscht im Bereich Weltraumaktivitäten, entwickelt einen von weltweit fünf experimentellen Marsanzügen und führt professionelle Simulationen bemannter Marsforschung durch.
Für Pegasus entwickelt und implementiert das ÖWF die Kommunikationseinheit des Satelliten, das Missions-Kontroll-Zentrum und das Bodenstationsnetzwerk. Der selbst entwickelte Space Data Server erlaubt nicht nur die Speicherung der gewonnenen Daten sondern auch deren Weiterverarbeitung und Interpretation.

Medienkontakt:
Mag. Monika Fischer
Pressesprecherin
ÖWF Wien
Tel. +43  699 1213 4610
*protected email*
www.oewf.org

The post Der österreichische Satellit PEGASUS appeared first on Österreichisches Weltraum Forum (ÖWF).

18.Jan 2015 | 17:19

Analog-Astronauten B-Selektion: 30 Frauen und Männer im ÖWF Härte-Test

Bei unserer letzten Pressekonferenz Anfang Oktober 2014 gaben wir bekannt, dass wir neue Analog-Astronauten für unsere zukünftige Mars Analog Mission suchten. Die Bewerbungsfrist endete am 28. November 2014. Nun hieß es für das Selektionsteam, aus den knapp 100 Bewerbungen die geeigneten 30 Kandidatinnen und Kandidaten für die zweite Runde – die so genannte „B-Selektion“ – zu finden.
Kurz vor Weihnachten erhielten diese 30 ausgewählten Personen dann die E-Mail mit der Einladung für die „B-Selektion“ am 10. – 11. Jänner 2015.

Am Samstag, 10. Jänner 2015, 09:00 Uhr vormittags, fanden sich nun die 30 Analog-Astronauten Anwärter aus ganz Europa in Innsbruck ein. Nicht nur die ÖWF Mannschaft war neugierig auf die zukünftigen Kolleginnen & Kollegen, sondern auch die Neuankömmlinge waren gespannt darauf, was Sie erwarten würde. Nach einem kurzen Briefing und einem Gruppenfoto starteten wir in den ersten Tag. Die Kandidatinnen und Kandidaten erhielten einen persönlichen Zeitplan und mussten sich zu bestimmten Uhrzeiten bei der jeweiligen Test-Station einfinden. Auch Wartezeiten von mehreren Stunden waren dabei keine Seltenheit.

Good morning Earth. Our analog astronaut candidates arrived in #ibktwit & are ready for their tests #simulateMars pic.twitter.com/uwGbILvKWr
— Austr. Space Forum (@oewf) January 10, 2015

Für das ÖWF Team dagegen waren die nächsten zwei Tage in einem strikten 30 Minute Raster verplant. In insgesamt sechs Test-Stationen wurden die Kandidaten vermessen, medizinisch und psychologisch untersucht, ihr Lebensstil (z.B. Sportaktivitäten, Ernährung) überprüft, ihre Geschicklichkeit mittels Rover-Parcours erhoben und von einem Komitee bestehend aus Flugdirektor, Analog-Astronaut, Projektleiter und Psychologin interviewt.

„In den zwei Tagen haben wir sehr viele geeignete und sympathische Menschen kennengelernt. Es wird schwierig werden, nur 15 davon für die nächste Runde auszuwählen“,

resümiert Flugdirektor Christoph Ragonig.

„Wir sind hoch zufrieden mit der Auswahl der Kandidaten, die wir für die B-Selektion eingeladen haben. Einige haben unsere Erwartungen sogar übertroffen“,

ergänzt ÖWF Obmann Gernot Grömer.

In den nächsten Tagen werden diejenigen 15 glücklichen Analog-Astronauten-Kandidatinnen und Kandidaten informiert, die wir zur nächsten Runde, die „C-Selektion“, Mitte Jänner in Innsbruck, einladen.

The post Analog-Astronauten B-Selektion: 30 Frauen und Männer im ÖWF Härte-Test appeared first on Österreichisches Weltraum Forum (ÖWF).

31.Dec 2014 | 14:54

Die besten Bilder des Jahres 2014

Traditionell am letzten Tag des Jahres blickt das Österreichische Weltraum Forum zurück: 2014 war ein erfolgreiches Jahr! Dazu zählen Schulaktivitäten in ganz Österreich, Forschungs- und Entwicklungstätigkeit rund um den Raumanzugsimulator Aouda und nun auch die Beteiligung bei einem Satellitenprojekt. Ein Highlight war die Vorstellung des TiuTerra Kristalls in Kooperation mit Swarovski und der World Space Week 2013 und die Übergabe der ersten Kristalle. Diese folgenden Bilder zeigen das ÖWF-Jahr 2014 in einem bunten Querschnitt.

01-stuttgart-soyuz-simulator

ÖWF Delegation besucht das Institut für Raumfahrtsysteme der Universität (IRS) Stuttgart. ÖWF Analogastronauten im Sojuz-Mock-up: Christoph Gautsch (Mitte) kurz vor dem Andocken der Raumkapsel an die ISS, assistiert von Ulrich Luger (links) und Daniel Schildhammer (rechts).

02-eac-workshop_CKleinlercher

Workshop am Europäischen Astronauten Zentrum (EAC). Während der Präsentation des Aouda.X Raumanzugssimulators für das Londoner Kings College konnte Analog-Astronaut Ulrich Luger im Raumanzugsimulator die Schalter im ISS-Mock-Up auf Bedienbarkeit testen.
Foto: ÖWF (Clemens Kleinlercher)

03-yuris-night-polarsternpreis

Yuris Night 2014: Erstmalig wurde der TiuTerra Kristall präsentiert und gleichzeitig der Polarsternpreis an zwei Preisträger verliehen. Von links: ÖWF Obmann Gernot Grömer, die beiden Polarsternpreisträger Werner Weiss und Otto Koudelka, Swarovski-Vertreter Christian Nagele, Astronaut Franz Viehböck.
Foto: ÖWF (Kerstin Zimmermann)

04-copuos-albrecht

Dr. Rudolf Albrecht, ÖWF Senior Advisor ist Teil der österreichischen UN Delegation und nimmt regelmäßig an den Konferenzen des Committee for the Peaceful Uses of Outer Space (COPUOS) teil.

05-unoosa-tiuterra

Übergabe des TiuTerra Kristalls an die UNOOSA (United Nations Office for Outer Space Affairs). Eine ÖWF & SGAC Delegation übergab einen TiuTerra Kristall an UNOOSA Leitern Simonetta Di Pippo. Der Kristall wird dauerhaft in der UN-Weltraumausstellung ausgestellt.

06-tiuterra-samantha

Übergabe der Flugkristalle: Am Europäischen Astronautenzentrum (EAC) überreichte das ÖWF drei kleiner TiuTerra Kristall an ESA Astronauten Samantha Cristoforetti. Derzeit befinden sich die Kristalle auf der Internationalen Raumstation und sind somit das erste Stück ÖWF Hardware im Weltraum!
Foto: Swarovski

07-hall-ins-all

Hall ins All – Raumfahrt in der mittelalterlichen Stadt Hall in Tirol. Einen Nachmittag lang konnten Kinder und Eltern Wasserraketen-Basteln, den Mars Rover Dignity steuern oder in Astronauten-Raumanzüge schlüpfen. Solche Aktionen führten wir heuer unzählige Male durch und konnten mehrere hundert Kinder für Weltraum begeistern.

08-tschernobyl-aktion-shauth

Weltraumtag der besonderen Art: Waisenkinder und kranke Kinder aus der Ukraine konnten ihren Alltag für einen Tag vergessen und einen unbeschwerten Nachmittag mit Wasserraketen und Kinder-Raumanzüge verbringen.
Foto: ÖWF (Stefan Hauth)

09-amadee-scouting-selfie

Scouting-Selfie: Für die AMADEE-15 Mission war das ÖWF in den Tiroler Bergen unterwegs. Schlussendlich fiel die Wahl auf das Kaunertal, das mit seinem Eis- & Blockgletscher ähnliche Bedingungen wie am Mars bietet.

10-zieleworkshop

Wie jedes Jahr findet im Herbst der ÖWF Zieleworkshop statt. Neben vielen Diskussion und Workshops kommt aber die Geselligkeit nicht zu kurz.

11-pegasus

Erstmals beteiligt sich da ÖWF an einem Flugprojekt. Das ÖWF Ballon Team unter der Leitung von Michael Taraba ist federführend beim Bau & Test der Kommunikationshardware involviert. Details werden bei einer Pressekonferenz am 21. Jänner 2015 bekannt gegeben.

12-analog-astronaut-selection

Ausschreibung für Analog-Astronauten: Wir suchen für die AMADEE-15 Mission eine neue Gruppe von Analog-Astronauten. Die ersten 30 Kandidatinnen und Kandidaten wurden bereits informiert und werden im Jänner mittels eines intensiven Selektionsprozesses auf 6 Kandidatinnen und Kandidaten reduziert.
Foto: ÖWF (Vanessa Weingartner)

The post Die besten Bilder des Jahres 2014 appeared first on Österreichisches Weltraum Forum (ÖWF).

28.Dec 2014 | 14:49

Im Interview: Direktor Dr. Nobert Winding vom Haus der Natur – Museum für Natur und Technik, Salzburg

Unser Universum steckt voller Geheimnisse und rätselhafter Phänomene: Schwarze Löcher, Urknall, Supernovae … – die Faszination an der Ergründung des Weltalls begleitet uns Menschen seit jeher. Die neue Weltraumausstellung im Haus der Natur in Salzburg entführt zu einer Reise durch Raum und Zeit. Mit viel Interaktion erkundet man die Planeten unseres Sonnensystems, beobachtet Sterne bei ihrem Werden und Vergehen und ergründet die kosmischen Einflüsse, die unsere Erde lenken. Von Sputnik 1 und Mondlandung bis hin zur Marsmission erlebt man die Sternstunden der Raumfahrt.

ÖWF: Herr Dr. Winding, was erwartet die Besucher in Ihrer neuen Ausstellung “Unser Universum – Planeten, Sterne, Galaxien”?

Die Besucher/innen erwartet in der neuen Ausstellung eine faszinierende Reise zu den Wundern des Universums. Die Ausstellung schlägt einen Bogen von den Anfängen der Astronomie bis zu den Sternstunden der Raumfahrt und erzählt von der Entstehung unseres Universums und der Erde. Mit eigens angefertigten Filmen, Animationen und interaktiven Stationen werden die Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln begreifbar gemacht. Neue Dioramen und Modelle geben der Schau räumliche Tiefe und ermöglichen spannende Blicke auf fremde Welten – oder auch in unsere Vergangenheit.

ÖWF: Was ist neu im Vergleich zur vorherigen Weltraumausstellung?

Die Weltraumhalle wurde gänzlich neu konzipiert und aufgesetzt, lediglich das großartige Diorama der Mondlandung von Wolfgang Grassberger sowie die Raketenmodelle und ein Teil der Planetenwagen wurden wiederverwendet bzw. in neuer Präsentation wieder eingesetzt.

ÖWF: Wie lange dauerten die Umbauarbeiten bzw. wie lange haben Sie an der Vorbereitung der neuen Ausstellung gearbeitet?

Gemeinsam mit dem Ausstellungsgestalter Andreas Zangl habe ich vor gut 2 Jahren begonnen, das Konzept für die neue Ausstellung zu erstellen. Zusammen mit den Kuratorinnen Dr. Anke Oertel und Dipl.-Biol. Dorothee Hoffmann wurde in den letzten rund 1,5 Jahren intensiver geplant und schließlich seit dem vergangenen Juni mit den konkreten finalen Um- und Aufbauarbeiten begonnen.

ÖWF: Was ist Ihr persönliches Highlight der Ausstellung, Herr Dr. Winding?

Es ist schwer für mich, ein persönliches Highlight in der Ausstellung festzumachen. Gestalterische Highlights sind sicherlich der mit einer Mondkraterlandschaft bedruckte Boden und die beleuchtete Sonnen-Planeten-Installation im Zentrum des Raumes, die einen gleich beim Betreten der Ausstellung gefangen nimmt. Einen – vielleicht sogar etwas verstörenden – Kontrapunkt dazu bildet „der Grieche“ (eine sitzende griechische Statue), der in Gedanken versunken nach oben zu den Raketen und Satelliten schaut. Er markiert den Ausstellungsbereich über die Weltbilder der Menschheit von den frühen prähistorischen Vorstellungen bis herauf zu unserem heutigen kosmologischen bzw. astrophysikalischen Weltbild.

ÖWF: Für welches Alter ist die Ausstellung geeignet?

Die Ausstellung ist für alle Altersgruppen von 4 bis 90+ Jahren geeignet.

ÖWF: Wann kann die Ausstellung besucht werden?

Die Ausstellung „Unser Universum – Planeten, Sterne, Galaxien“ kann täglich von 9 bis 17 Uhr besucht werden (am 25.12. ist das Museum geschlossen).

Das Interview führte Marlen Raab, ÖWF Redaktion.

„Unser Universum: Planeten, Sterne, Galaxien“
Seit 14. November 2014
Haus der Natur – Museum für Natur und Technik
Museumsplatz 5
5020 Salzburg
www.hausdernatur.at

The post Im Interview: Direktor Dr. Nobert Winding vom Haus der Natur – Museum für Natur und Technik, Salzburg appeared first on Österreichisches Weltraum Forum (ÖWF).

20.Nov 2014 | 07:00

ÖWF sucht Frauen und Männer als Analog-AstronautInnen

20. November 2014.

Anmeldefrist endet am 28. November 2014

Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) vergrößert sein Analog-AstronautInnen-Korps um sechs Personen. Bis 28. November können sich Frauen und Männer bewerben, die über gute Englischkenntnisse verfügen und sich für Technik und wissenschaftliche Arbeit interessieren. Nach dem Auswahlverfahren und einem fünfmonatigen Basistraining werden zwei der sechs neuen Analog-AstronautInnen an der Mars-Missions-Simulation AMADEE-15 teilnehmen, die bereits 2015 vom ÖWF durchgeführt wird.

Dabei kommt den Analog-AstronautInnen die zentrale Aufgabe zu, den 45 kg schweren Raumanzug-Simulator „Aouda“ zu tragen und darin unterschiedlichste Aufgaben auf dem Kaunertaler Gletscher auszuführen. BewerberInnen sollten daher neben einer guten körperlichen und geistigen Fitness auch Stressresistenz und Belastbarkeit mitbringen. „Wir möchten auch alle interessierten Frauen nochmals

herzlich einladen, sich zu bewerben. Bisher war das Analog-Astronauten-Team rein männlich, ein gemischtes Team wäre eine Bereicherung für unsere Arbeit“, betont Olivia Haider, Finanzvorstand des ÖWF.

Die zweiwöchige Simulation AMADEE-15 findet unter Beteiligung internationaler Forschungsorganisationen statt und ist bereits der elfte Probelauf des ÖWF für eine künftige bemannte Mars-Mission. Damit möchte das Österreichische Weltraum Forum Arbeitsabläufe und Verfahren testen, die auch auf dem Roten Planeten zum Einsatz kommen werden. Die Analog-AstronautInnen werden bei ihren mehrstündigen Einsätzen im Feld von einer Technik-Crew unterstützt und haben gleichzeitig über Funk Kontakt zur Missions-Kontrolle, dem Mission Control Center (MSC), in Innsbruck. Dort werden über Telemetrie ihre medizinischen Daten und die Funktionstüchtigkeit des Raumanzug Simulators überwacht. Gleichzeitig erhalten die Analog-AstronautInnen auch ihre Arbeitsanweisungen für die durchzuführenden Experimente aus dem MSC, das mit 20 Minuten Verzögerung funkt, um die Kommunikation zwischen Erde und Mars nachzustellen.

Auf all diese Anforderungen werden die neuen Analog-AstronautInnen durch ein fünfmonatiges Basistraining am Raumanzug-Simulator „Aouda“ vorbereitet, um grundlegende Fähigkeiten und Kenntnisse für die Durchführung unterschiedlichster Experimente zu erwerben. Zu der umfangreichen Ausbildung gehören auch Kurse in Geologie und Biologie sowie Medientrainings. Jene Analog-AstronautInnen, die an AMADEE-15 teilnehmen, erhalten zusätzlich eine missions-spezifische Schulung.

Nähere Informationen zur Ausschreibung der Analog-AstronautInnen, ihrem Training und ihren künftigen Aufgaben sowie zur Bewerbung sind unter www.oewf.org zu finden.

Rückfragehinweis:
Mag. Monika Fischer
Tel. +43 699 1213 4610
*protected email*

The post ÖWF sucht Frauen und Männer als Analog-AstronautInnen appeared first on Österreichisches Weltraum Forum (ÖWF).

ESA Nachrichten

03.Feb 2014 | 13:56

Robotic Exploration:ExoMars orbiter core module completed

The ExoMars Trace Gas Orbiter module consisting of the spacecraft structure, thermal control and propulsion systems was handed over by OHB System to Thales Alenia Space France at a ceremony held in Bremen, Germany, today.
08.Nov 2013 | 12:30

Robotic Exploration:ExoMars lander module named Schiaparelli

The entry, descent and landing demonstrator module that will fly on the 2016 ExoMars mission has been named 'Schiaparelli' in honour of the Italian astronomer Giovanni Schiaparelli, who famously mapped the Red Planet's surface features in the 19th century.
27.Mar 2015 | 23:40

Launch replay


Replay of the launch transmission of Soyuz ST-B carrying Galileo satellites 7 and 8, 27 March at 22:46 GMT, from Europe’s Spaceport
27.Mar 2015 | 22:56

Galileo lifts off


Liftoff of Soyuz ST-B carrying Galileo satellites 7 and 8, at 21:46 GMT, from Europe’s Spaceport in French Guiana
27.Mar 2015 | 16:00

Week In Images


Our week through the lens:
23-27 March 2015
27.Mar 2015 | 15:40

Earth shifts in colour


Check out some of the scientific results in these colourful images from this week’s Fringe Workshop on detecting surface movements with radar satellites
27.Mar 2015 | 15:27

ESA’s spaceplane back on dry land


ESA’s recovered IXV spaceplane arrived at the Port of Livorno in Italy yesterday and is set to be taken to Turin for final analysis.

26.Mar 2015 | 09:15

Colours of orbit


Human spaceflight and operations image of the week: Spacecraft attached to the International Space Station at sunset
25.Mar 2015 | 16:21

Mission X comes to a close with a call from space


On the very same day that Mission X’s mascot Astro Charlie reached the moon, ESA astronaut Samantha Cristoforetti reached out to children from the International Space Station (ISS), her outpost in space.  Hundreds of students aged 8 to 12 gathered in 3 locations on Earth for an inflight call with Samantha.  They connected with her from the Muse Science Museum in Trento, Italy;  ESA/ESAC with Universidad Politecnica de Madrid in Spain, and the Museum of Natural History in Vienna, Austria.

20.Mar 2015 | 15:30

ESA views the eclipse


Image and video gallery of the solar eclipse as seen by astronaut Samantha Cristoforetti, ESA's Proba-2 minisatelite and ESA sites around Europe
20.Mar 2015 | 10:21

The next generation of Space Station experiments


From how astronauts perceive time to whether parts of their brains shrink in space, the next round of experiments to be performed on the International Space Station has been chosen from more than 200 proposals.

18.Mar 2015 | 15:45

50 years of spacewalks


On 18 March 1965 Russian cosmonaut Alexei Leonov became the first person to perform a spacewalk. Celebrate 50 years of spacewalks with this multimedia gallery

ESA Top Multimedia

Comet on 21 October 2014 – NavCam

18.Mar 2015 | 15:45

Recovered IXV docks in Italy

18.Mar 2015 | 15:45

Aral Sea

18.Mar 2015 | 15:45

Greenland ice streams

18.Mar 2015 | 15:45

Earth from Space: Psychedelic seabed

18.Mar 2015 | 15:45

Galileo satellites placed on Soyuz

18.Mar 2015 | 15:45

Weltraum Nachrichten von Online Zeitungen

26.Mar 2015 | 14:42

Erfolgreicher Start: Japan schickt Spionagesatellit ins All

Im Fall einer Naturkatastrophe soll der Informationssatellit helfen, Daten zu sammeln und einen Überblick über die Schäden zu gewinnen. Doch er dient wohl auch als Spionagesatellit.
26.Mar 2015 | 14:13

Abschleppmission: Nasa will Asteroiden-Stück zum Mond bugsieren

Die US-Weltraumbehörde möchte einen Felsblock aus einem Asteroiden schlagen und in eine Mondumlaufbahn befördern. Im Jahr 2025 könnten Astronauten den Brocken dann bei einem Weltraumspaziergang inspizieren.
25.Mar 2015 | 12:43

Marathon auf dem Mars: "Opportunity" knackt 42-Kilometer-Marke

Neuer Rekord auf dem Mars: Am Dienstag hat Rover "Opportunity" als erstes Fahrzeug auf einem fremden Planeten die Marathon-Distanz erreicht. Auch Rover "Curiosity" war aktiv: Er hat Nährstoffe auf dem Planeten gefunden.
23.Mar 2015 | 17:40

Leuchten am Nachthimmel: Astronomen erklären Sternenexplosion von 1670

Vor knapp 350 Jahren strahlte plötzlich ein neues Objekt am Nachthimmel Europas. Nun präsentieren Astronomen eine Erklärung für das spektakuläre Ereignis.
23.Mar 2015 | 12:45

Nasa-Zwillingsforschung: Einer im All, der andere auf der Erde

Ein Jahr soll Nasa-Astronaut Scott Kelly auf der Raumstation ISS leben - für neue Erkenntnisse, wie es Menschen auf einem Flug zum Mars ergehen könnte. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Mensch auf der Erde: sein Zwillingsbruder Mark.
27.Mar 2015 | 21:42

ISS - Zwei Raumfahrer zu Jahresmission auf ISS gestartet

Russe und Amerikaner bleiben doppelt so lange wie üblich
27.Mar 2015 | 18:01

Höhenflug - Riesenballon schwebt "am Rande des Weltraums"

Weltumrundung in 33 Kilometern Höhe - NASA setzt auf alte Technologie, um Instrumente für die Raumfahrt zu testen
26.Mar 2015 | 17:29

Rocknapping - NASA hat große Pläne für einen kleinen Felsen

Robotersonde soll Felsbrocken von einem Asteroiden pflücken und in einen Orbit um den Mond schicken
26.Mar 2015 | 13:19

Start - Japan bringt Aufklärungssatelliten ins All

Soll Umweltdaten sammeln und Nordkorea im Auge behalten - Südkorea schickt ebenfalls Satelliten hoch
25.Mar 2015 | 17:45

Meilenstein - Marsrover "Opportunity" bewältigt klassische Marathon-Distanz

Nach gut elf Jahren hat der Rover mittlerweile als erstes Fahrzeug 42,195 Kilometer auf dem Mars zurückgelegt
23.Mar 2015 | 21:00

Mars-Rover: "Curiosity" findet Stickstoff im Boden vom Mars

Früher einmal – ganz, ganz früher – könnte der Mars ein Hort des Lebens gewesen sein. Darauf lassen immer mehr Details schließen, die der Rover "Curiosity" zur Erde schickt und auswerten lässt.
22.Mar 2015 | 16:20

Bilder der Korona: Forscher rätseln über riesige Löcher in der Sonne

Aufnahmen der Nasa zeigen zwei riesige Löcher in der Korona der Sonne. Zugleich ist die Zahl der Sonnenflecken gerade besonders gering. Forscher suchen nach Erklärungen für beide Phänomene.
20.Mar 2015 | 09:08

Himmelsspektakel: Das müssen Sie über die Sonnenfinsternis wissen

Wann und wo sieht man die Sonnenfinsternis am besten? Wie lauten die Wetterprognosen? Wie lässt sich das Naturschauspiel sicher beobachten? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.
18.Mar 2015 | 18:16

Dunkelheit am Tag: So eine Sonnenfinsternis kommt erst 2039 wieder

Freitagvormittag kommt es zu einer partiellen Sonnenfinsternis. Für viele ist das eine Gaudi, für Wissenschaftler ein Festtag. Beim Betrachten der Sonne sind allerdings Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
18.Mar 2015 | 18:13

Himmelsspektakel: Alle wichtigen Fakten zur Sonnenfinsternis 2015

Am 20. März ist es so weit: In ganz Deutschland wird es tagsüber plötzlich dunkel. Ursache ist eine Sonnenfinsternis. Bis zu 80 Prozent des Himmelskörpers werden durch den Mond verdeckt sein.

Weltraum Blogs

03.Sep 2012 | 16:49

ScienceBlogs.de bekommt eine neue Software und macht Pause

Es ist endlich soweit. ScienceBlogs.de wird auf eine neue Software (WordPress) umgestellt. Dann sollten die ganzen Macken und technische Probleme die sich im Laufe der Zeit angehäuft haben, endlich verschwinden. Die Umstellung erfolgt heute Nacht, um Mitternacht geht es los. ScienceBlogs wird dann eine ganze Weile nicht erreichbar sein. Im Laufe des Dienstag Nachmittag müsste dann alles wieder funktionieren. Hoffen zumindest alle... Vielleicht funktioniert auch nichts mehr und es dauert länger, bis alles wieder normal läuft. Wir werden sehen. Ich hab noch keine Ahnung, wie das neue ScienceBlogs aussehen wird. Ich wäre schon zufrieden damit, wenn alle meine Artikel und alle Kommentare dazu den Umzug heil überstehen... Also drückt die Daumen!


Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed.
03.Sep 2012 | 12:25

Barnards Stern hat keine Planeten

Barnards Stern hat keine Planeten. Warum sollte das interessant sein, wo doch sonst immer nur von Sternen berichtet wird, bei denen man Planeten entdeckt hat? Erstmal ist auch ein negatives Resultat ein Resultat. Es mag nicht so sexy sein, wie die Entdeckung eines neuen Planetensystems, aber wenn wir wissen, dass es irgendwo keine Planeten gibt, sagt uns das auch etwas. Und dann ist Barnards Stern ein Sonderfall. Denn hier gab es seit Jahrzehnten Diskussionen, oft sogar Streit, darüber, ob sich dort Planeten befinden oder nicht.

Barnards Stern ist nur 6 Lichtjahre entfernt und damit der viertnächste Nachbar der Sonne (oder der zweitnächste, wenn man die drei Sterne des Alpha-Centauri-Systems zu einem zusammenfasst). Er ist so nahe, dass man seine Eigenbewegung sehr gut sehen kann und weil er sich so schnell bewegt, wird er oft auch "Barnards Pfeilstern" genannt. Dieses Bild zeigt, wie er sich zwischen 2001 und 2010 über den Himmel bewegt hat:

Barnard_Star_2001-2010.gif

Bild: Alejandro Sanz Gómez, CC-BY-SA 2.5

So ein interessanter Stern wurde natürlich oft und ausgiebig beobachtet. Wegen seiner schnellen Bewegung hat man besonders viele und genaue Positionsmessungen angestellt. Und in den 1960er und 1970er Jahren kam der Astronom Peter van de Kamp zu dem Schluss, dass sich dort 2 Planeten befinden müssten. Denn der Stern zog nicht einfach in einer geraden Linie über den Himmel, sondern wackelte hin und her. Der Grund dafür sollte die gravitative Störung der Planeten sein, die den Stern ein bisschen wackeln ließen. Die Entdeckung extrasolarer Planeten in den 1970er Jahren wäre eine große Sensation gewesen. Aber die Kollegen waren nicht überzeugt. Andere Astronomen zeigten, dass vermutlich ein technischer Fehler am Teleskop für das Wackeln des Sterns verantwortlich war. Aber van de Kamp war weiter von der Existenz seiner Planeten überzeugt. Zwei Stück, ungefähr halb so groß wie Jupiter sollten Barnards Stern umkreisen.

Die Sache blieb zweifelhaft, die Beobachtungen konnten nie bestätigt werden und es dauerte bis 1995, bevor der erste wirklich zweifelsfrei bestätigte extrasolare Planet entdeckt wurde. Eine Gruppe amerikanischer Astronomen hat nun noch einmal genau nachgesehen und kommt zu dem Schluß: van de Kamps Planeten existieren nicht. Sie haben Beobachtungsdaten aus den letzten 25 Jahren kombiniert und neu ausgewertet. Im Gegensatz zu van de Kamp haben sie sich nicht auf die Positionsänderungen des Sterns verlassen, sondern seine Radialgeschwindigkeit beobachtet. Auch mit dieser Methode misst man das Wackeln des Sterns, allerdings auf andere Art und Weise. Die Ergebnisse sind ziemlich deutlich:

barnard.png


Die grünen und gelben Punkte sind die Messungen. Wenn der Stern keine Planeten hat, dann sollten sie alle auf der Nulllinie in der Mitte des Diagramms liegen. Wenn van de Kamps Planeten existieren, dann sollten die Punkte dem Verlauf der blauen oder rote Linie folgen. Das tun sie aber nicht, sondern liegen tatsächlich - innerhalb der Fehlerbalken - auf der Nulllinie.

Komplett ausschließen können die Forscher die Existenz von Planeten natürlich noch nicht. Ganz kleine Planeten könnte es noch geben. Aber sicherlich nichts, was größer ist als ein paar Erdmassen. Und auf jeden Fall keine Planeten, wie sie van de Kamp gefunden zu haben glaubte.

Barnards Stern hat also keine Planeten. Aber er wird weiter ein interessantes Forschungsobjekt bleiben, auch weil er der Sonne immer näher kommt. In knapp 10000 Jahren wird er sich bis auf 3,8 Lichtjahre angenähert haben. Ich würde gerne wissen, was die Astronomen bis dahin so alles herausgefunden haben...


Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed.
03.Sep 2012 | 10:00

Die Landkarte der Physik

1939 hat Bernard H. Porter die optimale Fusion aus Geografie und Physik erschaffen:

"[A] map of physics, containing a brief historical outline of the subject as will be of interest to physicists, students, laymen at large; Also giving a description of the land of physics as seen by the daring sould who venture there; And more particularly the location of villages (named after pioneer physicists) as found by the many rivers; Also the date of founding of each village; As well as the date of its extinction; and finally a collection of various and sundry symbols frequently met with on the trip."

1939-map-of-physics-h2.jpg

Wirklich cool! Da würde ich gern mal Urlaub machen. Eine kleiner Wanderung von der Astronomie ganz im Westen bis hin zur Astrophysik im Osten und dann an Herschel, Newton und Ptolemäus an den Lichtstrand und ein wenig entspannen ;)

Eigentlich fehlen nur noch 2 Dinge: Eine hochauflösende Version dieser Karte, damit man sie als Poster für die Wand ausdrucken kann. Und eine aktualisierte Version, die die Entwicklung der Physik seit 1939 inkludiert. Seit damals haben die Wissenschaftler ja jede Menge Neuland entdeckt!


Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed.
02.Sep 2012 | 15:40

Terminkalender September

Da ich in den nächsten Monaten diverse Vorträge und Lesungen an diversen Orten halte, dachte ich, ich sag mal Bescheid, wo ich überall sein werde. Vielleicht sieht man sich ja irgendwo.

  • 12.September, Seeheim-Jugenheim: Am 12 und 13 September finden die Bergsträsser Weltraumtage statt. Veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie gibt es dort jede Menge populärwissenschaftliche Vorträge über Astronomie - zum Beispiel über die Suche nach Außerirdischen, den Bau eines Weltraumfahrstuhls oder die Geschichte der Raumfahrt in Kinofilmen. Ich werde dort am 12. September um 20 Uhr einen Vortrag zum Thema "Krawumm - Wahre und falsche Weltuntergänge" halten und dabei auch aus meinen Büchern vorlesen.

  • 25. September, Solingen: Am 25. September um 19.30 werde ich in der Sternwarte Solingen einen Vortrag zum Thema "Weltuntergang 2012? Keine Panik!" halten.
  • 24-28 September, Hamburg: Von 24 bis 28. September findet in Hamburg die große Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft statt. Dort werde ich zwar keinen Vortrag halten, aber trotzdem anwesend sein (zumindest von 26. bis 28., vorher muss ich ja noch nach Solingen). Wird sicher interessant und vielleicht sieht man sich ja!



Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed.
02.Sep 2012 | 14:26

Ein Krawumm geht um die Welt (21): Москва́

Letztes Mal war das Krawumm auf seiner Reise durch die Welt bei der chinesischen Mauer angelangt. Und wenn wir schon mal bei den großen Sehenswürdigkeiten sind, dann passt auch dieses Foto von Leser Robert. Krawumm in Moskau!

DSC01247.JPG

DSC01248.JPG

DSC01249.JPG

DSC01250.JPG

DSC01251.JPG


Was bisher geschah: Teil 1: Die staubige Fabrik, Teil 2: Rindviecher, Teil 3: Das Krawumm will hoch hinaus, Teil 4: Eishockey und Nobelpreis, Teil 5: Der Weltskeptikerkongress, Teil 6: James Randi!, Teil 7: Bulgarische Berge, Teil 8: Auf hoher See, Teil 9: Das Buch im Transit, Teil 10: Der Berliner Flughafen, Teil 11: Flauschige Eichhörnchen, Teil 12: Der Bund fürs Leben, Teil 13: Der weiße Gott, Teil 14: Besuch auf Tatooine, Teil 15: Bei den alten Römern, Teil 16: Gaudi in Barcelona, Teil 17: Geysire im Yellowstone-Park, Teil 18: Urlaubslektüre in Antalya, Teil 19: Das Unheil kommt von oben, Teil 20: Die chinesische Mauer
Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed.
27.Mar 2015 | 15:30

Asteroid Redirect Mission Video: Crew Segment

Video Caption: NASA announced the next step in the plan to retrieve an asteroid boulder from a near-Earth asteroid and redirect it into a stable orbit around the moon to carry out human exploration missions, all in support of advancing the nation’s journey to Mars. For NASA’s Asteroid Redirect Mission (ARM), a robotic spacecraft will capture a boulder from the surface of an asteroid for exploration by astronauts in the mid-2020s to test a number of new capabilities needed for future human expeditions to deep space, including to Mars. This animation illustrates the crewed part of ARM, showing how astronauts will travel to the asteroid using NASA’s Space Launch System (SLS) rocket and the Orion spacecraft, investigate the boulder and return a sample of the asteroid back to Earth.

27.Mar 2015 | 01:24

My Appearance on John Batchelor Show Now Archived Online

The John Batchelor Show

The John Batchelor Show

My appearance on Wednesday night on The John Batchelor Show’s “Hotel Mars” segment has been archived by David Livingston on The Space Show website. You can listen to it here.

We had a very nice discussion about whether Mars One was viable or not and the future of Virgin Galactic.

26.Mar 2015 | 20:01

Chicagoland Boy Scouts and Explorers to Send Research Projects to Space Station

casis_new_logoCHICAGO, March 26, 2015 (CASIS PR) — Chicagoland Boy Scouts and Explorers will soon design and build research projects for a chance to have their experiment flown to the International Space Station.

This incredible opportunity is the result of a newly formed partnership between the Center for the Advancement of Science in Space (CASIS), which manages the U.S. National Laboratory on the International Space Station (ISS); and local Boy Scouts of America (BSA) and Exploring programs.

CASIS and the BSA Pathways to Adventure Council will launch the Space Station National Design Challenge student research competition in Chicago this spring in an effort to spark interest and innovation in young men and women in the fields of science, technology, engineering and mathematics (STEM).

While the partnership is new, the BSA has a historic connection to the space program. In fact, 11 of the 12 astronauts who walked on the moon were Scouts. Additionally, former astronaut and CASIS President and Executive Director Gregory H. Johnson is a proud Eagle Scout.

“The Boy Scouts of America has created leaders for more than 100 years and our youth must now take the lead in STEM,” said Nancy Elder, Director for Strategic and Corporate Alliances for Pathway to Adventure Council. “Scouting has long embraced STEM by providing young people with real-world hands-on learning experiences ranging from cleaning habitats in national parks to programming robots. The partnership with CASIS will engage our youth and volunteers in a unique and cutting-edge experience by adding their research projects to the final frontier: space.”

The U.S. National Lab’s microgravity environment offers researchers the exclusive opportunity to conduct experiments in a setting free from the effects of gravity present on Earth. Since systems act differently in this microgravity environment, researchers are able to gather valuable insight that can help advance their work on Earth.

Space Station National Design Challenge participants will work in teams of 10-20 young men and women to conceptualize and execute their experiments, which must fit into miniature labs about half the size of a shoebox. Along with aspiring engineers and scientists, teams will include members with interests in graphic arts, drafting, moviemaking, programming and many other fields. CASIS and its industry partners will facilitate technical workshops and provide support to each team.

CASIS will then select three winning experiments to be flown to the International Space Station in the summer of 2016.

“Inspiring the next generation of explorers is at the heart of the CASIS mission,” said CASIS Director of Operations and Education Ken Shields. “This partnership exemplifies a concerted effort by both organizations to engage and energize students about STEM through an authentic learning experience that leverages the International Space Station.”

To learn more about the contest, including upcoming information sessions and how to submit a proposal, please visit: http://www.iss-casis.org/Opportunities/Solicitations/RFANationalDesignChallenge2015.aspx

26.Mar 2015 | 19:50

USAF to Phase Out Subsidy to ULA

A transporter for oversize loads delivers the port, or left, booster for the United Launch Alliance Delta IV Heavy for Exploration Flight Test-1 into the Horizontal Integration Facility, or HIF, on May 7. The port booster joins the other two boosters of the Delta IV Heavy already in the HIF. (Credit: NASA/Kim Shiflett)

A transporter for oversize loads delivers the port, or left, booster for the United Launch Alliance Delta IV Heavy for Exploration Flight Test-1 into the Horizontal Integration Facility, or HIF, on May 7. The port booster joins the other two boosters of the Delta IV Heavy already in the HIF. (Credit: NASA/Kim Shiflett)

The U.S. Air Force said on Wednesday it would phase out a major subsidy it pays United Launch Alliance (ULA)

Air Force Space Command Commander General John Hyten said acquisition officials were working on a plan to to phase out the infrastructure support contract, which he said was initially put in place to protect “a very fragile industrial base.”

He said it was not possible to have a fair competition with the contracts in place, backing an argument often made by privately-held Space Exploration Technologies, which is vying for some of the launch contracts now carried out by ULA.

In prepared testimony between the House Armed Services Committee last week, SpaceX President Gwynne Shotwell called for an end to the contract.

Eliminate payments—more properly called subsidies—under the EELV Launch Capability (ELC) contract line items that exclusively support the incumbent provider and properly account for such payments for any competitive solicitations in the interim to ensure a fair and level playing field, especially since these funds do not contribute to the true nature of assured access to space. The Department and this Committee have called fo r real, meaningful competition. That means eliminating the unfairness. All we seek is the right to compete in a fair competition. Just like reliance on the RD-180 engine, it is time for these subsidy payments to the incumbent to come to an end.

Through the EELV Launch Capability, initially referred to as “assured access to space” payments, the U.S. Air Force and the National Reconnaissance Office (NRO) pay ULA approximately $1 billion per year through distinct cost-plus-incentive-fee contract line items. These payments cover most of ULA’s fixed costs — for example, launch infrastructure, systems engineering and program management, launch operations, mission integration, base and range support costs, transportation costs, capital depreciation, and non-recurring engineering to name a few — for “up to eight launches” per year. These payments are in addition to the firm-fixed-price that ULA charges for EELV Launch Services (ELS) for each launch ordered through the block buy contract.

26.Mar 2015 | 14:48

NASA Audit Raises Concerns About SLS/Orion Infrastructure Development

Space Launch System on pad. (Credit: NASA)

Space Launch System on pad. (Credit: NASA)

NASA’s Office of Inspector General (OIG) has found that while NASA has been making steady progress on rebuilding Kennedy Space Center’s infrastructure for the Space Launch System (SLS) and Orion, the agency is facing significant challenges in completing the work in time for a planned November 2018 launch.

“For the most part, these challenges originate from interdependencies between the GSDO, SLS, and Orion Programs, the report reads, referring to the Ground Systems Development and Operations program. “In short, GSDO cannot finalize and complete its requirements without substantial input from the other two Programs, and NASA is still finalizing the requirements for those Programs.”

OIG is particularly concerned that NASA had planned to complete the critical design review for GSDO in March 2015, several months prior to the critical design reviews for SLS (May 2015) and Orion (August 2015).

The audit recommended NASA re-evaluate the timing of the GSDO critical design review. The space agency agreed to move the review to December 2015.

“However, NASA management noted a risk that the dates planned for SLS and Orion could slip and the GSDO review occur first,” the report reads. “Accordingly, NASA should closely monitor the Programs to ensure any such risk is mitigated so as to avoid significant cost increases or schedule delays.”

Key excerpts from the report are below.

NASA’s Launch Support and Infrastructure Modernization:
Assessment of the Ground Systems Needed to Launch SLS and Orion

NASA Office of Inspector General Office of Audits
Report No. IG-15-012
March 18, 2015

What We Found

GSDO has made steady progress on the major equipment and facilities modernization initiatives needed to launch SLS and Orion, but significant technical and programmatic challenges remain to meet a November 2018 launch date. For the most part, these challenges originate from interdependencies between the GSDO, SLS, and Orion Programs. In short, GSDO cannot finalize and complete its requirements without substantial input from the other two Programs, and NASA is still finalizing the requirements for those Programs. Specifically, GSDO must overcome (1) a short timeframe for performing verification and validation testing between the Mobile Launcher, VAB, and Launch Pad 39B; (2) receipt of data and hardware regarding Orion later than planned; (3) the potential that integrated operations for Exploration Mission 1 may take longer than expected; and (4) most significantly, delays associated with development of command and control software.

At the time of our audit, GSDO was scheduled to complete a significant development milestone known as Critical Design Review in March 2015, several months before SLS (May 2015) and Orion (August 2015). The purpose of the Critical Design Review is to demonstrate a project’s design is sufficiently mature to proceed to full scale fabrication, assembly, integration, and testing and technical aspects are on track to meet performance requirements within identified cost and schedule constraints. In our judgment, given the many interdependencies between the Programs, a schedule that has GSDO completing Critical Design Review prior to the other two Programs increases the risk GSDO may experience schedule delays or be required to perform costly redesign work.

Finally, coordinating and integrating development of the three individual Programs to meet a common milestone date presents a unique challenge, particularly since NASA historically has used a single program structure to manage similar efforts such as Apollo and the Space Shuttle. In lieu of central management, NASA established a cross-program integration structure that designates leaders from each Program to coordinate and align the Programs’ development schedules. It is too early to say whether these substantial coordination challenges will result in cost or schedule issues for the Exploration Mission 1 launch. Moreover, new issues are likely to be uncovered during integration – the point at which most projects encounter technical problems that impact cost and schedule. Given these challenges, coordination efforts among the GSDO, SLS, and Orion Programs are essential to successfully meeting NASA’s human exploration goals.

What We Recommended

In order to decrease the risk that the GSDO Program will experience cost increases or schedule delays, we recommended the Associate Administrator for Human Exploration and Operations reevaluate allowing GSDO to complete Critical Design Review before the SLS and Orion Programs. In response to a draft of our report, NASA management concurred with our recommendation and indicated it had changed the dates of the Programs’ Critical Design Reviews so that the SLS and Orion reviews (currently planned for July and October 2015, respectively) will precede the GSDO review (currently planned for December 2015). However, NASA management noted a risk that the dates planned for SLS and Orion could slip and the GSDO review occur first. Accordingly, NASA should closely monitor the Programs to ensure any such risk is mitigated so as to avoid significant cost increases or schedule delays. The recommendation is resolved and will be closed upon verification and completion of the proposed action.

26.Mar 2015 | 20:02

Marsrover Opportunity überbrückt die Marathondistanz

Mit einer Fahrt über 46,5 Meter erreichte der Kilometerzähler des Marsrovers Opportunity am 24. März 2015 einen Stand von 42.195 Metern, welche seit der am 25. Januar 2004 erfolgten Landung auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurückgelegt wurden. Obwohl diese 'Marathondistanz' lediglich einen symbolischen Charakter hat zeigt sich dadurch trotzdem sowohl die Robustheit dieses Rovers als auch das Können der für den Betrieb von Opportunity verantwortlichen Techniker und Ingenieure.
22.Mar 2015 | 18:30

Opportunity: Die Marathondistanz ist fast geschafft

Der seit mittlerweile mehr als elf Jahren auf der Marsoberfläche aktive Rover Opportunity befindet sich gegenwärtig in der unmittelbaren Nähe zu einem mit dem passenden Namen Marathon Valley belegten Tal, wo in den kommenden Wochen eingehende Untersuchungen erfolgen sollen. Mit dem Erreichen dieses Tals wird der Rover bereits in wenigen Tagen zudem auch eine Strecke von 42.195 Metern - dies entspricht der Länge eines olympischen Marathonlaufs - auf der Marsoberfläche zurückgelegt haben.
21.Mar 2015 | 14:20

Der Kometenlander Philae bleibt vorerst stumm

Der Raumsonde Rosetta ist es erstmals gelungen, in der Umgebung eines Kometen molekularen Stickstoff nachzuweisen. Die daraus abzuleitenden Erkenntnisse könnten wichtige Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems liefern. Ergebnislos verlief dagegen die bisherige Suche nach einem Lebenszeichen von dem Kometenlander Philae.
19.Mar 2015 | 19:37

Konzept: Mit Luftschiffen über die Venus

Bei Missionen zur Planetenforschung steht oft der Mars im Vordergrund. Er ist der bislang am häufigsten mit Rovern und Orbitalsonden erforschte Planet. Der Mars ist für Forscher deshalb so interessant, weil man annimmt, dass auf ihm vor Milliarden von Jahren deutlich erdähnlichere und somit lebensfreundlichere Bedingungen herrschten. Doch er ist nicht der einzige interessante Ort im inneren Sonnensystem.
16.Mar 2015 | 22:25

Mars Express: Neue Aufnahmen der Cydonia-Region

Berühmtheit erlangte die Cydonia-Region auf dem Mars bereits vor fast 40 Jahren. Aufgrund einer optischen Täuschung wurden dort Strukturen abgebildet, welche in der Folgezeit als 'Marsgesicht' bekannt wurden. Mittlerweile ist bekannt, dass es sich dabei nicht um die Artefakte einer außerirdischen Zivilisation handelt. Trotzdem ist diese Region für die Marsforscher nach wie vor von hohen Interesse, da sich dort die geologische Entwicklungsgeschichte unseres Nachbarplaneten besonders gut untersuchen lässt.
26.Mar 2015 | 16:10

Die Tragödie 4U9525

Der Absturz des Germanwings Fluges 4U9525 hat uns alle in den letzten Tagen bewegt, bestürzt und traurig gemacht. Die Tatsache, dass das Flugzeug nach einer normal verlaufenden Anfangsphase in einem langen Sinkflug bis zum Aufprall in den französischen Alpen übergegangen ist, hat zunächst zu wilden Spekulationen geführt.
26.Mar 2015 | 10:11

SoFi 2015 - Geht das auch schärfer?

Maximale Bedeckung der Sonne am 20. März 2015Am 20. März 2015 war die Erwartung groß: In einem schmalen Streifen über dem Nordatlantik sollte der Mond die Sonne total verfinstern. In Deutschland würden wir eine partielle Finsternis erleben können. So musste nur noch das Wetter mitspielen, und daran haperte es leider in weiten Teilen Westdeutschlands. Daher beschloss ich kurzfristig, mein Glück im Hochsauerland zu suchen. Auf der Fahrt nach Winterberg klarte kurz hinter Grafschaft der Himmel plötzlich auf. An einer Feldeinfahrt in 500 Metern Höhe fand ich den nahezu idealen Beobachtungsplatz.
19.Mar 2015 | 13:13

Das "Monster" zähmen

MARES-Experiment im Columbus-LaborVor manchen Dingen hat man einfach Angst - da kann man nicht viel gegen machen. Unser MARES-Experiment im Columbus-Labor ist so etwas: Riesengroß, hochkomplex und manchmal ein Sorgenkind.
18.Mar 2015 | 13:39

Ein Jahr danach: Was aus den Luftbildern der Himalaya-Expedition geworden ist

Flug am Mount EverestIm Januar 2014 berichtete ich in diesem Blog über unsere Himalaya-Messkampagne. Mithilfe eines Stemme S10-VTX-Motorseglers beflogen wir ausgewählte Gebiete Nepals. Mit dabei war eine spezielle Messkamera, die vom DLR-Institut für Optische Sensorsysteme in Berlin für diese Mission entwickelt wurde.
15.Mar 2015 | 10:31

Jetzt auch noch ein persönlicher Verlust...

Die letzten Wochen waren sehr anstrengend und belastend durch die von verschiedenen Seiten in den Mittelpunkt gerückte Situation meines bevorstehenden Wechsels zur ESA. Auch wenn dieser Wechsel erst für Mitte des Jahres ansteht, so ist doch deutlich zu spüren, wie Einzelne diesen Aspekt in das Tagesgeschehen einbauen, um daraus persönliche Vorteile zu ziehen. Das dadurch empfundene Unbehagen tritt jetzt in den Hintergrund, bedingt durch den Schmerz, den die Nachricht vom Tod meines Freundes Klaus Ulonska auslöst.
22.Mar 2015 | 12:11

Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken – Vierter Brief

und wer's noch nicht gelesen hat: hier sind Bloggewitter_Kinder_logo

Brief 1, Brief 2 und Brief 3

 

Lieber Max,

Bild 1 - Gene Cernan

Das ist Eugene Cernan vor dem Start. Er wird grade in seinen Raumanzug gekleidet. Und so ganz wohl fühlt er sich offensichtlich nicht (Bild: NASA)

höhöhö. Auch gegen Bremen hat Müller letzte Woche wieder ein Tor geschossen. In der 24. Minute. Und hast Du gesehen, was die für ein Problem mit dem Tornetz hatten? Da war ein Loch drin. Das hat dann dieser Bremer Mannschaftsarzt mit Panzertape am Torpfosten festgemacht. Das Spiel ging erst mit fünf Minuten Verspätung los. Da hätt ich Dir doch tatsächlich noch ein paar Zeilen mehr schreiben können. Naja, ist aber auch so o.k. Diese Woche ist das Bayernspiel ja erst am Sonntag, also heute. Gottseidank. Gestern hätt ich nämlich keine Zeit gehabt, Dir zu schreiben. Ich musste da leider arbeiten. Hernach will ich mit Heidi auf den Rosenheimer Ostermarkt gehen, und dann ist das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Aber bis Heidi mich ruft hab ich noch ein gutes Stündchen, und deswegen gleich zurück zu unserem Thema.

Ich hatte ja letztes Mal schon ganz kurz über die Gemini-Flüge gesprochen. Die Gemini-Flüge waren sehr wichtig. Da wurden viele Dinge für die bemannte Raumfahrt zum ersten Mal im Weltraum ausprobiert. Zum Beispiel das Zusammenkoppeln von zwei Raumschiffen. Oder das Verändern der Umlaufbahnen. Oder Dauerflüge von bis zu zwei Wochen. So ein Dauerflug war übrigens ein besonderes Problem. Die Gemini-Raumschiffe hatten zwar schon ein bisschen mehr Platz als die Mercury-Raumkapseln. Aber sie waren immer noch winzig klein und sehr eng. Für die beiden Astronauten an Bord war das so, als wären sie zwei Wochen lang auf den Vordersitzen eines Autos eingesperrt. Ohne Aussteigen zwischendurch für eine Pipi-Pause. Und dabei hatten die noch die fetten Raumanzüge an. Den mussten sie die meiste Zeit anbehalten. Nur manchmal durften sie ihn ausziehen. Und dann war die Frage: Wohin bloß mit dem sperrigen Dings. Es ist ja nirgendwo Platz da. Eine Rückbank gab es nicht, und einen Kofferraum schon gleich gar nicht. Und jetzt stell Dir mal vor, wie es ist, da aufs Klo zu gehen. Vor allem das große Geschäft. Das wär auch schon wieder eine Geschichte für sich.

Aber ich komm vom Thema ab. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja: Bei Gemini war es so, dass die Amerikaner sich in der bemannten Raumfahrt weiterentwickeln wollten. Deswegen machten sie bei jedem Flug immer schwierigere Sachen. Insgesamt gab es 12 Gemini-Flüge. Die ersten beiden, also Gemini 1 und 2 waren unbemannt. Ferngesteuert sozusagen. Da hat man ausprobiert, ob man in den Gemini-Kapseln überhaupt eine Besatzung mitfliegen lassen kann. Bei den anderen zehn Flügen waren immer Astronauten an Bord. Der erste bemannte Flug war also Gemini 3. Der von Grissom und Young, über den ich Dir letztes Mal schon kurz erzählt hab.

Bei den Gemini-Flügen wollte man alles lernen, was man später für die Mondlandungen mit den Apollo-Raumschiffen brauchte. Und da war die Sache mit EVA enorm wichtig. Und mit EVA meine ich jetzt nicht die Zwillingsschwester von Ruth Hupfer, an die Du jetzt wahrscheinlich gedacht hast. Mit EVA meine ich die so genannte "Extra Vehicular Acitvity“ (spricht sich: „Extra Vehi-kju-lahr Äktifiti“).

Die NASA hat ja einen richtigen Abkürzungsfimmel (abgekürzt „Aküfi“ – hahaha). Die kürzen alle langen und umständlichen Bezeichnungen immer ab. Und damit man nicht so lange Wortungetüme wie „Extra Vehicular Activity“ sagen muss, nenne sie das einfach EVA. EVA hört sich harmlos an, ist aber ganz schön gefährlich. Wahrscheinlich ist es deshalb ein Frauenname (Scherz beiseite, lass das lieber keine Frau wissen, sonst gibt’s Zunder). Also so eine EVA, das könnte man am besten beschreiben mit "Einsatz außerhalb des Raumfahrzeugs". Und „Einsatz außerhalb des Raumfahrzeugs“, das hatten wir ja schon im ersten Brief, geht nur mit einem Raumanzug.

Stafford Cernan komprimiert

Links ist Tom Stafford und rechts mein Namenvetter Eugene Cernan. Das Bild haben NASA-Fotografen vor dem Start gemacht (Bild: NASA)

Was ich Dir heute anfangen will, zu erzählen, ist die Geschichte von Gemini 9. Das ist schon ziemlich weit hinten in der Reihenfolge der Gemini-Flüge. Daran kann man schon erkennen, dass es einer von den schwierigeren Flügen war. Die Besatzung bestand aus den beiden Astronauten Tom Stafford (spricht man fast genauso wie sich‘s schreibt) und meinem Namensvetter Eugene. Mit Nachnamen Cernan. Damit Du nicht bei der letzten Geschichte nachgucken musst, wie sich das schreibt, hier nochmal: Ju-tschien Zör-nän. Nicht ganz einfach, was?

Mein Namensvetter Eugene hatte ein ziemlich mulmiges Gefühl, als er zusammen mit Tom Stafford zum Flug von Gemini 9 startete. Und dafür gab es einen guten Grund. Sein Weltraumausflug war nämlich extrem gefährlich. Er war nicht der allererste Astronaut, der so ein Außenbordmanöver unternahm. Vor ihm hatten das schon zwei andere gemacht. Bei einem davon, Alexei Leonow (Alexe-i Leonnoff) aus der Sowjetunion, hätte das beinahe in einer Katastrophe geendet. Das wollten die Sowjets aber nicht zugeben. Schließlich waren sie in einem Weltraum-Wettkampf mit den Amerikanern. Sie wollten als die großen Obermacker dastehen, die alles besser konnten, als die Amis. Deswegen taten so, als sei alles prima gelaufen und hielten es geheim, wie die Geschichte tatsächlich gelaufen war. Und man kann sagen: sie war echt Scheiße gelaufen. Die Sache war die (und das wäre schon wieder eine der vielen spannenden Raumfahrtgeschichten), dass Leonow fast nicht mehr in sein Raumschiff zurück konnte. Sein Raumanzug hatte sich so aufgeblasen, dass er nicht mehr durch die Spezialschleuse passte.

Der andere Mensch, der schon im Raumanzug außerhalb seines Raumschiffes geschwebt war, war der Amerikaner Edward White (Vorname spricht sich, wie man‘s schreibt, der Nachname spricht sich „Weit“. Genau. Wie „nah“, bloß eben weit :-). Der war mit Gemini 4 geflogen. Leonow bei den Sowjets und White bei den Amerikanern hatten aber außerhalb ihres Raumschiffs praktisch nichts gemacht. Sie waren einfach bloß vor ihren Kapseln herum geschwebt. Trotzdem hatte Leonow mächtige Probleme gekommen wieder ins Raumschiff zurück zu kommen, und auch bei White war das recht schwierig gewesen. White war ungefähr 20 Minuten im Weltraum herumgeschwebt. Leonow ungefähr 10 Minuten. Zusammengerechnet betrug also die gesamte Erfahrung der Menschheit mit solchen Außenbordmanövern also damals, im Juni 1966, ganze 30 Minuten.

Eugene Cernan wusste ganz genau, dass außerhalb des schützenden Raumschiffes immer etwas Unvorhergesehenes passieren konnte. Die Versorgungsleitung, die ihn mit Luft versorgte und gleichzeitig die Verbindungsleine zum Raumschiff war, konnte reißen. Oder der Rückentornister, den er ausprobieren sollte, konnte kaputt gehen. Oder es konnte irgendetwas Unbekanntes passieren, so dass er nicht mehr in die Kabine zurückzukehren konnte. Sollte das geschehen, dann wäre Tom Stafford nichts anderes übrig geblieben, als ihn da draußen zurückzulassen. Dann musste Stafford die Versorgungsleitung durchtrennen, die Kabine wieder schließen und ohne ihn zur Erde zurückkehren. Du kannst Dir vorstellen: mein Namensvetter Eugene fand die Idee nicht besonders prickelnd, als „Erdsatellit Cernan“ zu enden. Aber wenn man Astronaut ist, muss man da durch.

Tornister komprimiert

"Chestpack" und Raketenrucksack sind hier gut zu sehen. Das Bild wurde bei einem Test auf der Erde aufgenommen. Da hat noch alles problemlos funktioniert (Bild: NASA)

Der Auftrag, den Eugene Cernan hatte, bestand darin, einen Rückentornister auszuprobieren. Diesen Tornister bezeichnete die NASA als EMU. Das stand für „Extravehicular Maneuvering Unit“. Ich schreibe Dir gar nicht erst auf, wie man das ausspricht, denn da bekommst Du garantiert einen Knoten in die Zunge. Auch den Astronauten, die an die Aussprache von schwierigen Wörtern gewohnt waren, war das zu blöd. Sie nannten das Gerät deswegen einfach den „Rucksack“. Und das traf es auch ziemlich genau. Da waren Treibstofftanks drin und kleine Raketendüsen, aber auch ein komplettes Lebenserhaltungssystem. An das sollte sich Eugene Cernan anstöpseln, sobald er es erreicht hatte. Und das mit dem Erreichen war schon eins der Probleme: Das Gemini-Raumschiff war nämlich so klein, dass dieser Rückentornister nicht in die Kabine hineinpasste. Er war deswegen an der hinteren Wand des Raumschiffs angebracht. Und Cernan musste sein Raumschiff verlassen, um erst da hin zu kommen.

So weit, so gut. Am 3. Juni 1966 starteten die beiden also in den Weltraum. In den ersten zwei Tagen in der Umlaufbahn standen andere Dinge auf dem Programm. Schon da hatten die Astronauten viel Pech und sie erlebten eine spannende Raumfahrergeschichte, nämlich die vom „Wütenden Alligator“. Aber dazu komme ich vielleicht ein andermal. Nach der Sache mit dem wütenden Alligator waren schon zwei Tage im Weltraum vergangen. Am dritten Tag sollte Eugene Cernan sein Außenbordmanöver durchführen. Es sollte fünfmal so lange dauern, wie die Außenbordmanöver von Leonow und White zusammen. Und viel, viel schwieriger werden. Und tatsächlich: es wurde viel, viel schwieriger. Und es wurde noch viel, viel gefährlicher.

Bevor er mit dem Ausstieg begann, musste sich Cernan einen quadratischen Versorgungstornister vor die Brust schnallen. Den nannte man, „Chestpack“ (spricht sich „Tschest-päck“). Das war eine Kiste ungefähr so groß wie zwei Schuhschachteln. Die war in der Kabine über seiner linken Schulter verstaut gewesen, und die schnallte er sich nun am Raumanzug vor seiner Brust fest. Unten am „Chestpack“ gab es einen Anschluss. An dem befestigte er seinen acht Meter langen Versorgungsschlauch. Den nannten die Astronauten immer nur „Nabelschnur“. Diese „Nabelschnur“ war ein Schlauch, die den Cernan mit Sauerstoff versorgte. Durch diese Leitung lief auch die Funkverbindung. Außerdem noch einige Drähte, mit denen medizinische Daten von Cernan an die Gemini 9-Kapsel, und von dort an die Flugkontrolle am Boden übermittelt wurden. Beispielsweise sein Herzschlag und seine Körpertemperatur. Man hatte ja noch keine Ahnung, wie anstrengend so ein Außenbordmanöver ist und wollten das genau feststellen. Und natürlich wollten die Bodenkontrolle auch wissen, ob er überhaupt noch lebte.

Gemin 9 Interim Mission Report075

Hier nochmal die Einzelteile von Eugene Cernans Ausrüstung. (Bild: NASA)

Die Nabelschnur in der Schwerelosigkeit aus ihrer Transportbox zu befreien war ungefähr so schwierig, wie einen herumtanzenden, wasserspritzenden Gartenschlauch einzufangen. Sie wand sich wie ein Wurm durch die kleine Kabine und war kaum unter Kontrolle zu bekommen. Dann halfen sich die beiden Astronauten gegenseitig dabei, Helme und Visiere zu schließen. Auch Stafford brauchte einen Raumanzug, denn die Luke des Raumschiffs musste nach dem Ausstieg von Cernan offen bleiben. Aber er brauchte natürlich nicht soviel Ausrüstung wie der. Sie halfen einander, die druckdichten Handschuhe überzuziehen. Dann setzten sie die Anzüge unter Druck. Als der vorgesehene Druck erreicht war, war der Anzug so steif, dass man sich damit fast nicht mehr bewegen konnte. Weder an den Ellenbogen, noch in den Knien, noch an der Hüfte, noch überhaupt irgendwo. Cernan kam es vor, als hätte man ihn von Kopf bis Fuß in einem Gipsverband eingeschlossen.

Eugene Cernans Raumanzug unterschied sich erheblich von Tom Stafford Anzug. Auch Stafford war dem Vakuum ausgesetzt. Aber er blieb in der Kabine auf seinem Sitz. Er brauchte keine Nabelschnur. Und er konnte sich nicht weiter bewegen, als seine Arme reichten. Cernans Anzug war wesentlich fester konstruiert als der von Stafford. Er war viel dicker isoliert, denn er war den Temperaturwechseln zwischen Nacht und Tag außerhalb des Raumschiffes ausgesetzt. Ohne diese vielen Lagen an Isolation würde Cernan in kürzester Zeit gegrillt oder beinhart gefroren werden. Zusätzlich hatte er in der Beckengegend und an den Beinen eine Beschichtung mit einer zusätzlichen Aluminiumschicht. Die brauchte er, um vor den Abgasstrahlen des Rückenrucksacks geschützt zu sein.

Die Beiden ließ nun den letzten Sauerstoff aus dem Raumschiff ab, und prüften noch einmal, dass die Raumanzüge nicht leckten. In der Zwischenzeit näherten sie sich auf der Nachtseite der Erde der amerikanischen Westküste. Der Außenbordeinsatz sollte nämlich hoch über den Vereinigten Staaten beginnen. Dann war eine direkte Verbindung mit dem Kontrollzentrum Houston möglich. .

Bei der 31. Erdumkreisung begann der Ausstieg. „Hier Gemini 9. Wir beginnen mit dem Außenbordmanöver“, meldete Cernan an Houston. Als die Luke offen war, brauchte es nur noch einen ganz leichten Stoß gegen die Sitzfläche, und er hob ab. Er griff an den Rahmen der Luke und zog sich hoch, bis er schließlich auf dem Sitz stand. Die Hälfte seines Körpers ragte jetzt aus dem Raumschiff heraus. Er sah aus, wie jemand, der stehend im Vordersitz eines Cabrios mitfährt. Nun wartete er darauf, dass die Sonne an der kalifornischen Küste über den Horizont stieg. Und als sie kam, war das ein überwältigender Anblick für ihn. Niemand hatte ihn auf diese Überflutung seiner Sinne vorbereitet. „Halleluja“ rief Cernan „Junge, ist das wunderbar hier“.

AA-Front

Das hier ist ein Plastikmodell der Gemini 9 und noch eins von Eugene Cernan. Hier kann man sich aber gut vorstellen, wie die Sache damals abgelaufen ist. Eugene Cernan versucht hier auf die Rückseite des Raumschiffs zu kommen (Bild: Pete M.)

Das Raumschiff bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von fast 28.000 Kilometern pro Stunde nach Westen, aus der Finsternis hinaus ins Licht. Innerhalb von Sekunden ging die völlige Dunkelheit in ein geisterhaftes Nebelgrau über. Gleich darauf erschien ein dünnes blaues Band entlang der gekrümmten Horizontlinie. Das änderte sich in Sekunden in einen Goldton. Und dann war es urplötzlich Tag. Cernan konnte jetzt von einem Moment zum anderen keine Sterne mehr sehen. Seine Augen waren von der Helligkeit der Erde und des Lichts geblendet.

Dann bereitete er sich auf seine erste Aufgabe vor: Die Erprobung der „Nabelschnur-Dynamik“, wie es die Ingenieure auf der Erde etwas geschwollen genannt hatten. Die Techniker hatten sich überlegt, dass es möglich sein sollte, zu manövrieren, in dem man einfach an der Versorgungsleitung zog. Eine sehr, sehr schlechte Idee, wie sich schnell zeigte.

Cernan stieß sich ab, und bewegte sich vom Raumschiff weg. Er war jetzt schon den zweiten Tag schwerelos, und so war das Gefühl nicht mehr neu für ihn. Aber das war jetzt etwas anderes, als festgeschnallt in der engen Kabine der Gemini zu verharren. Jetzt bewegte er sich weg von der schützenden Hülle der Gemini 9, und war umgeben vom grenzenlosen Universum.

Eugene Cernans einzige Verbindung zur „wirklichen Welt“ war die Versorgungsleitung. Die „Schlange“. Und diese Schlange war jetzt dabei, Eugene Cernan eine Sonderlektion über die Bewegung im Weltraum zu erteilen. Weil es nichts gab, womit er seine Bewegungen stabilisieren konnte, geriet er sofort außer Kontrolle und segelte in allen möglichen Positionen vor dem Raumschiff herum. Als er das Ende der Leine erreicht hatte, spannte sich die Nabelschnur, und er federte wieder in Richtung Raumschiff zurück. So wie ein Bungee-Springer, bloß in Super-Zeitlupe. Als die Nabelschnur wieder kürzer wurde, begann sie sich einzurollen. Als Cernan versuchte, sie gerade zu halten, gelang ihm das zwar, aber nun drehte er sich um sich selbst und die Schnur stand still. Er hatte noch keinen einzigen Handgriff außerhalb der Kabine gemacht als er merkte, dass er die Sache nicht unter Kontrolle hatte. Niemand hatte ihn vor dem gewarnt, was ihn da erwartete. Alles was er tat und versuchte war neu. Er war schon nach wenigen Minuten jenseits der geringen Erfahrungen von Leonow und White. Er befand sich auf unerforschtem Gebiet.

Cernan hatte das Gefühl mit einem Kraken zu kämpfen. Die Nabelschnur kapriolte in verrücktem Eigenleben herum, verdrehte sich in Schleifen und Bögen und versuchte Cernan einzuwickeln. Cernan drehte Loopings und Rollen um das Raumschiff, und vollführte Pirouetten, als würde er durch Pfützen mit Weltraumöl schliddern. Er hatte keinerlei Kontrolle über seine Bewegungen und keine Kontrolle über seine Position. Er war zwar nicht gerade im Weltraum verloren, aber dennoch vollständig hilflos. „Ich komme nicht hin, wo ich will“, teilte er Stafford frustriert mit. „Diese Schlange ist einfach überall“.

Die einzige Chance, die Kontrolle wieder zurückzugewinnen bestand darin, dass er etwas zu fassen bekam, sobald ihn die Nabelschnur wieder zum Raumschiff zurückfederte. Cernan kämpfte etwa 30 Minuten wie ein Besessener mit der Versorgungsleitung, bewegte sich langsam kreiselnd bis ans Ende der Schnur, dann wieder zurück zum Raumschiff und dann wieder hinaus. Während dieses sinnlosen Hin- und Hertrudelns brach er ganz nebenbei den Rekord für den längsten Aufenthalt im freien Weltraum. Schließlich bekam er die Luke zu fassen, und er klammerte sich an sie wie ein Ertrinkender an eine Planke in den Weiten des Ozeans.

Schließlich stand er wieder schweißgebadet auf seinem Sitz (besser gesagt, er schwebte stehend) und atmete tief durch. Mehr als 30 Minuten waren jetzt vorbei. Aber das Ziel seines Ausfluges, die Rückwand der Gemini, wo sein Rückentornister befestigt war, hatte er noch gar nicht erreicht. Dies musste laut Missionsplan bei Tageslicht geschehen, also innerhalb von 45 Minuten nach Beginn des EVA. In den dann folgenden 45 Minuten der Dunkelheit sollte er sich dann von der Nabelschnur abstöpseln und sich am Lebenserhaltungssystem des Rückentornisters anschließen. Der sollte ihn danach mit Sauerstoff versorgen. Wenn das geschafft hatte, sollte Tom Stafford einen Schalter umlegen, der den Raketenrucksack mit dem darauf festgeschnallten Gene Cernan freigab. Danach sollte er an einer 40 Meter langen dünnen Schnur unter Zuhilfenahme der Manövriertriebwerke seines Rückentornisters als unabhängiger Satellit herumfliegen. Am Ende seines Ausfluges musste diese Übung dann in umgekehrter Reihenfolge erneut stattfinden.

Doch erst musste er die Rückseite der Gemini erreichen. Der Raumanzug war steinhart aufgeblasen, und Cernan sah darin aus wie ein Michelin-Männchen. Zusätzlich hatten die Konstrukteure des Raumanzugs eine Verstärkung eingebaut. Das war ein sehr festes Spezialgewebe, das dem Raumanzug schon unter normalem Luftdruck auf der Erde die Beweglichkeit einer rostigen Ritterrüstung gab. Nur um den Arm zu beugen, brauchte Cernan gewaltige Muskelkraft. Sobald er nachließ, schnellte der Arm wieder in seine Ausgangsposition zurück. Die Konstrukteure des Anzugs hatten so etwas wohl schon geahnt, denn sie hatten im empfohlen, vor der Mission Hanteltraining zu machen.

AA-RightAftAbove

Hier das gleiche Plastikmodell noch einmal. Man kann hier sehen, wie der Raketenrucksack auf der Rückseite der Gemini befestigt war, und wie sich Eugene Cernan um die Hinterkante des Raumschiffs herumschwingen musste.

Cernans Herzschlag ging rapide nach oben und stabilisierte sich erst bei 155 Schlägen in der Minute. Aus der Erfahrung der ersten 30 Minuten wusste er nun, dass er sich irgendwo festhalten musste, um nicht die Kontrolle über seine Bewegungen zu verlieren. So arbeitete er sich Hand über Hand an einer Kabelleitung an der Außenhülle des Raumschiffs entlang und stopfte die Nabelschnur alle dreißig Zentimeter unter den Kabelstrang, der entlang des Raumschiffs verlief. So gut das eben ging, denn für diesen Zweck war sie nicht konstruiert. Immerhin ging das unter enormer Kraftanstrengung gut, bis er das hintere Ende der Gemini erreichte. Dort wartete eine böse Überraschung auf ihn.

Als die zweite Stufe der Titan abgesprengt worden war, war ein gezackter Metallrand zurückgeblieben, den die Sprengladung nicht sauber durchtrennt hatte. Er war scharf wie ein Sägemesser. Niemand hatte bei der Planung seines Weltraumausfluges an so etwas gedacht. Vorsichtig legte Cernan die lebenserhaltende Nabelschnur über die rasiermesserscharfen Metallkanten. Ihm war klar: Ein Raumanzug mit einem Loch ist in Sekunden nichts anderes als ein Leichensack.

Gemini 9....

O Manno...

Schon wieder verplaudert. Und die Geschichte von Eugene Cernans Abtenteuer noch nicht mal halb erzählt. Aber Heidi ruft unten und will auf den Ostermarkt. Und dann ist ja das Spiel um 17:30 Uhr. Also erfährst Du leider erst nächste Woche, wie es mit meinem Namensvetter Eugene weiterging. Ich kann Dir aber schon mal sagen. Es wird kritisch. Sehr kritisch. Beinahe tödlich.

Dein Onkel Eugen

14.Mar 2015 | 18:46

Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken – Dritter Brief

und wer's noch nicht gelesen hat: hier sind Brief 1 und Brief 2Bloggewitter_Kinder_logo

 

Bild 1 Goodrich Anzug

Sah ein bisschen so aus, als hätte man die Hosen voll. Goodrich-Druckanzug der späten vierziger Jahre. Bild: NASA

Lieber Max,

was hab ich gesagt, letztes Wochenende vor dem Spiel gegen Hannover? Müller schießt ein Tor. Und, was macht er? Er schießt sogar zwei. Und am Mittwoch gegen Donezk gleich nochmal zwei. Da hat sogar der Badstuber eins geschossen. Als Verteidiger! Da bin ich gleich motiviert, Dir auch diesen Samstag einen Brief zu schreiben. Hernach geht’s dann ja für die Bayern gegen Werder. Mal schauen, was dabei rumkommt.

Aber erst beschäftigen wir uns wieder einmal ein wenig mit der größten Gefahr für einen Astronauten. Und die besteht bekanntlich darin, zu ertrinken.

Letztes Mal ging es ja um Wiley Post und seinen Beinahe-Raumanzug von der Firma Goodrich. Dieses Mal erzähl ich Dir die Geschichte von Virgil Grissom. Der Nachname spricht sich fast genauso wie sich's schreibt. Mit dem Vornamen ist es ein bisschen schwieriger. Der geht "Wir-dschil". Ist eigentlich auch nicht schwer, aber seinen Freunden war das trotzdem noch zu kompliziert. Sie sagten immer "Gus" zu ihm. Spricht man "Gass".

Dieser Gus Grissom gehörte zu den ersten sieben amerikanischen Astronauten bei der NASA (NASA kennst Du, die amerikanische Weltraumbehörde). Als Astronaut brauchte er natürlich einen Raumanzug, und seiner (und natürlich auch die Raumanzüge seiner sechs Kameraden) stammte von derselben Firma, die auch schon den Anzug für Wiley Post gemacht hatte. Eben von Goodrich. Die Firma Goodrich hatte sich nämlich nach der Geschichte mit Wiley Post gesagt: "Jetzt haben wir schon mal damit angefangen, jetzt können wir damit auch weiter machen".

Bild 2 - Goodrich Druckanzug Vakuum-Kammer

Aufgepumpt wie ein Michelin-Männchen. Testperson mit Goodrich-Raumanzug in der Vakuum-Kammer (Bild: NASA)

Als die Düsenflugzeuge aufkamen, war Goodrich bald einer der Hauptlieferanten für die Druckanzüge von Militärpiloten. Und zu denen kamen Ende der fünfziger Jahre die Leute von der NASA, und sagten, dass sie nun Raumanzüge brauchten. Die Ingenieure von Goodrich dachten sich: „Kein Problem. Wir nehmen einfach die Druckanzüge von den Militärpiloten, und verbessern die hier und da ein wenig". Die Militärpiloten flogen schließlich auch schon 15.000 Meter hoch, und eigentlich, wir wissen das ja, ist da auch schon so gut wie Weltraum.

Aber diese Idee war schlecht. Die konnten sie gleich wieder bleiben lassen. Die Techniker von Goodrich stellten nämlich fest, dass es ganz etwas anderes war, einen Druckanzug für einen Düsenflugzeugpiloten zu machen, als einen Raumanzug für einen Astronauten.

Die Druckanzüge für die Militärflieger waren dafür geschaffen worden, dass Piloten wilde Kurvenflüge machen konnten. Dabei halfen sie ihnen, den Anpressdruck auszuhalten, wenn sie mit ihren Flugzeugen herumgeschleudert wurden. Sie boten aber nur unzureichend Schutz für große Höhen. Vor allem waren sie nicht besonders dicht. Sie hatten eine grottenschlechte Luftzirkulation und für den freien Weltraum gingen sie gleich gar nicht. Obendrein waren sie furchtbar unbequem. Aber ein Raumanzug muss sehr bequem sein, denn ein Astronaut muss unter Umständen in einem Notfall mehrere Tage darin verbringen.

Die Entwicklung des Raumanzugs wurde daher von den Astronauten besonders genau unter die Lupe genommen. Ein Kollege von Gus Grissom, der Astronaut Walter Schirra (die Kollegen nannten ihn Wally, und das spricht sich "Woallie") half den Goodrich-Leuten dabei. All die Fehler, welche die Anzüge hatten, wurden nach und nach abgestellt. Anfangs drückten die noch überall an allen Körperteilen. Die Visiere beschlugen ständig. Die Unterkleidung war rauh und unbequem. Die Reißverschlüsse klemmten, und wenn man den Raumanzug ein paarmal im Vakuum anhatte, dann dehnte er sich aus wie ein Luftballon. Naja, das tut natürlich jeder Raumanzug. Aber diese frühen Modelle dehnten sich bei jedem Gebrauch immer ein bisschen weiter aus. Bis am Ende die Nähte platzten.

Bild 3 - Neck dam Space Suit

Gus Grissom in seinem Raumanzug. Der Nackendamm ist hier besonders gut zu sehen (Bild: NASA)

Wally Schirra testete alles. Schnürungen, Gurte, Verschlüsse, Nähte, Ventile, Handschuhe und Mikrofone. Jedes einzelne Teil. Schirra erfand auch den so genannten "Hals- und Nackendamm" (auf Englisch heißt der "neck-dam"). Eine sehr wichtige Erfindung, wie sich noch zeigen sollte. Der Hals- und Nackendamm war eine Art Gummidichtung am Halsteil des Raumanzugs. Er sollte das Eindringen von Wasser verhindern, für den Fall, dass der Astronaut nach der Landung im Wasser schwimmen müsste. Besonders bequem war der aber nicht. Er würgte die Astronauten immer ein wenig. Aus dem Grund konnte man ihn aufrollen und erst dann wieder "entrollen" wenn man ihn brauchte.

Nach vielem Probieren und Herumkonstruieren war der erste amerikanische Raumanzug schließlich im Mai 1960 fertig. Er war prächtig. Silbern und schön. Genauso, wie man sich einen Raumanzug eben vorstellt. Jetzt konnten die amerikanischen Astronauten in den Weltraum starten.

Bild 5 - MR-3 Zeitgenössische Darstellung der Flugbahn

Das ist ein Bild von der NASA aus dem Jahre 1960 um zu zeigen, wie so ein suborbitaler Raumflug aussieht.

Und damit fingen sie recht vorsichtig an. Das war auch gut so, denn man hatte damals ja noch keine Erfahrung mit der Weltraumfliegerei. Am Anfang machte man deshalb so genannte suborbitale Flüge. "Sub" heißt "unter". Das bedeutet also, dass sie anfangs "unterhalb" einer Erdumlaufbahn blieben. Von der Höhe her waren sie eigentlich schon klar im Weltraum. Nur eine ganze Kreisbahn um die Erde herum flog man nicht, sondern nur ein Stück davon.

Als erster startete am 5. Mai 1961 Alan Shepard (der spricht sich: Älän Sche-pard) zu so einem suborbitalen Flug. Von Cape Canaveral aus (Kä-ip Kä-nä-vä-räl, das liegt in Amerika, gar nicht weit von Disneyworld entfernt). Von dort aus flog er mit seiner Mercury-Kapsel ungefähr 500 Kilometer weit in den Atlantik hinaus. Und immerhin 185 Kilometer hoch. Dabei war er etwa fünf Minuten lang schwerelos. Die Landung erfolgte im Wasser, genau wie geplant.

Dieser erste Einsatz hatte überraschend gut geklappt. Aber vielleicht war es nur ein Zufall gewesen. Um das zu überprüfen, sollte Gus Grissom diesen Flug wiederholen. Und so wurde auch er auf eine suborbitale Bahn in den Weltraum geschossen, und zwar am 21. Juli 1961. Grissom erreichte sogar eine Höhe von 190 Kilometern. Alles lief ähnlich wie bei Alan Shepard und auch bei der Landung ging alles nach Plan. Zuerst wurde ein kleiner Fallschirm ausgestoßen, um die Kapsel zu stabilisieren, dann ein großer, um sie abzubremsen. Am Schluss platschte die Kapsel am Fallschirm ins Wasser, genau wie bei Shepard.

Bild 4 - MR-4 Grissom 3

Hier ist Gus Grissom kurz davor, in seine Mercury-Kapsel einzusteigen. Die hatte er übrigens "Liberty Bell" genannt. Das heißt "Freiheitsglocke". (Bild: NASA)

So weit, so gut. Im Inneren seiner Mercury, die nach der Landung im Atlantik herum schaukelte, schaltete Grissom die Flugsysteme aus. Die brauchte er nun ja nicht mehr. Dann stöpselte er die Versorgungsleitungen zu seinem Raumanzug ab. Seine Sauerstoff- und Kühlleitungen waren nämlich noch mit dem Raumschiff verbunden. Dann begann er den Nackendamm zu entrollen. Er bemerkte in diesen aufregenden Momenten aber nicht, dass sich der nicht vollständig entrollte, und dass er auch nicht ganz dicht am Hals anlag.

Während sich Grissom noch mit dem Anzug herumplagte, kam ein Funkspruch von einem der zwei Hubschrauber herein, die ihn aus dem Atlantik fischen sollten. Der Pilot fragte, ob er in jetzt herausholen sollte. Grissom funkte zurück:" Geben Sie mir noch fünf Minuten, bis ich die Position aller Schalter notiert habe. Bleiben Sie bitte in der Nähe und holen Sie mich raus, wenn ich Sie rufe." Der Pilot antwortete: "Roger, wir warten. Wir holen Sie raus, sobald sie es uns sagen"

Der Plan für den Bergungs-Helikopter war es, die Kapsel einzuhaken und etwas aus dem Wasser zu heben. Dann sollte Grissom die Luke heraussprengen, und sich in den sogenannten "Horse-Collar" einhängen. Der "Horse-Collar" (wörtlich übersetzt heißt das „Pferdekragen“. Gemeint ist aber ein Kummet, das ist so ein Schulterteil für Zugpferde vor einem Wagen) war einer Art Brustgeschirr, das der Hubschrauber ebenfalls herunterlassen sollte. Dort sollte sich Grissom einhängen, und danach sollte ihn der Pilot an Bord heraufziehen.

Grissom begann also, die Schalterpositionen zu notieren. Das war schwierig mit den dicken Handschuhen vom Raumanzug und in der engen Kapsel. Außerdem begann es ihm in seinem Anzug unangenehm warm zu werden. Denk an die dritte Gefahr im Weltraum: Den Hitzschlag. Grissom fingerte also mit der einen Hand an seinem Nackendamm herum, um etwas Wärme herauszulassen. Mit der anderen Hand entfernte er die Abdeckung über dem Schalter für seine Sprengluke. In diesem Moment gab es einen gewaltigen Rumms. Die Luke flog heraus, und versank ein paar Meter von der Kapsel entfernt in den Fluten. Sofort schwappte das Meerwasser herein. Grissom zog sich den Helm vom Kopf, schob sich aus der offenen Luke und schwamm ein paar Meter von der Raumkapsel weg.

Seine erste Reaktion war es, sich nach dem Horse Collar umzusehen. Da bemerkte er aber, dass die Besatzung des Hubschraubers damit beschäftigt war, die Kapsel einzuhaken. Sie war schon vollgelaufen und lag tief im Wasser. Nur der oberste Teil ragte noch in die Luft. Die Leine zum Helikopter war straff gespannt. Die Kapsel sank aber immer weiter. Offensichtlich war sie zu schwer für den Hubschrauber. Die Besatzung versuchte verzweifelt, die Mercury trotzdem zu bergen. Aber ihr Helikopter wurde von der Last soweit hinuntergezogen, bis schließlich die Räder unter Wasser waren.

In der Zwischenzeit kam Grissom immer mehr in Schwierigkeiten. Der Nackendamm war nicht richtig geschlossen, und das Wasser lief ihm durch den Kragen in den Anzug hinein. Und jetzt merkte er auch, dass die Öffnungen für die Sauerstoffleitung und die Luftkühlung, mit der er in der Kapsel über zwei Schläuche an die Bordversorgung der Mercury angeschlossen gewesen war, offen war. Nicht genug damit also, dass der Nackendamm undicht war, sein Raumanzug hatte in der Bauchgegend zwei weitere Löcher. So füllte sich sein Anzug immer mehr mit Wasser, und die Wellen begannen immer öfter über seinem Kopf zusammenzuschlagen.

Bild 6 - MR-4 Grissom Bergung

Der Hubschrauber zieht Gus Grissom aus dem Wasser. Gerade noch rechtzeitig, denn um ein Haar wäre der Astronaut ertrunken. (Bild: NASA)

Da erschien der zweite Hubschrauber. Grissom winkte der Besatzung verzweifelt zu. Die missverstand das Zeichen aber gründlich. Sie dachten, er fühle sich da unten im Wasser pudelwohl. Sie winkten freundlich zurück, gingen auf Abstand und begann den Astronauten und die Bergungsaktion zu fotografieren.

In der Zwischenzeit war es dem ersten Hubschrauber gelungen, die Kapsel etwas aus dem Wasser zu ziehen. Aber der Pilot konnte sie nicht halten. Der Motor des Hubschraubers lief auf Überlast und das Gesamtgewicht lag weit über dem Sicherheitslimit. Im Cockpit leuchteten rote Warnlampen auf und der Helikopter drohte abzustürzen. Der Pilot hatte jetzt keine andere Chance mehr, als die Halteleine zu kappen und die Kapsel sank 5.000 Meter tief auf den Grund des Atlantik.

Endlich begann der zweite Hubschrauber einen Horse-Collar von seiner Seilweinde herunterzulassen, und bewegte sich auf Grissom zu. Der sah sich aber jetzt vom Abwind der Rotorblätter immer weiter weg gedrückt. Schließlich kam auch der erste Helilkopter heran und machte alles noch schlimmer. Grissom war nun mitten in den beiden Abwindzonen und konnte weder auf die eine, noch auf die andere Seite schwimmen. Der Astronaut war in der Zwischenzeit schon völlig erschöpft. Er nahm aber noch einmal alle Kräfte zusammen, und schwamm gegen die Wind des ersten Helilkopters eine Strecke von etwa 30 Metern auf den zweiten Hubschrauber mit dem Rettungskragen zu.

Dann erreichte er den Horse collar. Er zog sich mit letzter Kraft hinein, rückwärts statt vorwärts, und die Seilwinde zog ihn nach oben. Als er durch die Tür gezogen wurde war er so erschöpft, dass er zunächst nicht ansprechbar war. Es schüttelte es ihn am ganzen Leib.

Das war wirklich arschknapp gewesen. Grissom merkte sich das gut. Vier Jahre später war er Kommandant des ersten Fluges eines zweisitzigen amerikanischen Raumschiffes. Das hieß Gemini 3. Sein Copilot war John Young (das spricht man „Tschonn Jang“). Grissom nannte seine neue Raumkapsel in Erinnerung an seine frühere Mercury "Die unsinkbare Molly Brown". So hieß ein Musikstück zu dieser Zeit. Der Name war für ihn ein Zeichen dafür, dass er sein Raumschiff nicht noch einmal durch Versinken verlieren wollte. Am 23. März 1965 starteten die beiden mit Molly Brown zu einem Flug über drei Erdumkreisungen. Die Mission war ein grandioser Erfolg. Nur bei der Landung wunderten sich die Leute ein wenig. Grissom weigerte sich nämlich standhaft, die Luke zu öffnen, und sich vom Hubschrauber bergen zu lassen, so wie es eigentlich vorgesehen war. Stattdessen bestand er darauf, dass die Kapsel in geschlossenem Zustand an Bord des Flugzeugträgers gehievt werden sollte. Erst dort stiegen er und Young dann aus.

Du siehst, auch hier hat es sich bestätigt, dass die größte Gefahr für einen Astronauten darin besteht, zu ertrinken. Aber jetzt ist gleich wieder Bundesliga-Zeit. Die Bayern spielen gegen Bremen. Und ich hab schon so viel geschrieben, dass mir die Finger vom Tippern weh tun.

Nächstes Mal – ich versprech Dir - ertrinkt keiner, sondern wir widmen uns echt und endlich mal der Sache mit der Überhitzung. Der drittgrößten Gefahr im Weltraum, wie ich meine. Und da erzähl ich Dir die Geschichte von Eugen, dem Astronauten. Ja, Du hast richtig gelesen: Eugen. Allerdings bin nicht ICH in den Weltraum geflogen (Schadeschade) sondern ein Namensvetter von mir. Der Astronaut Eugene Cernan. Auf englisch schreibt es sich der Vorname ja nur ein ganz klein wenig anders als auf Deutsch. Also „Eugene". Aber aussprechen tut man das ganz komisch, nämlich "Ju-tschien". Nachdem die Amerikaner komische Namen nicht mögen, haben sie ihn aber immer nur "Gene" genannt. "Dschien". Auch noch ganz schön komisch. Tja und den hätte um ein Haar der Hitzschlag getroffen.

Jetzt aber zum Fussball. Die Bayern führen schon 1:0, wie ich aus der Küche höre. Nix wie ans Radio.

Servus und mit den besten Astronautengrüßen bis zum nächsten Mal, Dein Onkel

Eugen

07.Mar 2015 | 18:22

Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken – Zweiter Brief

Bloggewitter_Kinder_logound wer's noch nicht gelesen hat: hier ist Brief 1

Lieber Max,

So sah einer von den drei Druckanzügen aus, die sich Wiley Post machen ließ.

So sah einer von den drei Druckanzügen aus, die sich Wiley Post machen ließ. (Bild: Isaora)

hier bin ich wieder. Mit Teil 2 der Geschichte, warum die größte Gefahr für einen Astronauten darin besteht, zu ertrinken. Ich hab es ja letztes Mal schon geschrieben: die Sache mit den Raumanzügen ging mit dem Post los. Mit dem Wiley Post, dem einäugigen Amerikaner. Über den erzähle ich Dir jetzt mal was.

Wiley Post war ein unruhiger Geselle. Und ein großer Flugzeug-Narr. Er wollte eigentlich Pilot werden, und im ersten Weltkrieg mitmachen. Deswegen hatte er sich zur Armee gemeldet. Richtig, zur Armee, nicht zur Luftwaffe. Das war kein Irrtum von ihm, denn eine Luftwaffe gab es damals in Amerika noch gar nicht. Aber grade als seine Ausbildung angefangen hatte, war der Krieg auch schon vorbei. So wurde es nichts für ihn mit der Fliegerei.

Er dachte sich, es wäre vielleicht eine gute Idee, viel Geld zu verdienen. Dann könnte er sich selber ein Flugzeug kaufen. Also suchte er sich einen Job, bei dem man möglichst schnell möglichst viel verdienen konnte. Am besten bezahlt wurde die Arbeit auf den Ölfeldern von Oklahoma. Aber er bekam trotzdem das Geld nicht so schnell zusammen, wie er sich das vorgestellt hatte. Schließlich verfiel er auf den sehr dummen Einfall, ein Auto zu stehlen. Und das war nicht einfach ein Diebstahl sondern eher eine Art Raubüberfall. Prompt wurde er erwischt und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Im Gefängnis erkannte man aber, dass er eigentlich kein schlechter Kerl war. So wurde er schon nach 14 Monaten begnadigt. Als er aus dem Gefängnis kam, war er 26 Jahre alt und sein Traum von einem Flugzeug war weiter entfernt als je zuvor. Doch es gab eine andere Möglichkeit, um sich mit der Fliegerei zu beschäftigen. Vor allem für so einen Haudegen wie Wiley Post. Gerade in der Zeit, als er im Gefängnis war, hatte die große Zeit der "Fliegende Zirkusse" begonnen. Das waren herumziehende Flugakrobaten, die alles Mögliche machten. Hauptsache, es war gefährlich war und brachte die Leute zum Staunen. Sie flogen vor allem auf dem Land herum, schlugen ihre Zelte auf Wiesen und abgeernteten Feldern auf, und stellten ihre Flugzeuge in den Scheunen der Bauern unter. Deswegen nannte man sie die "Barnstormer". Spricht man ziemlich genauso, wie man es schreibt. Wörtlich übersetzt heißt das "Scheunenstürmer".

Was sie mit ihren Flugzeugen vorführten, war extrem gefährlich. Damals konnte man fast alles machen was man wollte, denn es gab für die Fliegerei noch keinerlei Vorschriften. Niemand sagte einem: „He, mach mal halblang, Du brichst Dir ja den Hals“. Man konnte im Rückenflug in nur drei Metern Höhe über die Leute donnern, unter Brücken und Stromleitungen durchfliegen, auf der Ladefläche von fahrenden Lastwagen landen, und manchmal sogar durch eine Scheune hindurchfliegen, in der hinten und vorne das Tor offen war. Womit wir wieder bei den "Scheunenstürmern" wären, denn manchmal klappte das Manöver nicht, das Flugzeug krachte in die Scheune hinein und die stürzte dann über ihm zusammen.

Einer dieser fliegenden Zirkusse war Burrell Tibbs and His Texas Topnotch Fliers (das könnte man mit: Burrell Tibbs und seine texanischen Meisterpiloten übersetzen). Und dort heuerte Wiley Post an. Und zwar als Fallschirmspringer, denn er hatte ja immer noch kein Flugzeug. Anders als heute war damals die Fallschirmspringerei eine gefährliche Sache, und man tat gruslige Dinge, um die Leute zu unterhalten. Zum Beispiel aus nur 50 Meter Höhe abspringen. Oder einen Fallschirm abwerfen und so tun, als stürzte man ab, nur um dann in letzter Sekunden einen zweiten Fallschirm zu öffnen.

Bei Burrell Tibbs und seine texanischen Meisterpiloten hatte Wiley Post zwar irgendwie mit Fliegerei zu tun, aber ein eigenes Flugzeug konnte er sich immer noch nicht leisten. Die Saison der Flugzirkusse ging immer vom Frühjahr bis in die ersten Herbsttage hinein. In der übrigen Zeit musste man auf andere Weise Geld verdienen. Die Piloten im Fliegenden Zirkus machten dann Passagierflüge. Aber was tat einer wie Wiley Post, der ja kein Flugzeug hatte? Er tat das, was er vor seiner Zeit als Gefangener gemacht hatte: Er arbeitete wieder auf den Ölfeldern von Oklahoma.

Im Oktober 1926 kam es da aber zu einem schrecklichen Unfall, bei dem er sein linkes Auge verlor. Das war zum einen ein furchtbarer Schicksalsschlag. Aber er war dennoch auch Glück. Die Versicherung zahlte nämlich für sein Auge 1.800 Dollar. Das war damals ein Haufen Geld, und Post konnte sich davon sein erstes Flugzeug kaufen. Einen Pilotenschein brauchte man damals übrigens noch nicht. Und es machte auch nichts, dass er nur noch ein Auge hatte. Heutzutage dürfte man ohne Pilotenschein und mit nur einem Auge gar nicht fliegen.

Winnie_Mae_CR_NASM

Die "Winnie Mae", das Flugzeug von Wiley Post (Bild: NASM)

Post bekam jetzt auch einen Job als Pilot. Er flog für zwei sehr reiche Ölbarone (so nannte man die Besitzer von Ölbohr-Firmen) namens Briscoe und Hall (das spricht man Bris-kou und Houhl). Die waren beeindruckt von seinen fliegerischen Fähigkeiten, dass sie ihm ein neues und viel besseres Flugzeug kauften, als das, was er hatte. Eines der besten, die es damals auf der Welt gab, nämlich eine Lockheed Vega (spricht man: Lok-hied We-gah). Dieses Flugzeug bekam den Namen "Winnie Mae" (gesprochen: Winnie Mäi"). Wiley Post stellte damit eine Reihe von Weltrekorden auf. Seine Spezialität waren Langstreckenflüge rund um die Welt. 1931 schaffte er es in neun Tagen. 1933 sogar in nur sieben Tagen. Für ein kleines Propellerflugzeug war das enorm schnell.

1934 befasste er sich mit den Möglichkeiten von Langstreckenflügen in großen Höhen. Er wollte dabei eine bestimmte sehr schnelle Windströmung nutzen, die es nur weit oben gibt, in der Region, die man Stratosphäre (spricht sich "stratosfere") nennt. Die Windströmung bezeichnet man als Jetstream (Tschetstriem). Auf Deutsch heißt das "Strahlstrom". Diese Jetstreams wehen also in der Stratosphäre in Höhen zwischen 10.000 und 14.000 Metern. Und sie können bis zu 500 Kilometer pro Stunde schnell sein. Wiley Post überlegte sich: Wenn man sich in so einem Jetstream mittreiben lässt, dann könnte man noch viele weitere Rekorde brechen.

Aber das Problem da oben kennst Du ja schon aus meinem ersten Brief. Man kann in dieser Höhe nur überleben, wenn man entweder eine Druckkabine hat (so wie bei einem modernen Verkehrsflugzeug) oder aber einen Druckanzug. Und da hatte Wiley Post gleich zwei Probleme. Es gab damals keine Druckkabinen und Druckanzüge gab es auch nicht. Aber eins von beiden brauchte er, wenn er so hoch oben fliegen wollte.

Wiley Posts Druckanzug CR Isaora

Mit dieser Version des Goodrich-Druckanzuges führte Wiley Post seine Höhenflüge durch (Bild: Isaora)

Die Sache mit der Druckkabine fiel gleich schon mal flach. Die konnte man in die Winnie Mae nicht einbauen, denn damit wäre sie viel zu schwer geworden. Blieb also der Druckanzug. Bloß woher nehmen? So etwas konnte man nirgendwo kaufen und noch nie hatte jemand so etwas hergestellt. Er erkundigte sich, wer ihm bei so etwas helfen konnte, und fand die Firma Goodrich (Das spricht sich guhd-ritsch). Diese Firma stellte damals vor allem Auto- und Flugzeugreifen her. Einen Druckanzug hatten die vorher auch noch nie gemacht, aber sie fanden die Sache spannend und wollten Wiley Post helfen.

Und so probierten sie viele Materialien aus. Schließlich bestand der fertige Anzug aus doppelt gelegter gummierter Fallschirmseide, Schweinsleder-Handschuhen, Gummistiefeln und einem Aluminium-Helm. Der Anzug hatte an Armen und Beinen Gelenke, damit sich Wiley Post auch bewegen konnte. Im Helm gab es eine bewegliche Gesichtsplatte. Die musste er zuschrauben, sobald er eine Höhe von 5.500 Metern überschritt. Der erste Einsatz dieser "Mutter aller Raumanzüge" erfolgte am 5. September 1934 über der Stadt Chicago. An diesem Tag erreichte Wiley Post eine Höhe von 12.200 Metern. In späteren Einsätzen flog er bis 15.000 Meter hoch und stellte damit einen inoffiziellen Höhenweltrekord auf. Genau nachmessen konnte das aber niemand, denn er war ja auf Langstreckenflügen unterwegs. Vor allem aber war er, wie Du aus dem ersten Brief schon weist, in dieser Höhe eigentlich schon zu über 80 Prozent im Weltraum.

Man könnte Wiley Post also gut und gerne als den Vorläufer der heutigen Astronauten betrachten. Er flog für viele Stunden in sehr großer Höhe und benutzte dazu die frühe Version eines Raumanzugs. Sehr viele Flüge machte er allerdings nicht mehr, denn Wiley Posts Leben endete am 15. August 1935. Und das kam so:

Wiley_Post_in_pressure_suit CR Wikipedia

Wiley Post bereitet sich auf seinen Flug vor. Hier kann man gut die Augenklappe über seinem linken Auge erkennen. Das hatte er ja bei einem Unfall auf den Ölfeldern von Oklahoma verloren. (Bild: Wikipedia)

Im Sommer 1935 hatte er sich ein neues Flugzeug bauen lassen. Eine Sonderanfertigung. Das war mit Schwimmern ausgerüstet, es war also ein Wasserflugzeug. Diese Maschine war sehr leistungsfähig, hatte aber schwierige Flugeigenschaften. Er selber nannte das Flugzeug "Aurora Borealis". So heißt das Nordlicht auf lateinisch. Alle anderen nannten die Maschine "Wileys Bastard". Könnte man vielleicht übersetzen mit "Wileys Miststück". Er wollte damit neue Flugstrecken ganz im Norden Amerikas erkunden. Eines Tages war er damit in Alaska unterwegs, zusammen mit seinem Freund Will Rogers. Die beiden gerieten in ein Schneetreiben und verloren die Orientierung. Sie flogen ganz niedrig an einem Flusslauf entlang, bis sie an einer Bucht ein paar Häuser sahen. Sie landeten und fragten nach dem Weg zur nächsten Stadt (damals gab es noch keine "Navis"). Dort erfuhren Sie, dass es bis dahin nur 15 Meilen weit sei. Wiley Post startete wieder, doch gleich nach dem Start versagte der Motor. Das Flugzeug stürzte in die Bucht, ein Flügel riss ab und die Maschine blieb kopfüber im Wasser liegen, nur noch die Schwimmer ragten heraus.

Das war das Ende von Wiley Post und seinem Freund Will Rogers. Du kennst ja das Motto unter dem ich diese Briefe schreibe: "Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken". Und tatsächlich: Wiley Post, den man schon fast als einen der ersten Astronauten bezeichnen könnte, ertrank.

So endete der Anfang der Geschichte vom Raumanzug. Mangels Bedarf wurde bis in die frühen fünfziger Jahre hinein keine Druckanzüge mehr gebaut. Das änderte sich erst, als Forschungsflugzeuge in immer größere Höhen erreichten. Und es änderte sich noch viel mehr, als die die ersten bemannten Weltraumflüge begannen.

Es gab damals einen richtigen Wettlauf zwischen zwei Ländern, nämlich der Sowjetunion (das ist heute Russland) und Amerika. Die sowjetischen Raumschiffe hießen Wostok. Die Amerikaner nannten die ihren Mercury (spricht man: Mehr-ku-ri). Die Bezeichnung "Raumschiff" war dafür ziemlich übertrieben, denn eigentlich waren es nur sehr kleine, sehr enge Kabinen. Sie waren so klein und eng, dass die Astronauten selber im Scherz sagten, dass sie sie sich ihr Raumschiff anzogen.

Weil man sich nicht sicher war, ob die kleinen Raumschiffe auch dicht hielten, musste die Piloten einen Raumanzug tragen. Immerzu, während des ganzen Fluges. Hier gibt es schon wieder einen Bezug zum Wasser, denn in der Sowjetunion bezeichnete man den Raumanzug nicht als Raumanzug sondern als "Skaphander". Das spricht man "Ska-fan-der". Und ein Skaphander ist eigentlich ein Taucheranzug für Taucher, die mit einem runden Helm arbeiten. Oder auch ein Panzertauchanzug.

Tja und dann…

Aber was seh ich da. Ich hab mich völlig verplaudert. Au Weia. Ich muss Schluss machen. Bundesliga geht gleich los. Ich muss mir "Heute im Stadion", auf Bayern 1 anhören. Mal wieder feststellen, wer besser ist, Mertesacker oder Badstuber. Und ob Thomas Müller mal wieder ein Tor schießt.

Immerhin haben wir uns der Frage, warum die größte Gefahr für einen Astronauten darin besteht, zu ertrinken, auf einigen Umwegen mal angenähert. Aber wollte ich Dir nicht eigentlich über die möglicherweise drittgrößte Gefahr für einen Astronauten berichten, die darin besteht, einen Hitzschlag zu erleiden? Na egal. Dazu kommen wir schon noch. Nächstes Mal erzähle ich Dir über einen der allerersten Astronauten und seinen Raumanzug. Er hieß Virgil Grissom. Der Astronaut, nicht sein Raumanzug. Virgil Grissom, den alle „Gus“ nannten, wäre nämlich um ein Haar ertrunken. Aber das wundert Dich jetzt wahrscheinlich schon nicht mehr.

Also dann bis nächste Woche

Mit spacigen Grüßen, Dein Onkel

Eugen

 

Und hier geht's zu Brief drei

28.Feb 2015 | 15:59

Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken

1. Brief                          Bloggewitter_Kinder_logo

Lieber Max,

erinnerst Du Dich noch an Deine Frage letztes Jahr? Bei meiner Geburtstagsfeier in Bernau am Chiemsee? Ich meine jetzt nicht die, ob Badstuber oder Mertesacker der bessere Verteidiger ist. Auch nicht die, was mehr wiegt, ein Kilo Blei oder ein Kilo Wolle (haha, Scherzkeks). Und auch nicht die, ob sich Nutella gut als Pizzabelag eignet (An der Stelle waren wir getrennter Meinung, wenn ich mich recht entsinne, mir war irgendwie Salami lieber).

Bild: Credit Piero Masztalers Cartoons. Mehr von Masztalers superlustigen Cartoons hier: http://www.schoenescheisse.de/tag/astronauten/

Bild Piero Masztaler. Mehr von Masztalers superlustigen Cartoons gibt es hier.

Nein, ich mein eine andere Frage. Die Frage nämlich: was ist das Gefährlichste für einen Astronauten bei einem Raumflug? Ich glaube, ich hab einfach nur so hergebetet, was man so in der Zeitung liest, oder was man in diesen lausigen Dokumentationen auf NTV sieht. Dort werden die Astronauten nämlich immerzu gebraten. Entweder durch eine Explosion der Rakete beim Start. Oder durch die Strahlung im Weltraum. Oder durch Verglühen in der Erdatmosphäre. Bei NTV gibt es dazu noch dauernd Explosionsgetöse und diese "Wutsch-Geräusche" wenn etwas schnell fliegt. Bei der Zeitung muss man sich die Feuerbälle und das "wutschen" selber dazu denken.

Ich hab aber jetzt ein paar Monate nachgedacht und bin zu meiner definitiv ultimativen Schlussfolgerung in dieser Frage gekommen. Die lautet: Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken. Die zweitgrößte besteht darin, die Taucherkrankheit zu bekommen. Bei der drittgrößten bin ich mir nicht so ganz sicher, aber es könnte Hitzschlag sein, Schwermut (da sagt man heute Depression dazu) oder eine Sache, die ich jetzt mal den Wohngemeinschafts-Effekt nenne.

Um Dir das zu erläutern, werde ich Dir in der nächsten Zeit einige Briefe schreiben. Im Abstand von einer Woche, damit es Dir nicht zu viel auf einmal wird. (Ups, Du hast mich durchschaut. Du könntest natürlich locker viel mehr lesen. Es sollte natürlich eher heißen: damit es MIR nicht zu viel wird.

Am besten fangen wir mit der Geschichte mal ganz unten an. Oder fast ganz unten.

Bereits in 5.500 Meter Höhe ist die Luft nur noch halb so dick wie am Chiemsee oder bei euch daheim in Kehlheim. Spätestens ab 9.000 Metern macht unser Körper schlapp. Da ist die Luft so dünn, dass wir nicht mehr genügend Sauerstoff bekommen. Ein paar Stunden in dieser Höhe, und wir sind tot. Da oben können es nur noch Leute wie Reinhold Messner oder Gerlinde Kaltenbrunner für eine kleine Weile aushalten. Man nennt das deshalb die TODESZONE Klingt gruslig. Ist gruslig. Und stimmt.

Bis etwa 12.000 Meter hilft noch eine Sauerstoffmaske (natürlich nur mit Sauerstoff. Maske alleine bringt gar nix, außer dass es krass aussieht). Aber auch damit wird dann bald der Luftdruck zu niedrig, um damit richtig atmen zu können. Oberhalb von 19.000 Metern müssen Menschen einen Druckanzug tragen, das ist eine sparsamere Ausführung von einem Raumanzug. Am besten ist aber auch da schon ein richtiger Raumanzug.

Eigentlich beginnt der Weltraum schon in der Höhe, in der Du mit Deinen Eltern jedes Jahr nach Malaga fliegst. Also in etwa 12.000 Metern Höhe. Nur 10 Zentimeter rechts von Deinem Fensterplatz im Flugzeug könntest Du keine zwei Minuten lang überleben, so kalt ist es da draußen und so dünn ist die Luft. Tatsächlich fliegst in deinem gemütlichen Airbus A 320 schon durch 80-prozentigen Weltraum.

Der RICHTIGE Weltraum beginnt aber erst in 100 Kilometern Höhe. Das ist jetzt nicht so, dass der liebe Gott mit dem Lineal eine Linie gezogen und ein Schild aufgestellt hat auf dem steht: "Obacht: Ab hier Weltraum. Beschweben auf eigene Gefahr". Auf die Sache mit den 100 Kilometern ist ein Physiker namens Theodore von Kármán gekommen, und die meisten anderen Leute fanden das eine klasse Idee und deswegen blieb das so. (Die Strichelchen auf den beiden a's in seinem Namen bedeuten übrigens, dass Du da betonen musst. KArmAn). Aber irgendeine besondere Bedeutung haben die 100 Kilometer eigentlich nicht. Man hat es vor allem wegen der schicken runden Zahl genommen. Es hätten auch genauso gut 82,5 Kilometer sein können oder 125,3 Kilometer. Da wär auch nicht weniger Weltraum gewesen. Wie auch immer: die Linie, die eigentlich der liebe Gott hätte ziehen sollen, heißt deswegen heute ihm zu Ehren die "Kármán -Linie".

Um im Weltraum forschen und arbeiten zu können, müssen Menschen ihre Umwelt mitnehmen. Und damit meine ich nicht den Kaktus, die Petunie und die Frösche aus dem Gartenteich, sondern vor allem ihre Atembedingungen. Das geschieht mit Hilfe des Lebenserhaltungssystems des Raumschiffes. Das Lebenserhaltungssystem besteht aus mehreren Geräten, die dafür sorgen, dass immer frische Luft da ist, die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit herrscht und giftige Stoffwechselgase, Käsefüßegeruch und Pupser aus der Luft beseitigt werden, und dass am Ende wieder alles frisch nach Pfefferminz riecht und sich die Astronauten rundum wohlfühlen.

Jetzt ist es aber so, dass die Astronauten nicht immer im Raumschiff drinnen bleiben und sich dort wohlfühlen können. Manchmal müssen sie auch dringend raus. Und das nicht etwa, um aufs Kloo zu gehen, sondern zum Forschen, Bauen und Reparieren. Und damit fangen ernsthafte Probleme an.

Wenn Du nämlich Dein Raumschiff in Jeans und kurzem Hemd verlassen wolltest, dann käme es nacheinander zu folgenden nicht besonders angenehmen Ereignissen:

  • Innerhalb von Sekunden würde explosionsartig alle Luft aus Deinem Körper entweichen.
  • Aufgrund des nicht vorhandenen Luftdrucks würde das Blut und alle Körperflüssigkeiten zunächst kochen, aber schon fast in derselben Sekunde gefrieren.
  • Alles Körpergewebe würde wegen der darin enthaltenen Flüssigkeiten ausdehnen.

Immerhin, es wäre ein relativ gnädiges Ende. Bis auf die ersten fünfzehn Sekunden natürlich, in denen Du Deinen Untergang bei Bewusstsein miterleben würdest. Nach etwa einer Minute wäre aus Dir ein bis zur Unkenntlichkeit entstelltes, beinhart gefrorenes Stück Fleisch geworden, gegen das der tiefgefrorene Kabeljaurücken vom Bofrost noch richtig schick aussieht.

Somit ist eines klar: um sich im Weltraum außerhalb eines schützenden Raumschiffes aufhalten zu können, muss man entweder ein Selbstmörder mit Hang zum Besonderen sein, oder aber man muss die passenden Klamotten zur Hand haben. Und die Bekleidungsvorschriften im Weltraum erlauben nichts anderes als einen Raumanzug.

Der erste Raumanzug kam übrigens mit dem Post.

Nein, das ist jetzt kein Fehler. Ich hab nicht das Geschlechtswort falsch geschrieben. Der Raumanzug kam nämlich nicht mit DER Post sondern er kam mit WILEY Post. Sein Name spricht sich „Wei-lie Po-ust“. Das war ein Amerikaner, der ein bisschen wie ein Pirat aussah, denn er hatte nur ein Auge. Und irgendwo passte das auch zu ihm, denn er war tatsächlich ein ziemlich wilder Kerl. Aber das erzähl ich Dir im nächsten Brief. In der Zwischenzeit kannst Du schon den Namen ein üben. Und Dich schon mal zum Thema Raumanzüge einlesen. Wenn Du diesen (HIER DRAUFKLICKEN) Beitrag von Ute Gerhard liest, erfährst Du schon einiges über diese Dinger und wie man sie verwendet.

So, ich muss jetzt Schluss machen. Und ich sehe, dass ich der Beantwortung der Frage, warum die größte Gefahr für einen Astronauten darin besteht, zu ertrinken, noch nicht besonders nahe gekommen bin. Und ich fürchte, dass ich im nächsten Brief überhaupt erst einmal berichten muss, warum die möglicherweise drittgrößte Gefahr für einen Astronauten im Weltraum darin besteht, einen Hitzschlag zu erleiden. Und auch das nur, wenn nach der Geschichte von DEM Post noch Platz ist. Schau mer mal, und bis in Kürze.

Mit spacigen Grüßen

Dein Onkel

Eugen

 

P.S. Und hier geht's zum zweiten Brief, und hier zum Dritten.

 

25.Nov 2014 | 22:52

Interstellar: Wurmlöcher, Schwarze Löcher, Logiklöcher

Es ist irgendwann um das Jahr 2060 und die Klima-Apokalyptiker haben recht behalten. Die Biosphäre der Erde ist ruiniert. Es ist heiß, Sandstürme toben um den Globus und es wächst nichts mehr Essbares außer Mais. Die Menschheit ist stark reduziert, der verbliebene Rest ist vom Verhungern bedroht und kämpft ums Überleben. Raumfahrt wird als unnötig, teuer und schädlich betrachtet. Deshalb musste Astronaut Cooper zum Getreidebauern umschulen. Nun werkeln er und seine Patchwork-Familie - die aufgeweckte Tochter Murphy, sein eher schlicht gestrickter Sohn Tom und Grandpa Donald - auf ihrer Farm herum.

Das Plakat zeigt eine Atlas 5 401. Eine Rakete, die im Film gar nicht vorkommt, aber in unserer Realität schon.

Das Plakat zeigt eine Atlas 5 401 der United Launch Alliance. Eine Rakete, die nirgendwo im Film vorkommt. Bild Thefilmgrapevine.com

So beginnt der Plot zu Christopher Nolans Science-Fiction Film "Interstellar". Der Streifen wird übrigens in diesem Portal schon zum zweiten Mal unter die Lupe genommen. Die erste Besprechung stammt von Susanne Hofmann und ist hier zu finden. In meiner Kritik, drei Wochen später als Susannes, fließen eine ganze Menge von Kommentaren und Bewertungen meiner Freunde und Kollegen mit ein. Deren Meinungen reichen von "grottenschlecht" bis "bester SF-Film, den ich je gesehen habe". Das Werk polarisiert also durchaus. Sollten Sie ihn noch nicht gesehen haben, aber noch anschauen wollen, dann lesen Sie hier am Besten nicht weiter, sondern machen sich erst selbst ein Bild.

Ich habe mir vorgenommen, das Thema in etwa 2000 Worten zu beleuchten. Will ich das schaffen, muss ich mir allerdings die Beschreibung der Handlung weitgehend schenken, denn der Film ist fast drei Stunden lang und es ist ganz schön was reingepackt. Ich versuche aber mal ein Gerüst in drei Absätzen zu schildern. Absatz eins haben Sie schon in der Einleitung gelesen. Da war ich eben dabei, zu erzählen, wie Ex-Astronaut Cooper auf seiner Farm herumwerkelt. Da weiß er aber noch nicht...

...dass nur eine Ecke von seiner Butze entfernt die Reste der NASA im Untergrund weiter existieren. Dass es sie überhaupt noch gibt, liegt an einem Wurmloch, das sich vor Jahren in der Nähe des Saturn aufgetan hat. Das führt in eine andere Galaxie, zu einem Planetensystem, das um ein schwarzes Loch kreist, dem man den ebenso hübschen wie passenden Namen "Gargantua" gegeben hat. Die Tiefbau-NASA hat schon vor zehn Jahren ein dutzend Astronauten da durch geschickt, um diese Planeten zu erkunden. Für jeden Planeten einen. Allerdings senden nur drei der zwölf Leute Signale zur Erde zurück, nämlich Miller, Mann und Edwards. Aufgrund physikalischer Störeffekte gelangen deren Botschaften nur fragmentarisch durch das Wurmloch, man weiß also nicht so genau, was sich an dessen anderen Ende so tut. Und dann gibt es ein seltsames binäres Signal in der Farm der Coopers, das den Ex-Astronauten und Töchterchen Murphy schließlich zur eingebuddelten Weltraumbehörde führt. Dort trifft er auf Professor Brand, den Chefwissenschaftler, und dessen Tochter Amalia.

Bei der Höhlen-NASA scheint Professor Brand nur darauf gewartet zu haben, dass Cooper aufkreuzt. Er entsendet ihn zusammen mit Amalia und zwei anderen Astronauten mit dem Raumschiff "Endurance" durch das Wurmloch, um Kontakt mit den drei Wissenschaftlern aufzunehmen, und Plan A oder Plan B umzusetzen. Plan A besteht darin, eine für Menschen bewohnbare Welt zu finden, damit die dorthin umziehen können. Sollte das nicht gelingen, dann ist es Plan B, mitgeführte befruchtete menschliche Eizellen vor Ort auszubrüten und eine neue Menschheit aufzubauen. Bei all dem tun sich Abgründe an menschlichem Sozialverhalten, technischen Problemen und physikalischen Absonderlichkeiten auf. Gegen Ende des Streifens stürzt sich Cooper in Gargantua, um dort das Rätsel der Gravitation zu lösen. Dabei gerät er in eine Art höher dimensionale Projektion des dreidimensionalen Raumes, einen "Tesserakt". Dem ist die vierte Dimension zugefügt, also die Zeit, und aus diesem Gebilde heraus gelingt es ihm, seiner nun schon erwachsenen Tochter über eine mechanische Armbanduhr durch gravitative Beeinflussung Signale zukommen zu lassen, die schließlich dazu führen, dass Murphy in den kommenden Jahrzehnten (die aber für Cooper nur Sekunden sind) das Geheimnis der Gravitation löst. Am Ende löst sich der Tesserakt auf, was dazu führt, dass der kaum gealterte Cooper seine jetzt steinalte Tochter eben noch auf ihrem Sterbebett antrifft.

Soweit die Handlung ohne Details. Ich habe jetzt von Physik viel zu wenig Ahnung, um die Darstellung von Wurmlöchern, schwarzen Löchern oder eines so hypothetischen Gebildes wie eines "Tesseraktes" zu kritisieren. Sie scheinen mir aber auf jeden Fall künstlerisch ganz gut interpretiert worden zu sein. Ob ein Planetensystem, das um ein schwarzes Loch kreist, ohne dass es in diesem System zusätzlich noch eine "richtige" Sonne gibt, ein sinnvoller Aufenthaltsort für den Neuaufbau einer Zivilisation ist, erscheint mir dagegen schon sehr fragwürdig. Aber die NASA der Zukunft ist personell nur schwach besetzt, da mag es auch schon mal zu gröberen Fehleinschätzungen kommen.

Kaum durchs Wurmloch getunnelt beschließt Cooper, auf einem Wasserplaneten in abenteuerlicher Nähe des schwarzen Lochs zu landen. Von daher stammt zwar eines der drei aufgefangenen Signale (das von Miller oder Edmunds, von wem genau ist mir entfallen, wie ein paar andere Sachen auch in dem Film), aber es ist dennoch eine hochgradig bescheuerte Idee. Tatsächlich würden die raumfahrttechnischen Anforderungen, auf einem Planeten in so grotesker Nähe eines massiven schwarzen Lochs zu landen selbst Captain Kirk von der Enterprise vor unlösbare Probleme stellen. Der Himmelskörper verfügt über eine Schwerkraft von 130 Prozent der Erdgravitation. Aber das ist nur Mückenschiss, verglichen mit dem Umstand, dass der Wasserplanet derart tief in Gargantuas Schwerkrafttrichter liegt, dass die dort generierte Zeitdehnung eine Stunde (Planetenzeit) zu sieben Jahren (Erdzeit) beträgt. Vielleicht kann das mal jemand ausrechnen, der sich mit den mathematischen Grundlagen der Relativitätstheorie auskennt, aber ich vermute jetzt mal, dass man der Lichtgeschwindigkeit schon sehr, sehr nahe kommen muss, um dieser monströsen Gravitationskaverne wieder zu entkommen. Wenn jemand sowas schafft, dann fragt man sich, warum es da noch Wurmlöcher braucht um zu fernen Galaxien zu fliegen. Und ich vermute mal zusätzlich, dass es einen Planeten so nahe an Gargantua ohnehin in molekülgroße Einzelteile pulverisieren würde.

Weil wir grade bei "Wurmloch" sind: Mir selbst - aber ich bin langsam von Begriff und deshalb kein Maßstab - wurde erst nach einer guten Stunde und einer ganzen Flasche Maxlrainer Schlosstrunk klar, dass die Bezeichnungen "Wurmloch" und "Schwarzes Loch" in diesem Film durchaus in einer richtigen - nämlich unterschiedlichen - Bedeutung eine Rolle spielen. Ich war in meiner Naivität das ganze erste Drittel des Werkes der Meinung, dass das in üblicher Hollywood-Dialogwurschtigkeit einfach synonym verwendet wird. Ich bin aber überzeugt, dass selbst am Ende der dritten Stunde den wenigsten Zuschauern die grundlegende Unterschiedlichkeit dieser beiden Gebilde jemals klar wurde. Die meisten verwirrte es erheblich, dass man für die Story ein Wurmloch braucht, um zu einem schwarzen Loch zu gelangen und was das für relativistische Effekte sind, die das eine und/oder das andere betreffen. Mehr noch verwirrt das ständige Herumspringen vom Einen zum Anderen.

Mich überforderte auch die Logik, nach der die Besatzung der "Endurance" den für eine Besiedelung mit weitem Abstand ungeeignetsten Planeten als ersten untersucht. Danach geht sie unverdrossen zum Zweitunwahrscheinlichsten über. Darauf besteht übrigens Amalia, weil sie den Astronauten Mann liebt, den sie aber, nachdem ihn die "Endurance"-Crew aus seinem Tiefschlaf-Sarg befreit hat, in den er sich eingeschlossen hatte, dauernd recht distanziert "siezt". Und auch er guckt sie kaum jemals an, und sie ihn auch nicht. Komische Art von Verliebtheit. Aber vielleicht dämmert es da Amalia auch schon, dass sich Mann schließlich als DER Oberschurke des Films herausstellt. Erst im letzten Versuch nehmen sie den einzig vernünftigen Planeten-Kandidaten unter die Lupe. Genauer gesagt: Amalia nimmt ihn alleine unter die Lupe, denn zu diesem Zeitpunkt muss sich Cooper leider schon ins Schwarze Loch stürzen. Aber dazu kommen wir gleich.

Nachdem wir jetzt den Punkt "Logik" erreicht haben, nehmen wir mal die verwendete Raumfahrt unter die Lupe. Da wird es - vom Logikfaktor her - ganz, ganz übel. Der Plot vermittelt uns nämlich mehrfach, dass seit Jahrzehnten keine Raumfahrt mehr betrieben wird. Denn die ist schädlich und nutzlos. An einer Stelle erklärt Murphys Geschichtslehrerin sogar, dass die Regierung die Geschichtsbücher geändert habe. In den neuen Büchern werden die Apollo-Mondlandungen als Betrugsmanöver dargestellt, die die USA unternommen hätten, um die Sowjetunion zu ruinieren. Die Mondlandungen seien fingiert gewesen, doziert die Lehrerin, und hätten natürlich niemals stattgefunden. Nur fünf Minuten Spielzeit im Film davon entfernt ist übrigens eine Stelle, wo man einen prächtigen Einsatz von Raumfahrttechnologie bewundern kann, nämlich Coopers über GPS gesteuerte autonome Erntemaschinen.

Tatsächlich aber hat trotz all dieser Behauptungen und der stark reduzierten Größe der NASA die Raumfahrttechnik im Film atemberaubende Fortschritte gemacht, vor allem in der Antriebstechnik. So ist die "Endurance", das Raumfahrzeug, mit dem sich Cooper und seine Crew auf die Reise machen, ein großes, ringförmiges Schiff, das durch Rotation seine eigene Schwerkraft erzeugt. Es ist so fortschrittlich, dass es in der Lage ist, aus einer niedrigen Erdumlaufbahn heraus in nur zwei Jahren den Saturn zu erreichen. Offensichtlich verbraucht es dabei praktisch keinen Treibstoff, denn an dem Schiff sind nirgendwo Tanks von signifikanter Größe zu sehen. Auf dem Hochgeschwindigkeitstrip zum Saturn führt die "Endurance" unsinnigerweise auch noch ein "Swing-by" am Mars durch, den sie schon nach wenigen Wochen passiert.

Kurioserweise startet die Crew aber mit einer altertümlichen dreistufigen Rakete in die Umlaufbahn (wo die "Endurance" geparkt ist), die stark an eine Saturn V erinnert. Angesichts der personellen Minimalausstattung der im Untergrund agierenden Rest-NASA ist es schon sehr unwahrscheinlich, dass man eine solche Rakete mit nur ein paar Dutzend Leuten betreiben kann. Komplett unglaubwürdig wird es aber im weiteren Verlauf der Story. Denn die "Endurance" verfügt über so genannte "Ranger"-Beiboote, mit denen nach Durchfliegen des Wurmlochs die Planetenlandungen durchgeführt werden.

Diese "Rangers" sind erstaunlich. Es sind senkrecht startende, senkrecht landende Single-stage-to-orbit Fahrzeuge, die zwischen ihren Einsätzen weder gewartet noch aufgetankt werden müssen. Noch nicht einmal dann, wenn sie auf Planeten landen, deren Oberflächengravitation ein Drittel höher ist, als auf der Erde. Da fragt man sich dann doch, warum sie für den Start von einem Planeten mit "Normalschwerkraft" wie der Erde eine dreistufige Rakete in der Größe einer Saturn V brauchen, deren Stufen obendrein offensichtlich "expendable" sind, wenn das doch kinderleicht und im Handumdrehen mit den "Rangers" funktioniert.

Ein Thema, das mich immer den Kopf schütteln lässt, ist denn auch generell der Treibstoffverbrauch in diesen Raumschiffen (oder den Manövriereinheiten der Raumanzüge). Das war schon in "Gravity" mehr als nur ein Wunder. Es werden unfassbare Mengen von Sprit verschleudert, man sieht aber nie irgendwo auch nur eine Ausbuchtung am Fluggerät, hinter der sich ein Tank wesentlicher Größe verbergen könnte. Die Unerschöpflichkeit von Ressourcen (auch wenn man pausenlos behauptet, wie knapp sie doch seien) ist ein wesentliches Stilmerkmal amerikanischer Filme. Was wahrscheinlich daran liegt, dass die Amerikaner keinerlei Vorstellung vom Begriff "knapp" haben. Schon in den Western konnte die Pferde stundenlang mit Höchstgeschwindigkeit galoppieren, ohne jemals außer Puste zu geraten.

Ich stelle mir nun vor, dass eine Gesellschaft, die in so kurzer Zeit derart leistungsfähige Raumschiffe entwickelt hat, ohne größere Probleme Zugang zu allen Ressourcen des Sonnensystems haben sollte. Sie könnte Asteroiden ausbeuten, eine Siedlung auf dem Mars errichten oder große Raumstationen bauen. All das wäre um ein Vielfaches sinnvoller, als ausgerechnet durch ein Wurmloch in eine andere Galaxis zu fliegen um dort die Planeten eines schwarzen Lochs auf ihre Bewohnbarkeit zu untersuchen. Noch vernünftiger wäre es, diese immense technologische Kenntnis dafür einzusetzen, das Überleben auf der Erde selbst zu sichern. Meinethalben in irgendwelchen unterirdischen hydroponischen Anlagen, mit synthetischer Herstellung von Lebensmitteln oder weiß der Deibel, was sonst noch alles möglich wäre. Aber nein, ihnen fällt nichts besseres ein, als Mais und sonst nichts auf der Oberfläche anzubauen und zuzugucken, wie der immer mehr von Staubstürmen verwüstet und vom Mehltau zerfressen wird. Was den Mehltau betrifft: Für dessen solide Bekämpfung hätten sie nur meine Frau zu fragen brauchen. Die weiß, wie sowas zuverlässig geht.

In der zweiten Hälfte des Filmes wird es dann noch haarsträubender. In immer rasenderem Tempo türmt Nolan  jetzt eine absurde Unglaublichkeit auf die andere, bis das Ganze schließlich in einem schrillen Crescendo kollabiert. Da überlebt Cooper, gekettet an einen Roboter, den Eintritt in das Schwarze Loch, wird dort in seine eigene Vergangenheit geschleudert und gibt dann mittels Morsecode über eine mechanische Armbanduhr Instruktionen an seine offenbar telepathisch begabte Tochter.

Sequenzen wie diese haben dann auch rein gar nichts mehr mit einem möglicherweise falschen Einsatz von Wissenschaft zu tun. Sie stimmen so wenig mit irgendeiner Art gesicherter Erkenntnis überein, dass man sie noch nicht einmal als falsch bezeichnen kann. Die Sache mit dem Wurmloch ist so ein Beispiel. Abgesehen von dubiosen mathematischen Modellen gibt es nicht den geringsten Hinweis darauf, dass sie tatsächlich exisitieren. Geschweige denn, dass sie - sollte es sie tatsächlich geben - in irgendeiner Form manipulierbar, stabilisierbar oder durchfliegbar sind. In diesem Punkt hätte sich Nolan genauso gut irgendeiner anderen in SF-Filmen beliebten überlichtschnellen Fortbewegungsart bedienen können, wie Hyperraumsprünge, Warp-Antrieb oder Linearraumflüge.

Aber jetzt höre ich auf, denn meine selbstgewählten 2000 Wort sind geschrieben und ich komme zu meiner Conclusio:

"Interstellar" zitiert an vielen Stellen die beiden Meilensteine der Gattung, nämlich Stanley Kubricks "2001 - Odysee im Weltraum" und "Contact" nach dem Buch von Carl Sagan. In diesem letzteren Film, das nur nebenbei, können Sie Matthew McConaughey übrigens ebenfalls sehen. Diese beiden Filme sind sicher die Besseren des Genres, denn die große Anzahl von Logik-Löchern in "Interstellar" machen eher einem gut gereiften Emmentaler Ehre, als einem Film mit hohem wissenschaftlichen Anspruch. Wegen dieser "Löchrigkeit" würde ich ihn eher neben "Gravity" stellen (auch wenn "Interstellar" kein reiner Raumfahrtfilm ist).

Aber für "Interstellar" wie für "Gravity", wie für jeden guten Mainstream-Spielfilm ganz generell gilt: Die Fakten dürfen einer guten Story nicht im Wege stehen. Es ist am Ende, allen vollmundigen Behauptungen zum Trotz, ja doch kein erkenntnisgetreues Doku-Drama sondern ein modernen Hänsel- und Gretel-Märchen. Und da wundert man sich ja auch nicht, dass da plötzlich ein Lebkuchenhaus mitten im Wald steht, sondern nimmt das einfach hin. So reiht sich eben Fehler an Fehler, und an manchen Stellen türmen sie sich zu Bergen. Dennoch ist es eine anrührende Story, ein optischer und akustischer Genuß, spannend vom Anfang bis zum Ende.

Nehmen wir den erhobenen Zeigefinger also wieder runter, lehnen uns zurück und genießen den Film.

 

27.Mar 2015 | 05:15

Fünf Raketenstarts in 51 Stunden: drei schon o.k.

.

Schwer was los zwischen Erde und Himmel: In den 51 Stunden zwischen 19:36 MEZ am 25. und 22:46 MEZ am 27. März soll(t)en gleich 5 Starts in den Erdorbit erfolgen, von denen die ersten 3 auch schon gelungen sind (und in 65 Stunden sind es sogar 6 Starts). Zuerst war eine Delta IV in Cape Canaveral mit einem GPS-Satelliten dran: das nebulöse Abheben in Zeitlupe (die Rakete kam aber bald wieder zum Vorschein), Bilder hier, hier und (mit besonderem Vordergrund) hier, Artikel hier, hier und hier und mehr Links. Es folgten eine Dnepr in Yasny mit einem koreanischen Erdbeobachter und eine H-IIA in Tanegashima mit einem japanischen optischen Aufklärer: der Start (los geht’s bei 23:00), Bilder und Artikel hier, hier, hier und hier.

roll3

Expedition 43 Soyuz Rollout

Expedition 43 Soyuz Rollout

Als nächstes ist heute um 20:42 MEZ Soyuz TMA-16M in Baikonur dran, an Bord Scott Kelly und Mikhail Kornienko, die als erste ISS-Besucher ein Jahr bleiben sollen, und Gennady Padalka: viele Aufnahmen rund um den Start (hier der Roll-Out vorgestern), ein Zeitplan und meist Kelly-zentrische Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und um 22:46 MEZ folgt eine Soyuz in Sinnamary mit den nächsten Galileo-Satelliten: Releases zur Vorbereitung hier und hier.

mom-valley

mom-valley-3d

Indiens Mars-Orbiter 1/2 Jahr im Einsatz – und macht weiter

Die nominelle Missionsdauer von einem halben Jahr hat die Mars Orbiter Mission der ISRO nun absolviert, hier aus einem neuen Schwung Bilder die Valles Marineris von oben und in 3D rekonstriert, aber es wird einfach weiter gemacht: Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Derweil hat der fast zeitgleich angekommene MAVEN der NASA Polarlichter und Staub rund um den Mars beobachtet: Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links. Ferner stellt sich heraus, dass es keinen (schnellen) Klimawandel auf dem Mars gibt, Curiosity hat biologisch “nützlichen” Stickstoff (mehr, mehr und mehr) und Organisches gefunden, Opportunity eine Marathon-Distanz geschafft [alt.] und einen reformatierten Speicher (mehr, mehr, mehr und mehr) und das Autonomous Descent and Ascent Powered-flight Testbed eine Marslandung geübt. Anderswo im Sonnensystem feierte MESSENGER 4 Jahre im Orbit, kurz vor dem Crash, famd der LRO einen frischen Krater, bei dem der Impakt beobachtet wurde, und Yutu auch so einiges, lieferte Cassini einen Film des F-Rings und sah schon wieder Veränderungen auf Titan – und die IAU ruft schon mal auf, von New Horizons zu entdeckende Features auf dem Pluto zu taufen.

akarimap

Die Milchstraße bei 65 bis 140 µm Wellenlänge gesehen vom IR-Satelliten Akari: Hier ein Ausschnitt rund um Eta Carinae in Falschfarben – All-Sky-Karten von 65 bis 160 µm sind nun veröffentlicht worden. Auch die Veröffentlichung von Daten von NEOWISE, Hisaki-Beobachtungen von UV-Explosionen auf dem Jupiter, mal wieder amtliche Zweifel am Zeitplan des JWST (mehr und was es zu Pop.III-Sternen zu sagen haben wird), der kommende MinXSS-Cubesat zur Sonnenforschung, der Status der Missionen MMS, Cluster und SMAP nebst Riesenantenne, Sternsensoren für Mikrosatelliten, ungewöhnlicher Treibstoff für CubeSats, ein neuer Rekordversuch mit einem Langzeit-Ballon (ein Album mit Bildern vom Start), die teure russische Raumfahrt, das Manifest von SpaceX, Russlands neues Kosmodrom, eine Gegendarstellung zur Gegendarstellung (mehr und mehr) zu der heftig gewordenen Kritik an Mars One, das mal wieder verschoben wurde (mehr, mehr, mehr und mehr, mehr Links und ein Jux) und auch nicht zu versichern wäre – und es sind 50 Jahre seit der ersten EVA von Alexei Leonov vergangen, woran auch hier, hier, hier, hier und hier erinnert wird.


26.Mar 2015 | 04:29

Plan B für “ARM”: Fels von Asteroid wird geholt

.

arm-crs

In einer extrem kurzfristig angesetzten Telecon hat die NASA gestern Abend verkündet, wie die ‘Asteroid Redirect Mission’ durchgeführt werden soll: Vom “Umleiten” eines kompletten Mini-Asteroiden (das wäre Option A gewesen) ist keine Rede mehr, stattdessen soll nach Plan B ein bis zu 4 Meter großer Felsen von einem größeren Asteroiden gepflückt und nach etwa 6 Jahren in einer stabilen Bahn um den Mond deponiert werden. Womit die ARM eher eine Asteroid Retrieval Mission oder eine Sample Return Mission wird, aber noch verwendet die NASA den alten Begriff. Der Grund für die Wahl von Plan B war größere Flexibilität bei der Auswahl des Zielbrockens auf der Oberfläche als wenn man zu einem unbekannten Asteroiden hätte fliegen müssen, den man dann komplett hätte abschleppen müssen. Der vage Zeitplan bisher sieht so aus, dass der Stein zwar um das Jahr 2020 abgeholt wird, dann aber nicht schon der erste bemannte Orion/SLS-Flug ca. 2021 zu ihm geht sondern erst einer der folgenden um 2025. Der führende Kandidat für die Steinsammlung ist der C-Typ-Asteroid 2008 EV5, von dem es auch Radar-‘Bilder’ (im Video oben animiert) und ein Gestaltmodell gibt: Er kommt alle 15 Jahre der Erde nahe. Neben diesem Asteroiden gibt es noch noch alternative Kandidaten: Alle drei sind Potentially Hazardous Asteroids aber harmlos in den nächsten Jahrhunderten. Wie man einen der auf ihren Oberflächen vermuteten Felsen einsammelt, hat das Langley-Zentrum der NASA bereits in 2D mit einem Contact and Restraint System (CRS; Bild) geübt, und das zweite Video zeigt 3D-Simulationen: auch Artikel zur Telecon hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie mehr Links – und der erneute ESA-Beschluss gegen Marco Polo; auch diese Asteroidenmission hätte 2008 EV5 als Kandidat gehabt.

Helle Flecken auf Ceres könnten aktive Wasser-Geysire sein

Die erstaunlichen sehr hellen und kompakten Flecken auf dem Zwergplaneten, die die Sonde Dawn im Anflug entdeckte, gasen offenbar etwas aus und werden weniger aktiv, wenn sie aus der Sonne rotieren: Das hat eine Analyse der Dawn-Aufnahmen ergeben, die auf einer Tagung vorgestellt wurde und zu der Vermutung passt, dass Ceres zu mindestens einem Viertel – mehr als andere Körper im Asteroidengürtel – aus Wassereis besteht. Und sich auch mit den Beobachtungen des IR-Satelliten Herschel verträgt, dass Ceres dann Wasserdampf in den Raum verliert, wenn die Region mit den Flecken gerade in der Sonne ist: Artikel hier, hier, hier, hier und hier sowie weitere Dawn-Berichte hier, hier, hier und hier, hier – und noch ein Release zu Vesta-Erkenntnissen Dawns bei ihrem ersten Ziel.

nav0318

nav0314

Der immer aktivere Churyumov-Gerasimenko am 18. und 14. März aus jeweils 81 km Abstand: weitere aktuelle Bilder hier und hier, dazu der erste Nachweis von molekularem Stickstoff bei einem Kometen (mehr und mehr), das bisher vergebliche Lauschen auf Philaes Wiedererwachen (mehr) und ein Bericht von einem Team-Meeting. Plus Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und eine große Rosetta-Bilderstrecke, die die New York Times doch glatt auf Seite 1 platziert hatte.


25.Mar 2015 | 23:53

Immer neue Goodies von der Sonnenfinsternis

.

compo

.
.
.
.

vor 5 Tagen tauchen im Web auf – hier ein neuerlicher Versuch, interessante Funde (s.a. die beiden vorangegangenen Artikel!) zu sortieren. Das Video oben zeigt Highlights aus Svalbard: von dort auch Detailaufnahmen, ein Press Release dazu, ein weiterer Bericht, ein Zeitungsartikel über einen Svalbard-Fahrer, eine Intervall-Collage und ein Weitwinkel-Bild. Darunter das bisher dem visuellen Eindruck am ehesten entsprechende Korona-Komposit von Alson Wong aus Svalbard-Bildern von Allen Hwang mit Belichtungszeiten von 1/2500 bis 1/6 Sekunde; auch ein anderes Komposit von dort. Das nächste Video zeigt eine weitgehend klare Totalität auf den Färöer, während es in diesem Video erst kurz vor dem 3. Kontakt aufriss; auch ein weiterer Erfolgsbericht, eine Aufnahme mit innerer Korona und eine Frontpage von dort.

Es folgt ein Video von Flug AB 1234, von dem es auch Berichte hier und hier und Fotos hier (trotz stark vereister Scheibe: fotografiert wurde am oberen Rand), hier und hier gibt. Darunter ein neu bearbeitetes Video von Flug AB 1000, von dem es auch einen Bericht und Bilderalben hier, hier (von diesem Blogger) und hier (von etlichen Passagieren, wächst immer noch) gibt. Es folgt die Totalität aus dem Flugzeug der BBC während der Live-Übertragung: inzwischen online auch die gesamte Sondersendung und die zugehörigen Sendungen von Stargazing Live vom Abend nach der SoFi hier und hier, vom Vorabend hier und hier und vom ersten Abend hier und hier. Ganz unten noch ein neues Video von den Stratosphären-Fliegern, über die auch hier und hier berichtet wird – und auch noch ein kleines Video vom Beobachtungsflug aus Murmansk.

Aus dem partiell verfinsterten Europa schließlich gibt es konkrete Daten zur Strahlungsschwankung (Artikel von heute) und Stromnetz-Effekten (wegen des vielerorts klaren Wetters trat praktisch der ‘worst case’ ein, der gemeistert wurde) und Wetter-Messungen, Berichte über erfreuliche Beobachtungen im Schul-Kontext hier, hier, hier, hier und hier (und mehr zur Problematik hier und hier), Beobachtungen mit Aufwand und Beobachtungen nur so hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und noch Berichte in exotischen TV-Sendern auf Deutsch und Rumänisch, eine Bilder-Sammlung – und eine große Link-Sammlung zu Berichten von der SoFi aller Art. NACHTRÄGE: Beobachtungen auf Flug AB 1020 von der Anti-Solar-Seite aus und Auswertungen hier und hier sowie ein ZDF-Bericht vom Flug – und ein Video von einem Schiff aus.


23.Mar 2015 | 23:57

Nova Sgr 2015 No. 2 erreichte 4 mag., fällt nun

novasgr

Gerade eben noch aus Mitteleuropa zu sehen und nur ein kurzes Vergnügen war die Nova Sagittarii 2015 No. 2, die es zwar auf 4. Größe brachte, nun aber (siehe die soeben automatisch generierte AAVSO-Lichtkurve) schnell fällt: Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, eine visuelle Beobachtung vom 22.3. aus Arizona und Bilder vom 21.3. aus Deutschland, Östereich und Indien, vom 18.3. aus Österreich und vom 17.3. aus Australien – und es gibt auch eine mögliche 8-mag.-Nova in Sagitta.

.
.
.
.

Die Flut toller Ergebnisse von der Sonnenfinsternis hält an

Z.B. mit diesen fünf Videos. Die oberen beiden entstanden auf Svalbard, wo überwiegend bestes Wetter herrschte: Das obere (daraus auch dieses gestackt und eine Aufnahme desselben) schneidet zwischen Tele- und WW-Aufnahmen hin und her, das zweite ist ein WW-Zeitraffer des Mondschattens; von der Insel auch ein Bericht, Tele- und WW-Aufnahmen und noch ein Video. Das 3. Video zeigt einen Glücksfall auf den Färöer, wo den Beobachter ein Wolkenloch zur rechten Minute erreichte; weitere Erfolge hier, hier und hier und Misserfolge hier, hier und hier. Video Nr. 4 stammt vom Beobachtungsflug AB 1234, von dem auch hier, hier, hier und hier Ergebnisse zu sehen sind, und das 5. Video von Flug AB 1000 (die Flugbahn, auch hier), über den auch hier (samt Video) und hier berichtet wird, nebst weiteren Bildern und Videos hier (Diskussion), hier, hier und hier und TV-Berichten in den Tagesthemen (mehr), dem Nachtmagazin und v.a. in Galileo (Anfang und Minuten 40-45 und 51-53). Von Flug AB 1020 gibt es Bilder hier, hier und hier, von einem dänischen Flug ein Video und eine Diaschau, von den Stratosphären-Fliegern Bilder und zum EasyJet-Intercept einen Artikel. Weiterhin aufgetaucht ein detailreiches Korona-Komposit, ein weiteres von hier und ein ziemlich kurioses, ein Bild aus Island, Messungen während der Partialität hier und hier, Partialitäten in H-Alpha und projiziert, weitere Sat-Bilder des Schattens und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

love0319

Komet Lovejoy war auch im März noch attraktiv, wie auf dieser Aufnahme von Michael Jäger (L-3x9m5 min blue 2×10 min halpha 2×2 RGB 230/230/230 sec 4×4 10″/4.0 Moravian G3-11002) vom 19. März: auch Bilder vom 22. März (mehr und mehr), 20. März, 17. März, 16. März, 14. März (mehr und mehr), 12. März (mehr, mehr und mehr) und 11. März (mehr); die Lichtkurve fällt natürlich längt. Auch wie der Hauptgürtel-Komet P/2012 F5 funktioniert, die vermutlichen Ringe Chirons (mehr), ein großer Krater-Fund in Australien (mehr), kuriose Schnee-Physik nach Chelyabinsk (mehr und mehr), eine weitere Impakt-Beobachtung auf dem Mond – und von den Feuerkugeln des 15. März ein Bild aus Streitheim, ein Persistent Train und Artikel hier, hier und hier (die ‘Meteoriten’ glaubt niemand) bzw. hier und hier.

Das war das Polarlicht vom 17./18. März über Deutschland

Ein besonders gelungenes Video aus dem Münsterland mit v.a. dem zweiten Ausbruch (“angefangen hat es um 23:45 und hat bis 00:25 angehalten. Um 00:10-00:15 war es am ‘stärksten'”): auch eine seltene blaue Aurora zu Beginn, eine Beobachtung aus einem Flugzeug, Bilder und Videos aus Deutschland, auch von einem schlechten Standort, aus Slowenien und Neuseeland, noch viel mehr und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Und noch die Polarlichter während eines Beobachtungsfluges am 14./15. März in Echtzeit sowie ein Zeitungsartikel und ein Mini-Video – und in der Welt der Großteleskope wird bereits über erwartete Ergebnisse des E-ELT getagt und um die Finanzierung des TMT und das Management des SKA gerungen.


19.Mar 2015 | 00:00

Live-Blog zur Sonnenfinsternis am 20. März 2015

21. März

Die Sonnenfinsternis in ihrer ganzen Dynamik gefilmt

auf dem Beobachtungsflug AB 1000 und dann stark zeitgerafft: Jetzt hat’s der Mondschatten erst richtig eilig! Auch schöne Bilder vom Parallelflug aus Zürich, ein Echtzeit-Video des Schattens aus der Stratosphäre (ein Artikel dazu, wg. DNS-Problemen auch im Cache) – und ein Nachweis des Mondschattens von der ISS aus in schrägem Blick. [17:55 MEZ – Ende. NACHTRAG: phänomenale Hi-Res-Schatten-Bilder vom Flug AB 1234, Diverses von AB 1020, ein Video (alt.) und Diverses von AB 1000, ein Werbefilmchen zu den Stratosphären-Flügen, ein längeres Video vom LH-Intercept, ein Foto von einem Privatflieger, ein Video von einem unidentifizierten Flugzeug, ein Video (alt.), ein Timelapse und ein schönes Foto aus Svalbard, eine ungestörte Korona von den Färöer, erstaunliche Bilder aus Island, tiefe Partialität aus Finnland, Diverses aus Deutschland hier, hier und hier, eine Ladung BS – und gleich 2 x SoFi zu Beginn dieser besten Bilder der Woche]

Dies ist das unfassbarste Video der ToSoFi 2015 und vielleicht aller SoFis überhaupt: Da nimmt eine Band auf den Färöer-Inseln – die fast überall clouded out waren – während der totalen Phase der Finsternis ein Musikvideo auf. Und der Großteil der Totalität ist im Hintergrund in einer Wolkenlücke zu sehen, inklusive des 2. und 3. Kontakts! Auch ein Korona-Komposit-Versuch aus Svalbard, die ‘Beinahe-Totalität’ Islands, Berichte und Bilder aus der partiellen Welt hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und Recherchen zum SoFi-Schul-Skandal in NRW. [16:20 MEZ]

Immer neue Facetten der ungewöhnlichen Sonnenfinsternis

werden bekannt, die auch heute noch Thema bleibt: hier z.B. ein Video aus einem Hubschrauber, der sich über den fast überall dicht bewölkten Färöer-Inseln einen freien Blick auf die Totalität verschaffte. Perfekt klares Wetter gab es dagegen auf Island, das freilich außerhalb der Totalitätszone lag, mit der SO-Ecke aber nicht weit: “We saw the shadow over the sea. We’re very happy and caught some prominences and corona on Images”, berichten Beobachter am Jokulsarlon-Gletscher. Unklar ist aber, was dieses Video aus dem UK zeigt: Fliegende Schatten können es – bei noch viel größerem Abstand vom Totalitätsstreifen – eigentlich nicht sein. Aus dem total verfinsterten Svalbard wiederum übertrug das norwegische Fernsehen live und in hoher Qualität, wie die Standbilder hier, hier und hier zeigen, das Ganze auch zeitgerafft. Und die Erfahrung in Deutschland. [9:20 MEZ]

Dieses ungewöhnliche Zeitraffervideo zeigt, wie sich der deutsche (klare) Himmel gegenüber der Sonne verdunkelte, was das Auge zumindest teilweise ausgleichen konnte, die unbestechliche Kamera aber nicht. Aus Deutschland sind auch die sieben Berichte hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier aufgetaucht, es gibt Bilder einer öffentlichen Beobachtung im Kosovo, hat noch ein Linienflug die Totalität mitgenommen, gibt auch weitere Bilder, Videos und Berichte zu den EasyJet- und Lufthansa-Totalitäten und den gezielten Beobachtungsflügen AB 1234 (mehr), AB 1000 (mehr), aus Murmansk und von der BBC, aus Svalbard kommen schöne Weitwinkel- und Tele-Bilder, ein Video und Impressionen, von den Färöer ein Foto und Video (Wolkenloch bei 4:30) mit Korona, es gibt allerlei partielle Zeitraffer, eine PM des Fraunhofer IWES in Sachen stabiler Strom, einen ESA Release, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und einen TV-Bericht aus Österreich mit vorbildlichem Umgang einer Schule mit der SoFi, wo die großen den kleinen zur Seite standen. [11:35 MEZ]

Der Kernschatten kommt und geht, in 10 km Höhe aus einem der Beobachtungsflugzeuge gefilmt (auch ein weiteres Video, ein weiteres Bild und Berichte hier und hier): Das lässt sich gut mit einem ähnlich weitwinkligen Video aus Svalbard (mehr Bilder hier, hier und hier) vergleichen. Auch ein Svalbarder Flash-Spektrum, ein Offener-Kanal-Video und Bericht über ein deutsches Public Viewing, Wahrnehmungen in Donegal und Artikel und Bilderstrecken hier, hier, hier, hier und hier. Dieses Blog hatte übrigens gestern über 32’000 Zugriffe, ein absoluter Rekord [0:05 MEZ]


20. März

P1680837

P1680853

P1680866

P1680877

P1680883

P1680885

P1680891

Das war die fantastische SoFi – aus 10 km Höhe gesehen

während des Beobachtungsfluges AB 1000 von Eclipse Reisen: ein großes Bilderalbum dieses Bloggers wächst gerade hier; BUs und ein detaillierter Bericht folgen. Es gibt auch weitere Bilder von Bord, Aufnahmen von einem Parallelflug (dessen prominente Passagiere im o.g. Album am Gate zu sehen sind), ein Live-Video-Standbild vom u.g. BBC-Flug, ein Weitwinkel- und ein Tele-Bild vom klaren Svalbard, ein flottes Video von Proba-2 und allerlei Partielles hier, hier und hier: weitere Schätze werden gerade gehoben … [15:15 MEZ] … wie diese umfangreiche Bildergalerie mit Totalitäten, Partialitäten und auch mal nix! [15:30 MEZ] Gleich noch eine Galerie mit auch deutschen Motiven und weitere hier und hier. [16:05 MEZ] Ein Artikel zur Nebel-Pleite in NRW. [16:15 MEZ]

Hier saust der Schatten über den Norden Europas, in einer Animation von Meteosat-9-Bildern! Auch partielle Phasen von der ISS (wo es an einem passenden Filter zu fehlen scheint), ein Bild von einem weiteren Flug, weitere Stills aus der BBC-Übertragung aus der Luft, die besten Luft-Bilder dieses Bloggers, ein Diamantring von einem Schiff, weitere Bilder aus Svalbard hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier,ein Zeitraffer aus Norddeutschland und ein Artikel. [17:05 MEZ]

Foto_Sonnenfinsternis_Weltraum2

Ein Still aus dem Meteosat-Film in anderer Darstellung sowie Schatten-Bilder von NPP und anderen Satelliten und die ISS vor der SoFi. Plus Beobachtungen der Totalität während Linienflügen von EasyJet und Lufthansa (Video), von einem russischen Flugzeug, dem BBC-Flieger und AB 1000, weitere Bilder hier und hier und ein Expeditionsbericht aus Svalbard, Massen-Sichel-Projektion mit SDSS-Hilfe, eine Partialität in 4 Sekunden, Nachweise der SoFi mit LOFAR (auch animiert) und Amateur-Radiomessungen, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Ex-Ticker – und Verlinkungen des Rants hier und hier und der Bauanleitung, die anderswo zu solchen Ergebnissen führte. [19:15 MEZ]

bild3

bild2

bild1

Letzte (Satelliten-)Blicke auf die Sonnenkorona, bevor dieser Blogger zwecks eines Totalitäts-Beobachtungsflugs ca. 15 Stunden offline sein wird: oben ein LASCO-C2-Bild von SOHO von gestern 19:00 MEZ, unten ein AIA-Bild vom SDO bei 17 nm Wellenlänge von heute 2:27 MEZ; vor vier Tagen sah dieser Satellit zwei koronale Löcher. Und in der Mitte ein Blick in ein Beobachtungsflugzeug der BBC, aus dem zwischen 10:00 und 11:00 MEZ live gesendet werden soll: Die Sondersendung auf BBC One kann z.b. hier oder hier (Vorsicht, aufdringliche Werbung) verfolgt werden, soll aber auch zumindest teilweise von BBC World (in vielen Kabelnetzen) übernommen werden – und in der 3. Episode von Stargazing Live von 22:00 bis 23:00 Uhr auf BBC Two (wie gehabt; Alternative dann hier) wird es noch viel mehr zur SoFi u.a. geben. Die Nachrichtenflut im Vorfeld der SoFi – alle relevanten Links im vorangegangenen Artikel, insbesondere zu geplanten Webcasts! – ist nun abgeebbt, aber zwei Kuriosa gibt es noch: Eine unbrauchbare Bastelanleitung für einen Sonnenprojektor (die diesem Blogger ein Dorn im Auge gewesen war) hat man wieder verschwinden lassen – und es wurden angeblich falsche SoFi-Brillen verkauft. Zum Schluss noch ein britischer Aufruf, Bilder einzusenden – und ansonsten: Viel Glück allen Beobachtern! [2:55 MEZ]


19. März

espenak

In zwölf Stunden ist schon alles vorbei – ein Link-a-thon …

… zur SoFi, die inzwischen Meldungen und Kuriosa im Sekundentakt zu produzieren scheint – und Finsternisexperten aller Art ihre 15 Minuten Medien-Glanz verschafft. So wie hier die SoFi-Legende Fred Espenak mit seinem großen Kanon der Finsternisse, in einem Einspieler von den Färöer-Inseln in der 2. Folge der 5. Serie von “Stargazing Live” der BBC, die heute Abend von der Finsternis dominiert wurde (auch die Aufzeichnung der ersten Folge von gestern und des Chats im Anschluss). Allerlei Links zur SoFi hatte es schon hier gegeben, aber seither ist eine Unmenge dazu gekommen. Vielleicht am nützlichsten eine große Sammlung geplanter Webcasts von einem Outreach-Experten auf Sri Lanka (weitere Angebote hier, hier und hier sowie Radio-Daten und ein Stratoballon), aber auch ein Wetterbericht für Deutschland und ein DWD-Wetterfilm, allgemeine Seiten zur SoFi hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (mehr und mehr) und hier (auch zur Rolle von Minisatelliten der ESA und warum die ISS nichts sehen wird) und ein Citizen-Science-Experiment im UK.

Infos ohne Ende wird es wohl u.a. hier, hier und hier geben, nebst Blogs zu einem Finsternisflug und von den Färöer. Das schon im Rant unten – der hier und hier verlinkt wurde – beschriebene Chaos im Schulsystem ist auch hier, hier und hier ein Thema, während die Lösung Spiegelprojektion dieses Bloggers auch hier und hier Verlinkung fand. Völlig abstrus dagegen das in einem vermeintlichen Aufklärungs-Video und auch hier und hier empfohlene Handy-Fotografieren (ohne jeden Filter!) über die Schulter: Dann folgt man doch schon lieber den Bastelideen hier, hier, hier, hier oder hier, um den viel beschworenen Gefahren der SoFi zu begegnen. Und dann wäre da noch zum Medienthema SoFi ein Potpourri von Meldungen, die zu sortieren schlicht die Zeit fehlt, etwa hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, dazu der TV-Auftritt eines SoFi-Veteranen, Erinnerungen an die SoFi 1999 – und die nächsten deutschen und europäischen SoFis. [23:55 MEZ]

bla

Kleiner Zwischen-Status zum Rummel um die SoFi, die keinen Tag mehr entfernt ist und der nicht (nur) von der verzweifelten Jagd auf die letzten SoFi-Brillen geprägt ist … Der Rant in Sachen Schule unten ist z.B. hier, hier, hier, hier und hier via Twitter verbreitet worden, während die Vorgehensweise von Schulen alleine in einer Stadt schon völlig verworren sein kann. Die ‘Lösung’, dass Eltern Kinder vor der SoFi abholen dürfen, ist natürlich besonders clever, warum nicht gleich so … Die Beschreibung dieses Bloggers, wie man einen guten Spiegel-Projektor baut, ist inzwischen auch hier, hier, hier, hier und hier verlinkt worden (was zu bisher fast 20’000 Views des Postings geführt hat); andere Bauanleitungen werden z.B. hier, hier und hier beworben. Die Wetteraussichten für Deutschland sind derweil nochmals besser geworden, auch der gefürchtete Hochnebel sollte weichen. Beliebte Wolken-Vorhersagekarten gibt’s für Europa und Deutschland, während man in England französischen Smog fürchtet. Und dann schauen wir noch beim WDR vorbei, aus Gründen. [17:25 MEZ]

Spiegeltrick

SoFi und Schulen: kollektives Versagen eines ganzen Landes

Der Rummel um die in Deutschland ziemlich tief partielle und im hohen Norden Europas totale SoFi vom 20. März ist seit dem Wochenende explosionsartig angestiegen und erinnert in Vielem an die letzten Tage vor der SoFi von 1999: SoFi-Brillen sind praktisch nicht mehr zu haben und werden schon zu Märchenpreisen gehandelt, und es hagelt SoFi-spezifische Wetterprognosen und sonstige Medienberichte zwecks deren Erstellung alle bekannten Astro-Outreach’ler des Landes mit Interviewanfragen bombardiert werden, bis hin zu einem reißerischen Ticker mit merkwürdigen Empfehlungen (SoFi nicht neben weißen Wänden gucken sondern im Gras …). So weit so lustig – doch etwas ist ausgerechnet im astrophilen Deutschland gründlich daneben gegangen. Man – und da muss man wohl alle von den Berufs- und Amateurastronomen-Verbänden bis zu uns Finsternisveteranen einschließen – hat sich einfach nicht darum gekümmert, die entscheidenden Verantwortlichen für den deutschen Schulunterricht über das seltene Naturschauspiel mitten an einem Schultag aufzuklären und vor allem in Sachen didaktischer Nutzung an die Hand zu nehmen. Das Ergebnis dieses Versäumnisses wird nun, kurz vor dem Ereignis, allzu offenbar: Es herrscht extreme Konfusion im Schulsystem und bei den Behörden dahinter, mit widersprüchlichen und oft von Angst statt Wissen diktierten Richtlinien.

Und so ist es nicht nur im britischen Wales, von wo die ersten Schlagzeilen kamen, oder in Frankreich sondern auch vielerorts in Deutschland dazu gekommen, dass Schüler zur SoFi-Zeit in Klassenräumen eingesperrt werden sollen, ohne jede Chance, des seltenen Naturschauspiels ansichtig zu werden. Auch diesem Blog ist das SoFi-Schreiben einer Schulleitung an eine Mutter zugespielt worden, in dem es heißt, das Schulamt einer großen Ruhrgebietsstadt habe “eine Erklärung an die Schulleiter geschickt, ‘in der vorliegenden Angelegenheit in besonderem Maße dafür Sorge zu tragen, dass eine Gefährdung der Augen aller Beteiligten ausgeschlossen ist.’ Wir sehen da als Schule keinen Handlungsspielraum” außer dem Wegsperren der Kinder. Und das ist kein Einzelfall, wie dieser Schul-Brief aus Münster oder auch dieser zeigen … Wir schreiben das Jahr 2015 oder das Jahr 19 nach einem viel zitierten geharnischten Artikel des SoFi-Chefs der IAU, der auf der Webseite der IAU Working Group on Eclipses zu finden ist und derartige – leider all zu verbreitete – Zwangsmaßnahmen verdammt: “What happens when students who were locked in basement classrooms on the opposite side of the building from the sun get out of school? They might meet a friend who says, ‘Didn’t you see the eclipse, it was beautiful. ‘No,’ they say, ‘the teacher said we would go blind.’

When they learn from the friend about the spectacular sight they missed, how will they respond to information from the same teacher when they are told, ‘don’t smoke,’ or ‘don’t drink while driving,’ or ‘don’t take drugs,’ or, most recently, ‘don’t put yourself at risk for AIDS.’ Thus the net result of the excessive warnings about eclipse eye safety may be negative, with people put at increased risk over the risk they would have had by merely being properly advised about safe ways to observe the eclipse.” Und genau solche Methoden gibt es, die das gemeinschaftliche völlig sichere Beobachten einer partiellen SoFi mit einiger Didaktik verbinden können: allen voran ausgerechnet die einfachste, die Projektion per Lochblende, die wiederum ideal mit einem kleinen Spiegel funktioniert. So wird es in einem Info-Comic der französischen Zeitschrift Ciel et Espace erklärt (Ausschnitt oben), in einer Bilderstrecke der VSW Recklinghausen, einem Artikel auf der Kinderseite der WAZ – und natürlich einem Artikel dieses Bloggers, der auch bereits hier, hier und hier verbreitet wird. Ein paar erfreuliche(re) Nachrichten aus dem Komplex Schule & SoFi gibt es immerhin auch zu vermelden: In diesem Schul-Brief wird wenigstens nach einer Lösung gesucht (leider in Unkenntnis von Lochkameras), in Dortmund haben sich manche Schulen vorbereitet, und in Rheinland-Pfalz ging dieser Pro-SoFi-Brief an zumindest einige Eltern. Ob es sich gelohnt hat, darüber befindet nun das Wetter: Allerlei Prognosen von gestern Nachmittag (mehr, mehr, mehr und früher) verheißen außer im Norden Deutschlands ziemlich gute Sicht und fallen deutlich besser als ein und zwei Tage zuvor aus. [0:00 MEZ]


Hintergrundbilder (c) OEWF