ÖWF / Polares auf einen Blick

ESA Nachrichten

ESA Human Spaceflight

22.01.16:
18.01.16:
03.Feb 2014 | 13:56

Robotic Exploration:ExoMars orbiter core module completed

The ExoMars Trace Gas Orbiter module consisting of the spacecraft structure, thermal control and propulsion systems was handed over by OHB System to Thales Alenia Space France at a ceremony held in Bremen, Germany, today.
08.Nov 2013 | 12:30

Robotic Exploration:ExoMars lander module named Schiaparelli

The entry, descent and landing demonstrator module that will fly on the 2016 ExoMars mission has been named 'Schiaparelli' in honour of the Italian astronomer Giovanni Schiaparelli, who famously mapped the Red Planet's surface features in the 19th century.
08.Feb 2016 | 17:27

Antarctic ice safety band at risk


Antarctica is surrounded by huge ice shelves. New research, which includes using data from satellites such as ESA’s heritage Envisat, has revealed that there is a critical point where these shelves act as a safety band, holding back the ice that flows towards the sea. If lost, it could be the point of no return.

08.Feb 2016 | 14:45

Introducing Asteroid Day


Watch the live press conference unveiling Asteroid Day 2016's events and partners from 1500 CET (1400 UTC) on Tuesday, 9 February
08.Feb 2016 | 14:15

Saturn’s moonlets


Space Science Image of the Week: Small moonlets within Saturn’s rings disrupt their surroundings and leave telltale trails, such as these spied by Cassini
08.Feb 2016 | 12:25

Earth from Space


Join us Tuesday, 9 February, at 14:00 CET as ESA’s Susanne Mecklenburg and Craig Donlon join the show from the Sentinel-3A cleanroom to discuss the satellite’s payload and applications
08.Feb 2016 | 10:10

Antarctic tracker


A start-up company from ESA’s business incubator in Flanders is helping to keep Belgian researchers safe in Antarctica
03.Feb 2016 | 18:32

Russian spacewalk marks end of ESA’s exposed space chemistry


02.Feb 2016 | 18:50

London nightlife


Human spaceflight and robotic operations image of the week: the capital of the United Kingdom at midnight on a Saturday seen from 400 km above
02.Feb 2016 | 11:08

New bedrest adventure adds artificial gravity


The human body is made for living on Earth – take away the constant pull of gravity and muscles and bones begin to waste away. Living in space is hard on astronauts and ways must be found to keep them fit and safe.

22.Jan 2016 | 16:15

Launch timelapse


A timelapse of last month's Principia launch to the International Space Station with ESA astronaut Tim Peake, in 4K ultra-high definition
18.Jan 2016 | 17:30

Tim's Star Wars


Tim Peake remembers his favourite Star Wars experience before his launch into space

ESA Top Multimedia

Spying Saturn’s moonlets

18.Jan 2016 | 17:30

Mating of Sentinel-3A on Breeze

18.Jan 2016 | 17:30

Colours of Sweden

18.Jan 2016 | 17:30

ESA EPB MoU signing

18.Jan 2016 | 17:30

Comet on 30 January 2016 – OSIRIS narrow-angle camera

18.Jan 2016 | 17:30

Treemetrics woodland laser scan

18.Jan 2016 | 17:30

Weltraum Nachrichten von Online Zeitungen

08.Feb 2016 | 17:39

Indien: Mann soll von Meteorit erschlagen worden sein

Tragischer Unfall in Indien: Ein vom Himmel fallender Gegenstand soll einen Mann getötet haben. Womöglich handelte es sich um einen Meteoriten - es wäre der erste dokumentierte Fall in der Geschichte der Menschheit.
07.Feb 2016 | 14:59

Satellitenbild der Woche: Außerirdisches Feuerwerk

Am Boden glimmen die Lichter der Zivilisation, darüber breiten sich Neonfarben aus. Die Ursache liegt 150 Millionen Kilometer entfernt.
06.Feb 2016 | 09:58

US-Astronaut Edgar Mitchell: Der sechste Mann auf dem Mond ist tot

Er blieb mehr als 33 Stunden auf dem Mond, unternahm dort zwei Spaziergänge und sammelte Gestein ein - nun ist US-Astronaut Edgar Mitchell im Alter von 85 Jahren gestorben.
02.Feb 2016 | 16:43

Satellitenprojekt: Nordkorea meldet angeblich Raketenstart an

Berichte südkoreanischer Medien sorgen für Aufsehen: Nordkorea hat demnach eine internationale Organisation über einen bevorstehenden Satellitenstart informiert.
30.Jan 2016 | 13:54

Satellitenbild der Woche: Durchatmen? Kommt darauf an, wo man ist

Verpestete Atemluft macht vielen Menschen zu schaffen. Satellitendaten zeigen, wo auf der Welt die Lage besser wird - und wo nicht.
08.Feb 2016 | 16:40

Unbekannter Ursprung - Mann in Indien angeblich von Meteorit tödlich getroffen

Im Bundesstaat Tamil Nadu wurde ein Mann von einem noch nicht eindeutig identifizierten Objekt getötet. In Dänemark wurde ein golfballgroßer Meteorit entdeckt
08.Feb 2016 | 16:00

Neue Gerüchte - Gravitationswellen-Nachweis angeblich kurz vor der Veröffentlichung

Schon wieder ein Leak: Geht es nach einem kanadischen Physiker, könnte der lang ersehnte Nachweis noch diese Woche in "Nature" erscheinen
07.Feb 2016 | 18:29

Milliardengeschäft - Luxemburg legt Grundlagen für Europas Asteroidenbergbau

Neues Gesetz und finanzielle Hilfe soll helfen, den Rückstand gegenüber den USA aufzuholen
06.Feb 2016 | 20:02

Stellarer Hunger - Kannibalische Jungsterne fressen manchmal ihre "Kinder"

Erstmals konnten Sterne beobachtet werden, die sich Klumpen der protoplanetaren Scheiben einverleiben
05.Feb 2016 | 11:47

Beobachtung - Tiefgekühlte "Fliegende Untertasse" gibt Rätsel auf

Unerwartet kalte Staubkörner in planetenbildender Scheibe um jungen Stern lassen auf komplexe Verhältnisse schließen
04.Feb 2016 | 15:21

Raumfahrt: Fernziel Mars – die Nasa sucht neue Astronauten

Die Nasa startet die Bewerbungsrunde für die nächste Astronautengeneration. Auf die Interessenten wartet ein knallhartes Auswahlverfahren: Beim vorigen Mal gab es 6200 Bewerber auf 8 Plätze.
28.Jan 2016 | 21:38

Astronomie: Babylonier berechneten Jupiters Wege mit Geometrie

Vier uralte Tafeln erzählten Forschern etwas über frühe Beobachtungen des Jupiters. So recht deuten konnten sie den Inhalt aber erst, als jetzt die fünfte Tafel auftauchte.
28.Jan 2016 | 15:32

Schwarze Löcher: Das ist die heißeste Feuerstelle im Universum

Ein virtuelles Radioteleskop verhilft Astronomen zu neuen Rekorden: Damit gelang ihnen der Blick in die bislang heißeste kosmische Feuerstelle und zugleich das bislang schärfste Bild aus dem Weltall.
28.Jan 2016 | 15:16

Relaisstation EDRS: Europa installiert neuen Datenhighway im All

Eine ganze Armada von Satelliten hat die Erde ständig im Blick und sammelt Daten für Forscher und Militärs. Doch bei Übermittlung der Daten zur Erde gibt es einen Haken. Die Esa will das Problem lösen.
28.Jan 2016 | 11:03

Challenger-Unglück: Als der Traum von der Raumfahrt explodierte

Der Start der "Challenger" sollte grandios werden – und endete in der Katastrophe. Millionen Menschen auf aller Welt erlebten live das bis dahin größte Unglück der Raumfahrtgeschichte.

Weltraum Blogs

03.Sep 2012 | 16:49

ScienceBlogs.de bekommt eine neue Software und macht Pause

Es ist endlich soweit. ScienceBlogs.de wird auf eine neue Software (WordPress) umgestellt. Dann sollten die ganzen Macken und technische Probleme die sich im Laufe der Zeit angehäuft haben, endlich verschwinden. Die Umstellung erfolgt heute Nacht, um Mitternacht geht es los. ScienceBlogs wird dann eine ganze Weile nicht erreichbar sein. Im Laufe des Dienstag Nachmittag müsste dann alles wieder funktionieren. Hoffen zumindest alle... Vielleicht funktioniert auch nichts mehr und es dauert länger, bis alles wieder normal läuft. Wir werden sehen. Ich hab noch keine Ahnung, wie das neue ScienceBlogs aussehen wird. Ich wäre schon zufrieden damit, wenn alle meine Artikel und alle Kommentare dazu den Umzug heil überstehen... Also drückt die Daumen!


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03.Sep 2012 | 12:25

Barnards Stern hat keine Planeten

Barnards Stern hat keine Planeten. Warum sollte das interessant sein, wo doch sonst immer nur von Sternen berichtet wird, bei denen man Planeten entdeckt hat? Erstmal ist auch ein negatives Resultat ein Resultat. Es mag nicht so sexy sein, wie die Entdeckung eines neuen Planetensystems, aber wenn wir wissen, dass es irgendwo keine Planeten gibt, sagt uns das auch etwas. Und dann ist Barnards Stern ein Sonderfall. Denn hier gab es seit Jahrzehnten Diskussionen, oft sogar Streit, darüber, ob sich dort Planeten befinden oder nicht.

Barnards Stern ist nur 6 Lichtjahre entfernt und damit der viertnächste Nachbar der Sonne (oder der zweitnächste, wenn man die drei Sterne des Alpha-Centauri-Systems zu einem zusammenfasst). Er ist so nahe, dass man seine Eigenbewegung sehr gut sehen kann und weil er sich so schnell bewegt, wird er oft auch "Barnards Pfeilstern" genannt. Dieses Bild zeigt, wie er sich zwischen 2001 und 2010 über den Himmel bewegt hat:

Barnard_Star_2001-2010.gif

Bild: Alejandro Sanz Gómez, CC-BY-SA 2.5

So ein interessanter Stern wurde natürlich oft und ausgiebig beobachtet. Wegen seiner schnellen Bewegung hat man besonders viele und genaue Positionsmessungen angestellt. Und in den 1960er und 1970er Jahren kam der Astronom Peter van de Kamp zu dem Schluss, dass sich dort 2 Planeten befinden müssten. Denn der Stern zog nicht einfach in einer geraden Linie über den Himmel, sondern wackelte hin und her. Der Grund dafür sollte die gravitative Störung der Planeten sein, die den Stern ein bisschen wackeln ließen. Die Entdeckung extrasolarer Planeten in den 1970er Jahren wäre eine große Sensation gewesen. Aber die Kollegen waren nicht überzeugt. Andere Astronomen zeigten, dass vermutlich ein technischer Fehler am Teleskop für das Wackeln des Sterns verantwortlich war. Aber van de Kamp war weiter von der Existenz seiner Planeten überzeugt. Zwei Stück, ungefähr halb so groß wie Jupiter sollten Barnards Stern umkreisen.

Die Sache blieb zweifelhaft, die Beobachtungen konnten nie bestätigt werden und es dauerte bis 1995, bevor der erste wirklich zweifelsfrei bestätigte extrasolare Planet entdeckt wurde. Eine Gruppe amerikanischer Astronomen hat nun noch einmal genau nachgesehen und kommt zu dem Schluß: van de Kamps Planeten existieren nicht. Sie haben Beobachtungsdaten aus den letzten 25 Jahren kombiniert und neu ausgewertet. Im Gegensatz zu van de Kamp haben sie sich nicht auf die Positionsänderungen des Sterns verlassen, sondern seine Radialgeschwindigkeit beobachtet. Auch mit dieser Methode misst man das Wackeln des Sterns, allerdings auf andere Art und Weise. Die Ergebnisse sind ziemlich deutlich:

barnard.png

Bild: Choi et al. (2012)

Die grünen und gelben Punkte sind die Messungen. Wenn der Stern keine Planeten hat, dann sollten sie alle auf der Nulllinie in der Mitte des Diagramms liegen. Wenn van de Kamps Planeten existieren, dann sollten die Punkte dem Verlauf der blauen oder rote Linie folgen. Das tun sie aber nicht, sondern liegen tatsächlich - innerhalb der Fehlerbalken - auf der Nulllinie.

Komplett ausschließen können die Forscher die Existenz von Planeten natürlich noch nicht. Ganz kleine Planeten könnte es noch geben. Aber sicherlich nichts, was größer ist als ein paar Erdmassen. Und auf jeden Fall keine Planeten, wie sie van de Kamp gefunden zu haben glaubte.

Barnards Stern hat also keine Planeten. Aber er wird weiter ein interessantes Forschungsobjekt bleiben, auch weil er der Sonne immer näher kommt. In knapp 10000 Jahren wird er sich bis auf 3,8 Lichtjahre angenähert haben. Ich würde gerne wissen, was die Astronomen bis dahin so alles herausgefunden haben...


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03.Sep 2012 | 10:00

Die Landkarte der Physik

1939 hat Bernard H. Porter die optimale Fusion aus Geografie und Physik erschaffen:

"[A] map of physics, containing a brief historical outline of the subject as will be of interest to physicists, students, laymen at large; Also giving a description of the land of physics as seen by the daring sould who venture there; And more particularly the location of villages (named after pioneer physicists) as found by the many rivers; Also the date of founding of each village; As well as the date of its extinction; and finally a collection of various and sundry symbols frequently met with on the trip."

1939-map-of-physics-h2.jpg

Wirklich cool! Da würde ich gern mal Urlaub machen. Eine kleiner Wanderung von der Astronomie ganz im Westen bis hin zur Astrophysik im Osten und dann an Herschel, Newton und Ptolemäus an den Lichtstrand und ein wenig entspannen ;)

Eigentlich fehlen nur noch 2 Dinge: Eine hochauflösende Version dieser Karte, damit man sie als Poster für die Wand ausdrucken kann. Und eine aktualisierte Version, die die Entwicklung der Physik seit 1939 inkludiert. Seit damals haben die Wissenschaftler ja jede Menge Neuland entdeckt!

(via Strange Maps)

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02.Sep 2012 | 15:40

Terminkalender September

Da ich in den nächsten Monaten diverse Vorträge und Lesungen an diversen Orten halte, dachte ich, ich sag mal Bescheid, wo ich überall sein werde. Vielleicht sieht man sich ja irgendwo.

  • 12.September, Seeheim-Jugenheim: Am 12 und 13 September finden die Bergsträsser Weltraumtage statt. Veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie gibt es dort jede Menge populärwissenschaftliche Vorträge über Astronomie - zum Beispiel über die Suche nach Außerirdischen, den Bau eines Weltraumfahrstuhls oder die Geschichte der Raumfahrt in Kinofilmen. Ich werde dort am 12. September um 20 Uhr einen Vortrag zum Thema "Krawumm - Wahre und falsche Weltuntergänge" halten und dabei auch aus meinen Büchern vorlesen.

  • 25. September, Solingen: Am 25. September um 19.30 werde ich in der Sternwarte Solingen einen Vortrag zum Thema "Weltuntergang 2012? Keine Panik!" halten.
  • 24-28 September, Hamburg: Von 24 bis 28. September findet in Hamburg die große Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft statt. Dort werde ich zwar keinen Vortrag halten, aber trotzdem anwesend sein (zumindest von 26. bis 28., vorher muss ich ja noch nach Solingen). Wird sicher interessant und vielleicht sieht man sich ja!



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02.Sep 2012 | 14:26

Ein Krawumm geht um die Welt (21): Москва́

Letztes Mal war das Krawumm auf seiner Reise durch die Welt bei der chinesischen Mauer angelangt. Und wenn wir schon mal bei den großen Sehenswürdigkeiten sind, dann passt auch dieses Foto von Leser Robert. Krawumm in Moskau!

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Was bisher geschah: Teil 1: Die staubige Fabrik, Teil 2: Rindviecher, Teil 3: Das Krawumm will hoch hinaus, Teil 4: Eishockey und Nobelpreis, Teil 5: Der Weltskeptikerkongress, Teil 6: James Randi!, Teil 7: Bulgarische Berge, Teil 8: Auf hoher See, Teil 9: Das Buch im Transit, Teil 10: Der Berliner Flughafen, Teil 11: Flauschige Eichhörnchen, Teil 12: Der Bund fürs Leben, Teil 13: Der weiße Gott, Teil 14: Besuch auf Tatooine, Teil 15: Bei den alten Römern, Teil 16: Gaudi in Barcelona, Teil 17: Geysire im Yellowstone-Park, Teil 18: Urlaubslektüre in Antalya, Teil 19: Das Unheil kommt von oben, Teil 20: Die chinesische Mauer
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08.Feb 2016 | 18:31

NASA to Unveil FY 2017 Budget Proposal on Tuesday

NASA Administrator Charles Bolden

NASA Administrator Charles Bolden

WASHINGTON (NASA PR) — NASA centers across the country are opening their doors Tuesday, Feb. 9 to media and social media for “State of NASA” events, including a speech from NASA Administrator Charles Bolden, and unique opportunities for a behind-the-scenes look at the agency’s progress on its journey to Mars. These events follow President Obama’s Fiscal Year 2017 budget proposal delivery to the U.S. Congress.

Events at NASA centers will include media tours and presentations on the innovative technologies developed and under development, as well as the scientific discoveries made as NASA explores and studies our changing Earth and our universe, and continues to make advancements in green, next-generation air travel.

Additionally, each center will connect via NASA Television with Bolden at 1:30 p.m. EST, who will speak from the agency’s Langley Research Center in Hampton, Virginia, about the agency’s scientific and technological achievements and cutting-edge future work. The briefing will air live on NASA TV and the agency’s website.

Also on Tuesday, at 5 p.m. NASA Chief Financial Officer David Radzanowski will brief media on the agency’s 2017 budget proposal.

Audio and visuals from the media teleconference will be streamed live on NASA’s website and on Ustream at:

http://www.nasa.gov/newsaudio

For NASA TV streaming video, schedule and downlink information, visit:

http://www.nasa.gov/nasatv

The NASA budget and supporting information will be available online Tuesday afternoon, at:

http://www.nasa.gov/budget

08.Feb 2016 | 17:07

Delta IV, Falcon 9 Launches Set

NROL45_MissionArtNight owls and insomniacs in California will be able to witness a spectacular night launch on Wednesday morning.

A United Launch Alliance Delta IV is set to lift off at 3:39 a.m. PST (6:39 a.m. EST) from Vandenberg Air Force Base carrying the National Reconnaissance Office’s NROL-45. If there are clear skies, the launch will be visible for hundreds of miles.

ULA will webcast the launch at http://www.ulalaunch.com.

SpaceX is planning to be back in action two weeks later with a planned Feb. 24 launch of its upgraded Falcon 9 booster. The rocket will carry SES-9 communications satellite for SES S.A. of Luxembourg. SpaceX will conduct the launch from the Cape Canaveral Air Force Station in Florida.

“In order to minimise the impact of moving the launch from late last year, SpaceX is supporting a mission modification,” SES said in a press release. “The changed mission will reduce the time needed for SES-9 to reach its orbital slot, keeping the Operational Service Date (OSD) in the third quarter of 2016, as previously foreseen….

“SES-9 will use a chemical bi-propellant apogee motor to quickly achieve a 24h synchronous orbit and then electric propulsion to circularise the final orbit and to remove eccentricity at 36,000 kilometers over the equator,” the company added. “Subsequent on-orbit manoeuvres will be executed with electric propulsion.”

08.Feb 2016 | 16:44

This Week on The Space Show

spaceshowlogo
This week on The Space Show with Dr. David Livingston:

1. Monday, Feb. 8, 2016: 2-3:30 PM PST (5-6:30 PM EST; 4-5:30 PM CST): We welcome back DR. ERIK SEEDHOUSE to discuss his new book on the Dragon capsule.

2. Tuesday, Feb. 9, 2016,7-8:30 PM PST (10-11:30 PM EST, 9-10:30 PM CST): We welcome back DR. JOHN BRANDENBURG for Part 2 of his Space Show program trilogy.

3. Friday, Feb. 12, 2016, 2016; 9:30-11AM PST; (12:30-2 PM EST; 11:30AM – 1 PM CST. We welcome back ANATOLY ZAK and for the first time DEBRA WERNER to discuss their Oct. 2015 article in Aerospace America on astronaut safety. The article is available online at www.aerospaceamerica.org/Documents/Aerospace%20America%20PDFs%202015/October2015/AA_Oct2015_MaximizingSafety_Feature1.pdf.

4. Sunday, Feb. 14., 2016: 12-1:30 PM PST (3-4:30 PM EST, 2-3:30 PM CST): We welcome back DR. MARK BRODWIN to discuss galaxies, galaxy formation, and new galaxy discoveries. Dr. Brodwin was a recent Hotel Mars guest on these subjects.

08.Feb 2016 | 12:37

ICESat-2 to Use Unique 3D Printed Parts

This image shows the ATLAS instrument inside a Goddard cleanroom where the instrument was assembled. (Credits: NASA/D. McCallum)

This image shows the ATLAS instrument inside a Goddard cleanroom where the instrument was assembled. (Credits: NASA/D. McCallum)

GREENBELT, Md. (NASA PR) — NASA’s follow-on to the successful ICESat mission will employ a never-before-flown technique for determining the topography of ice sheets and the thickness of sea ice, but that won’t be the only first for this mission.

Slated for launch in 2018, NASA’s Ice, Cloud and land Elevation Satellite-2 (ICESat-2) also will carry a 3-D printed part made of polyetherketoneketone (PEKK), a material that has never been used in 3-D manufacturing, let alone flown in space.

“This is a first for this material,” said Craig Auletti, lead production engineer on ICESat-2’s only instrument, the Advanced Topographic Laser Altimeter System (ATLAS) now being built at NASA’s Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland. The part is a bracket that supports the instrument’s fiber-optic cables.

PEKK Offers Advantages

Instrument developers chose PEKK because it’s strong, but perhaps more important, it’s electrostatically dissipative — that is, it reduces the build up of static electricity to protect electrostatically sensitive devices.

It also produces very little outgassing, a chemical process similar to what happens when plastics and other materials release gas, producing, for example, the “new car smell” in vehicles. In a vacuum or under heated conditions, these outgassed contaminants can condense on and harm optical devices and thermal radiators, significantly degrading instrument performance.

The 3-D manufactured part — a black bracket holding the instrument’s fiber-optic cables — is visible in the back of the ATLAS instrument. (Credits: NASA)

The 3-D manufactured part — a black bracket holding the instrument’s fiber-optic cables — is visible in the back of the ATLAS instrument. (Credits: NASA)

Although 3-D or additive manufacturing is used to create a variety of products, so far, it remains a rare occurrence in spaceflight applications. In fact, the PEKK bracket is believed to be only the second 3-D manufactured part to be flown in a spaceflight instrument, said Oren Sheinman, the ATLAS mechanical systems engineer NASA Goddard.

Three-dimensional parts printed of Ultem 9085 were produced and flown on the International Space Station by the NASA Ames Research Center’s Synchronized Position Hold, Engage, Reorient, Experimental Satellites (SPHERES) program.

Additive or 3-D manufacturing is attractive because it offers a fast, low-cost alternative to traditional manufacturing. With additive manufacturing, a computer-operated device literally prints a solid object, layer by layer, using a high-power optic laser that melts and fuses powdered materials in precise locations using a 3-D CAD model. “Had we manufactured this part classically, it would have taken six to eight weeks. We got it in two days,” Sheinman said, adding that costs to the project were up to four times less than with a traditionally machined part.

ATLAS: A Technical Marvel

The bracket, however is just one of the mission’s firsts. ATLAS, itself, is a technical marvel, said ATLAS Instrument Scientist Tony Martino. It will be NASA’s first space-borne, photon-counting laser altimeter and is expected to usher in a new, more precise method for measuring surface elevations.

As with its predecessor, ICESat-2 is designed to measure changes in ice-sheet elevations in Greenland and the Antarctic, sea-ice thicknesses, and global vegetation. However, it will execute its mission using a never-before-flown technique.

ICESat, which ended operations in 2009, employed a single laser, which made it more difficult to measure changes in the elevation of an ice sheet. With a single beam, researchers couldn’t tell if the snowpack had melted or if the laser was slightly off and pointed down a hill. ICESat-2 overcomes those challenges by splitting the green-light laser into six beams, arranged in three pairs, firing continuously at a rapid 10,000 pulses per second toward Earth.

Unlike analog-laser altimetry, which uses analog detectors and digitizes the return signal, ICESat-2 will employ a technique called photon counting. Used in aircraft instruments, photon counting has not yet been used for altimetry in a spaceflight instrument. It more precisely records the time-of-flight of individual photons as they travel from the instrument, reflect off Earth’s surface, and then are detected as they return to the instrument’s detectors — measurements that scientists use to calculate Earth’s surface elevation.

Perhaps more important to scientists who want to know how the ice sheets change over time, the multiple beams will give scientists dense cross-track samples that will help them determine a surface’s slope, while the high-pulse rate will allow ATLAS to take measurements every 2.3 feet along the satellite’s ground path — all at a higher resolution due to the photon counting.

“This is one of the new capabilities,” Martino said. “We’re getting cross track slope every time the satellite passes over.” Furthermore, the satellite will pass over the same area every 90 days during ICESat-2’s three-year mission, giving scientists a very detailed multi-year snapshot of how the ice is changing.

“It’s almost completely built,” Martino said, adding that the spacecraft will fly on the last Delta II launch vehicle. “All functional parts are there and our first comprehensive testing starts in February. We’re on track.”

For more Goddard technology news, go to https://gsfctechnology.gsfc.nasa.gov/newsletter/Current.pdf

08.Feb 2016 | 11:47

QinetiQ Studies How to Save World From Killer Asteroids

Asteroid Impact Mission spacecraft. (Credit: ESA/The Science Office Ltd.)

Asteroid Impact Mission spacecraft. (Credit: ESA/The Science Office Ltd.)

FARNBOROUGH, England — QinetiQ is examining what it would take to save the world from an asteroid impact, under an €840,000 [$937,398) contract awarded by the European Space Agency (ESA).

Scientists from QinetiQ’s Space business, in partnership with GMV, are defining the requirements for ESA’s Asteroid Impact Monitoring (AIM) mission, part of the Asteroid Impact & Deflection Assessment (AIDA) collaboration between ESA and NASA. AIDA will investigate the possibility of altering an asteroid’s course to prevent a collision with Earth.

According to the AIDA mission proposal, in 2022, two years after launch, NASA’s Double Asteroid Redirection Test (DART) spacecraft will collide with the 150m ‘Didymoon’ while ESA’s AIM satellite observes its effect on the asteroid’s trajectory. Its proximity to Earth in October 2022 will offer a unique opportunity to test advanced platform technologies and asteroid deflection techniques.

In carrying out the feasibility study for the AIM mission, QinetiQ is examining challenges such as navigation, propulsion, power and communications, before making recommendations to ESA on technical requirements.

The concept is being considered for discussion at the ESA ministerial conference in November 2016.

Frank Preud’homme, Commercial Director for QinetiQ’s Space business, said: “The number of known accessible near-earth objects has more than doubled in five years. However, while we are better equipped than ever to detect threats from asteroids, we are not yet able to defend our planet against them. The AIDA mission could be the first step in creating that line of defence.

“We are acting as the architects of the AIM mission, which is a very exciting prospect. Our experience in developing ESA’s Proba small satellites makes us uniquely placed to meet the complex technical and budgetary challenges of this study. This role also puts us in a strong position for the next phase if it gains approval at the ministerial conference in 2016.”

About QinetiQ

A FTSE250 company, QinetiQ uses its world class knowledge, research and innovation to provide high-end technical expertise and advice, to customers in the global aerospace, defence and security markets. QinetiQ’s unique position enables it to be a trusted partner to government organisations, predominantly in the UK and the US, including defence departments as well as other international customers in targeted sectors. Follow us on twitter @QinetiQ. Visit our blog www.qinetiq-blogs.com

05.Feb 2016 | 19:35

USA: Navigationssatellit GPS 2F-12 im All

Am 5. Februar 2016 wurde der US-amerikanische Navigationssatellit GPS 2F-12 auf einer Atlas-V-Rakete in 401-Konfiguration nach einer Startverschiebung von rund 48 Stunden ins All gebracht.
05.Feb 2016 | 09:02

Lockheed Martin mit Bau von JCSat 17 beauftragt

Lockheed Martin Commercial Space Systems (LMCSS) aus Denver in den USA teilte am 3. Februar 2016 mit, dass das Unternehmen vom Kommunikationssatellitenbetreiber SKY Perfect JSAT Corporation (JSAT) aus Japan mit dem Bau von JCSat 17 beauftragt wurde.
04.Feb 2016 | 12:09

China: Navigationssatellit BeiDou-3 M3-S im All

Der chinesische Navigationssatellit BeiDou-3 M3-S gelangte am 1. Februar 2016 an Bord einer chinesischen, vierstufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3C/YZ1 in den Weltraum.
02.Feb 2016 | 08:18

Wir suchen …

Das Raumfahrer.net-Portal sucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Redaktion mit Artikeln und aktuellen Beiträgen unterstützen.
31.Jan 2016 | 17:57

Proton-M bringt EUTELSAT 9B mit EDRS-A ins All

Am 29. Januar 2016 startete von der Rampe 200/39 des Raumfahrtzentrums Baikonur in Kasachstan eine Proton-M-Rakete mit Breeze-M-Oberstufe, um EUTELSAT 9B für den europäischen Kommunikationssatellitenbetreiber Eutelsat Communications S.A. und die Europäische Raumfahrtorganisation (ESA) in den Weltraum zu bringen.
05.Feb 2016 | 14:32

Nach der Party ist vor der Arbeit - Heute geht's los

EDRS-Kontrollraum beim DLR in OberpfaffenhofenLetzten Freitag fand bei uns im Kontrollzentrum eine Feier anlässlich des Starts des EDRS-A Satelliten statt. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung. Unser Team hatte die Gelegenheit, unsere Arbeit zu präsentieren.
03.Feb 2016 | 13:06

Flechten, Bakterien und eine Herausforderung für die Mars-Kamera - Teil 8

Nachdem wir den letzten Schneesturm in unseren Zelten heil überstanden hatten, war erst einmal Geduld bei allen Beteiligten angesagt. Unser Camp besteht aus 21 Insassen, die alle unterschiedliche wissenschaftliche Interessen und weit verteilte Arbeitsgebiete hier in North Victoria Land haben.
27.Jan 2016 | 16:00

Bad Vibes

ESA-Astronaut Tim Peake an Bord der ISSMan muss nicht Luft- und Raumfahrt studiert haben, um bei uns im Flight Control Team mitarbeiten zu können. Ich zum Beispiel bin Physiker - und habe in der Elektronenmikroskopie geforscht, wo man sich kleinste Teilchen, bis hinunter auf das atomare Niveau anschauen kann.
27.Jan 2016 | 13:20

T minus 1 Tag: Ruhe vor dem Start? Weit gefehlt.

Ganz knapp vor dem Start des EDRS-Betriebs startet mit diesem Beitrag der EDRS-Blog. Dieser soll die wichtigsten und spannendsten Momente der Mission darstellen und Einblicke in den täglichen Kontrollraumbetrieb ermöglichen. Hauptsächlich werden die im Betrieb beteiligten Personen von ihren Eindrücken und ihrer Arbeit berichten
27.Jan 2016 | 10:42

Ein Satellit reist ausnahmsweise allein

In der Nacht von Mittwoch, 27. Januar 2016, auf Donnerstag wird eine Ariane 5 ECA zum ersten Mal in diesem Jahr einen Satelliten ins All fliegen. Das Zeitfenster für den Start öffnet sich Donnerstag früh um kurz nach Mitternacht deutscher Zeit. Es wird von 0:20 bis 1:40 Uhr bestehen. In diesem Zeitfenster muss der Start erfolgen, um den Satelliten auf die für ihn vorgesehene orbitale Bahn zu befördern.
18.Jul 2015 | 22:56

Die siebten Burggespräche des Orion

Zwischen dem 14. und 16. August finden zum siebten Mal die „Burggespräche“ des Orion statt, organisiert von meiner Orion-Partnerin Maria Pflug-Hofmayr. Austragungsort ist wie jedes Jahr das Schloss Albrechtsberg an der Pielach in Niederösterreich. Es befindet sich nur eine Wanderstunde vom bekannten Wachau-Ort Melk mit seinem gewaltigen Barock-Kloster entfernt, etwa 90 Kilometer westlich von Wien. Wie immer hat der Veranstalter weder Kosten noch Mühen gescheut, und auch in diesem Jahr die Bahn der Bruchstücke des einstigen Kometen 109P/Swift-Tuttle (besser bekannt unter der Bezeichnung „Perseiden“) so umgeleitet, dass sie in den Tagen der Burggespräche publikumswirksam über der Burganlage verglühen und für Himmelsfotografen ein pittoreskes Motiv abgeben (siehe Bild). 

Albrechtsberg_Perseid2012-08-12_voltmer

Schloss Albrechtsberg an der Pielach mit einer Perseiden-Sternschnuppe. Das Bild stammt von Sebastiam Voltmer und wurde bei den vierten Burggesprächen am 12. August 2012 gemacht.

Die Burggespräche sind ein Astronomie -Intensivwochenende für Einsteiger und Weltraumfreunde. Neben der Himmelsbeobachtung und Workshops kommt dabei auch der gemütliche Rahmen nicht zu kurz. Wir beobachten gemeinsam den Himmel, Einsteiger erfahren, wie sie sich am Himmel orientieren können, und Fotografen erlernen das Einmaleins der Astrofotografie. Dieses Jahr ist die Gelegenheit übrigens besonders günstig, weil die Burggespräche auf ein Neumond-Wochenende fallen und der Himmel somit besonders dunkel ist.

Aus Heidelberg reist die Astronomin Felicitas Mokler an. Sie berichtet unter anderem über ihr Spezialgebiet: Planetenentstehung und Forschung an Exo-Planeten. Der Astrofotograf Alexander Pikhard hält einen Workshop über Himmelsfotografie mit praktischen Übungen. Die finden übrigens auch bei Schlechtwetter statt - lasst euch überraschen. Auch Science Buster Werner Gruber ist in diesem Jahr wieder dabei. Er ist nicht nur der Chef des Planetariums Wien sondern auch ein Begriff in der österreichischen Kabarettszene. In einem öffentlichen Vortrag über kulinarische Astronomie erläutert er die perfekte Zubereitung der Sternbilder. Von mir (Astra) könnt ihr einen Vortrag über das Enfant Terrible der Privaten Raumfahrt (und der Elektromobilität, und der Energiewirtschaft, und des zukünftigen Verkehrswesens und.., und..., und...) hören und sehen. Gemeint ist Elon Musk.

Wir versprechen ein unvergessliches Wochenende. Momentan gibt es noch vier oder fünf freie Plätze. Der Teilnehmerkreis ist derzeit etwas männerlastig. Sollten noch mehr als die notwendigen vier oder fünf Meldungen hereinkommen, dann findet ein zugegebenermaßen etwas subjektives Auswahlverfahren statt, bei dem die Mädels bevorzugt werden.

Alle Programm-Infos und die Links zu weiteren Informationen findet ihr hier.

23.May 2015 | 19:09

Proton: Pfusch & Pannen

Proton überschlägt sich

Der Absturz einer Proton unmittelbar nach dem Start. Ein gefundenes Fressen für die Presse Bild: Novosti Kosmonavtiki

2. Juli 2013, 4.38 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Von der Startanlage 81/24 in Baikonur hebt eine Rakete des Typs Proton M ab. Ihre Aufgabe: Drei Satelliten der Glonass-Konstellation in einen mittelhohen Erdorbit transportieren. Doch der Flug der von Chrunitschew gebauten Rakete dauert nur wenige Sekunden. Der Träger steigt wie betrunken schlingernd vom Starttisch, schlägt zwei scharfe Haken und dreht sich dann um 180 Grad. Mit bis zuletzt nach oben feuernden Triebwerken detoniert er 37 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe einen Kilometer entfernt beim Aufschlag auf dem Boden.

Nachdem die Rakete über alle Stufen mit einer Treibstoffkombination arbeitet, die ziemlich toxisch ist (Oxidator: Stickstofftretoxid, Treibstoff: unsymmetrisches Dimethlyhydrazin) wurden die Insassen der umliegenden Gebäude zunächst angewiesen, Türen und Fenster geschlossen zu halten und die Häuser nicht zu verlassen. Die Anordnung konnte aber bald wieder aufgehoben werden, der Wind stand glücklicherweise günstig. Die Startanlage blieb unbeschädigt. Am Aufschlagort entstand allerdings im Gelände ein Krater von 200 Metern Durchmesser und fünf Metern Tiefe.

Mehr noch als der materielle Verlust schadete der Unfall Russlands Reputation als Raumfahrt-Großmacht. In der Rangliste von Dingen, die jemanden diesem Gewerbe schlecht aussehen lassen, übertrifft nur wenig den Anblick einer Großträgerrakete, die vor den Augen der Welt in geringer Höhe auf erratischen Kurs geht und dann in einer gewaltigen Explosion detoniert. Die Europäer, denen im Juni 1996 ähnliches passierte – seinerzeit beim ersten Testflug ihrer damals brandneuen Ariane 5 – können ein Lied davon singen. Ich weiß nicht, wie viele hundert Male ich seitdem diese Ariane explodieren sah. Sie bekam in jeder beliebigen Fernseh-Dokumentation über Raumfahrt ihre Paraderolle, gleich hinter der explodierenden Raumfähre Challenger, ob es nun zum Thema passte oder nicht. Somit herzlichen Dank an die Proton, die nun in den kommenden Jahrzehnten diesen Rang einnehmen wird.

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Diesen Startposter hatte Mexsat in der Erwartung eines erfolgreichen Starts vorbereiten lassen Bild: Mexsat

Man sollte annehmen, dass nach einer solchen Show höchste Vorsicht angesagt ist, doch nur neun Proton-Starts später kam es bereits zum nächsten Fehlschlag, als am 15. Mai letzten Jahres der russische Kommunikationssatellit Ekspress AM4R (der seinerseits schon der Ersatzsatellit für den früher von einer Proton versenkten Kommunikationssatelliten Ekspress AM4 war) wegen eines Fehlers in der dritten Stufe über Sibirien verglüht. Und letzte Woche, erneut nur sieben Starts später, versagt schon wieder eine Proton M und ließ die Überreste von MexSat-1 über Zentralasien vom Himmel regnen. Und es ist nicht nur die Proton die betroffen ist: Seit Mai 2009 ereigneten sich nicht weniger als 16 Fehlstarts mit Trägern der Typen Sojus, Rokot, Zenit und Proton.

Es ist schlecht bestellt um Russlands Raumfahrt. Die hohen Startfrequenzen täuschen ein falsches Bild vor. Seit zwei Jahrzehnten gibt es keine nennenswerten Neuentwicklungen mehr. Wissenschaftliche Raumfahrzeuge sind zur seltenen Ausnahme geworden. Raumsonden entsendet Russland nur noch alle Jubeljahre, und lässt sie dann, wie zuletzt im November 2011 mit Phobos Grunt, in einer öffentlichen Zurschaustellung des Unvermögens enden. Mit Ausnahme der Angara stammt alles, was heute in Russland die Startrampen verlässt, noch aus der Sowjetära. Die Zeiten, zu denen in Russland wegweisende Neuheiten auf dem Gebiet der Raumfahrt entstanden, sind längst Geschichte. Selbst dringend notwendige Ersatzentwicklungen, Neuinvestitionen und Produktverbesserungen werden immer weiter in die Zukunft hinausgeschoben, verirren sich in der ausufernden Bürokratie oder fallen der allgegenwärtigen Korruption zum Opfer.

Ehrwürdige Großmutter

Die Proton ist die ehrwürdige Großmutter unter den russischen Trägerraketen. Nur eine einzige Trägerrakete weltweit - die R-7 in ihren Varianten - hat eine noch längere Lebensgeschichte als sie. Beide befinden sich schon seit Chrustschows Zeiten im russischen Arsenal. Seit ihrem Erstflug im Jahre 1965 flog die Proton 404 Missionen, von denen 48 teilweise oder ganz scheiterten. Die überwiegende Zahl dieser Fehlschläge ist in den sechziger und siebziger Jahren verortet. In den Jahrzehnten danach galt sie als ausgereifte, technisch solide Konstruktion mit zumindest durchschnittlicher Zuverlässigkeit. Selbst die turbulenten Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion änderten daran kaum etwas. Erfahrenes, hoch qualifiziertes, und trotz der wirtschaftlichen und politischen Wirren motiviertes Personal sorgte dafür, dass dieser Trägertyp hinsichtlich seiner Zuverlässigkeit bei gut akzeptablen Werten blieb.

Im Jahr 2000 gab es 14 Starts der Proton, die allesamt erfolgreich verliefen, genauso wie die sechs Missionen des Jahres 2001. Bei den neun Flügen des Jahres 2002 kam es zu einem Fehlstart, bei dem der Kommunikationssatellit Astra 1K in einem unbrauchbaren Orbit strandete. Die fünf Proton-Starts des Jahres 2003 verliefen dagegen wieder allesamt erfolgreich, ebenso wie die acht Starts des Jahres 2004 und die sieben Missionen des Jahres 2005. Im Verlauf von sechs Jahren gab es somit bei insgesamt 49 Starts einen einzelnen Fehlschlag. Das ist, selbst nach den Maßstäben der heutigen Raumfahrt, ganz ordentlich. 98 Prozent Zuverlässigkeit, da meckert keine Versicherungsgesellschaft.

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Rollout der Mexsat-Proton M zur Startrampe Bild ILS

Etwa um das Jahr 2005 begannen allerdings die erfahrenen Kräfte der russischen Raumfahrt vermehrt in den Ruhestand abzuwandern. Neue Mitarbeiter wurden wegen des insgesamt zu hohen Personalstandes nicht mehr eingestellt, das Interesse der jungen Ingenieure und Techniker, sich in der Raumfahrt zu verdingen, war ohnehin gering. Die Bezahlung war schlecht und das Prestige längst nicht mehr dasselbe wie in der Sowjet-Zeit.

Im Jahre 2006 wurden sechs Proton Starts durchgeführt. Es gab einen Fehlschlag, als die Briz-M Oberstufe einer Proton M am 28. Februar das zweite Brennmanöver vorzeitig beendete und die drei weiteren daraufhin gar nicht erst begannen. Das Jahr 2007 sah sieben Proton-Starts. Erneut schlug einer davon fehl, weil die Trennung zwischen erster und zweiter Stufe nicht gelang. Auch von den 10 Starts des Jahres 2008 scheiterte einer. Zumindest teilweise, denn der Kommunikationssatellit AMC-14, die Nutzlast bei diesem Flug, konnte die Minderleistung der Briz-M Oberstufe mit seinen Bordtriebwerken ausgleichen. Die wirtschaftliche Lebensdauer des Raumfahrzeugs wurde durch diese Maßnahme jedoch von 15 auf nur noch vier Jahre verkürzt. Das Jahr 2009 sah zehn erfolgreiche Starts. Von den 12 Starts des Jahres 2010 scheiterte erneut einer, wobei drei russische Navigationssatelliten im Pazifik versenkt wurden. Grund war eine fehlerhafte Betankung der Oberstufe. Die 45 Starts der fünfjährigen Periode zwischen 2006 und 2010 produzierten somit vier Fehlstarts. Die Zuverlässigkeitsquote war auf 91 Prozent gesunken.

Die Abwanderung der Wissensträger hatte sich in dieser Fünfjahresperiode verstärkt. Fatal in einem System, das traditionell weniger Wert auf umfangreiche Dokumentation denn auf verbale Knowhow-Übermittlung legt. Inzwischen fehlte bei Firmen wie Chrunitschew fast die komplette Transfergeneration zwischen 30 und 55 Jahren. Auf der einen Seite gibt es somit die immer mehr ausdünnenden Belegschaft der Wissensträger und auf der anderen Seite unerfahrenes, unterbezahltes, gering motiviertes und – wie sich immer häufiger zeigt – ungenügend ausgebildetes neues Personal.

Die neun Starts des Jahres 2011 produzierten einen Fehlschlag und kosteten Russland seinen Ekspress-AM4 Kommunikationssatelliten. Von den elf Starts des Jahres 2012 scheiterten gleich zwei, wobei einer der betroffenen Satelliten, Yamal-402 am Ende doch noch die angestrebte Nutzlast erreichte, wenngleich zu Lasten seiner wirtschaftlichen Lebensdauer. Und im Jahre 2013 gelangen die ersten vier Starts, doch Nummer fünf (mit dem wir in die Story eingestiegen sind) scheiterte erneut. Fünf weitere Starts zwischen September und Dezember 2013 gelangen. Zwischen 2011 und 2013 waren dies somit bei 30 Starts vier Fehlschläge. Die Zuverlässigkeitsquote lag jetzt bei 87 Prozent.

2014 und 2015 gab es bei bislang zusammen 11 Starts erneut zwei Fehlschläge. Die Zuverlässigkeit liegt damit bei gerade noch 82 Prozent.

Zum Vergleich einige Daten westlicher Träger: Bei den bisher insgesamt 53 Starts der Atlas 5 kam es nur ein einziges Mal zu einer geringfügigen Minderleistung der Oberstufe, die aber den Missionserfolg nicht gefährdete. Bei den 29 Starts der Delta 4 seit dem Jahre 2002 gab es ebenfalls nur ein einziges Mal, und das war beim Erstflug der Delta 4 „Heavy“, eine Minderleistung, die einer Sekundärnutzlast den Missionserfolg kostete. Die Ariane 5 hatte zwar auch in ihren ersten Jahren ihr gerütteltes Maß an Fehlern, so kam es in der Frühphase des Programms zu insgesamt zwei Fehlstarts und zwei Teilerfolgen, aber seitdem fliegt diese Rakete seit zwölfeinhalb Jahren in einer makellosen Serie und absolvierte dabei 64 erfolgreiche Missionen in ununterbrochener Folge. Der letzte Fehlstart datiert auf den Dezember 2002 zurück. Selbst ein vergleichsweise brandneuer Träger wie die Falcon 9 von SpaceX hat inzwischen bei 17 Starts 17 fehlerfreie Missionen hingelegt.

Verkehrt herum eingebaut

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Die Proton M für Mexsat wird über dem Flammenschacht aufgerichtet Bild ILS

Zurück zur Proton und dem fatalen Absturz vom 2. Juli 2013. Er ist exemplarisch für die Schlamperei, die in Russlands Raketenfabriken herrscht. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos setzte gleich nach dem Unfall eine Kommission für die Fehlerermittlung ein. Der Vermarkter von Proton-Starts für Kunden aus aller Welt, International Lauch Services (ILS), installierte vorsichtshalber eine eigene Arbeitsgruppe, um die Ergebnisse der Roskosmos-Kommission zu überprüfen, denn Vertuschung ist in Russland an der Tagesordnung.

Nach vier Wochen Arbeit gab die Untersuchungskommission bekannt, dass der Absturz der Rakete durch fehlerhaft installierte Lagesensoren verursacht worden sei. Und zwar seien diese Sensoren verkehrt herum eingebaut worden. Sie standen danach gewissermaßen auf dem Kopf und hatten daher nie die Chance, richtige Werte an die Flugsteuerung der Rakete zu liefern.

Der Bau der Unglücksrakete war bei Chrunitschew im Dezember 2011 beendet worden. Die fehlerhafte Installation der drei Lagewinkel-Sensoren, die Daten für die Kurskorrekturen der Rakete liefern, war - wie man rekonstruierte - am Mittwoch, dem 16. November 2011 geschehen. Sie wurde bis zum Mai 2012 im Herstellerwerk eingelagert und dann nach Baikonur geliefert.

Die Montage der Lagekontrollanzeiger ist nicht einfach. Der Arbeitsplatz dafür ist nur über ein kleines Mannloch zu erreichen und schlecht einzusehen. Um den Einbau zu erleichtern gibt es an der Platine, auf der die Sensoren montiert werden müssen, zwei jeweils fünf Millimeter hohe Führungsstifte. In die müssen die Geräte einrasten, um dem Montagetechniker die korrekte Ausrichtung zu signalisieren. Allerdings ist es unter Ausübung brachialer Gewalt (und wahrscheinlich der Verwendung eines schweren Fäustels) auch möglich, die Geräte verkehrt herum in die Halterungen zu hämmern. Dann rastet zwar nichts ein, aber durch die Gewaltanwendung sind die Geräte derart verkeilt, dass sie sich ebenfalls nicht mehr lösen können.

Man kann es kaum glauben, aber nicht nur überprüfte niemand den Einbau der Einheit direkt bei der Montage oder zumindest nach dem Abschluss der Arbeiten. Es fanden auch keine Funktionschecks statt. Es gab lediglich eine Prüfung, ob die Stromleitungen funktionierten. Bei Airbus beispielsweise (aber auch überall sonst in der Raumfahrtindustrie weltweit) beobachten nicht selten zwei Mitarbeiter der Quality Assurance jeden Arbeitsschritt, während ein dritter den Einbau vornimmt.

Praktisch jeder Fehlstart der letzten zehn Jahre geht auf das Konto der völlig unzureichenden Qualitätskontrolle und des unzureichend ausgebildeten und unterbezahlten Personals in Russland zurück. Die übliche russische Methode der „Ursachenbehebung“, nämlich einfach Spitzenmanager zu feuern, kam auch seinerzeit zur Anwendung. Bereits wenige Tage nach dem Unfall rollten in guter alter russischer Sitte bei Chrunitschew die ersten Köpfe.

Falsche Betankung, fehlerhafte Flugsoftware, groteske Montagefehler, Betrieb außerhalb der spezifizierten Werte, undiszipliniertes Verhalten auf allen Ebenen, kriminelle Vernachlässigung der Aufsichtspflicht seitens der Vorgesetzten und vieles mehr. All das ist – das sei deutlich herausgestellt - nicht der Konstruktion der Trägerrakete anzulasten, sondern einer Qualitätssicherung, die offensichtlich nur in den Organigrammen, aber nicht in der Realität existiert.

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Beim Verlassen der Startrampe war mit der Mexsat-Proton M noch alles in Ordnung Bild ILS

Der Sturzflug in der Qualität russischer Raumfahrtprodukte hat lange Zeit um die Firma RKK Energija, den Hersteller der Sojus Rakete und der Progress- und Sojus-Raumschiffe einen Bogen gemacht. Zwar gab es auch hier immer wieder Anzeichen für Qualitätsmängel. Doch die schienen meist im Vorfeld von Starts aufgefangen und korrigiert worden zu sein. Die Sojus ist - das nur zur Erinnerung - momentan das einzige Trägerfahrzeug weltweit, das Menschen zur ISS bringen kann. Zusätzlich startet sie nach wie vor auch den Löwenanteil der unbemannten Nachschubfahrzeuge zur Internationalen Raumstation. Doch auch das scheint nicht mehr länger garantiert zu sein. Zwischen Januar 1978 und April 2015 gab es insgesamt 140 Progress-Missionen. Deren Starts verliefen während der Ära der Raumstationen Salut 6, Salut 7, Mir und im ersten Jahrzehnt des ISS-Programms praktisch fehlerfrei. Die beiden einzigen Fehlschläge ereigneten sich 2011 und 2015, nachdem es davor über 30 Jahre lang tadellos funktioniert hatte.

Was wird aus ExoMars?

An der Stelle erhebt sich nun die Frage, warum Europa eines der teuersten Raumfahrtprogramme seiner Geschichte, die aus insgesamt drei Nutzlasten bestehende ExoMars Expedition, ausgerechnet dem mit weitem Abstand schlechtesten Trägersystem der Welt anvertraut. Die vordergründige Antwort ist natürlich klar. Russland stellt die Proton kostenlos als eigenen Beitrag zu diesem Projekt bei. Damit spart sich die ESA insgesamt 320 Millionen Euro, welche die Beschaffung von zwei Ariane 5 ECA kosten würde. Die Frage ist hier nur, ob man bei einem Programm, das auch ohne die Träger schon 1,2 Milliarden Euro kostet, ausgerechnet bei der Trägerrakete sparen sollte?

Die Lage wird allein schon dadurch kritisch, weil der erste der beiden Proton-Starts zum Mars, die ExoMars 2016-Mission, nur noch ganze acht Monate entfernt ist. Es ist jedoch nach diesem erneuten Versager völlig offen, wann die Rakete überhaupt wieder für Flüge freigegeben wird. Anders als für kommerzielle Satellitentransporte gibt es für Flüge zum Planeten Mars ein enges, nur wenige Wochen langes Startfenster. Trifft man das nicht, dann muss man 26 Monate warten, bis es sich wieder öffnet. Aber selbst wenn die Rakete bereitsteht: Die kombinierte Wahrscheinlichkeit des Verluste einer der beiden Missionen liegt bei 36 Prozent. Das hätte man noch nicht einmal in den frühen 60iger Jahren akzeptiert.

Und es gibt noch einen anderen Aspekt. Und mich wundert, dass es bislang noch nie diskutiert wurde. Ein zweites Danaer-Geschenk Russlands für dieses Unterfangen. Das ist die Landesonde, mit der Europas ultrateurer Rover den Abstieg auf die Marsoberfläche unternehmen soll. Die Geschichte Russlands erfolgloser Versuche den Mars, seine Umlaufbahn oder seine Oberfläche zu erreichen ist lang und bitter. Ausnahmslos alle Landeversuche scheiterten. Keine einzige der insgesamt 20 russischen Marsmissionen (hier sind auch Orbit- und Vorbeiflugmissionen eingerechnet) kann man als uneingeschränkten Erfolg bezeichnen. Dabei fanden 18 davon noch in den "guten alten" Zeiten der sowjetischen Raumfahrt-Ära statt. Seit dem Ende der Sowjet-Ära machte Russland nur noch zwei Versuche den Mars zu erreichen, das war im Jahre 1996 die Mission „Mars 96“ und im Jahre 2011 die Mission „Phobos Grunt“. Beide endeten als peinliche Fehlschläge. Die Wahrscheinlichkeit, dass Russland im Sommer 2018, dem vereinbarten Startdatum, erstens einen Lander zur Verfügung hat, und dass der zweitens auch perfekt funktioniert wird, sind denkbar gering.

Raumfahrzeuge auf dem Mars zu landen gehört zu den schwierigsten Herausforderungen, der heutigen Astronautik. Wenn es bei den Amerikanern so leicht und spielerisch aussieht, dann nur, weil sie einsam in einer Spitzenklasse agieren, an die weltweit niemand herankommt. Europa ist im Jahre 2003 mit einem viel simpleren Konzept als der des US-Rovers Curiosity gescheitert. Und jetzt soll es Russland können? Ausgerechnet Russland, das die meisten seiner Fähigkeiten aus der Sowjet-Ära verlernt hat? Russland, in dem geschlampt wird ohne Ende. Russland, das seit Jahrzehnten keine neue Raumfahrt-Hardware entwickelt und das die interplanetare Raumfahrt offensichtlich völlig verlernt hat. Russland, dessen Raumfahrt in stetigem Niedergang begriffen ist. Wem vertrauen wir uns hier eigentlich an?

P.S. Lesen Sie dazu auch diesen Beitrag aus dem Jahr 2011 von Go for Launch.

16.May 2015 | 11:04

Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken – Siebter Brief

und wer's noch nicht gelesen hat: hier sind Brief 1, Brief 2, Brief 3, Brief 4, Brief 5 und Brief 6Bloggewitter_Kinder_logo

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Zum Abschluss noch einmal Snoopy, der Hundehütten-Astronaut Bild AS Teitel

Mannmannmann, das war jetzt doch eine ganz schön lange Pause mit den Briefen. Aber ich hab‘s echt nicht früher geschafft. Erst war ich in Wien, bei Yuris Night. War eine schöne Sache, wie jedes Jahr. 150 Leute im großen Kuppelsaal des Urania-Observatoriums. Die ist direkt an einem der belebtesten Plätze in Wien, dem Schwedenplatz. Kaum zu glauben, dass da eine Sternwarte ihren Platz hat, denn besonders viele Sterne sieht man wegen der Helligkeit der Stadt von hier aus nicht. Aber das war vor über 100 Jahren, als sie eröffnet wurde, wohl noch anders.

Dann war ich in Würzburg bei der Veranstaltung "Reisende im Sonnensystem" am Mineralogischen Institut der Universität. Da hab ich einen Vortrag gehalten. Und dann war ich eine Woche lang in Südtirol beim Wandern und Futtern (und netten Wein trinken). Ganz ohne Raumfahrt.

Fußball hab ich da nur am Rande mitbekommen. Was die Bayern in dieser Zeit abgeliefert haben: meine Güte. Wenn man da mal ein paar Wochen nicht aufpasst, fangen die gleich an zu schlampern. Eine Niederlage an der anderen. Wird Zeit, dass wir zwei uns da wieder ein wenig drum kümmern, sonst schleicht noch mehr der Schlendrian ein :-)

Ich hab Dir im letzten Brief beschrieben, wie kompliziert es ist, einen Raumanzug „anzuziehen“. Da kann man in Zukunft sicher noch einiges verbessern. Es gibt aber auch noch viele andere Dinge, die man für zukünftige Raumanzüge anders machen muss. Nur ein Beispiel: Bei den Apollo-Mondlandungen zeigte sich, dass Staub und Abnutzung ein ernstes Problem sind.

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Raumanzug der Zukunft. Bild: Beonit Concepts

Bei keiner der Mondlandungen gab es mehr als drei EVA's pro Mission auf der Mondoberfläche. In der Regel waren die Anzüge schon wenige Minuten nach dem ersten Ausstieg über und über mit Staub bedeckt. Die Astronauten selber schätzten, dass ihre Anzüge nicht mehr als fünf EVA's durchgehalten hätten. Danach wären sie wegen der Staubablagerungen in den Scharnieren so undicht geworden, dass man sie nicht mehr sicher benutzen hätte können. Bei einer Marsexpedition ginge so etwas aber gar nicht. Da muss man Raumanzüge hunderte Male verwenden können, denn man kann nicht einfach zur Erde zurückfliegen und sich mal kurz neue holen.

Überhaupt die Dichtigkeit. Ich hab’s ja schon einmal gesagt: Kein Raumanzug ist vollständig dicht. Man kann ihn nur MÖGLICHST dicht bekommen. Könnte man die ganzen Undichtigkeiten sichtbar machen, der Raumanzug würde aussehen wie eine Sprinkleranlage in Menschenform. Überall leckt die Luft heraus. An den Armen, an den Handschuhen, am Torso, am Helm, überall. Das PLSS (also der Geräterucksack) muss ständig "nachpumpen". Die Handschuhe und Armteile sind am wenigsten dicht. Da gehen etwa 25 Kubikzentimeter Luft pro Minute raus. Am Helm interessanterweise am wenigsten. Der verliert nur 2 Kubikzentimeter pro Minute. Alles in allem gehen etwa 40 Kubikzentimeter Luft pro Minute verloren.

Wieviel Luft ist jetzt eigentlich in so einem Raumanzug insgesamt drinnen? Das hängt natürlich von der Größe ab. Im Schnitt sind es aber etwa 135 Liter. Ohne den Astronauten drin. Mit dem sind es etwa noch 55 Liter Luft. Das sind 55.000 Kubikzentimeter. Das bedeutet, wenn man gar nichts nachpumpt, würde die gesamte Luft nach etwa 23 Stunden aus dem Raumanzug entwichen sein. Geht also eigentlich doch gar nicht sooo schnell, mit dem Luftverlieren, wie das zuerst ausgesehen hat.

Dann muss das Gewicht reduziert werden. Der Apollo-Anzug wog 82 Kilogramm. Der Raumanzug der ISS wiegt auf der Erde sogar - vollgetankt und mit allem Drum und Dran - 128 Kilogramm. Ohne den Astronauten. Wenn man den mal mit 72 Kilo ansetzt, dann sind das zusammen 200 Kilo. In der Schwerelosigkeit ist das kein Problem. Auf dem Mond wäre das noch akzeptabel (da beträgt die Schwerkraft nur ein Sechstel von der auf der Erde). Schwieriger wäre das schon auf dem Mars. Da würde unser Astronaut – allerdings MIT dem Raumanzug – ungefähr 75 Kilo wiegen, wäre aber in dem sperrigen, umständlichen und komplizierten Ding unterwegs. Um dem abzuhelfen entwickelt die NASA derzeit einen so genannten "Hard Suit" (spricht man „Hard Sjuut“). Also einen "Harten Raumanzug". Trotz des Namens, der nach viel Gewicht klingt, soll der haltbarer, wesentlich leichter und vor allen Dingen viel einfach anzulegen sein.

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"Maximum Absorption Garment", oder kurz MAG. Die Astronautenwindel. Bild: NASA

Wir haben ja schon gesehen, dass so ein Raumanzug eine Art „Mini-Raumschiff in Menschenform“ ist, in dem sich die Astronauten bis zu zehn Stunden aufhalten müssen. Wenn man da solange Zeit drin eingesperrt ist, muss man in diesem Anzug auch aufs Kloo gehen könne. Dabei geht es in praktisch allen Fällen nur um das „kleine Geschäft“. Pinkeln also. Das „große Geschäft“, den Stuhlgang also, muss man halt so lange „verdrücken“, bis man wieder zurück im Raumschiff ist.

Zu den Zeiten der Apollo-Mondflüge war die Pinkelvorrichtung noch speziell auf den männlichen Körperbau hin ausgerichtet. Der Astronaut auf dem Mond konnte damit im Stehen pinkeln. Aber wir wissen ja: So ein "Pimmel" ist von Mann zu Mann ja recht unterschiedlich. Da gibt es lange und kurze, dicke und dünne, und bei Kälte und Wärme verändert sich die Länge auch nochmal. Richtig gut hat das deswegen nie funktioniert, und mehr als ein Astronaut stand während der vielstündigen Mondexkursionen bis zu den Knöcheln im eigenen Urin. Und so entschieden sich die Ingenieure von Hamilton Standard, die EMU für die Shuttle-Missionen und die Raumstation im „unisex“-Format auszulegen. Für Männer und für Frauen gleichermaßen geeignet. Schon weil jetzt nicht mehr nur Männer in den Weltraum flogen, sondern auch Frauen. Somit musste der Raumanzug in allen Funktionen für Frauen UND Männer geeignet sein. Die Lösung des Problems war so einfach, dass man schon sagen muss: Da hätte man auch gleich drauf kommen können. Für beide Geschlechter gibt es jetzt einfach das Maximum Absorption Garment, kurz MAG. Das sind die Windeln für Erwachsene, über die wir schon gesprochen hatten.

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Die europäische Astronautin Samantha Cristoforetti, eine Kollegin von Luca Parmitano, bereitet sich hier auf das Unterwassertraining in Houston vor. Sehr gut zu erkennen ist die Unterwäsche, durch die fünf Liter Kühlflüssigkeit läuft. Die gelben Stücke sind die Schlauchanschlüsse zum PLSS. Bild: NASA

Astronauten üben heutzutage für ihre Raumflüge unter Wasser. Als erster hat das Edwin Aldrin gemacht, viel besser bekannt unter seinem Spitznamen "Buzz" (Bass). Er war ein Mitglied der Apollo-11 Crew und der zweite Mensch auf dem Mond. Aber er flog schon vorher in den Weltraum, nämlich mit Gemini 12. Und ich hab Dir ja geschrieben, dass das EVA-Manöver bei den Gemini-Flügen zuerst überhaupt nicht gut geklappt hat. Bis dann Buzz Aldrin und die Ingenieure von der NASA das Unterwasser-Training erfunden haben. Damit da nichts passiert, also beim Training im Wasser, wird so ein Astronaut immer von Sicherungs-Tauchern begleitet. Schließlich will ja keiner, dass einer wegen eines undichten Ventils im Raumanzug womöglich auf der Erde ertrinkt.

Die Gefahr des Ertrinkens ist nun mal die größte Gefahr für einen Astronauten. Im Weltraum und auf der Erde. Meine zumindest ich (andere Leute sind da natürlich durchaus anderer völlig Meinung, das muss ich schon zugeben). Aber es ist nun mal Tatsache: in so einem Raumanzug ist nicht nur Luft, sondern da sind insgesamt auch etwa sieben Liter Wasser. Fast ein ganzer Eimer voll. Zwei Liter davon sind Trinkwasser. Fünf Liter sind die Kühlflüssigkeit. Wir haben gesehen, dass es in einem Raumanzug nie das Problem ist, dass es da drin zu kalt wird. Das Problem besteht vielmehr darin, die im Anzug produzierte Wärme wieder herauszubringen. Und dazu braucht man diese fünf Liter Kühlwasser. Sie bewahren den Astronauten davor, einen Hitzschlag zu bekommen. Das Kühlwasser kreist in Röhrchen in der Unterwäsche der Astronauten, wird im Geräterucksack gekühlt, und dann wieder in den Unterwäsche-Kühlkreislauf geschickt.

Und mit diesem Unterwäsche-Kühlkreislauf, der sich doch so harmlos anhört, wäre um ein Haar etwas Schreckliches passiert. Und es ist noch gar nicht so lange her:

Das Problem begann am 16. Juli 2013. Der europäischer Astronaut Luca Parmitano, der gerade fünfeinhalb Monate auf der Internationalen Raumstation verbrachte, sollte an diesem Tag mit seinem amerikanischen Kollegen Chris Cassidy (spricht man: Kriss Kässidi) einen Außeneinsatz unternehmen. Ihre Aufgabe bestand darin, Kabelverbindungen an der Hülle einiger Module zu installieren. Einen ähnlichen Außeneinsatz hatten sie schon eine Woche zuvor gemacht, und dabei war alles gut gegangen.

Die beiden Astronauten verließen die Luftschleuse, als sich die Raumstation gerade auf der Nachtseite der Erde befand. Es war somit stockfinster draußen. Parmitano klinkte seine Sicherheitsleine mit dem Karabiner in eine der dafür vorgesehenen Ösen ein. Cassidy machte dasselbe. Die beiden checkten sich gegenseitig, dann begab sich jeder auf seine Arbeitsstation. Obwohl sich die beiden an diesem Tag fast im selben Bereich der Station aufhalten sollten, nur ein paar Meter voneinander entfernt, waren ihre Wege dorthin doch sehr unterschiedlich. Die Sache war so ähnlich, wie wenn zwei Leute gleichzeitig eine Gartenhecke schneiden. Der eine außen, und der andere innen. Derjenige, der außen arbeitet, muss erst den Garten verlassen, und um das Haus herumgehen, damit er an seinen Platz kommt, obwohl sie am Ende nur zwei Meter voneinander entfernt sind.

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Hier legt sich Luca Parmitano (Mitte) vor seinem gefährlichen Abenteuer gerade den Raumanzug an. Links ist Chris Cassidy, rechts Karen Nyberg. Bild: NASA

Parmitano nahm den direkten Weg, während Cassidy den langen Weg einschlug, bei dem er um das Zentralsegment der Raumstation herum musste. Parmitano begab sich zunächst zu einem Behälter, den er vor einer Woche, beim ersten Teil der Arbeiten zurückgelassen hatte. In diesem Behälter waren verstaut. Die sollte Parmitano an diesem Tag an Anschlussbuchsen anklemmen, und sie an der Hülle der Labormodule mit kleinen Metalldrähten befestigen. Bei dieser Aufgabe musste er die Finger sehr viel bewegen, was im aufgepumpten Raumanzug sehr anstrengend ist, wie wir schon wissen.

Chris Cassidy hatte vor einer Woche das erste Kabel schon teilweise angeschlossen. Parmitano machte nun bei der Arbeit da weiter, wo sein Kollege aufgehört hatte. Er nahm das Teil, das noch nicht verbunden war, und verlegte es sorgfältig hin zur Anschlussbuchse. Nach ein paar kleineren, anfänglichen Problemen informierte er die Bodenkontrolle in Houston, dass er jetzt mit dem ersten Kabel fertig wäre und nun das zweite in Angriff nimmt. Dieses Kabel muss an der schwierigsten Arbeitsstation an der ganzen ISS verlegt werden: Dem Kreuzungspunkt der Module Tranquillity, Unity und Destiny.

Das ist eine vertrackte Position und dort ist er ziemlich eingeklemmt. Die Arbeit mit der zweiten Leitung ist deswegen schwierig, denn er kann sich kaum bewegen. Außerdem will sich das Kabel immer wieder zusammenrollen. Gerade als er sich überlegt, wie man es am besten "entspiralisiert", fällt ihm auf, dass etwas nicht stimmt. Da ist Feuchtigkeit im Nacken. ganz schön viel Feuchtigkeit. Das ist ein ziemlich unerwartetes Gefühl in einem Raumanzug. Parmitano bewegt den Kopf von einer Seite zur anderen, um sein Gefühl zu bestätigen. Aber es geht nicht weg. Die Feuchtigkeit bleibt. Und eigentlich kann man es auch nicht „Feuchtigkeit“ nennen. Es ist eindeutig nass.

Es kostet ihn einige Überwindung, der Flugleitung in Houston das Problem mitzuteilen. Er weiß, dass seine Nachricht das Ende dieses Außenbordmanövers bedeuten wird. Er berichtet, was los ist, und die Flugkontroller in Houston bitten ihn, auf weitere Anweisungen zu warten. Sein Kollege Chris Cassidy hat die Sache über den Helmfunk mitbekommen, und sich zu ihm hinüber begeben. Jetzt sieht er nach, ob er von außen die seltsame Wasserquelle im Helm sehen kann.

Zunächst sind die beiden davon überzeugt, dass es aus dem Trinkwasservorrat kommen muss. Oder dass es vielleicht Schweiß ist. Aber die Flüssigkeit ist viel zu kalt um Schweiß zu sein. Und vor allem: Es wird immer mehr. Außerdem sieht Cassidy er kein Trinkwasser aus dem Saugventil fließen. Er gibt seine Beobachtung an Houston durch. Jetzt ist Houston richtig alarmiert und gibt die Anweisung, das EVA sofort abzubrechen. Parmitano vereinbart mit Cassidy, dass der zuerst noch die Arbeitsgeräte sichern soll, bevor auch er in die Luftschleuse zurückkommt. Parmitano und Cassidy haben ja alle Gerätschäften noch „draußen“ gelassen. Für Cassidy bedeutet das aber, dass er erst wieder um die Zentralstruktur herum muss, um seine Arbeitsstation zu sichern. Erst dann kann auch er in die Schleuse kommen. So lange muss Parmitano aber dann auf jeden Fall warten, denn er kann seinen Kameraden nicht ausschließen.

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Um diesen Raumanzug der Zukunft wäre Luca Parmitano in seiner gefährlichen Situation wahrscheinlich froh gewesen. Bild: Beonit Concepts

Als er sich in Richtung der Luftschleuse bewegt, bemerkt er, dass die Menge an Wasser im Helm immer mehr zunimmt. Die Hörmuscheln der Kopfhörer sind vollgelaufen, und er kann kaum noch etwas hören. Durch sein Helmvisier ist so gut wie nichts mehr zu sehen. Dort hat sich eine Wasserschicht angelegt, die fast die ganze Scheibe bedeckt. Ihm fällt ein, dass er auf dem Rückweg entlang der Sicherungsleine an einer Antenne vorbei kommt. Die muss er in aufrechter Position passieren, um sie nicht zu beschädigen. Eine aufrechte Position ist an der Stelle schon deshalb notwendig, damit sich die Sicherungsleine wieder korrekt aufspult. Es wäre fatal, wenn die sich jetzt verheddern würde.

In dem Moment als er sich "aufrichtet" passieren zwei Dinge: Die Sonne geht unter, und seine Fähigkeit zu sehen, die durch das Wasser sowieso schon stark eingeschränkt ist, geht völlig verloren. Inzwischen hat das Wasser auch die Nase vollständig bedeckt. Die Sache wird noch verschlimmert, als er versucht, die Nase durch Kopfschütteln wieder frei zu bekommen. Der obere Teil des Helms ist jetzt komplett vollgelaufen. Parmitano muss befürchten, dass er schon beim nächsten Atemzug Wasser statt Luft einatmet. Durch das Kopfschütteln und weil er auch überhaupt nichts mehr sehen kann, hat er auch völlig die Orientierung verloren. Er weiß jetzt nicht mehr, in welcher Richtung es zur rettenden Luftschleuse geht. Er kann nur noch drei Zentimeter weit sehen. Bis zur Wasserschicht, die sich an seine Sichtscheibe geklebt hat. Er kann aber nicht mehr die Handgriffe an den Modulen erkennen, an denen entlang er sich zur Schleuse hangeln muss.

Parmitano versucht, die Flugkontrolle in Houston zu erreichen. Er kann sie reden hören, aber ihre Stimmen klingen weit entfernt. Sie ihrerseits können Parmitano gar nicht mehr verstehen. So ist er auf sich alleine gestellt. Verzweifelt überlegt er sich einen Plan. Er muss so schnell wie möglich die Schleuse erreichen. Er weiß zwar, dass irgendwann auch Chris Cassidy kommen wird, und ihn abholt. Aber er weiß nicht, wie viel Zeit ihm noch verbleibt, bis der Helm komplett voller Wasser ist. Da fallen ihm die Sicherheitsleinen ein. Der Aufspul-Mechanismus für die Sicherungsleine hat eine Spannung von 1,5 Kilogramm. Diese Spannung kann er spüren und sie zieht ihn nach links. Er muss also nur dieser Spannung bis zur Schleuse folgen. Er tastet nach den Griffen, versucht die Seilspannung zu fühlen und zwingt sich, nicht in Panik zu verfallen. Trotzdem muss er ständig dran denken, was passiert, wenn die Flüssigkeit seinen Mund erreicht. Nase und Ohren sind ja schon vollständig bedeckt. Die einzige Möglichkeit, die ihm dann noch bliebe, wäre dann, das Sicherheitsventil am Helm bei zu öffnen und Druck abzulassen. Das könnte etwas Wasser hinausbefördern. Aber nur so lange, bis es durch den Sublimationseffekt (also die Verdampfung, die im Vakuum direkt zu Eisbildung führt) zu gefrieren beginnt. Der Druck im Anzug würde dann auf ein lebensgefährliches Niveau sinken. Nein, das das kann nur die allerletzte verzweifelte Möglichkeit sein.

Er muss sich langsam bewegen, sonst verliert er das Gefühl für die schwache Seilspannung. Es scheint eine Ewigkeit zu dauern. Tatsächlich vergehen aber nur wenige Minuten. Endlich bemerkt er zu seiner großen Erleichterung - irgendwie durch seinen Wasservorhang hindurch – dass er die Thermalschutzabdeckung der Luftschleuse erreicht hat. Die letzte Anweisung, die er noch verstanden hatte, war sofort in die Luftschleuse zu kommen, und nicht auf Chris Cassidy zu warten. Entsprechend den Vorschriften müsste er eigentlich als zweiter in die Schleuse gehen, weil er als erster rausgegangen war. Aber jetzt ist es nicht die Zeit, Vorschriften zu befolgen.

Mit geschlossenen Augen gelingt es Parmitano in das Innere der Schleuse zu kommen. Dort muss er jetzt aber auf Chris Cassidys Rückkehr warten. Schließlich spürt er eine Bewegung hinter sich. Cassidy ist jetzt auch in der Luftschleuse und schließt sofort die Außenluke. In diesem Moment geht die Kommunikation von Houston an Karen Nyberg (spricht man: Karin Neiberg) über, eine Astronautin, die ebenfalls an Bord der ISS ist. Nyberg befindet sich hinter der noch geschlossenen Innenluke, denn es herrscht ja nach wie vor Vakuum in der Schleuse und man kann sie von der Seite der Raumstation her nicht betreten. Parmitano kann Karen Nyberg hören, aber sie hört ihn nicht, weil Parmitanos Mikrophon schon vollständig vom Wasser umschlossen ist. Er merkt es daran, weil sie ihre Instruktionen wiederholt, obwohl er schon drauf geantwortet hat. Er folgt den Anweisungen von Nyberg so gut es geht, aber in dem Moment, als der Druckaufbau in der Schleuse beginnt, geht der Audio-Kontakt komplett verloren. Parmitano hat jetzt Wasser in der Nase und in den Ohren und kann nur noch „fühlen“, solange er den Anzug nicht ausziehen kann.

Er bewegt sich jetzt so wenig wie möglich, um zu vermeiden, dass sich das Wasser im Helm bewegt und ihm möglicherweise doch noch in den Mund kommt. Dann könnte er nicht mehr atmen. Doch jetzt beginnt endlich die Luft in die Schleuse zu strömen. Parmitano weiß jetzt, dass er jetzt den Helm abnehmen könnte, wenn die Gefahr bestehen, dass er erstickt. Er würde dann zwar dann aufgrund des noch viel zu geringen Luftdrucks sofort das Bewusstsein verlieren, aber das wäre auf jeden Fall besser als zu ertrinken. Chris Cassidy drückt ihm die Hand, und Parmitano gibt ihm das o.k.-Zeichen. Sprechen können Sie noch nicht miteinander.

Die Minuten des Druckaufbaus vergehen. In Wirklichkeit dauert sowas nämlich viel länger als in den Science-Fiction-Filmen, wo das immer in Sekunden geht. Dann öffnet sich schließlich die innere Schleusentür, an der sich schon das ganze Team versammelt hat, um ihm zu helfen. Karen Nyberg entriegelt den Helm und hebt ihn vorsichtig über den Kopf. Fyodor Jurtschikin und Pawel Vinogradow reichen ihm sofort Handtücher. Parmitano kann sie zunächst noch nicht hören, denn Nase und Ohren sind noch voller Wasser. Aber nach ein paar Minuten ist er das wieder los. Eine der gefährlichsten Situationen in der Geschichte der Weltraum-Außenbordmanöver ist glücklich zu Ende gegangen.

Heute weiß man, was damals passiert ist. Bei Parmitanos Beinahe-Unglück hat eine verstopfte Pumpe im PLSS, also im Lebenserhaltungssystem des Anzugs dafür gesorgt, dass Wasser in den Luftkreislauf eindringen konnte. Diese Geschichte hätte Luca Parmitano das Leben kosten können. Wir sehen also, auch im Raumanzug ist ein Astronaut niemals völlig sicher. Man kann daran noch viel verbessern. Aber eines Tages werden die Astronauten wirklich in der Lage sein, wie die Helden in Star Trek mit fließenden Bewegungen in den Raumanzug zu schlüpfen, aus der Luftschleuse hinauszuspringen, und neuen Weltraum-Abenteuern entgegen zu schweben.

Tja, lieber Max, soweit für diesmal. Unsere kleine Brief-Serie über die Raumanzüge und die größte Gefahr für einen Astronauten, die darin besteht, zu ertrinken, endet an dieser Stelle.

Vielleicht schreibe ich schon bald mal eine zweite Serie. Und einen Titel dafür habe ich auch schon. Er lautet: "Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken - Teil 2". Beginnen würde diese Serie mit der Geschichte von Sojus 23. Dieses Raumschiff landete nämlich versehentlich während eines Schneesturms im Tengis-See in Kasachstan. Die beiden Kosmonauten an Bord wären dabei um ein Haar ertrunken.

Bis dahin alles Gute, Dein Onkel Eugen

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So schön und friedlich kann es auf der Internationalen Raumstation auch sein. Bild: NASA

 

11.May 2015 | 22:43

Yuris Night 2015 in Wien – eine Retrospektive

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Yuris Night in Wien Bild: Carola Riegler

Am 12. April 1961 fand der erste Raumflug in der Geschichte der Menschheit statt. An diesem Tag umrundete der sowjetische Kosmonaut Yuri Gagarin innerhalb von 90 Minuten einmal die Erde. Seine Tat läutete das Zeitalter der bemannten Raumfahrt ein. Seit einer Reihe von Jahren finden zur Erinnerung an dieses Ereignis weltweit unter dem Motto „Yuris Night“ Gedenkveranstaltungen statt, deren Aktionsrahmen sich, je nach Intention und Laune der Veranstalter, zwischen Party, Filmfestival, Space-up, öffentlichen Vorträgen und klassischer Konferenz bewegen. Sehr häufig ist es eine Mischung mehrerer derzeit gängiger Formen der Wissenschaftskommunikation. Heuer fiel der 12. April auf einen Sonntag, veranstaltungstechnisch ein eher undankbarer Termin.

Ausrichter der Yuris Night in Wien war – wie in den Vorjahren - die Astronomie- und Raumfahrtplattform „Der Orion“, deren Mitgründer ich bin. Die Veranstaltung wurde von meinen beiden geschätzten Mitstreiterinnen Maria Pflug-Hofmayr und Monika Fischer organisiert.

Viele Veranstalter stellen an besuchstechnisch ungünstig gelegenen Wochentagen den Aspekt „Party“ in den Vordergrund, um möglichst viele Besucher anzulocken. Das sollte aber nicht der Standard für die Veranstaltung in Wien sein, obwohl die „Yuris Night“ nicht nur den „Sonntagsnachteil“ hatte, sondern auch noch mit einem absoluten Großereignis konkurrieren musste: dem Wiener Stadtmarathon.

Was an diesem Tag in der Sternwarte der Wiener Urania den gut 150 Besuchern geboten wurde, zeigt der nachfolgende offizielle Bericht, wie er für Publikationen und Sponsoren erstellt wurde.

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Monika Fischer und Eugen Reichl (Astra)

Der anfänglich recht bewölkte Himmel machte die Sache spannend, denn die Wiener Ausgabe von Yuri‘s Night stand unter dem Motto: „Internationales Jahr des Lichts“, das die Vereinten Nationen in diesem Jahr begehen. Dieses „Licht“ sollte möglichst nicht nur von der Großstadt zu Füßen der Sternwarte kommen, sondern vor allem auch vom Universum darüber. So beschäftigte die Raumfahrt-Fans und die Sternenfreunde im Dachsaal der Wiener Urania die Frage, ob man wohl später am Abend mit dem großen Teleskop der Einrichtung Planeten und Sterne beobachten könnte. Zur Unterstützung des Urania-Teleskops hatte auch die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie Teleskope aufgebaut, um möglichst vielen Besucher einen Blick in den Himmel zu ermöglichen.

Die Veranstaltung begann um 18:00 Uhr. Da war es bis zum Sonnenuntergang, und damit bis zur Nagelprobe für diese Frage, noch eine ganze Weile hin. Gastgeberin der folgenden Stunden war Monika Fischer vom „Verein Förderkreis Astronomie und Raumfahrt - Der Orion‘“. Sie konnte die gut 150 Gäste zur bereits siebten Yuris Night in Wien begrüßen. Die „Yuris Night“ wird weltweit begangen. Insgesamt gab es an diesem Tag – verstreut über den ganzen Planeten – mehr als 150 Veranstaltungen im Gedenken an den historischen ersten Orbitalflug von Juri Gagarin am 12. April 1961.

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Maria Pflug-Hofmayr von "Der Orion'

Die offiziellen Begrüßungsworte sprach Dr. Günther Sidl, der Hausherr der Wiener Urania. Danach stimmte Maria Pflug-Hofmayr in einem Bilderstreifzug durch die Geschichte der Himmelsabbildung die Gäste auf den Abend ein. Quelle vieler dieser Bilder war der Bildblog „APOD“, das„ Astronomy Picture of the Day“, der seit zwei Jahrzehnten existiert. Dieses legendäre Internet-Sammelwerk bringt täglich ein spektakuläres Foto aus Raumfahrt oder Astronomie, begleitet von der Erläuterung eines Fachmannes. Pflug-Hofmayr, Mithgründerin der Astronomie- und Raumfahrtplattform www.der-orion.com, übersetzt diesen Erläuterungstext täglich vom Englischen ins Deutsche und veröffentlicht ihn zusammen mit dem jeweiligen Bild. Sie spannte dabei den Bogen von den frühen astronomischen Wandmalereien unserer steinzeitlichen Vorfahren, über die schon legendären Aufnahmen des Hubble Weltraum-Teleskopes, das in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert, bis hin zu den neuesten Bildern der derzeit im Sonnensystem aktiven Raumsonden.

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Dr. Carsten Wiedemann von der Universität Braunschweig (Bild: Carola Riegler)

Ein ganz anderes Bild des Weltalls – zumindest des sehr erdnahen Raumes - zeichnete anschließend Dr. Carsten Wiedemann vom Institut für Luft-und Raumfahrtsysteme der TU Braunschweig. Wiedemann beschäftigt sich mit Weltraummüll, etwas wissenschaftlicher auch als „Space Debris“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um ausgediente Satelliten, Raketenendstufen, Bruchstücke fester Treibstoffe, Farbpartikel und Trümmerteile, die in wachsender Zahl über unseren Köpfen kreisen und zunehmend ein Problem für die erdnahe Raumfahrt darstellen. Problematisch ist hier, dass sich diese unerwünschten Teile gerade auf den für wissenschaftliche und wirtschaftliche Zwecke beliebtesten Orbitalbahnen häufen. Die oft nur millimetergroßen Fragmente verfügen teilweise über eine enorme kinetische Energie, da sie potentiell mit Relativgeschwindigkeiten von 10 Kilometern pro Sekunde und mehr aufeinander prallen können und bei solchen Zusammenstößen neue Partikel freisetzen. Carsten Wiedemann berichtete auch von Plänen, diesen „Weltraummüll“ wieder aus der Erdumlaufbahn zu räumen, plädierte aber vor allem für die generelle Vermeidung von Space Debris. So sollen zukünftig alle Satelliten auf niedrigen Erdumlaufbahnen dafür ausgerüstet sein, zum Ende ihrer Einsatzlebens gezielt zum Absturz in die Erdatmosphäre gebracht werden zu können. Dann würden sie harmlos in der oberen Atmosphäre verglühen und keine dauerhafte Gefahr für andere Satelliten darstellen.

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Eugen Reichl im Gespräch mit Simonetta di Pippo (Bild: Carola Riegler)

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Simonetta di Pippo würzte ihre Ausführungen mit vielen Anekdoten (Bild: Carola Riegler)

Dass der Weltraum ein Ort der Kooperation und internationalen Zusammenarbeit ist, erörterte anschließend der Raumfahrtjournalist und Orion-Mitgründer Eugen Reichl in einem Podiumsgespräch mit Dr. Simonetta Di Pippo. Die ehemalige ESA-Chefin für bemannte Raumfahrt ist seit März letzten Jahres Direktorin des United Nations Office for Outer Space Affairs (UNOOSA). Bei der lebhaften Diskussion spannte sich der Themenbogen von ihren aktuellen Aufgaben bei der UN, über ihre Arbeit im Rahmen der Organisation „Women in Aerospace Europe“ bis hin zur privaten Raumfahrt, die sie sehr befürwortet, und in der sie eine große Chance für die Zukunft sieht. Di Pippo betonte dabei vor allem die Innovationsmöglichkeiten und die schnellen Entwicklungszyklen, die der privatwirtschaftliche Wettbewerb möglich macht. Auf die Frage von Eugen Reichl, ob sie denn bereit wäre, zum Mars zu fliegen, wenn sich die Chance ergäbe, zeigte sich die Astrophysikerin nicht abgeneigt. Sie räumte allerdings augenzwinkernd ein, dass sie als Fachfrau, die selber lange in der Entwicklung von Raumfahrzeugen beschäftigt war, vor allem die Flugsysteme zuvor einer sehr kritischen Kontrolle unterziehen würde.

Nach diesem angeregten und mit vielen amüsanten Anekdoten gewürzten Gespräch folgte eine kurze Pause für Erfrischungen. Eugen Reichl hatte seine neuesten Werke mitgebracht. Wer wollte konnte sich ein Buch kaufen, und es sich auch gleich signieren lassen. Gegen Ende der Pause war es zunächst nicht ganz einfach, die auf der Dachterrasse verstreuten Gäste wieder in den Dachsaal zu komplimentieren, denn draußen, hoch über der Donau, lockte inzwischen der erhoffte sternenklare Himmel und zusätzlich ein prachtvoller Blick über das nächtliche Wien.

Das nächste Thema war aber dann doch Anreiz genug, wieder in den Vortragsraum zurückzukehren. Dr. Konstanze Zwintz von der Universität Innsbruck machte nämlich die Sterne für die Weltraumfans hörbar. Sie berichtete anschaulich und mit verblüffend prägnanten Demonstrationen von ihren Forschungsarbeit, bei der sie durch die Untersuchung der Schwingungen der Sterne eine genaue Altersklassifizierung durchführen kann.

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Wien bei Nacht (Bild: Carola Riegler)

Wie jedes Jahr verlieh auch heuer gegen Ende der Veranstaltung das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) den Polarsternpreis des Jahres 2015. Geehrt wurde Dr. Christian Brünner von der Universität Graz für seine Verdienste um die Etablierung des Weltraumrechtes als eigenständiges juristisches Fach in Österreich und sein Engagement in der Nachwuchsförderung.

Zum Ausklang des gelungenen Abends waren die Besucher dann nicht mehr zu halten und „stürmten“ die Terrasse des Urania-Dachsaals, um mit den Teleskopen der Wiener Astronomischen Arbeitsgemeinschaft (WAA), vor allem aber mit dem Großen Teleskop der Urania-Sternwarte die Planeten Venus und Jupiter und andere bekannte Himmelsobjekte zu beobachten. Gegen 23:00 Uhr wurden dann die letzten Gäste hinauskomplimentiert, um das Personal der Wiener Volkshochschulen, das für Yuris Night eine Sonntags-Sonderschicht eingelegt hatte, in den wohlverdienten Feierabend zu entlassen.

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Wien bei Nacht vom Dach der Urania-Sternwarte unweit des Schwedenplatzes (Bild: Carola Riegler)

Nachdem der letzte Gast gegangen war, alles wieder an seinem ursprünglichen Platz stand und alle Lichter gelöscht waren, führten die drei Orioniden, Maria Pflug-Hofmayr, Monika Fischer und Eugen Reichl gegen Mitternacht noch eine Nachbesprechung an einer typischen Einrichtung der Wiener Großstadtkultur durch: am „Würschtelstand“. In diesem Fall am Stand des nahe gelegenen Schwedenplatzes. Bei Käsekrainern, Burenwurst, Bier und Limo wurden dann schon einmal die ersten Pläne für Yuris Night 2016 geschmiedet, denn auch im kommenden Jahr lädt der „Förderkreis Astronomie und Raumfahrt „Der Orion“ alle Raumfahrtfans und Sternenfreunde am 12. April 2016 wieder zu Yuris Night ein. Das Programm und der Veranstaltungsort werden rechtzeitig auf www.der-orion.com bekannt gegeben.

Das deutsche APOD kann über die Plattform-Seite http://www.der-orion.com angesteuert werden. Er hat aber auch eine eigene URL über die er – versuchen Sie es ruhig mal – als Startbildschirm eingestellt werden kann. Die Adresse lautet dann: http://www.starobserver.org/

Diesen Bericht mit anderen Bildern und dem Medienecho zur Veranstaltung finden Sie auch hier

04.Apr 2015 | 18:18

Die größte Gefahr für einen Astronauten besteht darin, zu ertrinken – Sechster Brief

und wer's noch nicht gelesen hat: hier sind Brief 1, Brief 2, Brief 3, Brief 4 und Brief 5Bloggewitter_Kinder_logo

 

Lieber Max,

Bild 1 - ISS EMU CR NASA

Die amerikanische Extravehicular Mobility Unit (kurz: EMU), wie sie auf der Raumstation verwendet wird (BIld: NASA)

na, was sag ich. Im Länderspiel gegen Georgien HAT Müller wieder ein Tor geschossen. Hoffentlich gelingt ihm das heute in der Bundesliga auch. Nachdem die Borussen im Aufwind sind und die Bayern vor zwei Wochen eins auf die Mütze bekommen haben, bin ich dieses Mal besonders gespannt. Das darf ich nicht verpassen. Deswegen gleich mal ran an den Speck und rein ins "Eingemachte".

Und damit sind wir auch schon beim Thema, denn wie letztes Mal versprochen, steht heute "Eingemachter Astronaut" auf dem Speiseplan. Wir haben uns ja bisher mit dem Beginn des "Raumanzug-Zeitalters" beschäftigt. Und ich hab Dir Geschichten aus dem Projekt Mercury und dem Projekt Gemini erzählt. Danach kam - bei den Amerikanern - das Projekt Apollo. Und da waren die wesentlichen Kinderkrankheiten der Raumanzüge überwunden. Sie waren "erwachsen" geworden. Das bedeutete aber nicht, dass sie auch einfacher wurden. Dabei ist so ein Raumanzug im Prinzip eigentlich etwas ganz schlichtes: ein aufgeblasener Ballon in Menschenform.

Allerdings wird dieser "Menschenballon" nicht auf den gewohnten Luftdruck aufgepumpt, wie wir ihn von der Erdoberfläche her kennen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Man kann bei einem niedrigerem Druck wesentlich einfacher halbwegs Dichtigkeit erreichen (dass ein Raumanzug NIE ganz dicht ist, erzähl ich Dir nächstes Mal). Vor allem kann sich der Astronaut dann auch in seinem Anzug noch bewegen.

Du kannst Dir das gut vorstellen, wenn Du wieder den Ballon als Beispiel nimmst. Wenn der knallvoll aufgepumpt ist, dann kann man den nicht knuddeln und biegen. Ist er aber nur halbvoll aufgeblasen, dann kann man ihn quetschen und formen wie es einem gefällt. Luftdruck können wir normalerweise übrigens nicht fühlen. Die Menschen haben kein Sinnesorgan dafür. Nur wenn sich der Druck sehr schnell ändert, bei einem Sturzflug etwa, dann knackst es in den Ohren oder es wird einem schwindlig.

Der amerikanische Raumanzug eines Astronauten, der auf der Raumstation arbeitet, ist die EMU (für "Extravehicular Mobility Unit" und das ist wirklich ein Mörder-Zungenbrecher, der spricht sich nämlich: Extra-Vehi-kjular Mobiliti Junit). Der arbeitet bei einem Druck von 0,35 Atmosphären. Das ist nur ein Drittel des Druckes von Kelheim an der Donau und entspricht fast dem Druck auf dem Gipfel des Mount Everest. Und wie wir jetzt ja wissen, kann man mit normaler Luft als normaler Mensch auf dem Mount Everest kaum noch atmen. Eigentlich atmen wir Menschen ja eine Stickstoff-Atmosphäre mit ein bisschen Sauerstoff drin. Tatsächlich sind es etwa 78 Prozent Stickstoff und 22 Prozent Sauerstoff. Beträgt der Luftdruck aber nur noch ein Drittel des normalen Drucks, dann würden wir viel zu wenig Sauerstoff abbekommen und bald ersticken. Da würde dann der Stickstoff in der Luft seinem Namen alle Ehre machen.

Damit die Atmerei bei einem so niedrigen Druck noch funktioniert - und natürlich auch damit der Raumanzug für den Astronauten ein wenig beweglicher wird - lässt man in einem Raumanzug den Stickstoff einfach komplett weg und atmet nur den Sauerstoff. Reinen Sauerstoff also. Dann bekommt man auch bei nur einem Drittel des normalen Luftdrucks noch genug davon ab. Leiderleider taucht da aber schon das nächste Problem auf. Und das ist nicht von Pappe. Das Problem heißt "Taucherkrankheit", was Dir bei einem Raumfahrer wahrscheinlich etwas komisch vorkommen dürfte. Die Luft, die man für die Raumstation herstellt, ist aber fast dieselbe wie in Kelheim an der Donau. Es fehlen nur die Spurengase und die Autoabgase. Und auch der Luftdruck ist derselbe wie bei Dir daheim. Wenn ein Astronaut also aussteigt, und dafür seinen Raumanzug anzieht, muss er für seinen Aufenthalt bei nur einem Drittel dieses Wertes vorbereitet werden. Sonst bekommt er ein ähnliches Problem wie ein Taucher, der sich lange in großer Tiefe und unter hohem Gasdruck aufgehalten hat, und der jetzt wieder an die Oberfläche will. Und das bedeutet: Wenn die Astronauten da nicht aufpassen wie die Schießhunde, dann bekommen sie im Weltraum die Taucherkrankheit.

Bild 2 - Michael Clifford Linda Godwin CR NASA

Die Astronauten Michael Clifford und Linda Godwin hier beim "Voratmen", um die Taucherkrankheit zu vermeiden (Bild: NASA)

Damit er (oder natürlich "sie", denn auch Frauen können natürlich Astronautin werden) muss er zunächst unter normalem Umgebungsdruck reinen Sauerstoff „voratmen“. Und zwar ein paar Stunden lang. Das dient dazu, den Stickstoff aus dem Blut zu entfernen, und damit Symptome der Taucherkrankheit (durch die Bildung von Stickstoffbläschen) zu verhindern. Diese Stickstoffbläschen könnten zu Embolien, Infarkten und Lähmungen führen, was gar nicht lustig ist. Erst dann kann sich der Astronaut auf seine EVA vorbereiten. EVA, das hatten wir ja schon, ist die NASA-übliche Abkürzung für "Extra Vehicular Acitvity", zu umschreiben mit "Einsatz außerhalb des Raumfahrzeugs". Und dann zieht er seine EMU an.

Die EMU besteht aus 13 Lagen unterschiedlicher Materialien. Von innen nach außen sind das: Nylon (spricht man "Nei-lonn") und Spandex für die Unterkleidung des Astronauten, mit Urethan beschichtetes Nylon, Dacron, mit Neopren beschichtetes Nylon, Mylar, Gortex, Kevlar (wie es für die kugelsicheren Westen verwendet wird) und als äußerste Schicht Nomex. Wenn all diese verschiedenen Schichten zusammengenäht sind, dann haben sie eine Gesamtdicke von etwa einem halben Zentimeter.

Bei den Raumfahrtprogrammen Mercury und Gemini war jeder Raumanzug eine Maßanfertigung für einen einzelnen Astronauten. Bei den EMUs ist das nicht so. Die sind modular aufgebaut, wie man das nennt. Das bedeutet, dass man sich aus einem Vorrat an Einzelteilen seinen persönlichen Raumanzug selber zusammenstellen kann. Sowohl für die nur 45 Kilo schwere und 155 Zentimeter große Astronautin, als auch für einen Riesenkerl von 1,95 Meter und 100 Kilo Gewicht.

Bild 3 - SAFER

Der Mini-Raketenrucksack SAFER. Dieses Teil schnallt man sich unten an das Primary Life-Support Subsystem (Bild: NASA)

Zusammen mit dem Versorgungssystem auf dem Rücken ist so ein Raumfahrzeug dann im Prinzip ein Kleinraumschiff, dem nur noch die Triebwerke fehlen. Doch auch dem kann abgeholfen werden. Wenn sich der Astronaut einen sogenannte SAFER-Kit umschnallt. (SAFER, das steht für "Simplified Aid for Extravehicular Activity Rescue und solltest Du das tatsächlich in voller Länge aussprechen wollen, dann heißt das "Simpli-feid Ä-id foor extra-fehi-kuhlaar äktifitie ress-kju) umschnallt. Das ist - etwas profan ausgedrückt - ein Raketenrucksack, mit dem sich der Astronaut dann tatsächlich frei im Weltraum bewegen kann.

Der "Ladenpreis" für eine Hamilton Standard (so heißt die Firma, die den herstellt) EMU beträgt derzeit ungefähr 25 Millionen Dollar. Ohne den SAFER. Dafür kriegt man - mal überlegen - etwa einen Supertanker voll Mao-am, oder einen Stapel Schokoladentafeln, der 250 Kilometer hoch in den Weltraum reicht. Der Schokoladenstapel für zwei komplette Raumanzüge reicht somit bis zur Umlaufbahn der Internationalen Raumstation. An Bord der ISS befinden sich übrigens genügend Einzelteile, um mindestens drei amerikanische Raumanzüge zusammenzusetzen. Und nur der Vollständigkeit halber: Es gibt auch noch drei russische EVA-Raumanzüge an Bord der Internationalen Raumstation. Bloß die funktionieren ein wenig anders und sind auch ein wenig anders aufgebaut.

Bild 4 - SAFER Mark Lee

Hier benutzt der Astronaut Mark Lee den SAFER (Bild: NASA)

Soderla. Jetzt muss sich die Astronautin oder der Astronaut dieses Ding anziehen. Das ist eine seeehr umständliche Prozedur. Nicht zu vergleichen mit dem, was man in den Star Wars-Filmen sieht. Wenn die die Helden einen Raumanzug brauchen, dann sind das immer diese federleichten, schicken, silbernen Dinger. In die werfen sich dann Luke Skywalker und seine Freunde während des Spurts zur Luftschleuse, um dann wenige Sekunden später entschlossen durch das zischend aufgesprungene Schott in den freien Raum zu springen, und mit dem Antriebsstrahl des Raketenrucksacks dem nächsten Abenteuer entgegen zu düsen.

Nichts könnte weiter von der Wirklichkeit der Gegenwart entfernt sein. Jeder Astronaut und jede Astronautin beginnt den Ausflug in den Weltraum pudelnackt, denn es gilt ein Ding zu installieren, das die NASA verschämt „Maximum Absorption Garment“ nennt (das spricht man fast wie man‘s schreibt, nämlich Maximum Absorptschn Garment). Kurz: MAG. Hört sich toll an. Ist aber nichts anderes als "Pampers" für Erwachsene. Die Notwendigkeit für so ein Ding liegt auf der Hand: Astronauten müssen manchmal über 10 Stunden im Raumanzug verbringen. Und dabei sollen sie möglichst viel trinken, denn die Arbeit ist körperlich extrem anstrengend. Also braucht man seine eigene Mini-Toilette mit.

Als nächstes kommt das „Liquid Cooling and Ventilation Garment“ (Li-quit kuuhling änd venti-läischn garment) dran, kurz LCVG. Auch hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich etwas vergleichsweise Einfaches, nämlich die Unterwäsche des Astronauten. Allerdings, so einfach wie die Hemden und Hosen von Peek und Cloppenburg sind die nicht. Das LCVG besteht aus einem Nylon-Hemd und einer langen Unterhose aus Spandex. In beide Kleidungsstücke sind Plastikröhrchen eingearbeitet. Die sorgen dafür, dass es dem Astronauten nicht zu warm wird. Zu kalt wird es ihm übrigens nie, auch wenn auf der Außenseite des Anzuges die Temperatur unter -100 Grad sinkt. Rein technisch gesehen ist so ein Astronaut nämlich nichts anderes als eine leistungsfähige Bio-Kraftwerk. Und die erzeugt erhebliche Abwärme, die man beseitigen muss.

Bild 5 - Unterwäsche

Eine Astronautin zieht sich hier das Liquid Cooling and Ventilation Garment an, die Unterwäsche der Astronauten (Bild: NASA)

Das Kühlwasser für das LCVG kommt in der vom Astronauten gewünschten Temperatur aus dem Geräterucksack. Ein Ausfall der Kühlung ist in kürzester Zeit lebensbedrohlich, denn dann würde der Astronaut innerhalb von Minuten einen Hitzschlag erleiden. Aus diesem Grund gibt es noch ein – allerdings erheblich weniger leistungsfähiges – Reservesystem, das mit kleinen Ventilatoren arbeitet und Luft umwälzt. Die Sache mit dem Kühlwasser hat schon ein paarmal echte Probleme gemacht. Solche Probleme, dass ein Astronaut schon beinahe einmal ertrunken wäre, als das Kühlsystem kaputt ging, und sich die fünf Liter Kühlwasser in seinem Raumanzug verteilten. Und schon haben wir die drei Hauptgefahren für den Astronauten mal wieder beisammen. Ertrinken, Taucherkrankheit und Hitzschlag.

Aber daran denkt unser Astronaut (oder unsere Astronautin) jetzt nicht, denn als nächstes gilt es das EEH-System anzulegen. Dies steht für EMU Electrical Harness und ist die Verdrahtung für alle Biosensoren und Kommunikationsverbindungen, die sich im Inneren des Anzugs befinden. Da haben die Astronauten eine ganze Weile mit dem Rumstöpseln zu tun.

Bild 6 - Snoopy Cap

Der Erfinder des Snoopy Cap ist...Snoopy (Bild: AST)

Danach kommt das „Communications Carrier Assembly“ (CCA). Das Wort kommt den Astronauten ein bisschen zu blöd vor, und deswegen nennen sie es „Snoopy-Cap“. Eine Art Mütze, die an ein Weltkrieg 1-Fliegerkäppi erinnert. Benannt haben sie es nach dem Hund "Snoopy" aus der Comic-Serie "Charlie Brown". Der träumt nämlich auf seiner Hundehütte immer davon, ein Fliegerheld des ersten Weltkriegs zu sein. Mit einem Weltkrieg 1-Fliegerkäppi auf. In diese Mütze ist die Radio-Ausrüstung eingebaut, mit dem sich der Astronaut mit seinen Kollegen in der Raumstation oder in Mission Control unterhält.

Bild 7 - Astronaut-AnnaFisher

Hier die Astronautin Anna Fisher mit dem Snoopy Cap (Bild: NASA)

Nun kann sich der Astronaut in das Lower Torso Assembly (kurz LTA, spricht sich "Louwer Torso Assem-blie) quetschen. Das ist quasi die untere Hälfte des Raumanzuges, in einem einzelnen Stück vom Hosenbund bis zu den Schuhen. Es gibt aber auch hier an einigen Stellen, zum Beispiel an den Knien, Gelenke in diesem Teil, die es dem Astronauten erleichtern, sich zu bewegen.

Jetzt ist es Zeit, sich dem Hard Upper Torso (HUT) zu widmen, einer Fiberglas-Hartschale in der Form einer Weste. Der HUT ist das Verbindungsstück zu einer Reihe weiterer Einheiten. Zu den Armteilen, zum Verbindungsring des LTA, zum Helm und vor allen Dingen zum Lebenserhaltungssystem. Die Verbindung des HUT zu all diesen Elementen geschieht mit Schnellverschlüssen.

Dann werden die „Arme“ angelegt. Die sind im Schulterbereich, am Ellenbogen und am Handgelenk beweglich, und es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, je nach der Körpergröße jeweiligen Astronauten.

Bild 8 - Lower Part

Die Lower Torso Assembly. Die untere Hälfte des EMU-Raumanzugs (Bild: NASA)

Nach den "Armen" sind die Handschuhe dran. Die Fingerspitzen der Handschuhe sind mit Gummi überzogen, damit der Astronaut einen besseren "Griff" hat. Im Inneren der Handschuhe trägt der Astronaut noch einen Innenhandschuh, um Scheuern und Stoßen der Fingerspitzen zu vermeiden. Dies war ein beständiges Problem der Apollo-Anzüge, und vielen der Astronauten gingen nach ihren Mondmission alle Fingernägel ab.

Nun wird der Helm aufgesetzt. Auch er hat einen Schnellverbindungsring, mit dem er am HUT befestigt wird. Der Helm selbst ist nicht drehbar. Vielmehr ist er so groß ausgelegt, dass der Astronaut den Kopf im Inneren hin und her drehen kann. Im Hinterkopfbereich ist der Helm innen gepolstert.

Damit nicht genug. Am Helm wird jetzt die so genannte "Extravehicular Visor Assembly" kurz EVA, aufgesetzt. Sie passt genau über den Helm, und rastet am Kragen ein. Die EVA besteht aus einem Goldmetall-Visier, einer schlagfesten Sichtscheibe, einem Satz Blenden, die ziemlich albern aussehen, ähnlich wie Scheuklappen für Pferde, um blendendes Sonnenlicht abzuschirmen, vier Lampen, sowie einer Fernsehkamera, die alle Tätigkeiten in den Shuttle, die ISS und zum Boden überträgt.

Dann befestigt der Astronaut seinen Trinkbeutel im Kragenbereich des Anzugs. Auch dies eine Erfahrung aus den Apollo-Tagen. Bei Apollo 15 war es bei den Astronauten Irwin und Scott zu Herzrhythmus-Störungen gekommen, weil sie bei der enormen körperlichen Anstrengung massiv Spurenelemente ausschieden, und nicht wieder zugeführt bekamen. Der EVA-Anzug der NASA enthält deswegen einen Behälter mit zwei Liter isotonischer Flüssigkeit, die der Astronaut mit einem Trinkhalm konsumieren kann.

Bild 9 - Handschuhe

Die Handschuhe des EMU (Bild: NASA)

Zusätzlich gibt es eine Halterung im Inneren des Helms, in dem Nahrungskonzentrate, meistens Fruchtriegel, befestigt werden. Die Astronauten können durch eine Drehung des Kopfes mit den Zähnen diese Riegel aufnehmen und verspeisen.

Nun kommen wir zum großen Rucksack, dem "Primary Life-Support Subsystem" (PLSS). Das ist das Lebenserhaltungssystem und die Kraftzentrale des "Miniraumschiffes Raumanzug". Es ist voll gestopft mit Dingen, die das Überleben im Weltraum erst möglich machen. Randvoll mit hochkomplizierter Technik. Hier nur einige der Dinge, die sich da drin befinden: Ein Sauerstofftank mit lediglich 0,5 Liter Inhalt, der aber unter einem Druck von 518 Atmosphären steht, Kohlendioxid-Filter, Geruchsfilter (!), 5 Liter Kühlwasser (hatten wir vorhin schon), Funkgeräte, Warnsysteme, Ventilatoren, eine komplexe Wasserrückgewinnungsanlage für die Kühlluft und vieles mehr. Die Energieversorgung geschieht über Batterien.

Bild 10 - Helm

Der Helm des EMU. Ein technisches Wunderwerk (Bild: NASA)

Sollte das PLSS aus irgendeinem einmal Grund ausfallen, ist unterhalb des PLSS das "Secondary Oxygen Pack" (Secondärie Oxidschehn Päck – kurz: SOP) installiert. Es besteht im wesentlichen aus zwei Sauerstofftanks, die insgesamt 1,2 kg Sauerstoff unter einem Druck von 408 Atmosphären beinhalten. Das reicht für 30 Minuten, und diese Zeit sollte genügen, damit der Astronaut wieder in das sichere Raumfahrzeug kommt. Das SOP aktiviert sich selbständig, wenn der Druck im Raumanzug auf unter 0,23 Atmosphären sinkt.

Schließlich gibt es noch zahlreiche Hilfsgeräte und Vorrichtungen. Da ist zum Beispiel das "Display and Control Module" (Dis-plä-i änd Kontrol-Mod-jul, kurz: DCM), sozusagen das "Armaturenbrett" des Raumanzugs. Es beinhaltet Knöpfe, Kippschalter, Hebel und einen kleinen Bildschirm, auf dem der Astronaut alle Funktionen seines Anzugs, vor allem des PLSS ablesen kann. Das DCM ist in Brusthöhe vor den Augen des Astronauten platziert.

Und dann gibt es die "Servicing and Cooling Umbilical" (Sörvising änd kuuling ambilikl), eine Art Versorgungsleitung, mit der sich der Astronaut, so lange er noch in der Luftschleuse des Raumschiffes ist, an die Bordsysteme anschließen kann. Sinn dieser Anlage ist es, nicht die wertvollen Ressourcen des Raumanzuges schon vor Beginn der Außenbord-Aktivität zu verbrauchen.

In der Praxis sind nicht weniger als 25 zeitraubende Prozeduren zu absolvieren, bevor eine EVA beginnen kann. Einfach wie Flash Gordon (so’n Held aus den alten Zukunftsfilmen) in den Anzug springen und aus dem Raumschiff zu hechten ist nicht drin.

Bild 11 - Schweb

Und wenn alles fertig ist, dann kann der Astronaut losschweben (Bild: NASA)

Lieber Max, das war echt stressig für Dich heute. So viele Raumanzug-Fachausdrücke. Nächstes Mal wird es leichter. Da gibt es den Abschluss dieser Briefe-Reihe und da wird nochmal alles geboten, was es an Raumfahrern, Raumanzügen und Riesengefahren im Weltraum so gibt. Ein Schreckensbild hab ich noch gar nicht beschrieben. Eines, das man sich gar nicht ausmalen will. In einem Raumanzug kann nämlich noch etwas passieren, das nichts mit Ertrinken, Überhitzen, Taucherkrankheit oder einem Meteoritentreffer zu tun hat. In so einem Raumanzug sind viele elektrische Motoren, elektrische Leitungen, Stecker, Schalter und Relais.  Dazu eine Atmosphäre aus reinem Sauerstoff. Die Superkatastrophe wäre aber ein Brand im Raumanzug, ausgelöst durch einen Kurzschluss.

Den abschließenden Brief sende ich Dir erst in zwei Wochen. Nächstes Wochenende bin ich in Wien, bei Yuris Night (Jurihs Neit) und treffe da eine sehr interessante Weltraum-Frau. Simonetta di Pippo. Informationen zu dieser Veranstaltung findest Du HIER.

So, aber jetzt endgültig zum Fußball. Mal schauen, wie es den Bayern in Dortmund geht. Hoffentlich versemmeln sie das nicht...

Bis in zwei Wochen dann, Dein Onkel Eugen

06.Feb 2016 | 00:00

Allgemeines Live-Blog ab dem 6. Februar 2016


7. Februar

Nordkoreas ist erneut ein Satelliten-Start gelungen, wie die amerikanische Weltraum-Überwachung bestätigt – der mutmaßliche Erdbeobachter Kwangmyongsong-4 wurde vermutlich mit einer Unha-3 (mehr) auf eine sonnensynchrone 465×502-km-Bahn mit 97.5° Neigung gebracht, nachdem das Startfenster einen Tag vorverlegt worden war: detaillierte Analysen hier und hier, die offiziellen Statements, Updates hier und hier und ein paar Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [13:25 MEZ]


6. Februar

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Heute Morgen: eine Herausforderung für Astrofotografen

vor allem in nördlichen Breiten – kann es hier gelingen, den Merkur bei seiner sehr flachen Morgensichtbarkeit zusammen mit der Mondsichel einzufangen? Etwas einfacher wäre das weiter südlicher wie in den USA (wo auch der Mond noch weiter nach Osten gewandert sein wird). Und das die Situation in Neuseeland heute Morgen: Die anderen drei klassischen Planeten stehen weit weg, so dass von der allseits beschworenen “Aufreihung” keine Rede sein kann. Auch der immer weiter zerfallende Komet Ikeya-Murakami am 5. Februar mit den neuen Fragmenten D und E, am 4. Februar (mehr, mehr und mehr), 3. Februar und 1. Februar mit Fragment D und an mehreren Tagen, Komet Catalina am 5. Februar und am 3. Februar (mehr), ein 30-m-NEO mit unsicherer Bahn im Anflug im März aber ohne Impakt-Chance dieses Mal, wie ein quasi blinder Amateur-Astronom dank ungewöhnlicher Augen-OP mehr als mancher andere im Fernrohr sieht, Fortschritte beim E-ELT in Sachen Vergabe des Haupt-Vertrages, die AURA als neuer Manager von Gemini – und wie sich mit dem Magellan-Teleskop arbeitet. [0:20 MEZ] Das Morgen-Trio aus den USA (mehr), Brasilien, Italien (mehr), Österreich, Slowenien und Australien – und die diversen Ikeya-Murakami-Fragmente am 6. Februar, 5. Februar (mehr) und 4. Februar (mehr). [13:35 MEZ] Weitere Trios aus den USA (mehr und hier), Puerto Rico, Rumänien, Griechenland und Hongkong – und eine tolle Catalina-Schweif-Animation vom Januar. [23:55 MEZ. NACHTRÄGE: das Trio aus Australien am 6. und 7. und aus den USA und Mexiko am 6. Februar]

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Apollo-14-Astronaut Edgar Mitchell mit 85 gestorben – gestern und damit einen Tag vor dem 45. Jahrestag seiner Landung: weitere Nachrufe hier, hier und hier. Auch der Atlas-Start eines GPS-Satelliten: ein Foto und Artikel hier, hier und hier. [0:05 MEZ. NACHTRÄGE: mehr Mitchell-Nachrufe hier (seine ‘andere’ Seite), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Gerüchte über Gravitationswellen-Nachweis nun konkreter

Bisher waren es nur vage Andeutungen gewesen (siehe z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier), aber in den letzten Stunden sind die Gerüchte über den direkten Nachweis von Gravitationswellen durch die AdvancedLIGO-Detektoren erheblich konkreter geworden: Demnach wurde von zwei Detektoren ein enorm starkes Signal des Verschmelzens zweier Schwarzer Löcher mit 36 und 29 Sonnenmassen zu einem dickeren mit 62 Sonnenmassen beobachtet, und sein zeitlicher Verlauf entspricht theoretischen Vorhersagen. Auch traf es bei beiden Detektoren mit einer Zeitdifferenz ein, die einer Ausbreitung mit Lichtgeschwindigkeit entspricht. Ob das alles stimmt (es könnte sich ja immer noch um ein falsches Signal handeln, das zu Testzwecken zuweilen eingespeist und erst kurz vor der Veröffentlichung enthüllt wird), wird man wohl am 11. Februar erfahren – 100 Jahre ist die Allgemeine Relativitätstheorie gerade alt geworden, da halten wir das auch noch aus … [0:00 MEZ. NACHTRAG: … oder auch nicht: eine detaillierte Diskussion der jetzt behaupteten Zahlen, mehr Verwirrung und Grundlegendes]


04.Feb 2016 | 23:55

Heute vor 50 Jahren: der geklaute Sowjet-Mond

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Am 4. Februar 1966 übertrug der sowjetische Mond-Lander Luna 9 die ersten Bilder direkt von der Mondoberfläche – aber die Veröffentlichung durch die Sowjets selbst war nicht die schnellste. Und so kam es, dass der auch vom Radioteleskop in Jodrell Bank mitgeschnittene Datenstrom zuerst im UK in Bilder umgesetzt und sofort präsentiert wurde: Die Radioastronomen hatten erkannt, dass die Datencodierung das presseübliche Fotofax-System benutzte und sich mit Hilfe von Journalisten die entsprechenden Drucker besorgt. Die Bilder u.a. von Luna 9 in korrekter Darstellung gibt es hier und hier weitere Infos über das Luna-Programm.

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Mal wieder ein Selfie von Curiosity aus diesmal 57 Bildern der MAHLI-Kamera auf dem Arm vom 19. Januar: Die Untersuchung der Dünen dauert immer noch an (Artikel hier und hier) – auch Opportunity 12 Jahre(!) auf dem Mars unterwegs (Bilder und ein Artikel [NACHTRAG: und was letztens geschah]), vom Mars Express keine neuen Phobos-Bilder aber vom Mars mit der HRSC von ferne und aus der Nähe (mehr und mehr), eine französische Rolle in Indiens Marsprogramm, Ideen zur Navigation auf dem Planeten, Mars-Parallelen auf der ISS und in der Antarktis, die Problematik einer Landung von Menschen und wachsende Zweifel, dass die NASA überhaupt auf dem Weg dahin ist.

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Drei kleine Körper aus der Nähe: Komet C-G mit OSIRIS am 30. Januar aus 62 km Höhe, Ceres am 1. Januar aus 368 km Höhe und Plutos Sputnik Planum aus 16’000 km Abstand, 12 Minuten vor New Horizons’ größter Annäherung am 14. Juli 2015 – hier “schwimmen” im Stickstoffeis Berge aus weniger dichtem Wassereis. Auch die schwierige Massen-Bestimmung der Saturn-Ringe (mehr, mehr und mehr), eine Bahnkorrektur von Juno – und anhaltende Konfusion bei der Europa-Mission der NASA.

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Der Hauptspiegel des JWST ist komplett, aber die golden glänzenden 18 Segmente sind unter staubdichten Deckeln verborgen – auch das Ende der Kälte-Tests der Instrumente für das große Weltraum-Teleskop, wie Gaia nach ‘Geschwistern’ der Sonne sucht, Synergien der kommenden Teleskope LSST, Euclid & WFIRST, erste Action auf dem LISA Pathfinder und die 2. ISS-EVA des Jahres. Und was man bereits wissen kann über den bevorstehenden nächsten nordkoreanischen Satelliten-Start-Versuch.


27.Jan 2016 | 00:00

Allgemeines Live-Blog vom 27. 1. bis 2. 2. 2016


2. Februar

ariane

Der 70. erfolgreiche Start einer Ariane 5 in Folge, mit einem Nachrichtensatelliten: Arianespace und ESA Releases, ein Video, mehr Bilder und Artikel hier, hier, hier und hier. Auch Fortschritte bei der Ariane 6 (Artikel hier und hier), der Proton-Start eines Satelliten mit Laser-Nutzlast zur High-Speed-Kommunikation zwischen Satelliten (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und hier), die ersten Startvorbereitungen im neuen Kosmodrom in Sibirien, ein Auftritt von Gerst in Neuseeland, welche Mini-Satelliten das erste SLS mitnehmen wird (ein Fact Sheet, ein Video, eine Infografik, und Passagiere freuen sich hier und hier), wie auch die erste Orion-Kapsel Form angenommen hat und am Cape eingetroffen ist – und Fotos vom Reentry einer chinesischen Rakete über Hawaii. [18:50 MEZ] Ein Artikel zu den SLS-Passagieren. [23:35 MEZ. NACHTRÄGE: weitere hier und hier sowie weitere Press Releases hier und hier] Und die Ankunft der Orion am KSC. [23:55 MEZ – Ende]

Die Zwerggalaxie IC 1613 auf einer Aufnahme des Very Large Telescope; sie fällt durch besonders wenig Staub auf. Auch neuer Ärger in Brasilien um den ESO-Beitritt, die ersten Daten der Dark Energy Survey, ein neues Eich-Tool für Exoplaneten-Suche, ein angeblicher Ausbruch von Delta Sco, der offenbar nicht echt ist, wie das Magnetfeld der Sonne erforscht wird und Gewitter auf der Erde beeinflussen könnte, irdischer Wind im Weltraum, massig Perlmutt-Wolken über den Britischen Inseln dieser Tage – und El Nino wohl nahe dem Maximum der Ausprägung. [18:30 MEZ. NACHTRAG: Perlmutt auch über Deutschland]

Pluto_H2O_Ice_Composite

Wassereis ist auf der Oberfläche Plutos weit verbreitet, zeigen Daten von New Horizons‘ Ralph/Linear Etalon Imaging Spectral Array – auch ein Paper über Sputnik Planums Alter unter 10 Mio. Jahren, Plutos Atmosphäre im Gegenlicht im Infraroten und noch mehr NewHo-Stories hier, hier und hier sowie eine neue Bahn für Cassini und Erkenntnisse über die Ionosphäre Titans, ein möglicher separater Start des Europa-Orbiters & -Landers, was man mit den Chang’e-3-Bildern vom Mond in neuer Qualität anfangen kann (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), die Geschichte des Mare Frigoris – und Indiens erster Sonnen-Satellit nun für 2019 geplant. [18:20 MEZ. NACHTRÄGE: ein weiteres Chang’e-3-Panorama und weitere Artikel hier und hier]

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Bei Ikeya-Murakami tut sich was: Primärfragment heller

Die östlichste Komponente (und vermutlich das primäre Fragment; linker Pfeil) des zerbrochenen periodischen Kometen P/2010 V1 ist plötzlich hell geworden, wie dieses Bild vom 31. Januar mit einem LCOGT-2-m-Teleskop und weitere Aufnahmen vom 1. Februar, 31. Januar und 29. Januar zeigen: Ein neuer Ausbruch und bald noch mehr Trümmer, derer letztens ein Hubble-Bild schon etwa 20 zeigte? Nach einer Analyse von Z. Sekanina (CBET 4250 von heute) erleidet der Komet bereits seit Ende 2012 – zwei Jahre nach seinem Helligkeitsausbruch – eine kaskadierende Fragmentation, nichts Ungewöhnliches übrigens: Damals trennten sich das Primärfragment C (linker Pfeil) und Fragment A (rechter). Die Trümmerwolke bei C (mittlerer Pfeil) ist jüngeren Ursprungs, hier ist aber noch vieles unklar. Auch Catalina am 1. Februar, 31. Januar, 29. Januar (mehr und mehr) und 28. Januar (mehr und mehr), die Entdeckung von Hyakutake vor 20 Jahren, ein sehr später Perseiden-2015-Bericht, eine Feuerkugel mit möglichen Meteoriten über den Ost-USA, die neue NEO-Seite des JPL, der Abschlussbericht über Jupiter 2014/15 und Jupiter heute – und Sedna von deutschen Amateuren aufgenommen! [16:30 MEZ. NACHTRAG: ein 20 Jahre altes IAUC mit großen Erwartungen an Hyakutake – die erfüllt wurden]

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Kleine Körper ganz groß: Ausschnitte aus drei OSIRIS-Aufnahmen von Komet C-G von Ende Januar, dessen gespaltener Schweif (alle Komponenten aus Staubteilchen) von der Erde am 19. Januar mit dem 2.5-m-Isaac Newton Telescope und einem Rotfilter, und Ceres aus dem LAMO mit dem Nordrand des Kraters Toharu. Auch ein prozessiertes OSIRIS-Bild und NavCam-Bilder, der Abschied von Philae, das neueste Dawn Journal, ein buntes Überflugs-Video (das hier, hier und hier angepriesen wird) – und weitere Fortschritte bei der ARM. [0:00 MEZ]


29. Januar

jw-cam

Das. 18 Spiegel-Segment des JWST wird gerade installiert

Auf dem Webcam-Bild gegen 21:00 MEZ sieht man die letzte Komponente des Hauptspiegels am Robotarm über ihrem Platz – auch sonst scheint der Bau des Weltraumteleskops gut im Zeitplan für den Start 2018 zu sein. Auch die aktivierten Photometric Science Alerts von und Beobachtungen an Kugelsternhaufen durch Gaia, ein viel beachteter Wiedereintrit über Bolivien am 15. Januar (Korrektur und viele Videos), eine kuriose Anomalie des GPS-Systems ohne viele Folgen, eine geplante 900-Satelliten-Konstellation für “OneWeb”, der bevorstehende Start eines Satelliten mit einem EDRS-System, die Vibrationen der ISS – und ein Porträt der DLR-Chefin. [22:55 MEZ. NACHTRAG: ein langer Artikel zum JWST-Status]


28. Januar

51l.lpg

Es war heute – um 17:39 MEZ – vor 30 Jahren … Auszüge aus dem Untersuchungs-Bericht, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Erinnerungen hier und hier und Videos ganz verschiedener Länge hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:35 MEZ. NACHTRÄGE: und ein Radio-Beitrag und weitere Artikel hier und hier]


27. Januar

So sieht ein echter Transit der ISS vor dem Saturn aus!

Aufgenommen von einem ungarisch-britischen Amateur auf Gran Canaria – ein perfekt getimeter Kontrapunkt zum falschen Transit eines deutschen Amateurs, der inzwischen z.B. hier, hier und hier ein umfassendes Geständnis ablegt hat: Ihm waren überhaupt keine Bilder gelungen – und da hatte er aus älterem Material verschiedener Daten etwas Spektakuläres zusammengebastelt. Und dann als echt ausgegeben, was ihm gar ein APOD einbrachte (inzwischen ersetzt, ein extrem seltener Vorgang). Vor allem dieses Aufsehen hatte viele schärfer hinsehen und Fehler finden lassen, z.B. hier und hier – und natürlich gibt es längst auch schon Meta-Diskussionen wie hier, hier und hier über die Grenzen der Bild-Schönrechnung. Auch Jupiter am 23.1., die Physik der Uranus-Hochatmosphäre, die Freisetzung 100’000-er alter Kometenbeobachtungen und Übernahme des ICQ-Archivs in COBS, wie ein NEOWISE-Komet entdeckt wurde, Catalina am 22.1., 21.1. (mehr), 19.1., 16.1. und 11.1., I-M am 19.1., wie helle Boliden Radioastrahlung produzieren, eine US-Tages-Feuerkugel am 24.1., ein aktuelles Aurora-Video einer Hurtigruten-Rundtour, der DeCALS-Viewer, das MOIRCS-Instrument, der DR8 de SDSS – und mal wieder das global wärmste Jahr seit Messbeginn (mehr und mehr) 2015. [0:00 MEZ] Und da druckt heute die FAZ den Fake-Transit riesengroß … besser bei diesem Blogger informieren – und noch mehr Nachdenken in der Amateurastronomie. [17:55 MEZ] Und noch ein Artikel. [20:35 MESZ]


24.Jan 2016 | 22:39

“New Shepard” zum 2. Mal im All und zurück

launch

landing

Dieselbe “New-Shepard”-Rakete, die im November knapp suborbital in den Weltraum flog und dann – wie auch die Kapsel, die sie trug – sanft landete, ist am 22. Januar erneut bis jenseits von 100 km geflogen und wieder heil gelandet: ein Artikel dieses Bloggers, ein Blue Origin Press Release und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

issstorm

Der Schneesturm über den USA von der ISS aus aufgenommen – auch der ESA-Beitrag zum Dream Chaser, der bald zur ISS fliegen darf, eine im Orbit zerbrochene Russenrakete und generelle Sicherheitsfragen zu Raumschrott.

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Ein OSIRIS-Bild vom 17. Januar – auch der Status von und ein Insider-Buch über den Marsrover Curiosity, der 30. Jahrestag des Uranus-Flybys von Voyager 2 heute (der erste und auch noch lange der letzte) und die Ankunft des LISA Pathfinder am L1-Ziel und seine Düsen im Test.


17.Jan 2016 | 00:30

Allgemeines Live-Blog von 17. – 21. Januar 2016


21. Januar

Der Sternhaufen Trumpler 14, leicht ins Rote geschoben

Denn auf dieser Hubble-Aufnahme mit der ACS wurden zwar den Farben Blau, Grün und Rot die entsprechenden Filter-Bilder zugeordnet, zusätzlich aber noch nahinfrarotes 850 nm in Violett addiert, so dass der Nebel um einen der jüngsten, reichsten und sternbildungsfreudigsten offenen Sternhaufen im Carina-Nebel bestens zum Leuchten kommt. Auch eine Gaia-Beobachtung von Charon neben Pluto, neue Bilder von Enceladus, C-G und Mimas, Chinas nächste Mars-Mission mit Anspruch, Kameratests in der Antarktis und eine denkbare Verschiebung des Starts von ExoMars 2018, ein irdischer Dämpfer für Mars-Lebens-Optimismus, wie die van Allen Probes die Strahlungsgürtel neu vermessen, ein weiterer PSLV-Start (mehr Bilder) mit dem 5. Navigationssatelliten, ein neuer ESOC-Direktor – und eine ‘erste Blüte’ auf der ISS, die keine war (unten): ein weiterer Vorgänger, erste korrigierte Artikel hier und hier, eine NASA-Story mit mehr Kontext und schließlich alle LEO-Blüten zusammen. [23:50 MEZ – Ende]


20. Januar

Woher die Vermutung eines fetten “neunten Planeten” gekommen ist: ein Artikel dieses Bloggers, noch mehr Visuals, das Original-Paper, ein Caltech Release, ein Blog-Posting eines der Autoren, ein AAS Nova, andere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und ein echter Planet wäre es jedenfalls nach der vorgeschlagenen quantitativen Definition. [19:10 MEZ] Mehr Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [20:30 MEZ] Wie man den Planeten finden könnte und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MEZ. NACHTRÄGE: ein Statement des NASA-Planetenchefs, ein NASA-Statement, genauere Zahlen zum Planeten-Kriterium, ein kurzer und längerer TV-Bericht, ein Radio-Feature und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]


19. Januar

gmt

So sieht der vierte (Teil-)Spiegel für das 24.5-m-GMT aus

Vier Monate nach seinem Guss und langsamen Kühlen wurde erstmals der Ofen-Deckel gelüftet. Auch ein Ballon-Start zur Sonnenbeobachtung (GRIPS), die Übernahme des World Wide Telescope durch die AAS und was Astronomen davon haben, die anhaltende Hoffnung der IAU, dass jemand die kuriosen Exoplaneten-Namen benutzen wird, ein Theaterstück über Vera Rubin in einem Planetarium und das Pale Red Dot-Projekt, bei dem Exoplanetenjägern live zugeschaut werden kann (mehr und mehr). Und dann werden da noch allerorten ab exakt morgen früh Fünf Planeten Gleichzeitig!!! angepriesen (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), indes: Der Merkur hat morgen +2 mag. und steht bei Sonnenaufgang(!) in Deutschland noch keine 7° hoch. Bis Monatsende steigt die Helligkeit zwar auf 0 mag., aber mehr als 4° (was i.d.R. starke Extinktion bedeutet) bei Beginn der bürgerlichen Dämmerung, wenn der Himmel auch schon ziemlich hell ist, und 8° bei Sonnenaufgang sind nicht drin. Die Venus geht ja noch (-4 mag. und ~9° bei Beginn der Bürgerlichen), Saturn und Mars bleiben dagegen Suchbilder zwischen den Sternen, und erst Jupiter fällt dann tatsächlich auf, wobei der Bogen Merkur – Jupiter auch noch einen Großteil des Himmels überspannt: Das soll eine Sehenswürdigkeit sein? [23:45 MEZ]

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Der Zerfall des Kometen Ikeya-Murakami ist weiter gegangen – zu diesem 2-Meter-Bild des interessanten Objekts (“Fragment erneut zerbrochen …”) von gestern schreibt der Beobachter Man-To Hui: “The middle component seems to be comprised of several parts. The eastmost component seems to be travelling the slowest. By this token, it is possibly the primary of the comet, which is supported by my simulation code.” Auch PANSTARRS heute, Catalina – das mondfreie Morgen-Fenster schließt sich schnell – heute (mehr und mehr), gestern (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), vorgestern (mit M 101; mehr, mehr, mehr, hier, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), am 16. Januar (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und 15. Januar (mehr, mehr und mehr) und ein schöner persistent train eines Tauriden. [23:35 MEZ. NACHTRÄGE: Ikeya-Murakami heute und gestern und Catalina heute hier und hier und gestern hier und hier – und ein Spektrum im Vergleich mit Lovejoy]


17. Januar

Falcon bereit an Westküste – Landung auf Boot geplant

Mit dem Meereshöhen-Satelliten Jason 3 an Bord wartet diese Falcon 9 auf ihren Start heute um 19:42 MEZ in einem 30-Sekunden-Fenster, wobei die Wetteraussichten perfekt sind: Diesmal soll die 1. Stufe wieder auf einem Boot landen; auch ein Video zum Satelliten und weitere Artikel hier, hier und hier. Derweil wurde die gelandete Stufe erneut am Boden gezündet, ein Triebwerk machte dabei Probleme. Auch eine ISS-EVA vorgestern, die wegen Wasser in einem Helm abgebrochen wurde (Artikel hier, hier, hier und hier), ein kleines Video von UrTheCast auf der ISS, eine Budget-Erhöhung der ESA (auch eine Pressekonferenz und ein Interview mit dem Chef), mehr letzte Bilder von Cassini, 10 Jahre Rückkehr von Stardust – und Ende einer alten ESA-Bodenstation in Australien. [0:30 MEZ] So weit keine Probleme für Satellit, Rakete oder Landeschiff. [18:30 MEZ] Eine Live-Übertragung bereits hier: Gerade wurde mitgeteilt, dass es weiterhin keinerlei Wetterbedenken gibt für den Start in weniger als einer Stunde. [18:45 MEZ] Alles reichlich nebulös, aber kein Problem. [19:00 MEZ] Und der alternative Webcast von SpaceX hat begonnen. [19:20 MEZ] Alles ist go – und es gibt Live-Video vom Landeboot “Just Read the Instructions”! [19:30 MEZ]

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Erfolgreicher – nebulöser – Start der Falcon (mehr Webcast-Bilder) – und der Return-Burn der 1. Stufe hat gerade stattgefunden. [19:50 MEZ] Leider ist die Satelliten-Verbindung zum (menschenleeren) Boot abgerissen, was mit der rauhen See zu tun haben könnte – der SpaceX-Webcast ist erst einmal unterbrochen, während sich Jason 3 und die zweite Stufe bereits auf der korrekten Parkbahn befinden. [19:55 MEZ] Weiter keine Informationen über den Ausgang des Landeversuchs – aber ein ungewöhnliches Video des Starts aus sehr großer Distanz. [20:05 MEZ] Die Landung war hart, und ein Bein knickte ein. Noch keine Bilder. [20:10 MEZ] Was bisher geschah. [20:20 MEZ] Nach der kurzen zweiten Zündung der 2. Stufe wurde Jason 3 auf der korrekten Bahn ausgesetzt. [20:40 MEZ] Der Moment der Freisetzung aus dem NASA-Webcast – was bisher geschah. [20:45 MEZ] Die 1. Stufe kam mit der richtigen Geschwindigkeit herein, aber eins der Beine rastete nicht ein, und die Stufe kippte um – das war das Hauptproblem, nicht die unruhige Plattform. [21:20 MEZ] Die Sonnensegel sind draußen, die Mission von Jason 3 kann beginnen! [21:25 MEZ] Das Launch-Video der NASA (die keine Kameras so nah an der nebligen Rampe hatte wie SpaceX) und weitere Artikel hier und hier. [21:35 MEZ] Ein NASA Release, die ersten Bahnelemente, ein EUMETSAT-Interview und weitere Artikel hier und hier. [22:00 MEZ]

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Das kam diesmal zurück: schon deutlich besser erhalten als bei früheren Bruchlandungen auf den Drohnen-Booten. Die Schiffe sind für Landungen nach sehr schnellen Starts notwendig, denn dann kann man die Stufe nicht zurück zum Ausgangspunkt bringen: Die Schiffs-Option erweitert deutlich den Bereich der Möglichkeiten. [23:45 MEZ. NACHTRÄGE: ein Standbild der Stufe kurz vor der Landung, ein Video vom Aufsetzen und Umfallen [alt.], die Ankunft der Überreste der 1. Stufe und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]


Hintergrundbilder (c) OEWF